Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 50 (16.12.1909)
- Date
- 1909-12-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Der ^FSmettt Wo. 50 Sette 3 16. »ezember 1903 _. _ ■ die jüdische Konkurrenz bald lahm gelegt wird. Den Zähen und Widerstandsfähigen unter den jüdischen Industriellen wird aber auf Grund einer der vielen tückischen Klauseln in der neuen Verordnung das Geschäft „von Rechts wegen" genommen. Unter solchen traurigen Umständen könnte nun der Jude leicht auf die Idee kommen, sein Kind,'dem die kaufmännische Laufbahn geschloffen ist, einem anderen, einem höheren Berufe zuzuführen. Es war daher vonnöten, Hand in Hand mit dem Jnduftriegesetz auch ein Sanitätsgesetz auszuarbeiten, das dazu bestimmt ist, den Juden aus dem einzigen ihm bis jetzt noch offen stehenden akademischen Berufe, aus dem Aerzteberufe, auszuschließen. Noch ist es nicht sicher, ob die Jndustrievorlage auch Gesetz wird. Die gebildete Geschäftswelr, vor allem die Handelskammern der bedeutendsten Städte Rumäniens haben sich gegen dieses Gesetz ausgesprochen. Besonders der Sekräter der Bukarester Handelskammer, Herr Staicovici, ein hervorragender Wirtschaftspolitiker, weiß in seinem Organe „L’Indastrie Roumaine“ so viejte schwerwiegende Gründe Legen das Projekt geltend zu machen, daß jedem einsichtigen Rumänen angesichts des neuen Gesetzes recht bange um die Zukunft seines Landes und seines Volkes werden müßte. Es wird sich nun zeigen, ob die Stimme der Vernunft in Rumänien stärker sein wird als die der gewissenlosen fanatisch n Demagogen, welche leichten Herzens bereit sind, durchs einen völlig unbegründeten Vernichtungskamps gegen politisch und wirtschaftlich Schwache und Wehrlose das, eigene Land dem Ruine zuzuführen. 6«e Lhannira-Keirachtnng Samson Raphael Birscbs vor *5 Jahren. (Fortsetzung.) 2. Je weniger sie nach dem Worte Gottes und den Aussprüchen unserer Weisen gesegneten Andenkens fragen, um so angelegentlicher fragen sie nach dem, was der große Troß und diejenigen reden, die dem Dünkel und den Nichtigkeiten der Zeit nachgehen. Dafür haben sie ein Ohr und das ist ihre Wissenschaft, auf welche sie sich so viel zu Gute tun. „Das Bewußtsein der Gesamtheit", „das Bewußtsein unserer Zeit", „das Bewußtsein der Zeit", „wir dürfen nur da über den Talmud hinausgehen, wo das Bewußtsein der Zeit bereits über ihn hinausgegangen ist" (Protokolle S. 45, 64, 44, 66). Das und ähnliches sind die Maßftäbe für den von ihr.en aufzuführenden Bau. Ihr Herr und Meister ist der Zeitgeist. Deshalb trägt jeder bloßer Hauch ihre Worte fort, sie schwinden wie Dunst dahin/ denn es sind eben nichts alsWorte von Ignoranten. 3. Der seines Berufes sich bewußte Priester begreift sich als Gottesbote, der die Insignien trägt. Als solcher flieht er den Irrwahn der Massen, nennt nicht Verschwörung was das Volk Verschwörung nennt und fürchtet nicht, was es fürchtet. Er zeigt den Bescheidenen den rechten Wea und führt die Irrenden auf die gerade Bahn. Das Wort Gottes in seinem Munde ist der Hammerschlag, mit dem er die Felsblöcke der Bosheit zertrümmert und der tröstende Balsam, den er allen denen reicht, die in Jakob vom Unrecht lassen. Schützend umgeben sie die Höhe, auf der das Gotteshaus sich erhebt, und lehren das Volk, diese Höhe zu ersteigen, indem sie seinen Sinn aufwärts lenken. Mag ihr Wort Gehör oder Abweisung finden, sie selber entweihen nimmermehr das Gottesheiligtum, sie schmeicheln nicht dem Volke, indem sie es dem öden Irrwahn überlassen, oder es die Heiligkeit Israels preisgeben lassen. Diese Männer dagegen, nicht genug, daß sie ihr Volk nicht zu den Satzungen der Thora Gottes erheben, schmeicheln sie noch seinen Schwächen. Sie möchten den Gottesber'g abtragen und der Erde gleich machen, damit auch die Abtrünnigen Israels sich auf seiner Höhe glauben. Sie erklären das Unreine für rein, damit sich auch der Unreine für rein hält. Sie entweihen das Heiligtum, damit sich auch die Weihelosen darin behaupten können, und auf solche Weise glauben sie den Bruch unseres Volkes leichthin zu heilen! Darum sag ich's zum drittenmale, das ist kein Priestertum, das ist das Tun von Ignoranten. 4. Aber damit ist ihr Maß noch nicht voll. Ihr ganzes Gebaren weicht damit von jeder Norm ab, daß sie selbst dem Spott der Ignoranten verfallen und die Verachtung des letzten Holzhauers und Wasserschöpfers über sich ergehen lassen müssen. Von jedem, der noch als Mann gelten und nicht zu denjenigen zählen will, die jede Gottesfurcht abgelegt haben, darf doch verlangt werden, daß er seine zu unternehmenden Schritte vorher abwägt. Ein solcher wird weder Hand noch Fuß rühren, wird den Mund nicht öffnen, mag es eine geringe oder große Sache betreffen, bevor er nicht alle Schritte, Handlungen und Worte sorgfältig erwogen hat und wird kein Urteil abgeben, wenn er nicht sicher weiß, daß die Zweckmäßigkeit und Redlichkeit seines Handelns über allen Zweifel erhaben ist. Aber über das Heiligste zu schwatzen und erst nach dem Reden und Handeln die Prüfung folgen zu lassen, das muß unausweichlich zum Falle führen. Und diese Männer, die zu dem hochbedeut amen Zweck zusammentreten, die Religion zu verbessern, Gesetze zu geben und ihrem Volke den Weg zu verkünden, den jeder gehen soll, die bauen, reißen nieder, bejahen, verneinen, beschließen, beantragen und erheben die Hand gegen ein nach Jahrtausenden zählendes Heiligtum,bevor sie selber wissen, ob sie das auch nur können. Siebenmal mußte ihnen in ihrer eigenen Versammlung zugerufen werden: „Es ist unmöglich, auf Details einzugehen, bevor wir uns nicht über die Prinzipien geeinigt haben", „wir müssen unter uns wissen, ob wir berechtigt sind, dem Talmud den Gehorsam zu kündigen", „wir werden keinen Boden für unsere Wirksamkeit haben, wenn wir nicht vorher abstimmen uchdr beschließen, daß wir berechtigt sind, von dem Wege des Talmud zu lassen", „laßt uns über das Prinzip beraten", „wir wollen über unser Grundprinzip in Beratung treten". (Protokolle S. 23, 44st.) Und in ihrer unüberlegten Ueberstürzung haben diese Männer dem allem kein Gehör gegeben. „Das steht nicht auf der Tagesordnung," ruft ihr Präsident dazwischen, und so stimmen sie ab, beschließen, beantragen und reden sie ohne Rücksicht darauf, ob das, was sie raten und taten, auch wirklich zu dem ersprießlichen Ziele führt. Durch diese und ähnliche Mängel haben sie alles Ansehen bei jedem rechtlich Dankenden verscherzt, auch wenn er nicht zu den Bekennern des Judentums zählt. Darin stimmen alle überein, daß der Weg, den diese Herren gehen, nicht der rechte ist und daß die Worte dieser Versammlung nichtig und völlig belanglos sind. Aber innerhalb der israelitischen Gesamtheit, was hätte da irgend jemand, der noch nicht Gott die Nachfolge gekündigt hat und dessen Herz noch treu zum Bund unserer Väter hält, mit dieser Versammlung gemein? Die Mitglieder dieser Versammlung sind ja nach ihren eigenen Worten Angehörige ei ner anderen Religion. Sie leugnen ja das Bündnis, welches das ganze Haus Israel'verbindet! Durch ihre eigenen Worte und Absichten sind sie der religiösen Ueberzeugung des Jakobbauscs fern und fremd geworden und. ihr ganzes Prinzip gilt innerhalb Israels als bloße Täuschung. Dem Talmud haben sie den Gehorsam gekündigt, selbst an der geschriebenen Thora hängt ihr Geist nicht mehr in der bisherigen Treue und die religiöse Ueberzeugung der gesammten Judenheit haben sie treulos preisgegeben. 5.Sie haben den Abfall vomTalmud vollzogen! Wenn es auch über die prinzipielle Frage, ob das Band, das uns mit dem Talmud verbindet, zerrissen werden soll, nicht zur Abstimmung kam, so bezeugen doch ihre öffentlich Millionär nennt, und weil die Multimillionäre, speziell in Amerika, die Herrschaft im Reiche des Mammons angetreten haben, so hat doch der Klang des Namens Rothschild noch vielfach einen solchen Reiz, das; alles, was der eine oder andere Vertreter dieser Dynastie tut, das große Publikum immer noch interessiert. Groß ist die Zahl der hervorragenden Bankiers, die seit einem Jahrhundert aufgctaucht sind und durch ihre Transaktionen, ihren enormen Reichtum und den Einfluß, jden sie auf oem Gebiete des öffentlichen Lebens geübt, sich einen klangvollen Namen — in des Wortes eigentlicher Bedeutung — verschafft haben, aber dennoch gebührt der Dynastie Rothschild in der Phantasie des Voltes gleichsam eine Ausnahmestellung. Das Emporkommen dieses Bankhauses vor etwa einem Jahrhundert und die Macht, die es seitdem in Finanz- und politischen Kreisen auszuüben gewußt hat, nicht minder aber auch die vornehme Gesinnung und Charakterstärke, wodurch die einzelnen Mitglieder des Hauses von jeher sich ausgezeichnet haben, alle diese Momente sind wie dazu geschaffen, das Interesse des Publikums für die „Könige der Gläubiger und Gläubiger der Könige" stets wach zu halten. Ist auch das Haus Rothschild gegenwärtig nicht mehr die erste Finanzmacht der Welt und der Reichtum desselbeu, lvie gesagt, von vielen Multimillionären bereits weit in den Schatten gestellt, so erscheint diese Weltfirma doch noch immer als ein gewaltiger Faktor, mit dem nicht allein die Börsen in aller Herren Länder, sondern auch die europäischen und amerikanischen Staatsmänner rechnen müssen. In der Entstehungs- und (Entwicklungsgeschichte dieser Dynastie zeigt sich bis aus den heutigen Tag ein merkwürdiger Charakterzug: das Gefühl der Solidarität und Zusammengehörigkeit. Dasselbe herrschte, vom Begründer des Hauses angefangen, bis drohend ntwrr /Pi^sn1? mwrr ,vi'L*7 rnwn 1217721) vor den Mächtigen tritt, alle Rückfichten auf das eigene Leben außer Acht lastend, da es fich um die Freiheit eines anderen Buders, deS Benjamin handelt? Joseph erkannte seine Brüder, in tiefem Momente mehr denn e, er erkannte wieder diejenigen deren geistiges Gesicht etnit Haß und irregehendes Unabhängigkeitsgefühl biS zur völligen Unkenntlichkeit verunstaltet hatte, und die Stunde der Versöhnung hatte erst mit diesem inneren Wiedererkennen eschlagen. Längst bevor fle den verschollenen Bruder gefunden, hatten fie sich wiebergefunden, die Söhne Jakobs. Allein jetzt, da bte Slvnde des Wiedersehens die ganze ihnen anhaftende Schuld in den grellsten Farben ihnen, vor Augen führte, kamen die Zweifel w eder, die plagenden Zweifel, ob fie deS Baters geistiges Srbe gehütet, ob fie seinem Geiste treu geblieben. — iniK 17132^ 1^2' 8^1 fflattaMmU Tä» Sie sahen beit reinen Geist, der daS Leben, die Handlungen und bte Worte der Jakobsfvhne beseelen soll, entschwinden und sie standen sprachlos da. Um aber den Weg zu den Herzen der Brüder ganz zu finden, mußte Joseph einen anderen Ton anschlagen, den alten jüdischen Ton, er mußte mit thnenjdte Sprache, die an die Sphäre des Baterhauses gemahnt, sprechen. -wnjM anap 121 .wbp -oian 's '2 Denn nur ruf dem Boden kur vStcrlichen Tradition, auf der Grundlage deS heiligen BatererbeS konnte die Ber eintgung und Versöhnung eine vollkommene, segenbringenbe und dauernde fein. Und sprechen wir, um zur rn£ß,1 zurückzukehren, von «wer großen Zeit ber Verbrüderung aller Teile tserSBolkeSund von einer noch grdßern, da fich alle ' Ntttzr die Hand in 9i«$e reichen, ln der 2*72*7 TP *7118 ,1211/ nur ein Hirt und eine Herde sein wird, so kann dem Juden, der treu zur Tradition der BSter hält, gar kein Zweifel darüber aufkommen, untr welchen Bedingungen und Voraussetzungen diese große Verschmelzung vor sich gehen wird: BJ11K VII,121- Eine große Reinigung, ein Umwertung nach oben muß den Beretntgungsprozeß vorberetten, die Reinigung vollzieht fich aber dadurch, daß nattT* 'NI,INI 12^' '2212221 &niK 112P1 alle Welt die göttliche Gesetze als die Rechtsnormen, weiche allein die G'undlage für das Leben des Einzelnen und daS Gemeinleben der Völker bilden, anerkennt, d ß alle Völker daS erkennen und anerkennen, was den jüdischen Menschen allezeit heiligt und adelt: rvi',12 *78iv ritt «npa "i ’ok '2 ein ipii ♦D11P1 221N2 '12122 eines euilleton flmschel (Anselm) IHayer von Rothschild.* -Obschon wir in einer Zeit leben, wo der Name „Millionär" beinahe antiquiert ist» weit, wie sich einst ein großer Finanzier geringschätzig ansdrückte, schon ein Mann, der eine lumpige Million besitzt, sich * Aus „Finanzgrößen und große Finanzen" von Dr. Adolf Kohut (Finanzverlag Alfred. Neumann, G. m. b. H., Berlin), einem hübschen, unterhaltenden Btzchlrtn.