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Der Israelit · 1909-12-30 · Heft 52 (30.12.1909) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 52 (30.12.1909)
Date
1909-12-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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so De, fr;: Teilen btt Welt teilnehmen. ES soll dieS nur ein Beispiel dafür sein, daß für fleißige Hände, die sich der Bodenkultur in Amerika widmen, sich noch viel mehr Exiflenzmögltchketten bieten, als durch dem armseligen Kleinhandel und schlecht bezahlte- Handwerk in den großen Städten. Ans territoriale Einzelheiten kann hier nicht weiter eingegangen werden. Eines aber ist sicher. Wenn die Heranwachsende russische Jugend, wenn eben möglich schon in Rußland, bezw. in Galizien, zum Ackerbau erzogen wird, wenn ihr in fernen Westen Amerikas nicht nur eine neue, sondern auch eine glückliche tzximat erschlossen wird, dann wird daS geflügelte Wort Amerikas: „go west, young man, gehe nach Wester» junger Mann" das einer der reichsten und größten Amerikaner seinen jungen Landsleuten zurief, auch für unsre russischen Brüder einen tiefen Sinn erhalten. Dort, wo die russischen Juden nichts von Ihren religiösen Gepflogenheiten eines kärglichen Stückchen Brodes halber, preiszugeben genötigt würden, wo sie unabhängig von der Tyrannei der industriellen Arbeitgeber leben können, hätte das Schmelztiegelproblem keine Gefahren mehr für sie und uns. Dieses Ziel ist erreichbar. Wie? Das mag noch einmal erörtert werden, wenn wir unS an dieser Stelle wieder mit dem Schicksal unserer Brüder in den Ostländern beschäftigen werden. BebrSisdte Kultur. In früheren Zeiten pflegte die Kulturfrage einen breiten Raum auf den zionistischen Konffen einzunehmen. Allmählich aber zeigten die Besonnenen und Vorsichtigen im Lager Zionisten darauf bedacht, wenigstens nach außen hin die Fragen reinkultureller Natur aus dem Jntereffenkomplex des Zionismus mehr oder minder auszuschließen. So kam es denn, daß auch diesmal nicht in ^Hamburg, wo der Zionistenkonareß zur Z eit. tagt, sondern in Berlin und zwar eine Woche früher, die jüdischen „Kulturträger" sich versammelten, um über oie Interessen der hebräischen Sprache und Literatur zu beraten. Auf viele Hunderte Einladungen, die versandt wurden, fanden sich einige fünfzig Delegierte in den Sofiensälen zu Berlin ein, darunter natürlich zahlreiche auf dem Wege nach Hamburg sich befindende Kongreßdelegierte, die in Berlin wohnenden hebräischen Schriftsteller und eine Anzahl russischer Studierenden der Reichshauptstadt. Hauptzweck der Konferenz war, die Frage der Einberufung eines allgemeinenKongresfes für hebräische Sprache und Kultur zu erwägen, und nach langen Beratungen beschloß man, einen solchen Kongreß möglichst im Monate Cheschwan des kommenden Jahres nach Palästina einzuberufen. Dieses Resultat als der endlosen Referate, Verhandlungen und Beratungen letzter Schluß, würde eine* Besprechung und Würdigung der Versammlung an dieserStelle noch lange nicht rechtfertigen, hätte sie nicht noch außerdem eine Anzahl prinzipieller Gesichtspunkte an den Tag gefördert, die im Interesse einer Klärung der Begriffe auch für die orthodoxe Judenheit, der die Interessen der heiligen Sprache am ehesten am Herzen liegen sollten, von höchstem Werte sind. Der Löwe der Versammlung war natürlich der gefeierte Acha d Ha am, der sich, pessimistisch und skepttsch wie er einmal veranlagt ist, diesmal ganz besonders darin gefallen hat, seinen Kollegen von der Feder, mit unverblümten Wahrheiten zu dienen und ihnen den gegenwärttgen Stand der neuhebräischen Literatur so wirklichkeitsgetreu zu schildern, daß sich die unerfreulichen Perspektiven für die Zukunft von selber ergaben. Er sagte: „Ich höre von vielen Zustimmungen zu der Kongreß-Idee. Allein diese Zustimmungen beruhen keineswegs auf gründlicher Ueberlegung und Prüfung der Frage. -Sie .bilden lediglich den mageren Erfolg der von der zionistischen Schule übernommenen Diplomatie, mit der die Einberufer zu Werke gingen." Ein Kongreß", meinte der geübte Kritiker Wetter, „könne Kräfte, die nicht vorhanden feien, auch nicht schaffen. Der Kongreß habe nur dann Wert und Sinn, wenn er aus der Idee, die ihre Träger schon lange vorher beseelte, geboren sei. Die Schwierigkeiten und die offenbaren Mißerfolge der Konferenz hätten aber nun reichlich bewiesen, daß das Bedürfnis nach Sammlung und Einigung der Hebraisten nicht in dem Maße vorhanden sei um der Kongreßidee den Boden zu sichern. Man müffe abwarten, bis der Gedanke gänzlich ausreife usw. Die Neigung zum Abwarten und. langsamen Borangchen liegt im ganzen System von Achad Haam. Er gehörte nie zu den Kutturstürmern und Drängern und wollte stets die Ideale, denen er das Wort redete, seine hohen Kulturziele, die im wesentlichen noch viel radikaler sind, als die seiner Genossen, in möglichst weite Zukunft gerückt wissen. Diesmal scheint er aber denn doch die letzte Konsequenz seiner kritischen nicht gezogen zu haben. Die Konferenz "hat Fiasko gebracht, der Kongreß wird noch rineü weit größeren Mißerfolg zeitigen und die Zukunft, auf die uns Achad Haam vertröstet, würoe darin keine Besserung bringen, solange die führ.tzbckr Männer, deren einer Achad Haam in erster Ehe ist, nicht der hebräischen Literatur die neuen Wege ebenen, die nicht wie bislang aus dem Judentum hin aus führen, sondern die neuhebräische Sprache, unserem Herzen näher bringen, das Band zwischen ihr und ihren ersten natürlichen Freunden und Förderern, den gesetzestreuen Juden, wiederherstellen. Die Konferenz machte leider gar keine Miene, diese einzig rettende Tat zu Gunsten des Kulturzweigs, dem sie so viel Mühe und Sorgfalt widmet, zu unternehmen. Der Kongreß, vorausgesetzt daß er überhaupt zustande kommt, wird es noch viel weniger tun. Denn gerade auf dem heiligen Boden Palästinas, wo er stattfinden soll, haben sich beretts die unheilvollen Folgen der nationalen Reform, wie sie dort in radikalster Art wütet, so recht bemerkbar gemacht, Folgen, die wohlihreAnhänger nicht abhalten, immer neue Attentate auf den echtjüdischen Geist in Schule und Literatur zu begehen, die aber dem denkenden . Juden zeigen, zu welchem Ende solche Bestrebungen führen und ihn bestimmen, sich ihnen nach wie vor fernzuhalten. Achad Haam'fragte u. a. in seinem hebräischen Bortrage, s'tt ot umpa o’pV# S".i, er meinte damit seinen Gott, die „Liehe zur hebräischen Sprache und jüdischen Kultur." W i r möchten diese Frage lieber im alten überlieferten- Sinne auffassen. Erst wenn einst, die Vertreter der neuhebräischen Sprach? und jüdischen Kultur, diese Frage positiv werden^ beantworten können, wenn D'pS# einst wirktch in ihrer Mitte wellen und sie sich zu der AnfW durchgerungen haben sollten, daß die jüdische Sprache in erster Reihe dazu da sei, ata . dem jüdischen Menschen im Geiste seiner Thorm. lehre die modernen Wiffensquellen zu erschließ«^ und ihn für die Forderungen des Tagest zu wappnen, dann könnten wir unS der Hoffnung Achad Haams anschließen, daß - noch einmal die Zeit kommen werde, die reif sein wird für einen Kongreß für hebräische Sprache und Kultur, und zwar für einen solchen der nicht erst Kräfte künstlich schaffen muß, sondern ganz noch seinem Wunsch^ aus einem tiefinnerlichen Herzensbedürfnis oes Volkes hervorgegangen sein wird. Li» Rückblick. Zum Wocheuabfchuttt. Bon A. Muuuheimer in Dettelbach. Go oft wir alljährlich mit Paraschat rWDW die Geschichte Israels als Bott zu lesen beginnen, schweifen ur willkürlich unsere Blücke rückwärts aus erste Buch der Thora, daS mit der Erzählung vom Tode des dritten genen zu erblicken: cnifrmri hy rMd nVitf- So mag denn dieses Wort ein Fingerzeig sein, nochmals in flüchttaen Zügen die Genesis an unserem Geistesauge vorüberziehen zu lassen. Was uns rar allem schon äußerlich an diesem Buche fesselt, das ist der geschlossen, einhettltcheAufbau. ES beginnt mir der Geschichte der Weltschöpfung, iührt unS in großen Umrissen ine Berichte über die ersten Menschengeschlechter uns Weltenvölker vor und verbreitetfich dann in epischer Breite, in Änfacher. herzgewinnender Sprache über die Geschichte unserer Stammväter, um mit dem Tode Jakobs zu enden. Der „Systemtilei" von Beruf könnte seine hklle Frrude an einem solchen Buche Laben: chronologische Ordnung, Stoffeinterlung, klare und formvollendete Darstellung, in allen Teile« gl. ich herrlich! Doch sehen wir heute von diesen rein äußeren Momenten ab. Uns Juden interesfiert der Kern mehr als die Schäle, der Inhalt mehr als die Form, der „gute Wein" mehr als der „Krug", indem man chn gefaßt. Darum lassen wir gerne kaletdoflopart g nochmals die Bilder aus rwSWO an unserer Seele vorüber leiten. Zunäckst die Wettschöpsung! Trotz aller wissenschaftlichen Forschungen, Hypothesen, Fuide und Grabungen steht der Satz D'pba 812 n WÖ fest, fest und unerschüttert wie ein Fels im Me.re. Mögen Astronomie, Archäologie, Geologie und deren verwandte Wissenszweige noch so große Fortschritte machen, mögen die technischen Errungenschaften den Menschen mit den schärfsten Waffen der forschenden Beobachtung ausrüsten, mögen Teles'ov, drahtlose Telegrophie re. ungeahnte Wetten uns erschließen und Luftschiffe uns phantastisch in deS AecherS Räume tragen: sie werden den kleinen Satz nicht entwei ten, mit dem unsere Thora etngeleiet wirb. Und er liest sich mit allem Folgenden, was von der Weltschöpfung erzählt.wird, alljährlich so über.tugend in die HerM Von groß und klein alt und jungnnmer von neuer em, wie di>s nur bei Darstellungen der Fall ist, die den Stempel der Natürllchret und Wahrheit an ssch tragen. Nach der Mischnah (Aboch) ist dieser Fundamentalsatz auch eines ,ener bedeufamen Gottesworte, denen die Wett ihr Dasein verdankt: wn 1D»D 'JM ri'Vtt12- Und er wirb. ieS bleiben solange Meschen forschend und fragend vor. den Rätseln des ÄllS stehen. Mij Ebenso natürlich und überzeugend mutet uns MelLrzählung der ersten Menschheitsgeschichte an. Das erste Menschenpaar, im Paradiese sorglos lebend, ssL Sinneniust und Ueberhebung meiden lerne«, ..im Gott S- >ebor und Gi-tteswillen die heilsame Schranke u serer °>errscheraufgabe erblicken. Sie unterliegen der Schlange, jet Verführung. —Kajin entwickelt sich allmählich zum Brudermörder, er finkt vom Neid. z«m Mord, trotz der Kajin wurde zum Typus des ruhelos vom böfttt Gewissen Gepeinigten — Noah, steht einer ganzen Wett , von Schlechtigkeit und Sittenverdervnts gegenüber, deM einzelne Mann gegen Millionen! Und 130 Jahre hoffte'' und wartet Gottes Gnade auf Besserung, aus. Uml Umsonst! Noah wird zweiter Stammvater derMrnsch die von >hm aus nach drei Richtungen hin ihre En" lung nahm, ein Entwicklung, die keimarttg schon ln 9 Sprösslingen, DH schlummerte und in gef tig n Urmifien mit Seherhltck vom Bater seib^ ward: Sem, das Prototyp religiös-ethis er L "■ ,het, das Bild der du ch Kunst und Wtffenst rück auf jene Pr^phelenworte Roachs, die durch Jauri sende sich so herrlich tewchrt und bewahrheitet. — { stolzes Menschengeschlecht PoHt auf eigene KvM und Macht, sie prägen das bestrickende, Tausende bezän^ bernbe Wort „n& rwpj," wir wollen uns et" „Namen" machen. Menschenmacht über GotreSmacht!^ spätere awalrktt'sche Methode, oer Gottes stt'liche? waltung„ewigen Kampf" geschworen; doch beute r ' Ringen der Nationen eine unvergessene Parole. rauscht wird schon von den Himmclsstüxmern i Turm zur Höhe geführt- — ein “ Sftufimffiäjttaen »erstiedtm Ar« der MervHe

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