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Der Israelit · 1884-01-07 · Heft 2 (7.1.1884) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 2 (7.1.1884)
Date
1884-01-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
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18 deutschen Reichstage wurde er eine der Hauptstützen der inneren Politik des Reichskanzlers. Er war es namentlich, der bei der großen, organisatorischen Gesetzgebung im Reichstage theils die Initiative ergriff, theils das Zustandekommen der Gesetze ermöglichte. Grundsätzlich hielt er sich von jeder Schönrednerei fern. Seine Reden waren stets rein sachlich gehalten und wurden in ruhiger und gemessener Weise vorgebracht. Rur einmal ließ er sich vor Eifer und Erregung derart fortreißen, daß er „zur Ordnung" gerufen werden mußte. Die Ruhe und Sachlichkeit, seiner Vorträge, die stets von seinem Fleiße, seinem Scharfsinne und seinen bedeutenden Kenntnissen Künde gaben, wären meistens von überzeugender Wirkung. Im Parlamente herrschen sehr häufig Unruhe und Unaufmerksamkeit. Viele Parlamentarier lassen die oft langweiligen Redner ihre Reden hersagen oder ablesen, unterhalten sich miteinander oder vergnügen sich am Büffet. Wenn aber Lasker sprach, und das geschah nicht gerade selten, so hörten ihm Alle, - Freunde und Gegner mit der größten Aufmerksamkeit, zu. Den Höhepunkt seiner parlamentarischen Thätigkeit erreichte er im Anfänge des Jahres 1873, als er mit Kraft, Muth und unsagbarer Hingebung gegen das sogenannte Gründerthum zu Felde zog Die großen Reden, die Lasker in Bezug darauf im Februar des genannten Jahres hielt, waren von eingreifender und folgenreichster Bedeutung. Mit Mannesmüth kämpfte er gegen die Corruption an und schonte die hohen Persönlichkeiten nicht, welche dieselbe nilt ihren vornehmen Namen deckten. Als im Jahre 1878 Fürst Bismarck seine wirthschaftliche Politik änderte, wurde Lasker aus einem Anhänger rin Gegner des Reichskanzlers. Er trat aus der natioualnberalen Partei aus und gründete die Partei des Secessionisten, die zwischen der erstgenannten und der alten Fortschrittspartei in der Mitte steht. . Die ungeheuren Anstrengungen, welche Lasker im Jahre 1873 behuf seines Feldzuges gegen das Gründerunwesen gemacht, hatten seine Gesundheit tief erschüttert. In den letzten Jahren oft kränklich, unternahm er vor wenigen Monaten eine Erholungsreise nach Amerika, von der er nicht mehr zurückkehren sollte. Lasker war von kleiner Statur und echt jüdischem. Typus; aus feinem Organ klang.die Spreche weise der aus der Provinz Posen stammenden Glau bensgenossen hervor. Sein Haupt- und Bart haar war früher pechschwarz, und als' wir ihn zuletzt sahengraumclirt. In der letzten Zeit wird es wohl völlig weiß geworden sein.*) *) Wir lasstn daL Portrait des Verewigten Herstellen, um Deni spezifischen Judenthnm stand Lasker durchaus fremd gegenüber. Dennoch hat das orthodoxe Judenthnm ihm viel zu verdanken. Er war es, der im Jahre 1876 mit voller Energie für die Gewissensfreiheit eintrat und seine kräftige Befürwortung brachte es dahin, daß der Landtag das Austrittsgesetz vom 28. Juli 1876 ännahm, ein Gesetz, welches die orthodoxen Minoritäten von der Zwangsangehörigkeit zu reformatorischen Gemeinden befreit hat. lieber die persönlichen Erlebnisse Lasters ist wenig zu berichten. Bis 1870fungirte er als Rechtsaltwalt beim Berliner Stadtgericht; 1873 wurde er zum Syndikus des Pfandbriefamtes ernannt und 1876 wurde er Mitglied des Verwaltungsgerichts. Eine Zeit lang war er mit einer jungen Dame aus einer reichen Berliner Fanlilie verlobt; als aber die Verwandten seiner Braut ans seine politische Haltung Einfluß üben wollten, löste er das Verhältniß auf. Diese Erlebniste und noch andere der Art. hat er in. einem Büchlein geschildert, welches unter dem Titel: „Bekenntnisse einer Mannesseele" anonym erschien. Berthold Anerbach hat dazu eine kleine Vorrede geschrieben. Lasker blieb unvermählt. Wie uns aus New-Hork telegraphirt wird, soll die Leiche eknbalsamirt und nach Deutschland gebracht werden. Der Name Eduard Lasker wird unvergeßlich sein; er wird stets genannt werden, wann von der Neubegründung des deutschen Reiches die Rede sein wird. Nie zuvor hat ein Glaubensgenosse auf die Entwickelung der öffentlichen - Angelegenheiten in Deutschland einen solchen Einfluß geübt wie Eduard Lasker. Seinem eigenen Ausspruche zufolge verdankte er seinen epochemachenden Scharfsinn und seine strenglogische Denkweise dem Studium des Talmuds während seiner Knabenjahre. Vielleicht hätte sich.seine Lansbahn noch glänzender und segensreicher gestaltet, wenn er den Gesetzen des Judenthums treu geblieben wäre. IaKov. (Zu Paraschath Wajechi.) Mainz, den 4. Januar.' „Und es lebte Jakob im Lande Mizrajim ■ siebenzehn Jahre, und es waren die. Lebensjahre ’ Jakobs 147 Jahre; da nahten sich die Tage Jisraels zum Sterben . . ."!. e? s. G. w. einer der nächsten Nmrmern als (JjtrcBetfage ao- | zufügen.

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