Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 2 (7.1.1884)
- Date
- 1884-01-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Telegramm des Schuhmachcrmcisters Born verlesen worden. In allen diesen Schriftstücken werden Lhatsachcn mitgcthcilt, die für die Untersuchung unter Umständen von grober Erheblichkeit sein konnten. Die Verlesung verstößt gegen die ausdrückliche Bestimmung des 8 24!) St.-P.-O. sowie gegen den Grundsatz der Mündlichkeit und Unmittelbarkeit. 11) Hinsichtlich des Angeklagten Heidemann wird schließlich noch die Stellung der Hülssfragen auS ß 13!) St.-G.-B. als unstatthaft gerügt. Den Gegenstand dieser Fragen bildete nicht dieselbe Thal, wegen deren das Hauptverfahren eröffnet worden war, sondern ein von dem Inhalte der Anklage und des Eröffnungsbcschluffes gänzlich abweichender Thatbcstand. Es handelt sich nicht um eine Veränderung des rechtlichen Gesichtspunktes, auf welche der 8 264 Abs. 1 St.-P.-O. Anwendung finden könnte, sondern um einem veränderten Thatbcstand der nach § 265 St.-P.-O. nur auf Antrag des Staatsanwalts und mit Zustimmung der Angeklagten zum Gegenstand derselben Aburtheilung gemacht werden konnte. Es' fehlt indeß sowohl an dem Anträge wie an der Zustimmung. B. In materieller Beziehung rügen die Angeklagten vornehmlich die Verletzung der §8 *3!), 56, 49, 44,32 des St.-G.-B. — Aus vorstehender Ucbersicht ergibt sich die Unrichtigkeit der durch einen Theil der Presse gegangenen Rachricht, daß Rechtsanwalt Dr. Sello seine Revision durch den Hinweis auf die während der Schwnrgcrichtsverhandlung zu Cöslin zu Tage getretene physische Ermüdung der Geschworenen und das Einschlafen eines derselben stützen wollte. Leipzig, 4. Januar. Senatspräsidcnt Drenckmanu eröffnet die Verhandlung um 9V» Uhr. Die Zuhörerräume sind überfüllt. Sello's Plaidoyer beginnt um 10'/* Uhr. Er läßt die beiden Rcvisionspunkte fallen, da Kleefcld's Vereidigung korrekt war; bezüglich 8 bis 9 stellt er die Entscheidung anheim. Durchgreifend sind die anderen Punkte, namentlich 10. Die Verlesung der Telegramme und anderer Schriftstücke konstatire eine Gcsctzesverlctzung, diese Schriftstücke seien verhäugnißvoll gewesen für die Angeklagten. Er beantragt, die erste Entscheidung zu vernichten und die Sache behufs objektiver Beurthcilung au das Schwurgericht Stargard in Pommern zu verwc.scn. Die Gegend des angeblichen Thatortes sei von einer krankhaften Strömung infizirt. Nach Sello's cinstündiger glänzender Rede plaidirt an Stelle Dorn's noch Rechtsanwalt Luentzel im ähnlichem Sinne. Der Rechtsanwalt von Wolff erachtet von den Rcvisionsgründcn nur 7 als durchgreifend und beantragt Vernichtung des Urthcus und Verweisung an das Schwurgericht zu Eonitz. — Um 12V, Uhr wird der Spruch des Reichsgerichts verkündet. Derselbe geht auf Vernichtung dcrVorcntschcidnug und Verweisung der reiche an das Schwurgericht zu Eonitz. Rcvisionspunkt 7 wurde als durchgreifend erachtet. ZellungSnachrichten und Correfpvudeuzerr. Deutschland. Durgpreppach. Dem achten Rechcnschaftcberichts der Talmud-Thora-Schule zu Durgpreppach für das Jahr J 882/83 entnehmen wir: Mit freudiger Gcnugthnung können wir auf das verflossene Schuljahr zurückblicke», denn dasselbe brachte unserer Anstalt reiche Erfolge, sowohl äußere als auch innere. Es gereicht uns zu großer Befriedigung. constatircn zu können, daß die diesjährigen Spenden die des Vorjahres um ein Bedeutendes übersteigen, trotzdem die Ansprüche, die an die Wohlthätigkeitsliebe unserer Glaubensgenossen gestellt werden, sich mit jedem Tage mehren. Die Anstalt hat', sich nicht nur alle früheren Freunde und Gönner erhalten, sondern sich noch viele neue dazu erworben. Infolge der reicheren Zuflüsse konnten wir eine größere Anzahl armer oder wenig bemittelter Zöglinge unterstützen und hauptsächlich diese. Thalsache erfüllt uns mit großem Vergnügen. Die ans diesen Zweck verwendete Summe hat sich gegen das Vorjahr fast verdoppelt. Die Anmeldungen, und Bitten um Aufnahme lausen so zahlreich ein, daß sie unmöglich alle berücksichtigt werden können. Dieselben kommen nicht nur aus allen Gegenden unseres deutschen Vaterlandes, sondern auch aus außerdeutschen Ländern, ein Beweis, daß sich der Ruf der Anstalt immer mehr ausbreitet. _ „ Da nur wenige der cintrctendcn Schüler diejenigen Lorkenntnisse besitzen,, die wir verlangen müssen, eine Vereinigung derselben mit denen des I. Eurses immer mit großen Nachthcilcn verbunden ist, so entschlossen wir uns, dieselben zu einem Vorcurs zu vereinigen und ihnen einen getrennten Unterricht angedeihen zu lassen. Es wurde im Laufe des Jahres eine ziemlich bedeutende Summe für die Anschaffung von Lehrmitteln verwendet. Käfer-, Schmetterlings- und Mineraliensammlungen, Gräser- und Eryptogamcn- Hcrbaricn, Modelle des Auges, des Ohres, des Herzens, des menschlichen Schädels, Thierseelette, Wandkarten und colorirte Bilder für Naturgeschichte wurden angeschafft. Wir werden auch fortan^ jährlich ciüe entsprechende Summe für die Ergänzung der vorhandenen Lehrmittel einsetzen.