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Der Israelit · 1909-12-23 · Heft 51 (23.12.1909) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 51 (23.12.1909)
Date
1909-12-23
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Sk. 51. «tottel4. . -^-. *; v ‘ '• . - "■ :.-• - ■"'>_?':" '■■ ""/- ./{.r?-i--. ■ ■. •* vrrr/‘^ »k Stftoeltt. ÄS wir Lehrer selbst. Man braucht noch nicht einmal wie der Verfasser der Plauderei im «Bolksboten", WÜrttemberger zu sein, umdie Dinge viel rosiger anzusehen, als sie in Wirklichkeit find. Behauptete doch jüngst ein unserem Stande sehr wohlwollend gegenüberstehender Herr vollen Ernstes, daß es in ganz Oberheffen kaum einen einzigen Lehrer gebe, der sich nicht in leidlichen Verhältnissen befindedie meisten seien teils gut, teils sehr gut situiert. Das mag vielleicht zutreffen und steht mit der Tatsache ^ar nicht in Widerspruch, daß, wie wir jüngst an dieser Stelle dargetan, von 37 oberhesfischen Lehrern 4 ein Einkommen unter 1200 M. deklariert haben. Die Betreffenden waren teilweise gezwungen, sich nach Nebenerwerb umzusehen und ihre geschäftlichen Transaktionen erwiesen sich einträglicher, als ihr Hauptberuf - diese geschäftliche Tätigkeit gereicht aber unserem Stande nicht zum Segen. Andere besitzen Privatvermögen genug, um trotz eines sehr bescheidenen Einkommens eine immerhin behagliche Existenz zu führen. Wir sind, wie man sieht, nichts weniger als ein Optimist, aber wir sehen auch nicht ein, welchen Vorteil es unserem Stande bringen soll, alles grau und grau zu malen und wir sind deshalb der Ansicht, daß man auch heute einem Knaben aus religiösem Hause, der gut talentiert und stimmbegabt ist, und der ferner Neigung für den Lehrerberuf an den Tag legt, sehr wohl raten darf, dieser seiner Neigung zu folgen. Das haben gewissenhafte Lehrer auch früher schon getan, auch ohne daß man sie direkt um ihren Rat gefragt. Sie haben ihren Schülern sogar die Wege geebnet, um ihr Ziel zu erreichensie haben sich gefreut, wenn es ihnen gelungen ist, einen Nachwuchs heranzubilden, der in ihre Fußtapfen trat und ihr Lebenswerk in ihrem Sinne fortführte. Man nennt eine solche Fürsorge in unseren Kreisen eine und man hat, abgesehen von dem Bewußtsein, eine gute Tat vollbracht zu haben, auch gar keine schlechte Erfahrungen bezüglich des späteren Lebensglückes gemacht. Wir Lehrer wollen auch künftig diesen Modus beibehalten, wir wollen nicht ängstlick fragen, nützt oder schadet ein solcher Rat unserem Stande. Was recht und gut ist, das wird auch zum Segen unseres Standes ausschlagen. Ein Stamm hochbegabter, für ihren Beruf begeisterter junger Lehrer wird auch mit Erfolg den Kampf um Licht, um Wärme, um Freiheit zu ende führen, den die Alten begonnen haben. Protonen der am 7. November I» Köln stattgefundenen Konferenz des Zweigvereins Rheinland des Bundes gesetzestreuer iidiscber Lehrer Deutschlands. Der Vorsitzende, Herr Seminarlehrer Gut- Köln, begrüßt in warmen Worten die zahlreich erschienenen Kollegen, insbesondere die Gäste, sowie die neu eingetretenen Herren, Seminarlehrer Dr. Brader-Köln, Lehrer Max Schneeberger Köln und Lehrer M. Hey-Köln. Besonders wohltuend wurde eS von der Versammlung empfunden, daß Kollegen, die ihren Wirkungskreis im Rheinland verlassen haben, um im Osten unseres Vaterlandes tätig zu sein, auch in der Ferne treue und anhängliche Mitglieder des Vereins zu bleiben versprechen, und ihr Interesse auch dadurch bekundeten, daß sie herzliche Begrüßungsschreiben sandten, in welchen sie es bedauerten, infolge der Ferne an den Verhandlungen nicht tellnehmen zu können. Nach Verlesung und Annahme des letzten Protokolls und nachdem die Begrüßungstelegramme vom Bundesvorstand und dem Brudervereine E. O. B. freudig und dankend entgegengenommen waren, schritt man zur Diskussion über die Lehrprobedie Herr Kollege David- Kettwig zu Beginn der Konferenz über oas Gebet wnrö hnK in der Mittelstufe der Uebungsschule des Lehrerseminars in dankenswerter Weise gehalten hatte. Die Debatte gestaltete sich äußerst anregend und fruchtbringendsicherlich hat wohl jeder Kollege manchen Fingerzeig und manche Direktive aus ihr für seinen eigenen Unterricht in seine Heimat mitgenommen. Als die hervorstechenden Momente, dte sich auS der Debatte ergaben,, können wohl folgende Punkte angesehen merden: 1. Die Uebersetzung eines hebräischen Stückes darf dem Kinde niemals im voraus gegeben werden, sondern diese hat das Kind, nachdem der Lehrer auf der Stufe der Vorbereitung die Schwierigkeiten, seien sie grammatikalischer, sprachlicher oder inhaltlicher Natur, beseitigt hat, selbst zu erarbeiten, selbst unter Hintansetzung der inhaltlichen oder sprachlichen Schönheiten -es Stückes. 2. Die Stimmung, in die das jeweilige Gebetstück das Kind versetzen kann und soll, ist erst auf der Stufe der Anwendung durch geeignete Besprechung hervorzurufen, so daß die Durchnahme des Gebetstückes mit dem vollen Eindruck, den dasselbe zurückzulassen. imstande ist, geschlossen wird. 3. Als selbstverständlich wurde von allen Kollegen erkannt, daß auf richtige Betonung bybo) sowohl beim Lesen als auch beim Uebersetzen immer streng zu achten ist. Im zweiten Punkt der Tagesordnung : Besprechung der Thesen des Referats: Freimark- Köln und des Korreferats Heyman-Brühl (Ueber eine Reform im hebräischen Sprachunterricht), gestaltete sich die Diskussion, die fast vier Stunden in Anspruch nahm, lebhaft und lehrreich. Die Versammlung erkannte mit dem Referenten Fr. an, daß der schon so lange bestehenden fast überall angewendeten Methode für den hebräischen Sprachunterricht nicht geringe Mängel anhaften, jedoch konnte sie seine Verbesserunasvorschläge, oie das Hebräische ganz wie eine klassische Sprache behandelt wissen wollten, nicht annehmen. Auch die Thesen des Korreferenten Heymann wurden abgelehnt, weil sie in ihrer Fassung zu kurz gehalten waren und aus ihnen die Wege zur Abstellung der bestehenden methodischen Mängel nicht deutlich genug hervorgingen. Man kam daher zu dem Resultat, folgende Resulution des Herrn Seminardirektors Dr. Carlebach anzunehmen : 1. 2. Der Erfolg des Unterrichts in der Religionsschule bleibt in den meisten Fällen hinter dem einer jeden Religionsschule gesteckten Ziele zurück und entspricht durchaus nicht der aufgewandten Mühe. Der Grund für diese betrübende Erscheinung ist unter anderen zu suchen: a) in dem weiten Abstand zwischen der Lehre der Schule und der Betätigung im Leben, in der Kluft zwischen Schule und Haus, b) in dem aus a resultierenden geringen Interesse der Eltern, die die Arbeit des Lehrers zumindest nicht in dem Maße unterstützen, wie die der Profanenschule - 0) in der oft ungünstigen Lage der Unterrichtsstunden und in der beschränkten Stundenzahl - ck) in der Trennung der Reltgionsstunden vom allgemeinen Schulunterricht und dent dadurch bedingten Mangel an wirksamen Disziplinarmitteln- 0) in der Tatsache, daß nicht frühzeitig genug mit dem Unterricht begonnen, er oft nur unregelmäßig besucht und so frühzeitig wie möglich abgeschlossen wird - i) in dem Umstand, daß eine rationelle Klassifizierung^ der Schüler nach Alter, Reife und Wissen oft nicht durchzu- . führen ist/ g) nicht zuletzt in dem Mangel an einem guten Lehrverfahren, das Anspruch auf Allgemeingülttgkeit erheben oarf, und dessen Aneignung und Handhabung jedem Religionslehrer ermöglicht ist. (Fortsetzung folgt.) ßorrespondenzen u. Bachrichten. Bon Herrn Kollegen Schloß- Gunzenhausen werden wir um Veröffentlichung des folgenden Aufrufs ersucht: . ' Einladung an alle Kantoren und Kultusbeamten Bayerns und der Pfalz zur Hauptversammlung auf Sonntag den 2, Januar 1910, nachmittag- 2 Uhr, im Hörsale der Synagoge, Essenweinstr. Nr. 7, Nürnberg. Nachdem alle Schritte bereits getan wurden, um die Gründung eines jüdischen Kantoren-. Vereins herbeizuführen, nachdem alle Kollegen von der Notwendigleit eines 'solchen durch ein Zirkular des Kollegen Neufeld-Nürnberg belehrt wurden, schreitet der untemeichnete einstweilen nur provisorisch eingesetzte Ausschuß zur Einberufung der „ersten Hauptversammlung" auf Sonntag, den 2. Januar 1910, im Hörsale der Synagoge, Essenweinstr. Nr. 7 in Nürnberg, Beginn Nachmittag 2 Uhr. Tagesordnung: 1. Gründung eines jüdischen Kantorenvereins für das Königreich Bayern - Referent Neufeld-Nürnberg. a) Wahrung unserer sozialen Stellung. b) Förderung unseres Berufes. c) Stellungnahme zur Revision des bayerischen Judenedikts von 1813. ä) Wahlen des Vorstandes und der Ausschußmitglieder. 0) Gründung einer Kantorschule. 2. Gründung einer Hilfskasse; Referent Schloß-Gunzenhaufen. 3. Mittel und Wege zu einem einheitlichen Vorgehen, um unsere Wünsche an geeigneter Stelle vorzubringen. Bei der Wichtigkeit der bereits erwähnten Materie ist es unbedingt notwendig, daß kein Kollege fehlt und daß wir gleich bei dem wichtigen Moment der Gründung des zu erwartenden Vereins eine stattliche Anzahl in die Liste desselben verzeichnen können. Das eigene Interesse gebietet uns, alle wie ein Mann gerüstet zu sein! Ergo, alle Mann an Bord! Der provisorische Ausschuß: I. Vorsitzender: II. Vorsitzender: A. Neufeld-Nürnberg. Krämer-Ansbach. Der Schriftführer: M. Schloß-Gunzenhausen. . Beisitzer: Oppenheimer-Treuchtltnaen,Godlewsky-Neumarkt, Rother-München. Nürnberg 21. Nov. Im unterfränkischen Landrat wurden die Etatskapitel «Progymnasien und Lateinschulen" behandelt. Für Miltenberg waren 90 Mark für Erteilung des israelitischen ReligionS-Unterrtchts verlangt. Der Ausschuß hatte diegenehmigt. Dagegen machte der Präsident v. Thüngen Opposition. Es handle sich hier um ein Novum, der Kreis sei gesetzlich nicht verpflichtet, für den „jüdischen" Religionslehrer zu sorgen. Es stehe überhaupt einzig in der Welt da, daß in Bayern der Kreis noch für die humanistischen Gymnasien sorgen müsse, in anderen Staaten komme der Staat dafür auf In Miltenberg seien nur drei Schüler, daS sei kein Schul« sondern ein Privatunterricht. Oberregierungsrat Bogendörfer sprach aus Billigkettsgründen für die Forderrühg. Sie sei kein Novum, es würde ja auch der Religionsunterricht an den Latein- und Realschulen, sowie an der Oberrealschule vom Kreis bezahlt Die Schülerzahl könne nicht ausschlaggebend sein. Der Landrat schloß sich dem an und genehmigte mit 17 gegen 14 Stimmen die geforderte» Subventionen. Auch für Hammelburg wurden 90 MW den israelitischen Religionsunterricht Sind auch die Beiträge an sich nicht gerade^ so darf doch die prinzipielle Bedeutrrna ' Beschlusses für die kleinen jüdischen Lanvge den in Bayern nicht unterschätzt werden..

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