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Der Israelit · 1909-12-30 · Heft 52 (30.12.1909) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 52 (30.12.1909)
Date
1909-12-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Der JWr-Mb No. SS «et» B Vas knSe Sss luSen-Kanons in kußlanö? Seit dem Bestehen der Reichsduma beschäftigt die jüdisch-politischen Zkreise in Rußland die Frage sehr lebhaft, ob und in welcher Form der Antrag auf bürgerliche Gleichstellung der Juden dem Parlament zu unterbreiten sei. Eine teilweise Lösung dieser Frage beabsichtigt nun ein Antrag, zu dem sich die jüdischen Deputierten nach langem und reiflichem Ueberlegen entschlossen haben und der die Aufhebung der Wohnrechtsbeschränkungen der Juden verlangt. Es ist allbekannt, daß ein gut Teil des Judenelends im Zarenreiche aus diesem Wohn-Nnrecht resultiert, welches eine Einpferchung der Juden und eitt unnatürliches Anwachsen ihrer Zahl in den ohnehin industriearmen Gegenden des Reiches zur Folge hat. Die Kadetten und 23 Oktobristen haben den Antrag mit unterzeichnet. Und es steht zu hoffen, daß alle Mitglieder dieser letzteren Fraktion, daß selbst ein Teil der Rechten dem Antrag, nicht feindlich gegenüberstehen werden, denn das Volk, soweit es in Rußland zu Worte ksmmt> hat dei verschiedenen Gelegenheiten offen rmd eindeutig bekundet, daß es die Aufhebung des Landesghettos in seinem Interesse, im Interesse des Handels und des allgemeinen Mrtschaftsstandes wünsche. .Bleibt noch die Frage, was der Staatsrat, das Organ der Regierung, die bei ihren Maßnahmen sich kaum jemals von den Wünschen und Jntereffen des Volkes bestimmen läßt, dazu sagen würde. Grund zu besonderem Pessimismus in dieser BAehung liegt gerade nicht vor, umsomehr als die Regierung etwa vor Jahresfrist offiziell Märt hat, daß sie die Verantwortung für die Aufhebung des Wohnrechts der Juden mit Rücksicht auf das Volk, das über die Einhaltung der geheiligten Grundgesetze eifersüchtig wache, nicht übernehmen könne, also Rücksichten vorfchützte, M durch eine Kundgebung der Volksvertreter M obenerwähnten Sinne ganz in Wegfall kämen, Außerdem sprach sich, wie an anderer Stelle berichtet, ein einflußreiches Mi glied des Staatsrates für den Antrag aus und gab, was noch weit wichtiger ist, die Versicherung ab, daß sich die Regierung einem eventuellen Beschlüsse der Duma auf Abschaffang der Wohnbeschränkungen der Juden nicht entgegensetzen werde. Man muß angesichts der unermeßlich hohen Bedeutung dieser Angelegenheit äußerst gespannt der Erledigung des Antrages in der Duma entgegensehen. Gelingt es, diese Frage im Sinne des Rechtes und der Menschlichkeit zu lösen, so beginnt damit unbestreitbar eine neue Aera, nicht allein für die russischen Juden, sondern für das gesamte russische Reich. €i»e edamkr-veilschttmg Samo» stapbaei dtrrcdr vor os Iadre«. (Fortsetzung). tedoch nicht uns, nicht den Rabbinern, die ilfe gerufen, nicht ihnen allein liegt es ob, das Werk zu vollenden. Kein jüdischer Mann ist von der Pflicht frei zum Kampf für Gott zu rufen und sich mit Aufgebot aller Kraft in den Dienst des Gottesheiligtums und seiner Thora zu stellen. Das Weh über den Niedergang unserer Thora und den Jammer unserer Zeit ist das Band, das alle verbündet, die den gleichen Schmerz im Herzen tragen und die Träne, die unser Auge, um die Vergewaltigung der Thora weint, sie besiegelt unseren Bund. . Wenn früher in Israel eine Schandtat verübt wurde, wenn eine Hand sich gegen seine Heiligtümer erhob und man den Namen Gottes in unserer Mitte entweihte, da stand das ganze Volk auf, nieder und hoch, um für das Bündnis einzutreten, und alle Macht für die erschütterten Heiligtümer Gottes und seine Thora einzusetzen. Je größer die Not war, um so größer war das Vertrauen und die Zuversicht auf Gott. Mit der Zahl der Zerstörer und der Breschen, die sie rissen, wuchs die Zahl und daS felsenfeste Gottvertrauen derer, die ihre Kraft der Erhaltung von Thora und MizwoS geweiht hatten. Verführern und Verleitern gegenüber gingen sie lieber in den Tod als daß sie auch nur eine einen Schuhriemen betreffende Observanz preisgegeben hätten. Deshalb ging unsere Thora groß und machtherrlich, das Haupt von dem Beistand Gottes verklärt, siegreich aus allen Bedrängnissen und Leiden hervor. Das hat der Eifer bewirkt, mit dem sich das Gottesvolk in solchen Lagen zusammen gefunden hat. Hätten wir da nicht vor unseren Vätern zu erröten, müßten wir uns da nicht vor den Gräbern unserer Altvorderen schämen, wenn wir den Mut verlieren, wenn unser Herz feig und wir uns lässig erweisen sollten in dieser Not, die unsere Zeit betroffen hat? „Was geht das uns an?" wendet man uns ein. „Das ist Pflicht unserer Führer! Wir find einfache Kaufleute, für die Thora können wir nichts tun und wenn unsere Leiter und Lehrer fehlen, so tragen sie die Verantwortung der Thora gegenüber, wir aber find schuldfrei." Mit rrichten, meine Brüder , dem ist nicht so. Wenn sich die Häupter der Gemeinde versündigen und ihre Blicke an der Lüge hängen, so kann sich das Volk nicht freisprechen. Wenn der Fürst sündigt, trifft die Schuld das Volk. Wer hat denn der Hand des Leiters und Lehrers den Hirtenstab und die Bundestafeln anvertraut? Es sind doch die Mitglieder ihrer Gemeinde, aus deren Hand sie dies alles haben, sie find es doch, die i^e Führer bevollmächtigt haben. Haben nun die Wähler bei ihrer Wahl keine Rücksicht auf die Thora genommen, um nur würdige Führer an die Spitze zu stellen, so tragen auch die Wähler einen großen Tell an der Schuld der Führer und Lehrer. Wer zu diesen Kränkungen der Thora schweigt und diejenigen, die sie im Munde führen, noch unterstützt, der hat diese Leugnung durch sein Schweigen anerkannt. Aber davon abgesehen. Für daS Erbe der Gemeinde Jakobs, für die Thora vom Sinai, sind wir alle geboren; ein Königreich von Priestern und ein helligeS Volk zu werden, das ist unser Beruf von der Stunde der Geburt an, er ist älter als der felbstgewählte Beruf als Kaufleute und Geschäftstreibende, er hat daher die Priorität. WaS können wir dem gegenüber am Tage der Verantwortung zu unserer Rechtfertigung Vorbringen, wenn Gott von Zion erstrahlen, vor uns hintreten und nicht länger schweigen wird, wenn er mit seinem Volk inS Gericht geht und Israel zur Rechenschaft fordert? Was können wir antworten, wenn Gr unS die Frage vorlegt, was wir zur Ehre Seines Namens getan, womit wir Seiner Thora zur Hilfe geeilt find, wodurch wir unS sttber in der Stunde des Kampfes für Gott geweiht, als man den Hader in den Kreis der Thora getragen hat? Wie werden wir uns rechtfertigen, wenn Er einst seine Treuen sammeln wird, die den GotteSbund durch ihr Opfer besiegeln und frägt, was sie denn getan haben, damit auch die Generation, die nach ihnen kommt, daß ihre Kinder, die sie geboren, zu einem gotttreuen Geschlecht heranblühen, und dem Wandel mit Gott nicht einst den Rücken kehrte? Müssen wir nicht sprachlos verstummen, wenn wir unS der Pflicht entziehen, den Zusammenbruch selbst unseres zeitgenössischen Geschlechts aufzuhalten, wenn wir unser Thoraerbe völlig den Händen feiner Zerstörer und den Weinberg Gottes durch Zerstörung seiner Einfriedigung der Verkümmerung und Verödung überlassen? Fragt Ihr aber: Was können wir tun? Woran haben wirs fehlen lassen, um es noch nachzuholen? „EinLicht für jeden Einzelnen und sein Haus!" sagen unsere Weisen s. A. HV31 an* ir ein Licht für jeden einzelnen im Osten, \m?*ti ]rm Avraham, den wir mit Stolz unseren Wn nenne -. In, in uns rn Adern fließt flaues Blut!" Wir künden es täglich selbst ewußt in der Morgen«- dacht: PN8' /On-OK '13 'nruM wir sind Kinder etn S Abraham, > imS J,a5 und Jakob \u So rief der Jud - auch im dumpfen Ghetto se nen Be achtern und Peinigern entgegen, so klang es stolz aus den engen Gaffen, wenn die ersten Sonnenstrahlen den Boden küßten. Und M war kein leerer «chall, keine nichtssagende Phrase. [ Ihren Gehalt und Inhalt gab chr das 1. Buch Mosts W seinem 12. bis 50. Kapitel. Darin liegt die ganze Wmüie jeyxr beseligenden Gedanken u d Empfindungen We ein k Mürer Schatz ve wahrt, der durch alle Zeiten M weiter eckt, der das Wo t apyvi pns' /DH13« *03" Äzv einem so viel agenden macht, zur Levensdevft und istsparole; denn p*p D13K der Ahnen itc& find ein W irzeichen für deren spatere Epigonen. Darmn finden wir so viele Beruh ungspunkte zw-schen jenen Geschehenifl n „uralter Zeiten" und den Erfahrungen der lebendigen Gegenwart, darum weisen wn so oft Mb so gerne der. leichend auf sie hin, darum ergeben sich m Förster, der liebevoll sich in die Patriarchengesch chte versenkt, stets neue Wahrheuen, Weisheiten und Gefichts- HvWkte, darum bringt fast, jedes r^ahr neue Kommentare Mb.sinnreiche DeutuMen, als schöpfte van aus uner- Mtzndllchen Tiefen.- '7 ^Wie Imponierend wirkt schon die Gestalt eines biWam, den Gott in die weite Welt schickte mit chAvet großen Worten: ,1313 HMV „werde zum Sr kämpft gegen die Finsternis des tzeiden- " der eigene Bater angehörte. Hungersnot Erfahrungen bringen, ihn nicht außer l Streite mit dem leiblichen Neffen findet e Wort: ^Willst dA «ue Ehten, fo L Hrhst du zur Linken, so ^iehe ich rechts l" Uneigennützig befreit er die Gefangenen Sodoms, will weder „Faden noch Schuhriemen" nehmen. Unaufgefordert betet er für dte sündigen Sooomiter, bittet immer von neuem bis zur äußersten Grenze der göttlichen Gnade. Wildfremde Wanderer bewirtet er mit einer hinget enden Liebe, wie sie nur kindlich reinen Herzen und Gemütern eigen sein kann. Felsenfest ist sein Vertrauen, daß selbst rm hohen Alter ihm noch der Sohn ersteht, in dem sein Segenswerk wciterblüht und weiterlebt. Mit einer für gewöhnliche Sterbliche fast unbegreiflichen sittlichen Größe bestcigt er die Morijahöhe, um die Wonne seines ßebcnß der Pflicht per.Gottestreue zu opfern. 'Wer vermag gleich Abraham immer und überall das freudig-bereite „mn" zu sprechen? Rührend bleibt Abrahams F rsorge um eine ehrwürdige Grabstätte für die lote Gattin. Mit heiliger Scheu blicken noch die späten Enkel auf jenes „Erbbegräbnis", gedenken pietätvoll der sii3N W, der in Hebron Schlumwerden Rüorend und lehrreich in jeder Hinsicht bleibt die Werbung um Isaaks Braut, die eine Sarah ersetzen soll. Älles ist in diesem Bilde jüdisch, echt jüdisch, und darum so wertvoll. — Und Jsaks Haus ist das verjüngte Heim Abrahams. Im Kampfe mit den neidischen Philistern zeigt er ruhige Besonnenheit und Friedensliebe. Welch herrliche Genugtuung, wertst Jsak zu den um seine Freundschaft werbenden Philistern sagen kann: „Warum kommt ihr jetzt zu mir? Ihr habt mich ja gehaßt, und von euch weggeschickt!?" Und sie antworten: „Wir sahen, daß Gott mit dir ist." Solche Hochachtung, den Feinden abgerungen, nennen wir &rp* "D&tf Die grundverschiedenen Charaktere eines Jakob und Esau bringen Jsak reichbewegte Jahre, werden typisch ifür Israel in seinem Verhalten zu feindlichen Weltvölkern. Jakob flieht! Jsak erfährt nichtvon EsauS Rachcknft. Schonend teilt man ihm einen andern Grund mit: Jakob soll eine ebenbürtige Gattin wählen. Leidvolle Jahre folgen, beim lieblosen Onkel. Jakob erhält dennoch Gottes Schutz und Segen, erringt Reichtum und fiüht eine zahlreiche Famrlie erblühen. Er entweicht schließlich heimlich von Laban. Dem nachjagenben Onkel hält er eine Standpredtgt, die Hand und Fuß har, ijjj 311 3V?H INI - - - Impulsiv reiht sich Wort an Wort, Satz an Satz, und Laban-stammelt eine nichtssagende Entschuldigung. Wie kann doch das reine Gewissen „auftrmnpfen", wenn nöttg! — Ein anderer Feind zieht entgegen: Esau. Jakob bahnt eine Versöhnung an, bereitet sich auf Kampf vor und — betet! Tas sind bis zur lebendigen Gegenwart die drei Regeln geblicken, die wir in der Geschichte zu betätigen haben. Geradezu ergötzlich ist,., wie Jakob in vornehmer Art die settens Mau angebotene Begleitung „zurückkomplimentiert". Könnte da nicht mancher „Parvenn" etwas ablernen? — Welch tiefe Wurzeln muß in Jakobs Familie das religiös-sittliche Bewußtsein geschlagen haben, wenn Simon und Levi in gerechter Entrüstung über Schechems, verbrecherischer Tat für ihren Zorn keine Grenze kennen und zu einer unbedachtsamen Handlung sich hinreißen lassen! Der Bater rügt das. Doch auf dem Steckckette tadelt er — toohlgemerkt^ — nur den „Zorn" der Söhne, nicht ihr innerstes Motiv. — Den Schluß des Buches mvWD bildet aber die Geschichte Josephs. Unter allen „Jugendschriften" verdient diese Geschichte in all ihrer historischen Einfachheit heute noch preisgekrönt zu werden. . Hier wird Erlebtes, Wahres geschildert, die ganze Skala menschlicher Gefühle berührt. Wie in einem Drama wird der Knoten geschürtt, um sich wunderbar dann zu lösen. Wir begletten Joseph in die Fremde, sehen ihn schuldlos lewen, tief und tiefer sinken, er wird Sklave, ja Gefangener. Und mit einem

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