Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 52 (30.12.1909)
- Date
- 1909-12-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 4. 96. Lezember t»os Ser Mraeltt «r. 52 Mann. Das Gotteslicht im Bethause genügt nicht. Wir müssen jeder mit seinem Haus und seiner eigenen Person Wall, Mauer und Zwinger gegen die alles mit sich fortreißende Strömung der Zeit ausführen. Wir müssen unseren eigenen Lebenswandel untersuchen und ihn der Prüfung unterziehen. Wenn der Irrwahn der Zeit uns berücken, uns von der Nachfolge Gottes und Seiner Thora abdrängen, und uns bestimmen möchte, den Worten Gottes und Seiner Weisen den Rücken zu kehren, so muß in demselben Maße unsere Anhänglichkeit an Gott und Seiner- Weisen Thora an Umfang und Festigkeit eine Steigerung erfahren. Wir müssen die Aussprüche unserer Väter s. A. angesichts ihrer Verächter erst recht zur Ehre bringen. Unser Reden und Handeln muß vor ihnen Zeugnis dafür ablegen, daß das, was sie verachten und verspotten, die Krone ist, mit der wir unser Haupt schmücken und uns höher als die höchste Kostbarkeit gilt. Sollten wir es ja mit irgend einem Ausspruch der Thora Gottes nach irgend einer Seite hin leichter genommen haben, so wollen wir durch einen neu zu schließenden Bund allesamt uns geloben, wieder zu den Geboren Gvttes in aufrichtiger Treue zurückzukehren und unsere Söhne und Töchter mit noch größerer Energie und Festigkeit als bisher auf den Wegen der Thora zu führen. Und da dürfen wir die Genossen nicht erst zählen, die mit uns in diesen Bund treten. Was eine solche Zählung auch ergeben möge, wir sind mehr als sie. Denn auf unserer Seite stehen alle vergangene und alle künftigen Generationen. Zu ihnen werden unsere noch ungeborenen Kinder zählen, die sich in einmütiger Hingebung zum Dienste Gottes zusammenfinden, wenn die Abtrünnigen und Leichtsinnigen längst aus unserer Mitte geschwunden sein werden. Denn der Bund derjenigen, die sich mit der Vergänglichkeit verbinden und sich bei der Lüge geborgen" glauben, verfällt der Vergänglichkeit und mit ihr die zur Schau getragene Zuversichtlichkeit ihres Blendwerks. Es braucht nur der flutend.'Strom der Zeit über sie hinzugehen, und sie werden die Täuschung ihrer Hoffnungen und Erwartungen zu ihrer eigenen Schande erfahren. Aber diejenigen, die sich mit Gott und seiner Thora verbünden, die sind einen Friedensbund eingegangen, der nicht wanken, den Gott selber mit frischer Lebenskraft in wenigen Jahren ausstatten wird. Denn Seine Gnade und Seine Treue ist auf ihrer Seite, sie sichert den Geringsten und Unbedeutendsten eine mächtige, tausendfältige Entwicklung, sie sind der Sproß einer Gottespflanzung, eine zu herrlicher Entwicklung reifende Gottestat. "(Schluß folgt.) LPf*. Korrespondenzen und Nachrichten Deutsches Deich. ver IX. Aonislekilwngretz. (Von unserm Korrespondenten.) Hamburg, 28. Dezember. Am Sonntag wurde in den weiten Räumen des Konzerthausesin Hamb urg der IX.Ziontstenkongreß in üblicher Weise eröffnet. Die Beteiligung ist eine äußerst starke und das Gesamtbild im Kongreßsaale und in dessen Umgebung erinnert an die Tage von Basel. Die Zahl der Delegierten, die von Wahlgruppen von je 200 gewählt werden, beträgt 440.. Alle Landesorganisationen der zionistischen Bewegung haben ihre Vertreter entsandt. Auch die Zionisten der Türkei haben zum ersten Male Abgesandte zum Kongreß entsandt. Der Bericht der Leitung der zionistischen Organisation, des Aktions - Eomites, der dem Kongreß erstattet wird, liegt gedruckt vor. Er zerfällt in drei Teile, den kulturell-politischen, den organisatorisch - administrativen und den finanziellen Teil. Der erste umfangreichste Teil gibt eine Zlebersicht über die bedeutenden Erscheinungen im Judentum der letzten zwei Jahre, vom zionistischen Standpunkte aus. Er verbreitet sich eingehend über die politischen Ereignisse, die für die zionistische Bewegung von besonderer Bedeutung geworden sind, namentlich über die Umwälzung in der Türkei. Er verspricht sich von den verfassungsrechtlichen Zuständen im ottomanischen Reiche die besten Aussichten für die zionistischen Bestrebungen. Ter zweite organisatorische Teil behandelt die einzelnen Institutionen der Bewegung. Sodann folgt eine Finanzübersicht, der wir u. A. folgende Zahlen entnehmen. Das Aktions- Komitee, d. h. die Leitung hatte in den beiden Jahren der Berichtsperiode Einnahmen in Höhe von 300 000 Mark, der I ü dische N a t i o n a l s o n d s vermehrte sich um eine halbe Million, die Banken weisen insgesamt Einnahmen von 600 000 Mark auf, die „Oelbaumspende", aus deren Erträgnissen auf denr Bodenbesitz des National-Fonds. Oelbanme gepflanzt werden, 100 000 Mark, die Gesamteinnahmen der zionistischen Organisation in dw Berichtsperiode betragen^ 1644 633,04 Mark. Das Gesamtvermögen der. Organik sation nnh der verschiedenen ihr gehörigen Institutionen rc. beträgt 7% Millionen Mark. An Ausgaben verzeichnet der Bericht u. a. für Reise und Agitation 12 081,75 Mk., 2 ubve nt i o n e n für „Die Welt'' und „Haolam" 15 909,94 Mk./ Gehälter 23 433,20 Mk. Mit herzlichen Begrüßunqsworten eröffnete Präsident Wolffsodn den Kongreß. Er sprach von den Ereignissen der letzten zwei Jahre, vorr der Lage der europäischen Juden, die sich nicht nur nicht. besserte, sondern stets schlimmer werde. Durch die hocherfrenliche Umwälzung in der Türkei, die aus einem absolut regierten Staate eiue konstitntionelle Monarchie geschaffen, sei volle Klarheit erreicht, über die Hoffnungen, die der Zionismus zu hegen, über die Wege, die er einzuschlagen habe. Der Zionismus sehe keinen Gegensatz zwischen ottomcmischen Interessen und zionistischen Bestrebungen. Allen denen, die im Zionismus eine Tendenz zu erblicken glauben, die dem Einheitsgedanken der ottomanischen Monarchie widerstrebe, diene die feierliche Erklärung : Die ottomanische Staatseiyheit, die Weltmacht st ellung und die innere Wohlfahrt dieser Monarchie, ihr Schutz und die gedeihliche Entwicklung ihr?er Gesamteinrichruge n sind die selbverständlichen Voraussetzungen aller unserer Arbeiten. Die ottomanischen Gesetze werden die Richtschnur sein für alle unsere Unternehmungen und auf der freiheitlichen türkischen Verfassung werden sich alle unsere Pläne aufbauen. Denn in der nunmehrigen Rechts st ellung, in den staats g rundsätzlichgewährleisteten und in einer fortschrittlichen Entwicklung begriffenen Einrichtungen, erblicken wir die Garantien unserer persönlichen und nationalen Sicherheit. Die Bestrebungen, die darauf hinauslaufen, am Texte des Basler Programms Aenderungen vorzunehmen, weist der Präsident aufs entschiedenste zurück: Das Basler Programm muß und soll erhalten bleiben. Redner geht sodann auf die praktischen Unternehmungen und Erfolge des Zionismus innerhalb der letzten zw.i Jahre ein und schließt mit einem Alppell zur aufrechten Weiterarbeit. Der nun folgenden Begrüßungsansprache des^ allverehrten Vorsitzenden des Hamburger Synagogenverbandes De. med. Levy sei hier besonders Erwähnung getan, weil sie in innigen, zu Herzen gehenden Worten die Notwendigkeit zum Ausdruck brachte, daß vor der Rückkehr Schritt ans dem Gefängnisse steht er auf einen: Königsthron! Er bleibt derselbe, ip-nd *iöp. Man nennt ihn pVTün r)D,p- Der Leser liiödte in seiner Phant'sie dem Gange der Tinge vorauseilen und dem trauernden Greise erzählen, daß sein Sohn in Egypten der Versuchung standhaft auswich mit dem sä.önen Wort: „Me sollte ich so ein großes Verbrechen begehen und gegen Gott sündigen?" Wir malen uns die freudige Heimreise der Brüder aus, die Szene des Wiedersehens von Vater und Sohn. Wir bewundern den Takt, wie er die Audienz seiner Brüder bei Pharao vorbereitet, die gemessene Rede Jakobs vor dem Egypterkönige. Sie ist diplomatisch durchdacht, rund und abgeschlisfen. Und wie er erst des göttlichen Trostes, der Aufmunterung bedarf, nach Egypten zu ziehen! Ihn blendet nicht das Glück und die hohe Rangstufe seines Sohnes: vielleicht macht es ihn gar besorgt, daru»>: r.D’HHD miD »TH b» Jak.bs avgekttnte Lebensweisheit leuchtet auch aus der Maßregel , für feine Beerdigung nach Kenaan. Das Versprechen Josephs läßt sich der Vater durch einen Schwur bekräftigen. Und richtig, Joseph muß aus deü.Schwur hintveisen, damit Pharao . th'u die Reise nach Kanaan erlaubt. D»r sterbende Bmer und Großvater hinter läßt uns Segensstr.» eln, die heute noch ein Band der L eb zwisch n Eltern und K ttdern winden. So schließt das 1. Buch Moses mit Friedens- und Segensgcdanken. Mil Wehmut steven wir anr Sterbebette des dritten Patriarchen, der in seinen wcchselvollen Schicksalen uns.wohl näher steht als seine Vorgänger, der uns den Namen „Sjntpv' als dauerndes Wahrzeichen, als Kampfes- und Siegesparole hinterließ. Mit diesen Enpsindungen nehmen wir Abschied von nnrm3/ und treten aus den Familienräumen des jüdischen Stammes ein in seine Bo ksg eschichr.«-. eines Meuilleton Ungeälitcltte Briefe Ulolf Breidenbacbs, Von —tz. DaS Andenken Wolf Bleidenbachs wird für alle Zeiten ein gesegnetes sein; sein Name ist ja mit ehernem Griffel in dem Buche der Zeitgeschichte eingezeichnet, denn er verwendete seine großen geistigen Gaben und bedeutenden materiellen Güter, umdasJocy deS Leibzolles von seinen Brüdern zu nehmen. Wie ihm dieses gelang, ist von berufener Seile ausführlich geschildert worden, auch wie er die begüterten Zeitgenossen durch sein Sendschreiben torwr *03 OTm mp Vp zur Mithilfe aufforderte. Daß ihn die hessischen Standesherren auch mit dem üblichen Titel Hof- und Kammerageut auszeichneten, ist ja bekannt. Jedoch genügten ihm die Ernennungen nicht - sein kurhessischer Landesherr sollte seinen ehemaligen Untertanen mit einer StandeSerbvhuna bedenken, und hierauf beziehen sich nachstehende Briefe, deren Originale im Königlichen Staatsarchiv in Marburg unter Kasseler Geheime RatSakten Nr. 2253 fich befinden. „Durchlauchtigster Landgraf! Gnädigster Fürst und Herr! Euer Hochfürstlichen Durchlaucht durch ebenso eifrige als uneigennützige Dienste die unauslöschlichsten Geswungen ctneS geborenen Unterthans in tiefster Ehrfurcht bewahre»: zu können und Höchstdenenselben auch w emem anderen Lande noch auf einige andere Weise anzugehvren, war längst mein sehnlichster Wunsch und der vornehmste Bewe grund, weshalb ich vor einigen Monaten nach dem Glücke strebte und erhielte, Höchstdenenselben mich mit einem Theil meines Jnventarvorrathes in Hvchstdero Restdenz auf der Bellevue zu Füßen zu legen. Huldreichst sicherten Höchstbteselben mir als geborener hrslscher Unterthan den Schutz in Höchstdero Staiten insofern zu, als er mein Comerc zulttß, welches letztere leider nicht leicht lhunltch ist. Dieser Wunsch, den ich bisher in meinem schüchteren Herzen verschlossen gehalten, wird durch die dermaltgen ' Zettläufe vorzüglich belei t, da Euer Hochfürstlichen Durch lauchr den Staaten das G.ück * des Friedens und jedem der Höchstdenenselben anzugehören die Gnade hat, persönliche Sicherheit zu verschaffen gewußt haben ... In diesen Gesinnungen wage ich die unterthänigste Bitte um gnädigste Ertherlung des Titels eines Hof und Kammer-Agenten zu Füßen zu legen. Diese anhoffende höchste Gnade würde ich durch alle in meinen Kräften stehende unterthäntgsten Dienste ohne Eigennutz z»i verdienen suchen. In allertiefster Ehrfurcht ersterbend Offennbach Euer Hochfinsilichsten Durch'aucht den 18. Sept. unterthänigster Knecht 1795. Wolf Breidenbach." - Die Ernennung zum Hoffaktor erfolgte am 30. September 1795. Doch Breidenbach wußte noch auf andere Pmne sinnen, denn in den Akten ist noch folgendes emhalten: „Einer!Hechfürstlich Höchlöblichen \ Geheimen Land Canzley! ' - ■ . Sollte ich nebst hierveh folgenden 45 Stück Laubtblr. mit Ehrfurchtsvollem Bezug auf den sämtlichen, Jnyatt