Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 2 (7.1.1884)
- Date
- 1884-01-07
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
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— 51 — es ihr verbieten, die Emigration in den JBeivicü iiner Tiiaiigkoit zu ziehen. Nach vielen Pourparlers gelang es endlich, nachdem wir den Beweis lieferten, dass unsere rumänischen Glaubensgenossen besser sind als ihr Ruf, dass auch die Lage hier unerträglicher wird mit jedem Tage und dass wir einer Gatastrophe über kurz oder lang entgegengehen, gelang esendlich ihr einige Conzessionen abzugewinnen Das war ihr uns eine grosse Errungenschaft. Sie versprach nämlich, ihr Augenmerk auf unsere Colonien zu richten, und wenn sie auch als „Alliance“ nicht eingreifen könne, so werden doch einzelne hochgestellte Mitglieder derselben sich der Sache annehmen. Das war uns genug! Die „Alliance“ meinte nämlich, wenn wir unsere zwei Colonien fertig installiren und dieselben prosperiren möchten, dann werde sie auf weitere Colonisationspläne sich einlassen. Sie entsandte inzwischen zwei verschiedene Commissionen nach Samarin, um sich Bericht erstatten zu lassen. Späterhin ging Capitain Goldschmid aus England nach dem Orient und Hess es sich angelegen sein, unsere beiden .Colonien zu besuchen. Er nahm die besten Eindrücke nach Hause mit und erstattete der „Anglo-Jewish-Association“ und den öffentlichen' Blättern („Jewish Chroniele“) genauen Bericht, zugleich zur Unterstützung dieser Colonien mul der Colonisatioii der Juden im heiligen Lande überhaupt auffordernd. Bis zu diesem Zeitpunkte hatten wir auch noch genügende Mittel und das war das Einzige, das unsere Autorität noch in der Colonie aufrecht erhielt. Aber wir sahen bereits die galoppirende Schwindsucht in unserer Casse, wir erliesseu Aufrufe auf Aufrufe an die Comite’s im Lande, wir verbanden uns mit den „Azileh Bene Jisrael“ — umsonst, es kam kein Geld. Hätten wir dazumal auf einmal 20,000 Pres, aufbringen können, um die nöthigen Häuser zu bauen, so wäre noch Alles zu retten gewesen; denn wäre jeder Colonist an seine Scholle gebunden gewesen, er hätte sich dort heimisch gefunden und würde mit ganz anderen Gedanken an sein T agewerk gegangen sein. So aber betrachtete er sich immer als provisorischen Ansiedler, er hatte kein Yertrauen in seinen Bestand, und eben darum auch das Vertrauen zu sich selbst, zu seinen Vorgesetzten und zu dem C.-C. verloren! — Einige lutriguanten, die im Trüben fischen wollten und denen es convenirte, einen permanenten Wirrwarr vor sich zu haben, schürten so lange bis es zum Ausbruch kam, und die sogenannten Gebildeten (einige Lehrer und ein gewesener Winkelschreiber etc.) sich zu einem Coinite constituirten, den Administrator verjagten, Herrn Franck den Gehorsam kündigten und sich von uns unabhängig^?) erklärten! Dieses Revolutionscomite schickte einerseits Aufrufe an verschiedene Zeitungen in Europa, wo es um directe Zusendungen von Geldern ansuchte und andererseits nach Rmänien, mit der dreisten Forderung, dem C.-C. keine Gelder mehr zugehen zu lassen. Die Strafe folgte natürlich auf dem Fusse. Das bischen Weizen, das der Reife entgegenging und eingeheimst werden sollte, wurde vernachlässigt. Der Antheil Weizen, den die Araber uns zu geben verpflichtet waren,'dürft© gewiss auch verloren gegangen sein, denn wir wissen nicht, was damit geschehen. Alles Ackergeräth, Wagen, Pferde, Ochsen, etc. blieben „Hefker“, ohne Controlle und Ueberwachung. Da wir natürlicherweise mit den Geldsendungen unsererseits auch aufhörten, wurden viele Unbemittelte allen Entbehrungen ausgesetzt, Krankheiten nahmen überhand, Unzufriedenheit, Missmuth und was die Folgen von derlei Zuständen sind. Viele litten auch unschuldiger weise, wir bedauerten diese, konnten ihnen aber für den Augenblick nicht helfen. Fünfzehn Familien blos etablirten sich auf Samarin selbst, während die anderen nach wie vor in Caifa blieben und da ungemein darbten. In dieser Lage fand sie Herr Veneziani, der im Juni dorthin. kam. Er telegraphirte uns dies und verlangte categorische Antwort, ob wir die Installation vornehmen wollen und können? Wir antworteten ihm ebenfalls telegraphisch, dass wir von ganzem Herzen die Installation vornehmen möchten, aber sowohl die Fehler des Administrators, als die widersprechenden Berichte der Colonisten haben den Eifer unserer rumänischen Glaubensgenossen erkaltet, und die Geldsammlungen sind in Folge dessen eingestellt worden. Wir hoffen indessen, bis in ü Wochen an 10,000 Francs von unseren reichen Juden in Rumänien zusammenzubringen für den Zweck der End-Installation.