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Der Israelit · 1884-01-07 · Heft 2 (7.1.1884) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 2 (7.1.1884)
Date
1884-01-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
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lich nur der einzige, der ihm gründlich den Kopf zu waschen versteht!" „Ich lasse mich auch nicht vom Vorstand irresnhren, Herr Hornstein," — sagte eine etwas heisere Stimme. „Nein, Herr Löwenstein," sagte Hornstein, „Ihre Tapferkeit, mit der Sie gegen den Vorstand in's Feld zu ziehen pflegen, kennen wir schon, leider dauert diese nur so lange, bis derselbe sein Ultimatum herausgibt! Aber sagen Sie mir, wie viel Kandidaten haben schon in unserer Synagoge gesprochen?" Ich, der ich bisher mit gemischtem Gefühle, wie Bestürzung undBelustigung, dieses glorreiche Kollegium angehört, horche jetzt gespannt. „Bisher waren es nur vier gewesen und mehr als fünf sollen auch nicht berufen werden." „Und welcher hat bisher die meisten Aussichten?" „Der, welcher am jüngsten Samstag gesprochen hat." „So — dann wird er wohl sehr schön gesprochen haben?" „Das weniger," sagte Löwenstein, und in diesem Redetheil klangen mir seine Worte wie die harmorüsche Musik einer himmlischen Sphäre. — „Aber ist sonst ein herrlicher Mann, der es mit der Zeit hält und auch im Judenthume dem Fortschritte huldigt! — Ganz, wie wir ihn wünschen! Denken Sie nur, Herr Hornstein, der herrliche Mann erklärte mir, als er mich am verflossenen Samstag besuchte und mich, bei einer rauchenden Cigarre fand, daß.das Rauchen am Samstag keine große Sünde sek, wenn es der Arzt als für die Gesundheit förderlich empfiehlt! — 0, wäre ich doch Parneß. es wäre bei diesem schon geblieben!" Also das ist die mir so schön ausgemalte Zukunft, dachte ich, während alles Blut mir zum Herzenströmte. „Und der an diesem Samstag sprechen soll?" hörte ich Hornstein fragen. „Wird wohl entgegengesetzter Richtung sein?" „Schochanr*) soll er sein, wie das dunkelste Wettergewölke! Denken Sie sich nur, lieber Herr Hornstein, er soll sich bei dem Vorstand zuerst erlnndigt haben, welcherjNichtnng unsere Geureinde angehöre und ob die Synagogenordmmg von den resormatorischen Bestrebungen der jetzigen Zeit verschont geblieben, da er sonst auf die ihm zugedachte Ehre Verzicht leisten müsse. Was sagen Sie nur dazu? O, wäre ich der Vorstand, so hätte .ich den Brief unbeantwortet gelassen! Aber der Vorstand ist doch auch nicht viel besser, er leidet ja auch ckcht, daß in der Synagoge eine zeitgemäße AenderUng vorgenommen werde. — Was sagen Sie nur, lieber Hornstein, zu solcher Candidatur?" So schmerzlich mich auch der Anfang der Auseinandersetzung Löwensteins über meine Person berührt hatte, so fühlte ich doch eine größere Erleichterung bei der Erwähnung, daß der Vorstand, also wahrscheinlich auch der größte Theil der Gemeinde, dem alten Judcnthum treu ergeben ist. Von Hornstein, der sich selbst als einen mächtigen Gegner des Vorstandes bezeichnete, erwartete ich natürlich nichts Anderes, als eine Beistimmung zu der Schmährede des Herrn Löwenstein. Ich war also nicht wenig erstaunt, als ich diesen sagen hörte: „Nun, Herr Löwenstein, das gefällt mir doch bei Weitem besser, als die Ihnen ertheilte Absolution, am Sabbat rauchen zu dürfen!" „Aber, Herr Hornstein, ich erkenne'Sie ja kaum wieder! Was ist nur mit Ihnen vorgeganzen während Ihrer Reise? Welche Umwandlung! Sie scheinen unterwegs auch etwas Tinte geschluckt zu haben, daß Sie so schwarz reden. — Ist das wirklich Ihre Gesinnung?—Sie waren ja doch stets der erste gewesen, der sich alles gegen die veralteten Gesetze des Judenthums erlaubt haben, bevor noch ein Mensch in der Gemeinde daran gedacht! Na. na. mich soll es sehr freuen, wenn diese Umwandlung sich auch bethätigen wird, denn als Concurrent werde ich Ihren Entschluß, am Samstag das Geschäft zu schließen, zu würdigen wissen. Ja, ich verspreche Ihnen sogar, dem schwarzen Eandidaten meine Stimme zu geben, wenn er zu bewirken, im Stande ist, daß alle meine Eoncurrenten, am Samstag das Geschäft schließen. He! he! he! Werde ich da am Samstag ein gnteS Geschäftchen machen!" „Sie sind im Jrrthum, lieber Löwenstein," sagte Hornstein, „meine Gesinnungen sind ebensowenig anders geworden, wie ich gesonnen bin. Ihnen zu Gefallen mein Geschäft am Samstag zu schließen. Trotzdem möchte ich nicht, daß der angestellte Rabbiner ein Heuchler sei; denn ein solcher muß er a priori seinwenn er Ihnen, wo er sah, daß Sie auch schon ohne seine Erlaubniß am Samstag rauchen, noch die Absolution dazu ertheilte. Ich möchte nur..... Ah, da sind wir schon in M." sagte er sich unterbrechend, während der Postillon sein lustiges Liedchen blies und der Wagen rasselnd über das Steinpflaster fuhr. Die friedlichen Eoncurrenten schwiegen nnb der Wagen hielt vor einem zweistöckigen Hanse, dessen Portal mit dem deutschen Reichsadler geschmückt war. (Fortsetzung folgt.) Fortsetzung der Erzählung „Nur standhast" erscheint in der nächsten Nummer. Schwarz. Hierzu eine Beilage Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann in Mainz. — Verlag und brpedition der „Israelit" gr. Bleiche 4L. I. Gottsleben'L Buchdruckern (MainzerAnzeign).

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