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Der Israelit · 1884-01-03 · Heft 1 (3.1.1884) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 1 (3.1.1884)
Date
1884-01-03
Page
– (sequence 8)
Language
German
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8 Dritttheil; das llebrige könnte als Hypothek stehen bleiben. Freilich müßte Ihr Freund auch noch über ein größeres Capital verfügen, um das Schloß und die Wirthschaftsgebäude wieder aufzubauen und alles Dazugehörige anzuschaffcn. Dazu gehörten mindestens 60,000 Thaler. Dann hätte er aber ein Besitzthum, welches eine große Rente abwerfen könnte. Die Waldungen allein würden die Zinsen decken. Der Boden ist sehr gut und liefert reichlichen Ertrag. Für Viehzucht, namentlich für Schaafzncht ist das Terrain ganz vorzüglich geeignet, und die Wolle wird hier sehr gut bezahlt. — Ich verabschiedete mich von dem freundlichen, alten Herrn und versprach ihm, meinem Freunde Bericht zu erstatten. Das habe ich nun redlich gethan. Also, mein lieber Bruno, treibe Dir eine Frau mit 100,000 Thalern auf, und erwirb die Besitzthümcr Deiner Vater. Aber, mache es nicht wie Freund Lißhardt, nimm Dir keine schon in vorgerückter Jugend stehende Metzgerswittwe, selbst nicht, wenn sie noch mehr als 100,000 Thaler besitzt. Suche Dir ein schönes, junges Mädchen oder auch eine hübsche, junge Wittwe aus! Man muß irnmer das Angenehme mit dem Nützlichen zu vereinen streben. — Dem nächster Brief wird mich wieder in Berlin treffen. In treuer Freundschaft Cuno von Schwarzenstein." Mit einem tiefen Seufzer legte Bruno den Brief aus der Hand, um den andern zu lesen. Dieser lautete wie folgt: D., den 23. August. „Mein guter, alter Kamerad! Inmitten des Strudels rauschender Vergnügungen und prächtiger Ausflüge in die wahrhaft reizende Umgebung richten sich meine.Gedanken nach den Ufern der Nordsee, wo mein lieber Kamerad jetzt die kühlenden Seebäder nimmt. In diesen heißen Spätsommertagcn möchte ich manchmal lieber mich mit Dir in die Wellen der Nordsee stürzen, als die hiesige, oft schwüle Hofiust einathmen. Aber potztausend, ich habe Dir ja noch gar nicht gesagt, wieso ich hierher nach D. verschlagen bin. Ich glaube Dir schon mitgetheilt zn haben, daß mir die Ehre zu Thcil wurde, zu dem Gefolge des Prinzen Arnulf commandirt zu werden. Nun, Seine Königliche Hoheit geht auf Freiers Füßen, und wir sind hierher», gereist, um die Bekanntschaft der Prinzessin Aurelie von D. zu machen. Sie ist eine reizende, schöne, liebenswürdige und geistreiche Dame, der Liebling des ganzen Hofes. Ich glaube, sie gefällt unserm Prinzen sehr gutj, und daß mein ritterlicher Herr in den Augen der Prinzessin Gnaden gefunden brauche ich wohl nicht zu versichern. So haben wir denn ein hohes Verlobungsfest in allernächster Aussicht, wenn nicht die Launen und Capricen der jungen Prinzessin einen Querstrich machen sollten. Sie ist, wie gesagt, der verzogene Liebling des ganzen Hofes und ist in Folge dessen ganz unberechenbar. Denke Dir, ihre intimste Freundin ist — mit Respect zn sagen — eine.nun, eine Jüdin, ein Fräulein von Löwenheim, übrigens trotz, oder vielleicht wegen ihrer jüdischen Abstammung ein ganz reizendes Geschöpf, ein Backfischchen von 17 Jahren, naiv, kindlich, dabei geistvoll und piquant, und schön wie Rebecka am Brunnen oder wie Rahel, da sie den Jakob bezaubert, oder wie Bathseba, in die sich König David verliebte. Was sagst Du zu meinen alttestamentarischen Kenntnissen? Ich könnte Jude werden, um dieses reizende Geschöpf zu heirathen; denn außer all den vorbefchriebeneu Vorzügen soll sie noch die Kleinigkeit von einer Million Thaler besitzen. Sie ist nämlich die Tochter eines reichen, baronisirten Banquiers. Apropos, ihr Vater soll ja jetzt, wie ich hier höre, in Ostende sein! Vielleicht machst Du seine Bekanntschaft. Dann, sei so gut und werbe gleich für mich um die reizende Bernhardine. — Und nun will ich Dir eine ausführliche Beschreibung der Hosfeste ... Bruno von Wolkenberg legte den Brief aus der Hand; er hatte jetzt nicht die Geduld, die Schilderungen seines Freundes zu lesen. Er warf sich in einen Lehnsessel und legte die Hand auf die Augen. - „Ist das nicht eine Fügung des Schicksals!" sprach er vor sich hin. „Da legt mir Freund Schwarzenstein die Möglichkeit nahe, die Familiengüter wieder zu erwerben, und gleichzeitig langt ein Brief von Fritz von Köller an, der mir Kunde gibt von einer reichen Erbin, deren Vater in Agathe verliebt ist! Agathe muß ihn heirathen, und ist erst der Alte mein Schwager, jo kann mir die Tochter nicht entgehen." Er richtete sich hoch auf. „Bald, bald," rief er- „wird wieder das Banner der Freiherren von Wolkenberg von den Zinnen meines neuerbautcn Schlosses herniederblicken, auf die ganze gesegnete Landschaft, die einst meinen Vorfahren gehörte und die bald wieder mein Eigenthum sein wird!" (Fortsetzung folgte Hierzu zwei Nettage». Verantwortliche Redaktion : I>i\ Lehmann in Mainz. — Verlag nnd Crpedktkon deS „Israelit" gr. Bleiche 45. I. GotlSleben'S Buchdruckerei (MainzerAnzeiger).

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