Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 2 (7.1.1884)
- Date
- 1884-01-07
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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28 richtigkeiten sich mir beim ganz oberflächlichen Durchblättern ergeben haben und daß dieselben sich gewiß unendlich vermehren lassen. Nur das eine möchte ich noch hinznfügen, daß von den meisten Männern gerade das Sagenhafte und historisch Unverbürgte erzählt wird, während die wirkliche Bedeutung für die jüdische Geschichte oft gar nicht, niemals aber in dem Maße hervorgehoben wird, wie das bei einem Buche der Fall sein muß, das sich seiner Natur nach ausschließlich an die reifere Jugend wendet. — Es ist nicht unwesentlich, auch auf den schülerhaften, höchst unkorrekten Stil des Verfassers hinzuweisen. Bon den Regeln der Interpunktion scheint er nicht die entfernteste Ahnung zu haben. In dem ganzen Buche wimmelt es von stilistischen, grammatikalischen und orthographischen Schnitzern. So schreibt er z. B.: „Das zehn Stämmereich." Auf Seite 16 heißt es: wobei die Ansichten Hillels und seiner Schule „obsiegte," und Seite 19 lesen wir: Titus feierte nach seiner Rückkehr in Rom seine glänzenden Siege, bei „dem" die heiligen rc. Seite 26 lautet ein Satz: „Nach der Hadrianischen Verfolgung gelangte das Synhedrion unter dem -Vorsitze des II. Simon ben Gamliel zu hohem Ansehen, „dessen" (?) Beschlüßen?c. 2c., und auf S. 37: König Johann ließ einem Juden Zähne ausreißen bis er (?) 10000 Mark Silber von ihm erpreßte. Auf S. 45 läßt der gelehrte Verfasser sogar einen Jüngling die Vermählung mit „seiner" Tochter begehen. —: Und dieser H. Dr. Leimdörfer ist im vorigen Jahre als Prediger berufen worden an den Neuen Tempel in Hamburg, den Ausgangspunkt jener reformatorischen Bewegung, welche so gern das Monopol dir Wissenschaftlichkeit für sich in Anspruch nehmen möchte. Wir gratuliren bestens. Fr a n k r ei ch. Paris. Monatsbericht (November) der „All. Jsr. Univ.": (Die Israeliten Rußlands). — Das Central- Comittz hat ausführliche Berichte erhalten, die es ihm möglich machen, die von den russischen Juden — in Ekaterinoslaw und Umgegend — erlittenen Schäden mit Genauigkeiten zu übersehen. In Ekatcrinoslaw selbst sind 701 Familien durch die Meuterer geplündert' worden; die Verluste betrugen 450,000 Rubel. In Novomoskows haben die Excesse der Bevölkerung weniger Schaden angerichtet, (80 zu Grunde gerichtete Familien),'dort hatten dieselben aber einen besonders gehäßigen und grausamen Charakter. In diesen beiden, durch den Aufruhr so schwer geprüften Städten, haben Christen und Juden vereint, den armen Opfern die erste Hilfe geleistet. In Ekaterinoslaw hat die Städtische Verwaltung eine Summe von 9175 Rubel unter die Unglücklichsten vertheilt. In Novomoskowsk hat die Stadt dem Hilfs-Comitö sogleich die Summe von 2000 Rubel zur Verfügung gestellt. Die anderen Städte.Rußlands und mehrere Städte des Auslands haben gleichfalls Beiträge gesandt. Wir nennen unter anderen Petersburg, welches dem Comittz zu Ekaterinoslaw 3761 Rubel zugewendet; Odessa, mit 2300 Rubel; Kiew, mit 2986 Rubel; Berlin, mit 1500 Rubel :c. Das Central-Comitö der Alliance hat den Opfern 20,000 Frcs. zugefandt. (Marocco.) lieber das Befinden des jüd. Händlers in Mogador, welchen ohne jede Veranlassung 300 Stockschlägen applicirt wurden, hat Dr. metl. Thierry- Mieg folgenden Brief an den Vice-Confnl Frankreichs gerichtet. Mogador, 2. November 1888. - Herr Consul! Sie ließen mich gestern rufen, damit ich den Zustand eines gewissen Juden Halm ben Abraham Medina untersuche, welchem man mehrere hundert Stockschläge ertheilt hatte; Sie trugen mir ferner auf, diesen Mann in seiner Wohnung aufzulnchen und ihm ärztliche Hilfe angedeihen zu lassen. Außerdem sollte ich Ihnen Bericht erstatten. Ich habe diesen Mann heute früh wieder aufgesucht und habe in seinem Zustand eine gelindere Besserung im Verhältniß zu gestern wahrgenommen. Vom Gürtel bis zu den Füßen ist er mit Blut unterlaufenen Flecken bedeckt, lauter Stellen, unter denen eine Unzahl kleiner Aederchen von der Wucht der Schläge geplatzt sind. Diese Aederchen haben sich stark nach innen verblutet. Die erste Folge hiervon ist Entzündung mit Anschwellungen und starken Schmerzen, welche wir so eben zn stillen bemüht sind;, er leidet großen Durst und mag nicht essen. Nichts destoweniger glaubte ich, daß er wieder gesund wird, was aber jedenfalls mehrere Wochen in Anspruch nehmen wird. Ich werde ihn natürlich so oft als erforderlich besuchen. Gestatten Sie mir, Herr Conful! Ihnen in meinem Namen und dem aller Franzosen meinen Dank auszusprechen für den Schutz, den Sie diesem Manne in Namen der Menschlichkeit angedeihen lassen. Ich komme von Europa, wo wir an die gerechten» wenn auch mitunter strengen, aber stets wohlwollenden Sitten der Civilisation gewöhnt sind. Meine Augen und mein Herz sind gleich empört über einen so rohen Vorfall wie dieser.