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Der Israelit · 1884-01-03 · Heft 1 (3.1.1884) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 1 (3.1.1884)
Date
1884-01-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1 Friedensrichter tödtlich verwundet. Die Mörder .wurden ergriffen; auf die an sie gerichtete Frage, warum sie diesen Ueberfall unternommen, antworteten sie: wir hatten in der finstern Nacht den Friedensrichter, gegen den wir keine böse Absicht hatten, nicht erkannt, wir hatten es nur auf den Kutscher abgesehen, von dem wir glaubten, daß er ein Jude sei. — Cowmentar unnöthig. Anfangs November hielt sich Herr Rabbiner Dr. Hildesheimer aus Berlin einige Tage in unsrer Gemeinde auf und wir hatten das große Vergnügen, eine Predigt, die er in der von Anhängern der verschiedensten Richtungen angefüllten Synagoge hielt, von ihm zu hören; seine Worte fanden allgemeinen Beifall. (Hameliy.) Rußland. MiuSk. Einen neuen Gewaltact gegen die religöfe Gewissensfreiheit hat man dahier gegen die Juden ausgeübt. Entgegen den gesetzlichen Bestimmungen werden die jüdischen Schülerinnen, welche das hiesige Mädchen - Gymnasium besuchen , zum Schreiben am Samstage und an jüdischen Feiertagen gezwungen. Amerika. Baltimore. Herr Ephraim Kaiser, ein hiesiger, jünger Israelit, ist mit der Ausführung der Erinnerungsstatue des Baron De Kalb, für welche der Congreß in seiner letzten Session 10,000 Dollars votirt hat, beauftragt worden. Herr Kaiser, der sich in Kunstreisen einen berühmten Namen erworben, wird demnächst nach Italien reisen, um daselbst das Kunstwerk auszusühren. Fe 11 ille 1 o n. Kur standhaft! XXIII. Bruno von Wolkenberg unterhielt , mit seinen ehemaligen Kameraden noch immer eine sehr lebhafte Korrespondenz. Ihn interesstrte es, Vorgänge ans . Officierskreisen zu erfahren, die er journalistisch verwerten konnte; die Kameraden wiederum fanden Gefallen an den geistvollen, mit piquanten Histörchen gewürzten Briefen des Freundes. _ Als Bruno seine Schwester-verlassen hatte und sein Zimmer betrat, fand er eine Menge Briefe vor. Er betrachtete einen nach dem andern; zwei davon erregten sein besonderes Interesse. Der eine Brief war ans W., einem Städtchen am Fuße des Rieseugcbirges datirt. Derselbe lautete: „Mein guter Bruno! Du kannst Dir meine Neberraschung vorstellen, als ich bei meinen Fußwanderungen durch das Riesengebirge nach der Ruine Wolkenberg kam. Das also, sagte ich zu mir, ist das Stammschloß meines thenren Freundes, der zu unsrer Aller Bedauern ans unseren Reihen ausgcschicden ist. Es ist ein malerischer Punkt, diese alte Ruine, von der ich mich gar nicht trennen konnte. Wie schön wäre cs, dachte ich, wenn Freund Bruno hier ein prachtvolles Gebäude aufbauen und den Glanz seines altberühmten Namens, wieder Herstellen möchte! —'Mein Führer mochte diese Gedanken mir von der Stirne ablesen, denn er sagte: Alles, , was der gnädige Herr, hier sieht, soweit das Auge reicht, und noch viel mehr, war einst Wolkenberg'sches Besitzthum. — Und wem gehört es jetzt? fragte ich. — Einem alten Manne, der keinen Gefallen daran hat. Er hat die Besitzung nur angekauft, weil er die letzte Hypothek darauf hatte und sein Geld nicht verlieren wollte. Die Besitzungen machen ihm viel Aerger und Verdruß. Er hat sie einzelu verpachtet und bekömmt oft den Pachtzins nur schwer ein. Wenn der gnädige Herr die Güter kaufen wollten — ich glaube. Sie würden sie um einen mäßigen Preis erhalten können. — Ich ließ mir die Adresse des jetzigen Eigenthümers sagen. Er wohnt hier im Städtchen. Soeben komme ich von ihm. Als ich ihm meinen Namen nannte, war er überaus freundlich. — Der gnädige Herr, sagte er, kommen gewiß wegen der Wolkenbcrg'sche Güter. Wenn Sie sie kaufen wollen . . ... — Nicht ich, entgcgnete ich, aber ich habo-efiren Freund , ' der sich sehr dafür intercssirt. — Ihr Freund könnte die Güter um einen billigen Preis erhalten. Ich bin ein alter Mann und möchte sie gern los sein, Meine Kinder wohnen in -Breslau und wünschen sehr, daß ich zu ihnen dorthin ziehe. Auch ich möchte ihrem Wunsche Folge leisten; allein die Wolkenberg'schen Güter sind es, die mich hier zurückhalten. .Wie sie jetzt sind, lassen sie sich aus der Ferne nur schwer verwalten. Trotzdem der Bodenwcrth in den letzten Jahrzehnten sehr gestiegen, war' ich doch bereit, die Güter um denselben Preis abzugeben, den sie mich gekostet haben. Und der Ware? fragte ich. — 125,000 Thaler. Vondem Gclde brauchte nur ein kleiner Theil anbezahlt zu werden, etwa ein

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