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Der Israelit · 1909-12-09 · Heft 49 (9.12.1909) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 49 (9.12.1909)
Date
1909-12-09
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Sette 18 Nr. 49 Der JSraeltt. 9. Dezember 1909. Unter anderm haben wir auch einen Delegiertentag am 12. September d. I. mit dem einzigen Punkt der Tagesordnung: „Wie stellen wir uns zu einer Zwangsvereinigung der preußischen Juden?" abgehalten. Wir möchten nochmals dem Referenten der Tagung, Herrn Referendar Jsi Kahn für seinen sowohl inhaltlich als formell ausgezeichneten Bortrag unseren Dank aussprechen. Ein Beschluß über unsere Stellung zu der Frage wurde auf dem Delegiertentag nicht gefaßt, vielmehr wurde der Vorstand ersucht, eine Fortsetzung der Besprechung des Referates noch vor Ablauf des Jahres zu ermöglichen. Wir werden dem Wunsche der Herren DÄegierten selbstredend baldigst Nachkommen. Wir durften aber das Datum für die Generalversammlung nicht verstreichen lassen, und zwei große Versammlungen in verhältnismäßig kurzer Zeit nach den Feiertagen konnten wir nicht anberaumen, da die Vorbereitungen für die Versammlung für unser Bureau viel Arbeit bringen, das. so wie so durch laufende Arbeiten genügend in Anspruch genommen ist. Dank haben wir auch auszusprechen den Herren Wanderrednern, die sich uns zur Verfügung gestellt haben und mit guten El folgen ihrer selbstgestellten Aufgabe gerecht wurden. Auch den Herren, die unsere Lehrerkurse leiteten, sei nochmals an dieser Stelle gedankt. Es sind die Herren Rabbiner Dr. Moses Auerbach jetzt in Petach-Tikwah (Palästina), der während seines hiesigen Aufenthaltes die Kurse am hiesigen Platz geleitet hat, und Herr Rabbiner Buttenwieser aus Straßburg der für den südlichen Teil der Rheinprovinz schon seit mehreren Jahren in selbstloser Weise die Kurse leitet. Wir hoffen und wünschen, daß die Gemeinden, welche uns noch immer fernstehen, nicht nur aus unserem Bericht, sondern mehr noch aus der Art und Weise der ruhigen und friedlichen Arbeit unseres Vereins ersehen mögen, daß sie ihre religiösen Jntereffen bei uns sehr gut geborgen wissen, und daß sie -allmählich aus ihrer Reserve heraustreten und wenigstens einmal Vorträge von unseren Herren Rednern sich halten lassen, die ja wie all unsere Leistungen rein um der Sache willen und daher völlig kostenlos zu erhalten sind. Es find noch die inoffiziellen Verhandlungen zu erwähnen, die wir mit der Freien Vereinigung für bie) Interessen des orthod oxen Judentums (E. B.) am 22. März 1908 hatten. Die Freie Bereinigung wünscht, damit sie nicht durch uns, und damit wir nicht durch sie im Rheinland gestört werden, einen engeren Zusammenschluß der Gestalt, daß durch Erhöhungunseres Mitgliederbeitrages um 2 Mk. unsere Mitglieder von selbst Mitglieder der Freien Bereinigung werden. Im Vorstand haben wir bisher uns nicht entschließen auf welch' schwächlicher Grundlage ich damals mein Lebensglück aufgebaut hatte. Gott hatte es zum Guten gefügt. Das Unglück hatte unserer beider Seele geläutert und empfänglich gemacht für seine hellige Lehre. Sobald wir eine Gesetzesvorschrift erfaßt hatten, bemühten wir uns darnach zu leben. Allmählich erkannten wir, daß man auch auf den kleinsten Platz ohne Gottesdienst in der Synagoge ein guter Jude sein kann, da ja das ganze tägliche Leben ein Gottesdienst ist. Von Zeit zu Zeit suchte ich den Rabbiner auf, um mir praktische Ratschläge zur Umänderung meines Lebens zu holen. Bald söhnten sich auch die christlichen Nachbarn mit meinem veränderten Leben aus. Sie sahen ja, daß ich ihnen trotzdem der treue Freund blieb, und so nahmen sie jede Rücksicht auf mich, waren Samstags gern zur Hilfeleistung bereit. Das war nun der schönste Tag in der Wochewenn meine Frau Freitag abend die Lichter ansteckte, dann war Feiertag. Unser Großer jubelte hell auf, er bemühte sich schon am Freitag beim „Schabbosmachen" zu helfen. Aber auch in den blöden Augen der armen Kleinen meinte ich manchmal ein freudigeres Leuchten zu sehen, wenn die Mutter den Segensspruch sprach, und wenn wir nachher die savatlichen Gesänge anstimmten. (Schluß folgt.) können, den Wunsch der Freien Bereinigung zu einem Antrag des Vorstandes an unsere Generalversammlung zu verdichten. Wir stünden einer engeren Liierung mit der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums (E. V.) nicht unsympathisch gegenüber, wollen aber der Mitgliederversammlung freie Hand lassen, ihre Stellungnahme zu bestimmen. Die Mitgliederzahl des Vereins blieb konstant 400 und die Zahl der Gemeinden hat sich auf 35 erhöht. Möchten unsere Mitglieder, die doch stets durch unser Organ mit uns in Fühlung sind, eir: jeder in seinem Kreise fürneue Interessenten werben, damit unser Verein immer mehr wachse und gedeihe! Sodann erstattete der Rendant des Vereins Herr S. Hanauer-Euskirchen den Kassenbericht. Aus demselben ist ersichtlich/ daß bei einem restierenden Vermögen von etwas über 3000 Mk. die Einnahmen und Ausgaben mit rund 10000 Mk. sich das Gleichgewicht halten. Bei den Ausgaben entfallen ungefähr 2000 Mk. auf Subventionen, 1500 Mk. auf Verwaltungs¬ und Reisespesen, 800 Mk. auf Lehrerkurse und Bücherverteilung und das Uebrige auf Gehälter. Als Rechnungsprüfer wurden die Herren Gerson Rothschild und Moritz Levy jr. und als deren Stellvertreter die Herren Jos. Wallach und Albert Meyer gewählt. Nach kurzer Diskussion, an der sich die Herren Dr. Bendix, Meyer, Levy, Dr. Ochs und Frank beteiligten, wird dem Rendanten Entlastung erteilt. Aus der Diskussion ist zu erwähnen, daß festgestellt wird, daß bei Verhandlungen auf dem Delegiertentag nur die Delegierten stimmberechtigt sind. Hierauf erhielt Herr Rabbiner Dr. Wolf das Wort zu seinem Bericht, der auf ausdrücklichen Wunsch der Versammlung wörtlich wiedergegeben wird. M. H.! Dem ausführlichen Bericht des Vorstandes, den Sie soeben aus dem Munde unseres allverehrten Vorstands-Seniors, Herrn Stadtverordneten Jonas, entgegengenommen haben, brauche ich diesmal nur wenig Worte hinzuzufügen. Unser Programm und die Richtung unserer Arbeit auf den mannigfachen Gebieten des religiösen Lebens in Theorie und Praxis, im Einzelleben und in der Gemeinde, stehen fest,' und nach wie vor bestreben wir uns,unser Bestes zu leisten, den Erfolg, dem Sämannum gleich, der Zukunft anvertrauend. Nicht dem hundertfach gesegneten Jsak, dem ringenden und allem Ungemach ausgesetzten Jakob können wir uns vergleichen. Unsere Arbeit hat erst zu kurz eingesetzt, um Erfolge erwarten zu dürfen, die, klar wie die Sonne, am Firmament der Gegenwartsgeschichte leuchten. Was bedeuten sieben Jahre nach so vielen Dezennien völliger Verwahrlosung, was eine Jahreswoche im Verhältnis zum ganzen Menschenleben und nun gar zum Leben der Jahrhunderte der Geschlechter und der Jahrtausende der Geschichte? Wir bescheiden uns mit dem Abendgebet und erheben gar keinen Anspruch darauf, das Morgen- und Mittaggebet dem Sinne nach auf unser Wirken zu übertragen. Wir sind zufrieden, wenn wir nur sprechen dürfen: mwb nSöxü wann» "pa^a pan „Mögest Du uns von der Dunkelheit zum Lichte führen". Haben wir nur erst wieder das Sehnen geweckt, den Schatz des Geistes und des Könnens, des Lebens und der Sitte, der in Judentum liegt, kennen zu lernen, dann haben wir den Anbruch eines neuen Tages geschaut. Mögen unsere Folger dann das Glück genießen, am Sonnenglanze der Erleuchtung sich zu Wonnen und froh zu sprechen: mixf? nb&Kü-'MTKinrw rma „Wir danken Dir, daß du uns aus der Dunkelheit zum Licht geführt hast." Gelingt es uns nur, den Wunsch anzuregen, das Geheimnis des Mischen Lebens zu erfragen, das Buch zu eröffnen, das alle Lebensfragen des Judentums und der Menschheit deutet, die Siegel zu er' brechen, die jüdischer Frevelmut treuloser Führer an dieies Kompendium der Wahrheit gelegt, gelingt es uns nur, den geistigen Hunger und den Durst nach Wiffen zur Empfindung zu bringen, damit der kranke.Körper des Judentums die ihm entsprechende Nahrung gerne an- und aufnimmt, dann fühlen wir uns am Ziel unserer Aufgabe. Hätten wir dann doch auf dem geistigen Gebiete die Arbeit geleistet, die auf dem Gebiete des Stoffes so ungemeine Kraft erfordert. Wir hätten die Trägheit überwunden, wir hätten den Feind alles Fortschrittes besiegt. Darum muß innerhalb der Arbeitsleistung unseres Vereins ein so großes Gewicht auf Bsrtrüge gelegt werden. Während in der Großstadt, wo manchmal an einem Abend der Borträge soviel geboten werden, daß man an den Ankündigungen schon genug hat, man sich bei der Schwierigkeit der Auswahl für — keinen entscheidet, ist in der Provinz die Freude darüber groß, wenn eine geistige Anregung geboten werden soll, und die Wirkung ist unausbleiblich. Und wenn nun gar der Mann des praktischen Berufes, ein Kaufmann als Jude spricht und mit seiner Person beweist, daß, wo ein Wille vorhanden, das göttliche Gesetz durch Treue zu ehren, die Mögllchkeit zu allen Zetten aller Orten besteht, dann kann das gleich durch die Tat begleitete Wort der Lehre seinen Eindruck nimmer verfehlen. Zu großem Danke haben die Herren uns verpflichtet, die selbstlos ihren einzigen freien Nachmittag in der Woche der Werbung für den Thoragedanken opfern, zu noch größerem Danke aber dadurch, daß sie in ihrer Jugend sich diesem höchsten Dienste weihen. Denn die Treue der Jugend zur angestammten Fahne ist für das Bewußtsein der Zuhörer zugleich das Moment der Begeisterung für die ewige Jugendkraft der Thora und die unverlierbare Jugendfrische Israels. Obwohl Jsak und Rebekka in Beersebah zurückblieben, zog mit dem jungen Jakob, der das Vaterhaus verließ, der Glanz hinweg aus der heimatlichen Umgebung. Jsaks und Rebekkas Dasein vermochten die Herzen anders Denkender, anders Lebender nicht für das abrahamitische Erbteil zu gewinnen. Das Alter wurzelt, so sagt man, in der Vergangenheit. Der Boden der Neuz'it ist andersgeartet. Anderes Sehnen, anderes Hoffen, anderes Denken, anderes Wollen, andere Ziele, andere Zwecke trennen das Heute vom Gestern. Aber eines Jakob jugendliche Gestalt als Vertreter der alten Ideale zu sehen, das macht einen DtP'n das prägt sich ein, das gibt zu denken. Wenn der alte Geist nicht altert, wenn das alte Leben sich verjüngt, dann haben sie ihre Lebensfähigkeit erwiesendann ist das bewährte Alte am Ende besser und sicherer, als das zweifelhafte Neue, dessen steter Wechsel seine Unzuverlässigkeit an den Tag legt. Mit besonderer Genugtuung aber darf es uns erfüllen, daß wir unter unseren jugendlichen Vorkämpfern für die Erhaltung der Thora eine Anzahl strebsamer Akademiker sehen, die sich — so wollen wir hoffen — aus den Reihen des Bundes jüdischer Akademiker (B. I. A.) immer von neuem ergänzen. Waren es doch die Akademiker, die die erste Bresche in das Bollwerk der Thora gegen den Sturm des Zeitgeistes gelegt hatten, träumten sie doch vor hundert Jahren von unumstößlich feststehenden Resultaten der Wiffenschaften, denen gegenüber sie Thora und Talmud zu Ammenmärchen, Sagen und rückständigen Begriffen überwundener Zeiten herabdrücken wollten. Darum sind die heutigen Akademiker berufen, hem heutigen Geschlecht zu zeigen und das folgende zu der Erkenntnis zu erziehen, daß kein wahrer Fortschritt im Naturerkennen und der Reflexion über das Sein und Sollen des inneren Menschen die Höhe erreicht hat und je wird aus sich selbst erlangen können, auf der uns die göttliche Thora den Menschen zeigt und der sie zunächst den Mensch- Jisroel erziehen will und mtt allen äußeren Mitteln des Geschickes und allen inneren der Ueberzeugung zu endlichem Ziele geleitet. Reichen uns doch die Wiffenschaften auf dem Gebiete des Könnens und der Pflichterfüllung heute die Hand.

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