Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1884)
- Date
- 1884-01-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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6 einem Lande, das sich zu den europäischen Culturstaaten zählen möchte. Rußland. Jarmlinzi. (Podolien.) Wiederum werden antisemitische Ausschreitungen aus dem Südwestcn Rußlands gemeldet. Dieömals sind es nicht Bauern oder Krämer, die aus Brodncid die Juden mißhandelten. Betrunkene Soldaten des hiesigen- Tragenerregiments überfielen-die Juden und verwundeten mehrere derselben. Rur schwer tonnte cs der Polizei mit Hilfe einiger Offiziere gelingen, den Aufruhr zu dämpfen, und dies erst nachdem der Rabbiner getobter worden. Dieser Ausstand ist uni so verhängnißvoller, weil er von Soldaten anög'cgangcn, und bei den nieder» Standen sich leicht dieMcinung geltend machen könnte, daß ihnenbeiAusschreitungcn gegen die Juden die Soldaten zur Seite stehen werden. Bosnien. Serajewo. Als Beweis, daß dahier Friede' und Einverständnis; zwischen den Anhängern der verschiedenen Confessionen herrscht, wird von hier folgende Thatsache berichtet: Einem spanischen Juden (Spaniole) sollte sein neuerbautes Haus seitens der Behörde wieder niedergerissen werden, weil er die vorgeschriebene - Banliene nicht eingehalten. Seiner . Bitte an die Regierung um Aufhebung dieses-Niedcrreißungsbefehls schlossen sich zahlreiche Christen und Muhamedaner durch ihre Unterschrift an. Wenn auch die' Negierung dies friedliche Einvernehmen der verschiedenen Glaübensbekenncr ihre Anerkennung zu Theil werden ließ, so war sie-doch außer Lage, die Bitte zu willfahren, weil gerade in -Bosnien sie sich stark in der Handhabung, der Gesetze zeigen muß. .Amerika. Kingston (Jamaica). Die Vereinigung der beiden dahier bestehenden Gemeinden behufs Erbauung einer gemeinschaftlichen Synagoge ist neuern Nachrichten zufolge 'nicht zu Stande gekommen. . Keine der Gemeinden will die bisher üblichen Gebräuche im Gottesdienste aufgeben. Die Beschlüsse des aus Mitgliedern der beiden Gemeinden zusammengesetzten Eonrittzs, über die wir neulich berichtet, sind von den Gemeindemitgliedern nicht angenommen worden. A u s st r a l i e n. . Melbourne, den 4. November. Es. wird Sie gewiß interefsiren, einige Neuigkeiten über die Israeliten zu vcrnshmen, welche auf der Ihnen und den meisten Ihrer Leser entgegengesetzten Seite der Erde leben. ES existiren in unserer Stadt zwei Gemeinden, die Melbourne Hebrew-Congregation uuddie East Melbourne Eongregätion. Die Erstgenannte hat vor wenigen Wochen in der Person des Herrn^Dr. Joseph Abrahams aus London, ein neues geistliches Oberhaupt erhalten. Samstag, de» 29. September, hielt er seine Antrittsrede, die auf das zahlreich versammelte Publikum eine» sehr günstigen Eindruck machte. Möge cS ihm gelingen, dcmIndiffe rentiSmuS in religiösenAngclcgcuheiten, der auch hier vielfach überhandgenommen, erfolgreich entgegenzutretcn. Unlängst wurde hier ein neuer Verein gegründet, „der jüdische Club", welcher es sich zur Aufgabe macht, für die weitere Fortbildung der der Schule entwachsenen' Jugend zu sorgen. Das Parlamentsmitglied, Herr E. L. Zox, hat den Vorsitz übernommen, der ehrwürdige Herr E. Blaubaum und Herr B. Sniders sind Vice- - Präsidenten. — Auch ein Verein zur Unterstützung der - Waisen und der verwahrlosten Kinder ist unlängst in's Leben getreten Und hat seine Thatigkeit mit der Versorgung von 6 Waisenkindern begonnen.— Auch sonst ist die Wohlthatrgkcit hier eine sehr rege, wovon - zahlreiche. WohlthätigkeitSvereine Zeugniß ablegen. R u m a n i e tu Bukarest. Seitdem in Rumänien die persönlichen Verfolgungen aufgehört haben, scheint in diesem Lande eine gewisse Beruhigung eingetreten zu' sein;. .die Presse hat nicht mehr so oft über gräßliche Verfolgungen der Juden zu berichten. Trotzdem glaube ja Niemands daß der Geist der Gerechtigkeit in die Sitten des rumänischen Volkes' eingedrungen sei, und daß das Prinzip der Gleichheit der Confessionen bei ihm praktisch zur Geltung komme. Noch immer verweigert man die Naturalisation der Juden. Ein Herr Schwarz. Doctor der Rechte, in Rumänien von einheimischen Eltern.geboren, welcher weder für sich noch für seinen.7V.aLer je fremden Schutz reclamirt hat. der inländische Schulen besucht und. seiner-Militärpflicht vollständig Genüge geleistet, hat nicht die.Rechte eines rumänischen Bürgers erlangen-können; .die.Kanmer hat einstimmig seine Naturalisation verweigert. Und solche Fälle der Ungerechtigkeit konnten noch schr viele aufgezählt werden. _ Ruß l a jt>. I . Lodz. Als vor einiger Zeit der hiesige Friedensrichter. um Mitternacht vom Bahnhof per Wagen heimkehrte, überfielen ihn und seinen Kutscher sechs Personen; der Kutscher wurde ermordet und der