Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 51 (23.12.1909)
- Date
- 1909-12-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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D«s .'.-"'N ,v•.“v'^-.'SiiHBy' ft* 61 «dteJ > lkttnentarifch erscheint, baß der Ausschuß deS Gemeindebundes von dem Votum seiner höchsten Be. Hörde, des G e m ei n d e t a g s, an die „bessere Einsicht" einzelner von ihm ausgewählter Mitglieder appelliert. Im anderen Falle scheint uns der Zweifel berechtigt, ob hier nicht eine journalistische Verwechselung des vom „Gemeindebund" vor dem Gemeindetag an Großgemeinden und Verbände erlaffenen Rundschreibens mit einem angeblich neuerlichen Zirkular vorliegt. Damals war unsres WiffenS ebenfalls gebeten worden, bis Ende Dezember 1909 etwaige kritische Aeußerungen zu dem Entwürfe an das Bureau des „Gemeindebundes" gelangen zu lassen. Wie dem auch sei, jedensalls sind sogar diese Aeußerungen der machthungrigen Großgemeinden heute ebenso wertlos wie früher, wenn sich deren Vorstände nicht dazu bequemen, den Entwurf in besonderen Versammlungen der öffentlichen Kritik der Gemeindemitglieder zu unterbreiten, und so auch den Steuerzahlern Gelegenheit geben, sich zu dem Gegenstand zu äußern. Wir dächten, daß die „Großgemeftiden" mit dem bisher getriebenen Versteckspiel genügend. schlimme Erfahrungen gemacht haben, um einmal etwas volkstümlichere Methoden bei der Verfolgung ihrer Bestrebungen zu adoptieren. Die entschieden ablehnende Stellung, welche neuerdings sowohl der Posen er Gemeindebund als auch der Gemeindeverband des Regierungsbezirks Breslau — also Körperschaften die gemeindxbundtreU bis in die Knochen sind, — eingenommen haben, ist jedenfalls ein deutliches Sympton dafür, daß die mittleren und kleineren Gemeinden von der Bevormundung durch eine Berliner Re- Präsentativ-Behörde in keinem Falle etwas wissen wollen. Von der Judenmlffion. Die Judenmission, die durch ihr Treiben schon lange den Unwillen und Aerger selbst der einsichtigen gut kirchlichen Kreise erweckt, läßt sich in England, wo sie ihre Heimat hat, durch Gründe der Logik kaum davon abbringen, ihrem löblichen Geschäfte mit ungeschwächtem Eifer nach zu gehen. Auch die Rechnungdie man ihr vor kurzem vorheelt, nach den jede einzige „gerettete" Seele auf Millionen zu stehen kommt, ficht die fromme Gesellschaft wenig an. Beim Geschäfte des Seelenfanges werden die gewonnenen Seelen natürlich nicht gezählt, aber doch sicher auch nicht gewogen, denn sonst würde sich die Mission doch kaum der Tatsache verschließen können, daß es in der Regel sehr schlechte Juden waren, die auf dem von ihr gewiesenen Wege des Heiles noch schlechtere Christen wurden. Ist somit der Verlust, der von diese Seite dem Judentum droht, Tode des BarerS st altgefunden hat. (Stehe Satz 15 bis Satz ~2 in Kap. 50.) Nockmals traten die Brüder vor Joseph und baten unter Hinweis auf den Tod deS BaterS — und wohl auch auf die allgemeine veränderte Lage — um Verzeihung. 121212 PpT* rpvl — „Joseph aber we nte, als man also zu ihm sprach/'' Ob nicht in tiefen Tränen auch ettvoS wieSHeue und bittere Selbstanklage lag? nyi ''by O512VN DH# '121 sagt er. TS find Gedanken und Pläne, deren fie sich schuldig wißen, böse Abfichten, die zu einem guten Ende führten. War nicht seine Verantwortung für daS nun beginnende GoluS — so mochte er denken — noch schwerer? Liegt schon in diesem beiderseitigen Schuldbewußtsein jene versöhnende Kraft der ausgletchenden Gerechtigkeit, so schlingt doch ganz besonders daS gemeinsame Gefühl der Rot, der Fremde, der Heimatlostgkeit ein enges Band um die Herzen. t22na TpD'' IpD „Gott wird euch einst wieder bedenken!" so tröstet Joseph seine Brüder, „und euch von diesem Lande zu dem der Väter htnüberführen!" So spricht kein Glücklicher, der, von Pracht und Pruuk geblendet, seiner Würbe und Größe froh ist. ES ist die Sprache der Sehnsucht, der alten jüdischen Hoffnung, wie fie die Jakobssöhne zu allen Zeiten beseelt, fie ln gemeinsamem Streben ve.bindet und ihre Golusnacht erhellt. Alleine» Meuilleton Die JndenTn Belgien. - Däs belgische Volk betrauert seinen König und jubelt voll Liebe und Vertrauen seinem neuen Lannicht gar fo groß, so ist doch andererseits die Entrüstung der englischen Juden über das schamlose Treiben der Mission, wie sie jetzt anläßlich eines speziellen Vorfalles zum Ausdrucke gelangte, nur zu begreiflich. Bor kurzem hielt die genannte Gesellschaft eine große Versammlung im Rathause von Kenstngton ab. Als Lord Swaythling von der Ueberlaffung des Rathauses für diesen Zweck erfuhr, richtete er in Gemeinschaft mit den Herren Oswald I. Simon und I. L. Eman u el an den Bürgermeister und den Gemeinderat von Kensington folgendes Protestschreiben, das allgemeines Aufsehen erweckt hat: „Bloß wegen der Kürze der Zeit war eS uns unmöglich Hunderte von Unterschriften unserer Glaubensgenoffen zu erhalten, die gleich uns Steuerzahler von Kensington find und wie einMann stch unserem Proteste angeschlossen hätten. Die Tätigkeit der Miffionsgesellschaften widerstxebt den verständnisvollen Christen ebenso, wie den Juden Sie wiffen eS gut, daß diese Bewegung ein gewaltiger Faktor ist, jene religiöse Annimosität wach zu halten, deren Beseitigung so wichtig wäre. Die Tendenz dieser Gesellschaften erscheint uns, so wohlge meint sie auch sein möge, als ein Impertinenz. Wir weisen den Gedanken zurück, daß andere besser qualifizirt seien „unsere Seelen zu retten," als wir selbst. Tatsache ist aber, daß sie die Uebung mancher christlichen Tugend erst von uns lernen müßten. Die Barbareien, die jetzt in Rußland und dem belgischen Kongo verübt wurden, find nicht von Juden erzeugt worden und in diesen Gebieten wäre für die Gesell chaft Raum genug, die Christen zu wahren Christen zu bekehren, vorausgesetzt, daß sie vor ihrer eigenen Türe schon alles in Ordnung gebracht haben. Was aber die Methode dieser Gesellschaften betrifft, so halten wir sie für korrupt und korrumpierend zugleich. Ihre Proselhienmacherei, die nichts als eine Bestechung in der einen oder anderen Form ist, macht stch hauptsächlich unter schutzlosen Kindern oder jenen abhängigen oder von Armut niedergedrückten Fremden geltend, die infolge Druck und Verfolgung aus Rußland geflohen find. Viele von diesen nehmen die ihnen angebotenen B - stechungen an, aber nur wenige erklären sich bereit, die Taufe zu nehmen. Aber selbst von den letzteren wandert ein großer Teil von einer Mission zur anderen, da die Einwilligung zur Taufe ein recht einträgliches Geschäft ist und einem überdies die Bischöfe und andere zu B Schützern macht. Die parochiale Judenmisfion bedeutet überdies einen Einbruch in den Hausfrieden und hat die Störung des sozialen Friedens zur Folge. Wir fordern, daß Sie die Jmportierung dieser Skandale, die in East End schon so viel Unheil gestiftet h»t von Kensington so wett es in Ihrer Macht steht, abwehren. Viele Zehntausende von Pfund werden jährlich darauf verschwendet, um aus einer Hanövoll schlechter Juden noch schlechtere Christen zu machen. Man darf jene verleiteten Gistlichen, die von mildherzigen Leuten für solchen Zweck Summen herausziehen, Summen, die sonst wahrscheinlich für wahre Wohltätigkeit würden verwendet werden, durch nichts ermuntern. Würde die Mission die Spelunken von Kensington aussuchen, so würde sie dort unter ihren Glaubensgenossen ein breites Feld für ihre Bekehrungsarbeit finden, die niemanden verletzen und von jedem mit Freude begrüßt werden würde. In jedem Falle aber protestieren wir gegen die Ueberlaffung des Rathauses zur Förderung einer so unwürdigen Sache." Es ist eine etwas scharfe Sprache, deren sich die Protesteingabe ^bedient, die aber durch das empörende Treiben der Seelenjäger vollauf gerechtfertigt ist. Hoffen wir, daß dem Unfugdem man bisher mit Hilfe der Logik und Gerechtigkeit vergebens beizukommen suchte, endlich von Gesetzes wegen Einhalt geboten wird. eine gbanuka-Betraebtiing Samson Rapbaei ffirscdr vor 65 Jaftren. III. Damit man aber das alles nicht etwa für bloßen Wortschwall unfruchtbarer Gedanken ansehe, haben sie auch eine Entscheidung getroffen, sie haben die eheliche Verbindung zwischen Juden und Nichtjuden für statthaft erklärt! Mit dieser einen Tat haben sie ihren ganzen törichten Leichtsinn verraten und haben aller Welt gezeigt, daß sie ein schweres Unglück für das Haus Israel bedeuten und Böses im Schilde führen. Bon ihrer Ignoranz, die sie auch bei einem so wichtigen Gegenstand nicht vorher die Bestimmungen unseres Gesetzes aufsuchen und zu Rate ziehen ließ, wollen wir schweigen, sowie von dem Lug und Trug, den sie dabei zu Tage förderten. Auch von der leichtsinnigen Gedankenlosigkeit wollen wir nicht sprechen, mit der sie sich auf das Pariser Sanhedrin berufen, dabei seine Worte verdrehen und ihnen einen Sinn unterlegen, den sie niemals gehabt haben — was soll auch eine Berufung auf die Autorität irgend eines Sanhedrin im Munde von Leuten, die das Sanhedrin von Jerusalem mit Füßen treten und das Pariser Sanhedin als ihr Ideal feiern! Auch den Spott über den Unverstand wollen wir unterdrücken, der nicht müde wird, fortwährend verlogener Weise über die ungenügende Weihe und Feierlichkeit der jüdischen Eheschließung zu klagen und angeblich darauf bedacht ist, diese Feier würdiger zu gestalten und nun gestatten fie die Eheschließung zwischen Mann und Frau von den gegensätzlichsten Gesinnungen und Anschauungen in den fundamentalsten Anliegen des menschlichen Herzens! Wohl aber ftagen wir: Wie können diese sich noch ferner Juden nennen, wie können sie sagen, sie seien zur Erhaltung und Verherrlichung der Religion zusammengetreten, nachdem sie das große Verbrechen begangen haben, eine Ehe zwischen Juden und Nichtjuden als zulässig zu erklären? Wo gibt es einen Bekenner irgend einer Religion, dem sein religiöses Bekenntnis noch etwas gilt, der ein solches Gebühren auch nur für denkbar hielt! Wenn sie auf unsere desvater zu. In Trauer wie in Jubel dürfen die in Belgien ansässigen Juden, deren Zahl etwas mehr als MW beträgt, aus vollem Herzen einstimmen. Tie Rechte der Juden in Belgien stehen nicht nur auf dem Papiere, sondern sichern ihnen de facto eine gleichberechtigte Stellung in allen Beziehungen, was natürlich in einem Berfassungsstaate wie Belgien nicht in erster Reihe das Verdienst des Königs sein kann. Aber wenn schon die Juden in Leopold II. einen gerechten und vorurteilsfreien Landesvater hatten, so dürfen sie mit umso mehr Zuversicht der Thronbesteigung von Albert I. .entgegensehen, dessen Loyalität und 'Gerechtigkeitsliebe nachgerade sprichwörtlich im Volke ist. Tie Juden in Belgien haben eine an Leiden reiche Geschichte, mit der uns Tr. Salomon ll l l m a n n in seinen unlängst erschienenen „Studien zur Geschichte der Inden in Belgien" (Verlag S. Kahan, Antwerpen), bekannt macht. Ueber die Geschichte der Juden in Brüssel weiß uns der Autor folgendes zu erzählen: Eines der größten jüdischen Gemeinwesen Belgiens war die ehemalige Judengemeinde in Brüssel. Tie jüdischen Einwanderer hatten sich in einem be* sonderen Stadtteil niedergelassen, und die alte Judengasse ist noch heute zum Teile erhalten. An dem Orte, wo ihre Synagoge gestanden hat, erhebt sich eine Kapelle, die nach der Judenvertreibung (1370» an Stelle der konfiszierten Synagoge errichtet worden ist. Tie zahlreichen jüdischen Bewohner Briissels waren verpflichtet, den Herzögen von Brabant eine Abgabe zu entrichten, wofür ihnen der fürstliche Schutz zugesagt wurde. Tie Herzöge förderten daher ihre Niederlassung und führten sie dem Handel zu. Bis zur Regierungszeit des Herzogs Heinrich III. gaben sich die Juden zum großen Teile mit Darlehensgeschäften ab, und diese Geldgeschäfte scheinen sehr beträchtlich gewesen zu sein. In seinem Testamente bestimmte jedoch Heinrich HI. (1250), daß die Juden aus seinem Herrschaftsgebiete vertrieben werden sollen, wenn sie die Darlehensgeschäfte nicht aufgeben; falls sie aber wie die anderen Kaufleute vom Handel leben wollen, dann könnten sie in seinem Lande Zurückbleiben. Nach dem Tode Heinrichs III. übernahm seine Gemahlin, die Herzogin Alix von Brabant, die Regentschaft. Auch sie beschäftigte sich mit den Angelegenheiten der jüdischen Bevölkerung. Die Herzogin setzte sich selbst mit Thomas von Aquino in Verbindung, um seine Ansicht betreffend „die Judenfrage" zu hören. Auf ihre Frage, ob man den Juden Stenern aufcrlegen dürfe, erwiderte Thomas von Aquin, daß die Landesherren dem Gesetze nach wohl das Recht hätten, selbst das Vermögenöer Juden einzuziehen, da diese wegen ihrer Schuld ewiger Knechtschaft verfallen sind; man solle jedvchnern Beispiele der Avostel folgend, auch gegen Ungläubige edel handeln und daher sei es richtiger, von den jüdischen Einwohnern nur die Abgaben zu fordern, welche sie bisher geleistet haben; neue Steuern hingegen sollten Von ihnen nicht eingctrieben werden. Falls aber die Juden nichts Anderes besäßen, als was sie durch Geldgeschäfte erworben hätten, so sei cs der Herzogin nicht erlaubt, das Geld zu behalten und auch den Juden dürfe man es nicht belassen. Es sei daher die Pflicht der Herzogin, das Geld dem rechtmäßigen Eigentümer wieder zuzusühren, und falls dieser nicht aufzufindcn sei, müsse man es nach dem Rate des Bischofs zu frommen Zwecken oder zum Nutzen des Landes verwenden. Zu wohltätigen Zwecken sollten auch das Geld und die Kostbarkeiten verwendet werden, welche die