Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1884)
- Date
- 1884-01-03
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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XXV. Jahrgang. Beilage zu iU. 1 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correfpoudenzn. Deutschland. Frankfurt a. M. Anläßlich des 50jährigen Amtsjubiläums des Landcsrabbiners Dr. Herxheim er in Vcrnbnrg hat der deutsch-israelitische Gemeindebund in Leipzig eine Stiftung ins Leben gerufen, aus welcher begabten Jünglingen, die sich dem Lehrerberuf widmen, während ihrer Studienzeit Stipendien verabreicht werden sollen. Man glaubt dadurch einem seit einer Reihe von Jahren in außerordentlichem Maße fühlbar gewordenen Mangel an Lehrkräften, die für den isr. Religionsunterricht verwendbar wären, abhelfen zu können. — Wenn Verehrer und Anhänger des Landrabbiners Dr. Herxheimer sich veranlaßt fühlen, dessen Wirksamkeit auf dem Gebiete des isr. Unterrichtswesens dankend anzuerkennen, so läßt sich dagegen nichts einwcnden, und wenn sie bei dieser Gelegenheit dem Ausdruck ihrer Verehrung durch Förderung eines solch' guten Werkes, wie die Heranbildung von würdigen Religionslchrern Dauer zu verleihen suchen, so verdient ein solches Streben den vollen Beifall. Aber die Frage ist doch wohl am Platze, wie der dentsch-israelitsche Gemcindebund dazu. kommt, eine solche Stiftung in die Hand zu nehmen. Dieser Verein hat seine Unfähigkeit, Angelegenheiten, die unsere religiösen Interessen in irgend einer. Weise berühren, zu leiten, schon sovielfach documentirt, daß man einigermaßen berechtigt ist, daran zu zweifeln, ob er „diese (wie es in einem in dieser Angelegenheit versandten Circulare heißt) für die gedeihliche Forterhaltnng des Judcuthums so nothwendige Stiftung" auch in einer dem Judenthum zum Heile gereichenden Weise zu verwalten im Stande ist. Ja, ich möchte im Gcgcntheil entschieden behaupten, daß der-Einfluß, den £er israelitische Gemeindcbund auf die Ausbildung von Religionslehrern ausüben würde, durchaus kein ersprießlicher sein kann. Der famose von dem israelitischen Gemeindcbund ausgegebene Lehrplan für den isracl. Religionsunterricht, der s. Z. nicht allein von den Orthodoxen, sondern eben so entschieden von den Anhängern der Breslauer Richtung verurtheilt wurde, steht noch frisch in aller Gedächtniß, und wenn nun derselbe Verein, der, da an seiner Spitze Männer stehen, die dem positiven Judcnthnm ganz oder größtcntheils entfremdet sind, die Pflege religiöser Angelegenheit nie und nimmer übernehmen kann, und der auch ans pädagogischem Gebiete keine Lorbeeren zu pflücken verstanden hat, neuerdings, in einer Sache, die diese beiden Gebiete zugleich betrisst, eine Centralleitung übernehmen zu können glaubt, so kann man nicht entschieden genüg Front dagegen machen. Möge der israel. Gemeindebund seine Aufgabe darin erkennen, die Ziele zu verfolgen, welche allen Juden gemeinsam sein können, vor allen Dingen die Abwehr von Angriffen, die gegen das Judenthum oder die Judenheit gerichtet werden; dann werden die Anhänger der verschiedenen religiösen Richtungen innerhalb des Judenthums sich mit'Vertrauen ihm anschlicßen können. Altona, 31. Dez. „Mckor Chajim" nennt sich ein Verein in Hamburg, dessen Mitglieder es sich zur Aufgabe gemacht haben, wöchentlich an einigen Abenden yuw o^nn ,mwn iy '"vn zu lernen. Als Vereinsrabbi fungirt Herr Dr. S. P. Nathan '"j. Dieser Verein hat nun wie im Vorjahre auch diesen Winter einen Cyclus von Vorträgen religiös-wissenschaftlichen Inhalts arrangirt und am vergangenen Sabbat-Abend hielt Herr Dr. H. Hildesheimer aus Berlin einen Vortrag über „Die Inden in Rom." Der Redner entrollte ein Bild der Inden in Rom von der Zeit ihrer ersten Ricderlassungen bis zn der Zerstörung des -Tempels durch Titus, wozu er die Berichte der damaligen Schriftsteller, Josephns, den Talmud, Midrasch und die in den letzten Jahren entdeckten Gräbmonumente und andere Denkmäler im ergiebigsten Mäße benutzte. Der Inhalt sowohl als auch die Vortragsweise fand bei dem äußerst zahlreich anwesenden Publikum ungetheilten Beifall. W. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Ans Ungarn. In einem Alter von 85 Jahren ist gestern in Groß-Kauizsa Herr Hirsch B. Fasset, ein durch seine resormatorischcn Bestrebungen bei seinen Glaubensgenossen bekannter Rabbiner, ge- - storben. In Boskowitz (Mähren) geboren, wendete sich .Fasse!, nachdem er der ursprünglich gewählten kaufmännischen Carriöre entsagt hatte, talmudischcn Studien zn und war längere Zeit Rabbiner in Proß-