Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 2 (7.1.1884)
- Date
- 1884-01-07
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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| aufgefuhrt und Einigkeit unter sich gehabt, so würde sich Niemand etwas Nachtheiliges erlaubt haben. Wenn aber der Administrator gesehen, dass die Leute unter einander zanken, die Arbeit vernachlässigen, keinen Ernst bezeugen, etc.; wenn er gesehen, dass die leisten sich mit Politik und Intriguen beschäftigen; wenn er gesehen, dass Diejenigen, die man Pferds zu kaufen schickte,; fiir sich eineu Extrabetrag ersparten; wenn Diejenigen, die Ochsen einkauften, ebenfalls es so machten, und er überhaupt aus den Handlungen Mancher erkannte, dass sie es darauf absehen, das Ganze zu vernichten, um ihre Pläne auszuführen, dachte, er vielleicht; wo sich Zwei schlagen, profitirt der Dritte. — Um zu den Ausgaben zuriickznkommen, waren die (Kolonisten nicht mit sechs Francs und nicht mit zwölf Francs per Woche dann zufrieden. Sie stellten die Arbeiten ein und Alles war in. Aufruhr; bald für, bald gegen den Administrator, bald fiir, bald gegen Brill; bis endlich Herr Franck nach Caifa und Samarin kam, und gegen unsere Ordre die Wochengelder bemessen Kess, wie es Jeder haben wollte, worauf Alles wieder ruhig wurde; woraus man zur Genüge erkennen kann, welche Absichten die Führer und Intriguanten beseelte, nämlich nur viel, recht viel Geld zu verschwenden, so viel als nur möglich — und noch mehr! Da keine Disciplin mehr herrschte , musste man Alle auf gleichem Fusse behandeln und zwar nach der Seelenzahl, so dass Leute, die hier in Rumänien mit acht bis 10 Fr. per Woche Verdienst zufrieden waren, dort 20, 25 ja 30 Fr. per Woche erhielten, sogar bis zu 34 Francs: extra Mehl, Mais, Fisolen, Kartoffeln und Miethzins. Statt der unsererseits berechneten 2000 Fr. per Monat, kam es auf 6000 Fr. per Monat zu stehen, und der Pesachmonat sogar auf 10,000 Francs. .. Als wir Herrn Franck Vorwürfe machten, gegen unsere Ordre gehandelt zu haben, schrieb er uns, er fände es im allgemeinen Interesse rathsarn so vorzugehen, da er auch von dort aus mit der „ Alliance11, deren Präsident er in Bayrouth ist, unterhandle, und auch mit anderen seiner Freunde im Auslande, um eben deren Unterstützung für die Colonien heranzuziehen, was ihm auch gelungen wäre im Verein mit unseren Bemühungen von hier aus. Um eben jede Unzufriedenheit unter den Colonisten zu beseitigen, fände er es für klüger einige tausend Francs zu opfern, um der Welt keine schlechte Meinung beizubringen. Auch scheint er unsere Geldmittel überschätzt zu haben. Denn wir unserseits bemerkten bereits im Januar, dass das Debarkiren der letzten Transporte einen gewaltigen Riss in unserer Casse gemacht, und als wir die Prätentionen der Colonisten in Folge der Intriguen sahen, als wir gewahrten, dass viele nicht wie Bauern, sondern wie reiche Pensionäre behandelt werden wollen; andererseits aber den Stand der Angelegenheit in Rumänien selbst in Betracht zogen, mussten wir uns gestehen, dass wir ohne Hülfe vom Auslande, die Jnstallirung der Colonie nicht werden zu Stande bringen können. Wir hatten bereits früher eine rege Correspondenz mit dem 1 ei der so früh verstorbenen, hochwürdigen Dr. Landsberg, Rabbiner in Liegnitz, der C-C.-Mitglied der „Alliance“ für Deutschland gewesen, das uns auch stets errmuntete und das Eingreifen der „Alliance“ versprach, wir waren in steter Fühlung mit den „Bene Brith“ in Katowitz, die so eifrig fiir unseren Zweck arbeiten; wir correspondirfcen mit dem Verein „Ahabat Zion“ in Wien, besonders aber mit dem ..... Herrn Dr. Salvendi in Dürkheim, jetziges Mitglied des C.-C. der „Alliance“, der uns Alles versprach und sich, sehr viele Mühe für uns giebt. Wir correspondirten mit dem „Hamagid“, mit dem „Jewish Chronicle“ in London, mit der „Alliance“ in Paris, etc. etc. etc. Wir erliessen Circulare über den Stand unserer Frage nach Oestereich, Deutschland, Frankreich, England, Italien, Holland, Belgien, der Schweiz, kurz nach ganz Europa, ohne noch Geld zu verlangen, aber wir gaben schon zu verstehen, dass wir an 50—00,000 Francs benöthigeu werden. Um nun ' der Sache mehr Nachdruck zu geben, sandten wir unser C.-C.-Mitgüed Dr. Lippe über Kattowit z und Dürkheim nach Paris, um mit der „Alliance“ mündlich zu verhandeln, was durch Correspondenz nicht zu erreichen war. Die „ Alliance“ war aber einerseits aus früheren Ereignissen her auf die rumänischen Juden nicht gut zu sprechen, andererseits erklärte sie, dass ihre Statuten