Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 3 (10.1.1884)
- Date
- 1884-01-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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34 Diese müssen kämpfen und ringen, leiden und dulden, wie er gekämpft und gerungen, gelitten und geduldet hat, bis einst Gott die vollkommene Erlösung hcrbeiführt und durch Sein anserwähltcs Volk die ganze Menschheit beglückt. Jisra<"l hingegen, der Sieger über die irdischen Feinde nnd über den Engel, der hernicdcrgesticgen, um ihn zu bekämpfen, hat sich emporgeschwungen zu den himmlischen Höhen, um am Throne Gottes zu weilen. Daher heißt es: an?' tp, „und es lebte Jakob." npy \tv „und cs waren die Tage Jakobs," aber i2ipi „nnd cs naheten die Tage I i s r a 6 l s zum Sterben." Unser Vater Jakob lebt, lebt fort in uns immerdar; zur Höhe I i s ra f*l s müssen wir uns erst emporringen. „lind Du, fürchte Dich Mt. mein Knecht Jakob, spricht der Ewige, nnd ängstige Dich nicht Israel; denn siehe. Ich bin Dein Helfer aus der Ferne und der Helfer Deiner Nachkommen ans dem Lande ihrer Gcsangcnschast, und es wird zurückkehren Jakob in Ruhe nnd Sicherheit lttib Niema.id wird ihn bcnnruhigen; denn mit Dir bin Ich, spricht der Ewige, stets hcreit zu Deiner Hilfe." Ariefe ans Ungarn. i. Preß bürg, in Tebeth. Wo immer das orthodoxe Jndenthnm angegriffen wird, wo immer seine Bestrebungen verkannt, sein Verhalten verdächtigt, seine Institutionen vcrlänmdet nnd seine Ginrichtungen verspottet werden, ist cs in erster Reihe der „Israelit", der mit mnthiger Entschlossenheit den Kampf für dasselbe ausiiinimt: die Angriffe abwehrt, die Verdächtigungen zurückwcist nnd die Anschuldigungen nnd Verläunidungen auf ihren wahren Werth oder vielmehr Unwerth zurückführt. Dennoch würde derselbe nur schlecht seinem erhabenen Berufe, ein Freund nnd Ralhgeber den in alle Welt zerstreuten orthodoxen Gcsilinungsbrüdern zu sein, entsprechen, wenn seine Thätigkeit blos darin bestände, Angriffe und Anklagen der Gegner des gesctzcstrcnen Jndenthnms einfach abznweiscn, nnd er nie den Ursachen nachspürte, die den Anklagen zur Folie dienen; vielmehr ist cs sein erstes und vornehmliches Bemühen der Endursache derBerläumdungen und Verlästerungen unserer niodernen Feinde auf den Grund zu kommen, nnd da. wo er eine solche gefunden, die den Gegnern, wenn auch nur mit scheinbarer Berechtigung, Waffen gegen die Orthodoxie in die Hand gibt, mit mnthiger Entschlossenheit auf Beseiligung derselben zu dringen. Von diesen Gesichtspunkten geleitet hat der „Israelit" in einer seiner letzten Nummern die neuesten Angriffe der Neologen gegen die Anhänger des traditionellen Jndenthnms in Ungarn einer gleich ernsten wie eingehenden Besprechung unterzogen. Mit mnthiger Entschiedenheit hat er die Verdächtigung zmückgewicsen, die sich, zu der Behauptung verstcigt, das Talnmdstndinm befördere den Obscu rantismns, indem er nachwies, wie gerade dieses umfangreiche Werk, das die Geistesarbeit eines halben Jahrtausends umfasst, außer den gesetzlichen Lehrern eine solche Fülle allgemeinen Wissens, wie sie kein anderes Werk bietet, enthält; anderseits hat er es aber auch nicht nnterlassen, in voller Würdigung des Standpunktes der ung. Orthodoxie ihr' die nicht mißzuverstehende Mahnung zu crtheilcn, ob es denn nicht besser wäre durch offene Anerkennung gewisser Zeiterforderuisse den Gegnern von vornherein die Waffe zu entziehen. — Es ist nicht das 'erstemal, daß der „Israelit" in dem Sinne einer vernunftgemäßen Einkehr seine Stimme erhebt. Als im Jahre 1872 die orthodoxe Jndenheit Ungarns vertrauend den augenblicklichen Verhältnissen, die sich zu ihren Gunsten gestaltet hatten, dem unglückseligen Prinzip des laissez aller zu huldigen begann, da war-es einzig nub allein der „Israelit", der mit dem Mnthe der Ueberzengung, die das Wahre ohne Rücksicht ans entgegenstehende Meinungen verkündet, die ung. Orthodoxie unablässig daran gemahnte, sich ja nicht bei Negiruug aller Zeitsordernngen in ungestörter Sicherheit zu wi"gen, vielmehr rechtzeitig dnrch zarte Berücksichtigung einmal nicht abzuweisender Erfordernisse seinen Freunden zu genügen nnd seine Gegner zu beschämen. „Wir müssen", so schreibt er damals, „ans den Bildnngsdrang, der sich eines großen Thcils der Preßburger Jcschiwah bemächtigt, mit möglichstem Nachdrucke aufmerksam machen, weil wir in einer Jgnorirnng dieses Faktums eine eminente Gefahr erblicken. Das Bedürfnis; nacT) zeitgemäßer Bildung gibt sich ander Rabbinnerschulc in immer unverhohlener Weise kund — warum, fragen wir, wird nun für ausreichende Befriedigung desselben keine Sorge getragen? Wo die Zeitströmung einmal znm Durchbruche gelangt ist, da täßt sich dieselbe nimmer gewaltsam znrückstanen. Alles Streben muß da kn der Kunst gipfeln, der Strömung eine Richtung zu geben, welche am wenigsten geeignet, dauernde Verheerungen anznrickten. Zlldem — so fahrt der erwähnte Artikel von damals fort — dürfte die Lösung der Seminarsrage in Ungarn kaum mehr in eine weite Zukunft hinausgeschoben werden. Ich bin zwar in der Politik dieses Landes ein On im 21 '2 i3, allein während.meiner Anwesenheit in Ungarn hat die Fusion der beiden großen Reichstagsparteien, aus der.Grundlage ein Eoalitionsministerinm zu Stande kam, sich vollzogen. Es hat sich hiedurch leider eine, dem Seminar-