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Der Israelit · 1909-12-16 · Heft 50 (16.12.1909) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 50 (16.12.1909)
Date
1909-12-16
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Sette « 9h. 5Ö Der JSraelit. 16 Dezember 1966 solche jüdische Adressaten bestimmt sind, die bisher . am Sabbath die Unterschriften der Empfangsbestätigung verweigerten, dürfen von nun ab durch die Post am Samstag weder avisirt noch zugestellt werden. 2. Solchen Juden, die gewillt find, am Sabbath oder jüdischen Feiertagen ja zu unterschreiben, können die Sendungen an diesen Tage zugestellt werden. v Es wird den einzelnen Postämtern zur Aufgabe gemacht, ein Register über diejenigen Juden Arzuführen, die den Sabbath und die jüdischen Feiertagen halten und den Wunsch äußern, daß ihnen an diesen Tagen keine Postsendungen gestellt werden. an- Ungarn. Qngarisdies Allerlei. Budapest, 10. Dez. Soeben erschien der offizielle Almanach der Budapester Universität über das Studienjahr 1906—09. Wir entnehmen ihm die folgenden Daten. Es waren in diesem Jahre im ersten Semester 7048 und im zweiten 6491 Hörer inskribiert. Der Konfession nach waren 2916 (41,3 pCt.) römisch-katholisch, 2440 (34,6 pCt.) . jüdisch, 738 (10,4 pCt.) reformiert usw. Der Fakultät nach verteilen sich die jüdischen Hörer wie folgt: juristische Fakultät 1252 (33,6 pCt.), medizinische 868 (50,05 pCt ), philosophische 218 (17,7 PCt.) Pharmazeutische 102 (38,2 pCt.) Der hier angegebene Prozentsatz bezieht sich auf die Gesamtzahl der Hörer. Jntereffant ist es aber auch festzustellen, in welchem Verhältnisse die 7 jüdische Jugend den einen oder anderen Lebensberuf gewählt hat. Von den jüdischen Hörern haben. sich 51,3 pCt. der juristischen, 35,6 pCt. der medizinischen, 8,9 pCt. der philosophischen und 4,1 pCt. der Apoihekerlaufbahn zugewendet. Aus dieser Statistik geht deutlich hervor, daß die jüdischen Studierenden immer mehr diejenigen Laufbahnen wählen, auf welchen sie selbständig . ohne auf eine Staats- oder Kommunalstellung rechnen zu müffen, vorwärts kommen können. Am deutlichsten zeigt sich das in dem Rückgang . der jüdischen Hörer in der philosophischen Fakultät. In der kleinen ungarischen Ortschaft Labor bildete sich vor einiger Zeit ein „christlicher Konsumverein". Diesem Unternehmen stand der jüdische Kaufmann Markus Herrmann im Wege, besten Geschäft bei der Bevölkerung weit beliebter war, als das mit einem Schnapsladen verbundene Genoffenschaftsgeschäft. Um nun Herrmann unmöglich zu machen, ließ der Präsident der Genossenschaft Graf Aladar Szechenyi mittels Trommelschlages im Dorfe verkünden, daß derjenige, der bei Herrmann einkauft, selbst für Geld, aus dem gräflichen Walde kein Brennholz für den Winter beziehen kann. Markus Herrmann veröffentlichte dieses unlautere Konkurrenzmanöver in den Zeitungen, worauf das offizielle Organ der christlichen Konsumgenossenschaften Herrmann in der heftigsten Weise angriff und namentlich erwähnte, daß der Jude Herrmann an den häufigen Bränden im Dorfe die Schuld trage, daß er ein erbärmlicher Feigling sei usw. Herrmann erstattete gegen das Blatt die Strafanzeige, dessen Redakteur Edmund Csernat die Verantwortung für den Artikel übernahm. In der vor einem Budapester Strafgerichte stattgefundenen Verhandlung versuchte der Angeklagte den Wahrheitsbeweis zu führen, doch alle verkommenen Zeugen schilderten Herrmann als einen rechtschaffenen Menschen, der sich in der ganzen Gegend der allgemeinen Wertschätzung erfreut. Der Gerichtshof verurteilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 200 Kronen, zur Tragung der gesamten Gerichtskosten und zur Veröffentlichung des Urteils in dem offiziellen Organe der christlichen Konsumgenossenschaften. Kutzland. Rae 9er Duma. Petersburg, 1. Dzbr. Anläßlich der Verhandlung des Gesetzprojektes über die Gertchtss reformen beantragte der Antisemit Grimm, die Juden von dem aktiven und paffipen Wahlrecht für Friedensrichter auszuschließen.. Hierauf ergriff Deputierter N iss e l o w i i s ch"das Wort und führte aus: „Als russischer Bürger protestiere ich gegen den Antrag GrimmS. Seit dem Bestände her Schiedsgerichte wurde, trotzdem laut dem Gesetze vom Jahre 1854 dies möglich ist, kein einziger Jude zum Friedensrichter gewählt oder ernannt. Der Vorschlag Grimms bedeutet also in der Praxis nichts als eine von Judenhaß erfüllte, antisemitische Demonstration. Nach einem bekannten Ausspruch des Grafen Leo Tolstoi ist der Antisemittsmus weder eine Meinung, noch eine politische Ueberzeugung, sondern ein krankhafter Zustand, der Ausdruck unmenschlicher Leidenschaft. Grimms Vorschlag ist eine Beleidigung der Dumatribüne und gegen eine solche Verätzung müsse er protestieren." Hier wurde der Redner vom Präsidenten unterbrochen und wegen des letzten Ausdrucks zurechtgewiesen. Diesen Anlaß benützte die Rechte, um Nisselowitfch am Weiterreden zu verhindern. In der Debatte über das Gesetz betreffend die Unverletzlichkeit der Person sprach auch der jüdische Abgeordnete Friedmann. „Eine der Grundpfeiler der Freiheit der Person — führt Friedmann aus - ist die Bewegungsfreiheit und die Freizügigkeit, die jedem Menschen gestattet, von einem Ort in den andern zu ziehen. In dieser Beziehung enthält der Gesetzentwurf keine Besserung, da alle Begrenzungen besonders gegenüber den Juden in Kraft belassen wurden. Die Regierung, die in dem Entwürfe die Grenzen der Freizügigkeit festgesetzt hat, sagt in dem Motivenberichte, daß eine Entschließung hinsichtlich der Auflassung des jüdischen Ansiedlungsrayons nicht von ihr ausgehen könne, sondern von der Duma ausgehen müsse. Es ist aber keinen Augenblick daran zu denken, daß die Initiative hierzu von der gegenwärtigen Dumamehrheit ergriffen werde. Die Mehrheit mache geltend, daß die Judenfrage nur partienweise gelöst werden dürfe. Das ist aber nichts als eine faule Ausrede, da die Majorität nichts dazu tut, die Lösung der gesamten Judenfrage in Angriff zu nehmen, hingegen tagtäglich die die Rechte der Juden beschränkenden Gesetze verschärft. Dieses Boraehen widerspricht jedoch dem Staatsinteresse. Die Judenfrage ist auch gleichzeitig eine Lebensfrage des Staates und würde die Majortät des Hauses sie auch nur einen Augenblick von diesem Gesichtspunkte aus ins Auge fassen, so würde sie auch keinen Augenblick zögern, ihre Lösung herbeizuführen. Der russisch-jüüische Kongreg. (Bon unserem Korrespondenten.) Kowno, 7. Dez. Den zweiten Verhandlungstag füllte eine ausgedehnte Diskussion über den von Schloßberg vorgelrgten Entwurf zur Organisation der Gemeinden. Herr Gold mann-Petersburg beantragt in Ergänzung des Referates des Herrn Schloßberg, daß die Gemeinden die Erweiterung und den Ausbau des jüdischen Schulwesens in die Hand nehmen möchten.' Ebenso sei eine neue Lehrerbildungs-Anstalt zu errichten, da das einzige jüdische Lehrerseminar in Wilna den Ansprüchen nicht mehr genüge. Der Duma-Abgeordnete Friedmann bespricht die Zusammensetzung der Gemeinde-Vertretungen und deren Kompetenzen nach innen und außen. Er findet, daß die zur Zeit zu Recht bestehenden Verordnungen weit eher den Wünschen der Bevölkerung entgegenkommen, als der Antrag des Referenten, der erstens vom direkten Wahlrecht absehe, und zweitens durch die Unmöglichmachung des Austritts einen Gewissenszwang involviere. Möge es vom materiellen Standpunkte aus empfehlenswert erscheinen, die Zugehörigkeit zur Gemeinde zu erzwingen, so sei es doch moralisch durchaus verwerflich, nach dieser Richtung einen Zwang auszuüben, Umsomehr, als eine innere Erstarkung und Entwicklung der Gemein* den von einem solchen Zwangsveryältnis kaum zu erwarten sei. Der Delegierte aus Warschau, Herr Kempen er, legte dann das Regulativ der jüdischen Gemeinde-Organisation in Posen vorer empfiehlt dasselbe auch als Grundlage für die Reorganisierung der Gemeinden in Rußland zu wählen. Das Budget der Warschauer Gemeinde beträgt nach seiner Mitteilung 220 000 Rubel. Unter den vielen hunderttausend Juden in Warschau befänden sich aber nicht mehr als 85 000 Steuerzahler. Die Friedhosseinnahmen belaufen sich auf 150000 Rubel jährlich, Dazu kommen noch die Legate und Vermächtnisse, aus denen beträchtliche Summen jährlich in den Gemeindehaushalt fließen. Inwieweit die Verhältnisse in Polen musterbildlich für die in Rußland sein dürfen, darüber wird eine Spezialkommission zu beraten haben. Mehrere Redner sprechen sich noch gegen das Zwangsverhältnis aus, das der Organisationsentwurf des Herrn Schloßberg darstellt, besonders auch der Vorsitzende, der Abgeordnete der ersten Duma, Herr Winawer. Kronrabbtner Dr. Kanter aus Riga weist ganz besonders auf die Verhältnisse in Deutschland hin und auf den Segen, der aus dem durch Lasker durchgeführten Austrittsgesetz für das dortige Judentum erwachsen ist. Was die Fleischsteuer betreffe, so müsse er sich gegen die Abschaffung derselben aussprechen, solange es nicht gelungen sei, andere Einnahme- Quellen ausfindig zu machen und die Gemeinden auf feste Grundlage zu basieren. Diesen Ausführungen schließt sich auch Herr Harkawy Moskau an. Der Delegierte aus Wilna schildert darauf ausführlich die Organisatton der größten Gemeinde Littauens, die sich als durchaus geeignet und zweckmäßig erwiesen hätte. Die Verwaltung dieser Gemeinde dürfe sich mit Recht die Vertretung der Wilnaer Judenheit nennen. Gegen die sofortige Abschaffung der Fleischsteuer spricht sich auch in einer längeren äußerst eindrucksvollen Rede der Kronrabbiner Masah aus Moskau aus. Er führt auch im weiteren Verlauf seiner Rede die Forderung Schloßbergs, die Juden mit Hilfe der Staatsgewalt in den Gemejndeverband zu zwingen ad absurdum und schildert all die unhaltbaren Zustände und traurigen Erscheinungen, die ein solches Zwangsverhältnis naturgemäß zeitigen müsse. B rodski-Kiew tritt sehr energisch für die sofortige Abschaffung der Fleischsteuer ein. Ganze Unsummen würden auf diese Weise angehäuft, die den Juden fast gar nicht zu gute kämen. So müsse beispielsweise die jüdische Gemeinde in Kiew aus ihren Koropka-Einnahmen 15 uOO Rubel jährlich zur Erhaltung der Polizei beitragen, damit diese imstande sei, die Judenauswetsungen in verstärktem Maße zu vollziehen. . Als B rtreter des Rahbinerstandes sprach Rabbiner Aron sohn aus Kiew. Er hält die Abschaffung der Fleischsteuer für verfrüht und schlägt daher vor, sie neben der einzuführenden direkten Kultussteuer in verbesserter Weise zu erhalten. „Was den jüdischen Geist betrifft, von dem die Versammlung so oft sprach, meint der Redner, „so kann dieser nie durch schöne Reden und Phrasen geweckt werden, sondern nur durch tatkräftige Förderung des Thoraftudiums, durch Unterstützung der Jeschibaus usw." Der dritte Verhandlungstag am Freitag brachte nichts wesentlich Neues. Die Diskussion über die Fleischsteuer wird fortgesetzt. Es wird allgemein auf die Schwierigkeit hingewiesen, direkte Gemeindesteuern einzuführen, aber auch auf die Schäden, die die zur Zeit übliche Fleischsteuer den Gemeinden bringe. Interessant sind in dieser Beziehung die Ausführungen der Vertreter der Städte, die außerhalb des Rayons liegen, wo man die Fleischsteuer nicht kennt. So teilt Kronrabbiner Dr. Eisen st adt aus Rostow mit, daß dort auch ohne Koropka-Einnahmen alle jüdischen Institutionen finanziell gesichert seien und sich in. der höchsten Blüte befänden. Herr Schloßberg erhält das Schlußwort, in dem er alle im Laufe der Diskussion gegen ihn gemachten Angriffe energisch zurückweist. Die 16 Glau! die fr übertt Bildu bar. radei dieser erwa, Die ( rechte aber der l die ai die in quelle sei de Hafter die 8 Resol genou 1. 2. M b in c tätigk< D statt i kussioi witz a keit a breitu lands Stelle Jnduj Eine wird eracht samm stituti aller Z gegan gelp-c Konfe der di miffio Freu folgen Ei grüßu Depes die m daß di bereits legale darf. 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