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Der Israelit · 1884-01-07 · Heft 2 (7.1.1884) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 2 (7.1.1884)
Date
1884-01-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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19 i f Es ist auffallend, daß indem ersten Verse unser! «Stammvater zweimal mit dem Namen Jakob bezeichnet wird, während die heilige Schrift ihn im zweiten Verse Jisraöl nennt. Wir wollen das mit Hilfe einer Erzählung im Talmud zu erklären suchen. Im Traktat Thaanith wird berichtet (f. 5b.): Rabbi Jizchak war bei Nab Nachmau zu Gast. Während des Essens forderte Nab Nachuian seinen Gast auf, einige Worte der Gotlcslehre.zu sprechen. Da sagte Rabbi Jizchak: So hat Rabbi Jochonan gesprochen: Es ist verboten, während des Essens zu reden; denn cs könnte die Luftröhre der Speiseröhre zuvorkommen, und die Gefahr zu ersticken heroeigcsührt werden. Als sie die Mahlzeit vollendet hatten, sagte Rabbi Jizchak: So hat Rabbi Jochanan gelehrt: Unser Vater Jakob ist nicht gestorben. — Da fragte Rab Nachman verwundert: Wieso haben sie ihm denn Leichenreden gehalten, haben ihn einbalfamirt und haben ihn begraben? — Und Rabbi Jizchak sprach: Ich folgere es aus der heiligen Schrift. Es heißt (Jirmijahu C. 30. 10.):/Und Du, fürchte Dich nicht, mein Knecht Jakob, spricht der Ewige, und ängstige Dich nicht, Israel, denn, siehe, ich bin Dein Helfer aus der Ferne und der Helfer Deiner Nachkommen aus dem Lande ihrer Gefangenschaft." Der Prophet vergleicht Jakob zu seinen Nachkommen. Wie die Nachkommen Jakobs am Leben, so ist auch er am Leben. — Als Rabbi Jizchak Abschied nehmen wollte, bat ihn Nab Nachman um seinen Segen, ltnb Rabbi Jizchak sprach: Ich will Dir ein Gleichniß erzählen : Einst wanderte ein Mann durch die Wüste und war hungrig, müde und durstig. Da fand er auf einer Oase einen Baum, beladen mit süßen Früchten, weithin kühlenden Schatten verbreitend, und unter dem Baume floß ein Bächlein vorbei mit kühlem, krystallhellem Wasser. Und der hungrige Wanderer aß von den köstlichen Früchten des Baumes, löschte seinen Durst an der Quelle und ruhcte im kühlen Schatten. Gestärkt, erquickt und gesättigt wollte er sich wieder auf den Weg machen. Da schaüete er noch einmal dankbar zu dem Baume auf und sprach: Baum, Baum, womit soll ich Dich segnen'^ Soll ich dir wünschen, daß du süße Früchte tragest? Deine Früchte-sind süß und köstlich. Soll ich dir wünschen, daß dein Schatten schön und erquickend werde? Er ist es ja. Soll ich dir wünschen, daß eine Quelle deine Wurzeln tränke? Siehe, ein silberhelles Bächlein fließt an dir vorüber. Es bleibt mir nichts übrig, als dir zu wünschen, daß alle Schößlinge, die von dir gepflanzt werden, dir . gleichen mögen. Auch Tu, Rabbi, womit soll ich Dich segnen? Soll ich Dir Gelehrsamkeit wünschen, oder Kinder oder Reichthum? Bist Du doch der Gelehrtesten Einer, hat Dich doch Gott bereits mit Kindern und Glücksgütern reich gesegnet. So will ich Dir wünschen, daß alle Deine Nachkommen Dir gleichen mögen. So schön diese Erzählung ist, so bedarf sie doch der näheren Erklärung. Der denkende Leser wird sich durch die Antwort Rabbi JizchakS auf diö wohlbcrcchtigleTFrage Nab Nachman's nicht befriedigt fühlen. Erzählt doch die heilige Schrift ausführlich, welche große Trancrfcicr man um Jakobs Tod wiederholt veranstaltet hat, wie die cgyptischen Aerzte die Leiche Jakobs einbalfamirt und wie die Söhne den Vater begraben haben in der Höhle Machpclah, im Erbbegräbnisse, das Abraham erworben hatte! Und auf alle diese Fragen hat Rabbi Jizchak nur die Antwort, daß er die befremdende Thatsache folgere ans den Worten des Propheten Jirmijahu! Weil der Prophet die Hilfe Gottes für Jakob und seine Nachkommen verheißt, deßhalb kann hier unter Jakob nicht die Nation, sondern cs muß junter diesem Namen der Stanunvater selbst verstanden werden. Wir wollen diese Schwierigkeiten zu lösen versuchen. Unserm Vater Jakob war ein Leben voller Kämpfe und Leiden bestimmt. Schon im Mutterschooße begannen die Kämpfe, wie es heißt: Und es stritten die Kinder in ihrem Innern. Als Jakob geboren wurde, hielt er fest an der Ferse seines Zwillingsbrudcrs, und deßhalb gab. man ihm den Namen Jakob, einen Namen, der diesen Vorgang bezeichnet. Während der Bruder, Esaw, zu einem Manne der Lebenslust und des Lebensgenusses, dessen vorzüglichste Liebhaberei die Jagd war, heranwuchs, wurde Jakob ein Jünger der Weisheit, der die höchste sittliche Vollkommenheit zu erstreben suchte. Der Kampf mit dem Bruder hörte nicht auf und führte endlich dazu, daß Jakob entfliehen mußte aus dem Vaterhause, arm und einsam. Auf dem Wege erschien ihm der allmächtige Gott im Traume, tröstete ihn, verhieß ihm Schuh und Beistand und das Erbe des Abrahamsegens. Und Jakob erwachte aus seinem Traume und gelobte, daß er fest und treu zu Gott halten werde, was auch kouunen möge. — Zwanzig Jahre verbrachte Jakob als Diener bei dem götzendienerischen Laban, dessen Töchter er heimführte — eine lange Zeit heißer und schwerer Kämpfe. Nicht ließ er sich durch seine Umgebung verführen: seine Gattinen erzog er zu edlen frommen Frauen, so daß sie sprachen: „Alles, was Gott zu Dir gesagt hat, das thue" (1. B. M. E. 31. V. 10.); seine Söhne erzog er, trotz der heidischen Umgebung,, zu gottesfürchtigen Knaben, Als er dann der Heimath zuzog, verfolgte ihn Laban und Hätte ihn und die Seinen vernichtet, wenn nicht Gott ihn gerettet hätte. Kann», dieser Gefahr entgangen, vernimmt er, daß der feindliche Bruder ihm entgegenzieht, begleitet

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