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Der Israelit · 1884-01-03 · Heft 1 (3.1.1884) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 1 (3.1.1884)
Date
1884-01-03
Page
– (sequence 11)
Language
German
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10 nitz. Im Jahre 1852 wurde Fässel als Rabbiner nach Grost-Kauizsa berufe». Fasse! war fortwährend schriftsteskerisch thätig und schrieb mehrere Werke, welche die Wiener Akademie der Wissenschaften auf ihre kosten, drucken ließ. In diesen Werken, welche vornehmlich juristischen Inhalts waren, versuchte Fasse! eine Darlegung der jüdischen Anschauungen auf dem Gebiete der Civil- und Strafrechtspflege mV Zusammenhalte mit dem römischen Rechtssystem zu gebe». Die Folgen seiner reformatorischen Thätigkcit halber noch erlebt. Einer seiner Schwiegersöhne, Herr Rabbiner Dr. Sonnenschein in St. Louis (America) empfiehlt aufs Wärmste die Feier des chr. Weihnachtsfcstes 2c; ein Sohn seiner Tochter, ein Herr Stereny, ist einer der enragirtesten Antisemiten, der.fulminante Artikel gegen Juden und Jndenthum und gegen die ganze semitische Race, der er doch selber angehört, in den ungarischen Zeitungen veröffentlicht. F e u i I I e t o n. Die Westmauer des heiligen Tempels zu Jerusakeur. (Zu unserem Brlde.) Die bildliche Darstellung, die wir heute unfern Lesern vorführen, zeigt die Ruine der Westmauer des heiligen Tempels zu Jerusalem und unsere im wehmuthsvollen Gebete dort weinenden Stammesgenoffen. So ungemein ergreifend das Bild wirkt, so erfreulich und trostreich ist es andrerseits. Alle Eroberungen und Zerstörungen haben diese Westmauer 'myo :no, die noch von Salomo's Prachtbaue herrührt, nicht zu vernichten vermocht nr»rn nn obiyo 'znyon Den kommenden Dienstag (8. Januar) begehen wir trauernd und fastend als den Gedenktag des Beginnens der Belagerung Jerusalems durch Rebukadnezar 02122 rnrj». Damals wurde der heilige Tempel zum ersten Male zerstört. 2242 Jahre sind seitdem verflossen, und noch heute beten und weinen die Söhne und Töchter Israels an den Ueberresten der Westmauer, die weder Nebnkaduezar, noch Antiochus, noch Titus, noch Hadrian, noch all die Andern zu vernichten vermochten! r.cjj to vivo rsn» 'v'v. „Freuet Euch wonnevoll mit ihr. Alle, die ihr um sie trauert!" Die Trauer, die langanhaltende und unvergessene Trauer ist uns eine Bürgschaft der Wiedererstehnng; denn das Erstorbene wird vergessen, aber das Lebendige erhält die Herzen in fortwährender Erregung. Eigenthümlich reizvoll bleibt durch alle Jahrhunderte und Jahrtausende hindurch die Lage und Umgebung Jerusalems. Berge tragen sie und Berge umgeben sie; geschützt und doch nicht eingeengt und bedrückt liegt sie da; aus der Stadt selbst und von den etwas höheren Kuppen dicht vor ihren Thoren hat man nach allen Seiten einen weiten Ausblick. Steht man auf dem Oelberg, der im Osten der Stadt durch das tiefe enge Kidrontal von ihr geschieden, etwa 100 M. höher als der Zion, der sie trägt, emporsteigt, so sieht man das ganze Jerusalem in vollständigstem Ueberblick vor sich. Zunächst über dem Kidronthal den alten Tempelplatz mit den Moscheen, die er nun trägt; hinter ihm und zu seiner Rechten die Häuser der Stadt dicht gedrängt, mit unzähligen kleinen flachen Kuppeln, die über jedem einzelnen Zimmer besonders aufgeführt, Decke und Dach zugleich bilden. Blendend weist leuchtet all das Bauwerk im Schein der Sonne des Orients. Hier und da erheben sich die vereinzelten Palmen und Cypressen mit ihrem tiesdunkeln Grün von dem hellen Untergrund scharf ab. Im Süden der Stadt ragen mit höheren Kuppeln mehrere Synagogen empor, hinter dem Nordende der Stadt zeigen sich die jenseits ihrer Mauern im freien Felde aufgeführten großartigen Ballten der Russen, Pilgerhospize und eine Kathedrale. Saftiges Grün der Saatfelder. Baumgärten und Weinberge bedecken im Frühlinge die Ahänge der Berge und einige kleinen Hochebenen im Norden, Westen und Süden von der Städte Wie treue Wächter blicken ans der Ferne höhere Bergspitzeu auf die Landschaft herab, zumal Nelie Samwil, das alte Mizpa, vom Norden her, mit einem hochragenden alten Thurm. Wendet man sich mm aber um und blickt nach Osten, so bietet sich zunächst bald hinter dem Abhange des Oelbergs beginnend, die Jüdische Wüste mit ihren kahlen hellgrauen Felsellhügeln dem Auge dar. Hinter ihr senkt sich das Jordanthal tief hinab zwischen dem Nordende der Wüste und den steilen Abhängen des Gebirges Gilead; sein Grün leuchtet förmlich heraus aus der fernen Tiefe. Weiter im Süden aber blickt lvie aus dem Erdrinnen*) hervor der köstlich blaue Spiegel des Tobten Meeres, von hohen wildzerrissenell Felsenmauern umgrenzt. Wenn über diese das Abendroth äusgegoffen fft und über das Meer und die Wüste den Purpurglanz bis -zum Oelberg selbst herübersendet, da ist der Anblick voll wunderbarer Herrlichkeit. . Wir wollen nunmehr im Innern der Stadt den Platz aufsuchen,.der unter dem Narnen „Klageortder Elchen" bekannt ist. Die Israeliten besuchen häufig dreien Ort, besonders am Freitag, um bei den Ueberreften des Tempels an der von dem Blute der Vor-

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