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Der Israelit · 1884-01-07 · Heft 2 (7.1.1884) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 2 (7.1.1884)
Date
1884-01-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
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02 8 unserer Schüler bctheiligtcn sich an. der diesjährigen Aufnahmsprnfung an der isr. Lehrcrbilonngsanstalt in Lstürzburg. Bon denselben wurden mir 5, die mit Note 11 bestanden, ausgenommen. Wir halten diese Migorofitiit bei der Aufnahme ebenfalls für' einen glücklichen Fortschritt in dem isr. Schulwesen Bayerns. Es werden nicht mehr so leicht nur nothdürftig ausgebildcte Lehrer, die dem Lchrerstande gewöhnlich nicht zum Ruhme gereichen, das Seminar verlaffe». Die ungeprüften, nicht semiuarisch gebildeten Lehrer dagegen werden hoffent-. lich bald durch tüchtige, gut ausgcbildctc Lehrkräfte ersetzt werden. . Die Einnahmen betrugen 9374 M., die bis auf 639 M. verausgabt wurden. (föitt , 23. Dez. 1883. Mit Gegenwärtigem die Mitthciluug, daß ein Unbefugter, im Namen der „Alliance Jsr. Univ." in Paris, Spenden für die Abgebrannten in E onstantinop el sammelt; die Papiere sind gefälscht. Ich bitte um weitere Verbreitung dieser Mittheilung in Ihrem geschätzten Blatte. Rabbiner 4h-. F r a n k. Ocsterr.-Uugar. Monarchie. Preszburg 1. Januar. Die Wcchselsälschungs- Affaire Anton Windisch (chcm. Redaeteur des antisemitischen Westungar. Grenzbote"), deren.Iovisirnng und Ergänzung von der königl. Tafel angeordnct wurde, wird von dem hiesigen königl. Gerichtshöfe am 15. Januar l. I. verhandelt.* Feuilleton. Ins dem Leben eines orthodoxen Rabbiners. Skizze von I)r. Sta . . . 1. Eapitcl. Ans der Fahrt zur Probcprcdigt. „Lebe recht wohl und denke zuweilen an mich!" „Eine glückliche Reise und besten Erfolg!" Ein schriller, lang anhaltender Pfiff — und der Zug setzt sich in Bewegung. „Schreibe bald — viel Gutes!" Roch ein Blick, noch ein zärtlicher Zuruf — und ich befinde mich ganz allein mit' meinen trüben Gedanken in der dritten Waggonclasse des Zuges, welcher dem Ziele meiner Fahrt entgegcndampft. —. Dem Ziele entgegen! Wie spöttisch doch dieses Wort klingt! Wie höhnisch ist doch dieser Ausdrucks wenn mau einem fremden Orte, fremden ungewissen Verhältnissen cntgegensieht! Ein ganzes Jahr lebte ich in jenem kleinen Städtchen, das jetzt die Lokomotive in grausam stürmischer Eile ineinen Blicken entzieht, unbekümmert, das; dadurch ein ganzes Jahr von Erinnerungen in's Grab der Vergangenheit gebettet wird' Ein Jahr — eine kurze Spanne der Zeit, doch lauge genug, um eine Fülle von Gaben ausznschütten oder ein Meer von Jammer und Elend zu gebären! — Brausend, pfeifend und rollend läuft der Zug in die kalte Fremde . und entfuhrt uns der licbgewonnenen Umgebung und den thcuren Freunden. Glücklich und zufrieden lebte ich in jenem Orte, von welchem ich nur noch die Thurmspitze zwischen den Bäumen des Waldes durchschimmern sehe. Ich hatte dort viel Freud- und Leidvollcs erfahren, hatte mir Freunde und Feinde erworben, als ein unangenehmer Vorfall mich zwang, meine bescheidene Stelle ohne jegliche Aussicht auf eine bessere oder schlechtere aufzugcben. Vor wenigen Wochen bewarb ich mich um das vacant gewordene Rabbinat in L ... und dachte diese Bewerbung ebensowenig von Erfolg gekrönt zn scheu, wie die vielen andern, welche die Post.nach allen Himmelsrichtungen befördert, und die ohneBeantwortung.die Wanderung in den Papierkorb der stolzen Paruosim oder zum bleibenden Denkmal m das Gemeindcarchiv angetreten,, als mir ein sonniger Morgen der verflossenen Woche die Nebcrzeugung brachte, daß ich mich dieses Mal gründlich in meinen pessimistischen Voraussetzungen getäuscht habe. Aus mein ^Herein" öffnete sich die Thüre meines bescheidenen Zimmcrchens und der Briefträger überreichte mir einen mit großem Siegel versehenen Brief: „Vom Vorstand in L . . rief ich jubelnd aus und in großer Aufregung riß ich das Couvert aus und las: L . 26./5. 188 . Geehrtcster Herr! „Von den vielen während der Eonenrssrist für unseren Rabbinatspoften cingcläufenen Offerten hat die Repräsentanz in gestriger Sitzung beschlossen, Ew.Ehrwürdcn zu ersuchen in unserer Synagoge, wenn Ihrerseits keine Hindernisse obwalten, am 3. Juni l. I. d. i. zcr.vnn2 ntm*? einen Probcvortrag zu halten re. Ihrer geehrten Zuschrift entgegenfehend, zeichnet mit Hochachtung Heinrich Nathanson, Eillkus-Vorsteher. Wie diese wenigen aufs Papier hingeworsenen Worte mich mit Freude und Entzücken erfüllt, wie sie alle Sorgen, Bangen und Zweifel für die Zu-

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