Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 49 (9.12.1909)
- Date
- 1909-12-09
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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C‘T-'v Vf* "’>r'' ^:^'Tr:"^.^>^ff^. L db und Organ des Bundes geseßestreuer jüdischer hehrer Deutschlands. Der Bibel-Unterricht am Lehrerseminar. Bon Seminarlehrer 8. Anfänger in Würzburg. (Schluß.) Die Königsbücher und zum Teil auch schon die Bücher Samuel weisen aber so eminente Spuren von prophetischer'Wirksamkeit auf, daß, ist es der Präparandie nicht möglich die Bücher der späteren Propheten zu behandeln — der ersten Seminarzeit im Interesse der Lückenlosigkeit und des vollen Verständnisses der Stoff vorgezeichnet erscheint: die own« owaa Die Seminarzeit umfaßt 3 Jahre. Es wird sich in technischer Hinsicht als notwendig Herausstellen, zuweilen die 2 Unterkurse zu kombinieren. Damit ist von selbst die Notwendigkeit gegeben, mit den Stoffen entsprechend zu wechseln, also einen etwa 3 jährigen Turnus einzuhalten. Ueber diese spezielle Stoffauslese später! Nach welchen Gesichtspunkten ist nun der Unterricht zu erteilen? Die Möglichkeit, zwei Lehrgänge auch hier nebeneinander herlaufen zu lassen, also eine größere Stoffmenge nur kursorisch, wenig eingehend zu übersetzen, eine kleinere aber wohl ausgewählte dagegen möglichst tiefgründig nach allen Richtungen durchzuarbeiten, ist unbestritten, vielleicht diese Praxis sogar im Interesse der Bewältigung einer gewissen äußerlich imponierenden und doch auch nach innerlichem Werte nicht zu gering anzuschlagenden Quantität zu empfehlen. Ich habe in meinen folgenden Ausführungen nur die zweite Stoffpartie im Auge. Die. Bücher der späteren Propheten sind wichtig als geschichtliche Belege, als Kultur- und Leitbilder, die Propheten sind die Träger der sinaitischen Tradition, sie sind die berufenen Volkswächter and -Wecker, durch welche dem Volke der göttliche Wille sich offenbart, also spezifisch jüdischreligiöse Erscheinungen, sie sind aber auch zugleich . die Vertreter und Prediger des großen, kosmopolitischen Weltverbrüderungsprinzips im Dienste der Gottesidee und somit der reinsten, höchsten Moral und Ethik. Der Unterricht hat diesen Momenten gerecht zu werden. Er wird also bei der Behandlung eines Prophetenbuches sowohl die sprachliche Eigenart und damit die grammatische Exegese berücksichtigen als die geschichtlichen Grundlagen und Zeitverhältniffe klarlegen, aus denen heraus der Prophet aufzufassen ist) so wird er z. B. den Nachweis erbringen, warum der Prophet, dem doch gewiß alle sinaitischen Verordnungen gleichwertig galten, gerade die eine und andere besonders hervorhebt, zu einzelnen Tugenden besonders mahnt, einzelne Nationen besonders in den Kreis seiner Betrachtungen zieht. Das ganze Unterrichtsgebäude muß aber getragen und gekrönt sein von dem lebendigen Bewußtsein, daß die Propheten Gottesboten, ihre Worte Gottesworte, daß sie also doch etwas anderes sind als etwa „einsichtige und weitschauende Politiker". Es muß so recht der Unterschied klar werden zwischen den „wahren" und den „falschen" Propheten, von denen Amos so treffend gesagt hatte: *; „Ich bin kein Prophet und keines Propheten Sohn." Soweit möglich ist auf die zeitliche Zusammengehörigkeit bezw. Folge der Propheten hinzuweisen, aus gleichen oder ähnlichen Verhältnissen die Aehnlichkeit der Prophezeiungen zu erklären - verwandte Stellen sind in Zusammenhang zu bringen, wobei immer und immer wieder die geschichtlichen Bücher Könige und Chronik, bei den letzten Propheten auch Daniel, Esra und Nehemia sich dienstbar zu erweisen haben, so daß also sowohl eine klare Uebersicht als auch ein ausgedehntes nwpa auch in der "s"2-Literatur erzielt werde. Auf das Erstere lege ich, schon aus apologetischen Gründen, großes Gewicht. Die prophetischen Reden bieten aber soviel herrliche Stellen, die nicht nur auf beschränkte Zeitverhältnisse passen, sondern sozusagen menschlich typisch sind, Ewigkeitswert haben, auch unsere moderne Zeit noch so trefflich zeichnen, daß gleichsam als Nebenprodukt eine reiche homiletische Ausbeute sich ergibt, wie ich es überhaupt für sehr empfehlenswert halte, über einzelne durchgenommene Stücke aus den Propheten Referate seitens der Schüler unfertigen zu lassen. Sollen nun einzelne Kommentare „gelernt" werden? Ich stelle mich hier wieder einzig und allein auf den praktischen „Möglichkeitsftandpunkt" und antworte: „Nein". Ein einzelner Kommentar an sich gibt in der angeführt notwendigen unterrichtltchen Behandlung kein vollständiges Bild, sein „Lernen" wäre also, immer vom unterrichtlichem Standpunkte aus geurteilt, nicht viel mehr als Sprachübung. Wir haben höhere Ziele zu erreichen. Der Lehrer des wird wohl in die bedeutendsten Kommentare eindringen müssen, um den Schülern gleichsam den Extrakt seiner Quellstudien zu bieten. Er wird die einfachen und doch meist so trefflichen Erklärungen von '"an sowohl als den mehr wissenschaftlichen p"“P, den philosophierenden Jbn Esra wie den oft metaphysischen D'3*?» usw. verwerten, stets aber vermeiden, die Schüler zu verwirren, was natürlich nicht ausschließt, daß aus einzelnen Kommentaren besonders typische Proben gegeben werden, ebenso wie die zahlreichen Belegstellen der loci beizuziehen sind, sei es, daß der Lehrer sie nur inhaltlich berührt, sei es, daß er sie vorlernt, sei es daß er sie dem Selbststudium der Schüler anheimstellt. Durch eine derartige Behandlung der Propheten ist eine gute apologetische Grundlage geschaffen. Bezüglich der Bibelkritik stehe ich auch hier auf dem Standpunkte, wie ich ihn beim Pentateuchunterricht präzisierte. Die Voraussetzung, mit der ich an die Sache herantrete, ist alles: Glaube oder Unglaube. Allerdings werden auch i i V Gesichtspunkte der Apologetik gegen andere Be-' kenntnisse, also nicht nur gegen den religiösen Nihilismus, wohl zu beachten seindie sog. christologischen Stellen in den Propheten bedürfen besonderer Berücksichtigung und sind eingehendst zu behandeln, was rein positiv geschehen kann ohne agressiv zu werden. Auf diesem Gebiete muß jeder angehende Lehrer beschlagen sein, denn es ist wohl allbekannt, wie leicht man in eine derartige Diskussion hineingezwungen werden kann, so gerne man auch derartige, doch meist unfruchtbare Erörterungen vermeiden möchte: der jüdische „Lehrer muß hier „theologisch" beschlagen, gerüstet sein. Daß ein derartiges Arbeiten aber kein Hasten und Eilen zuläßt, daß hier Gründlichkeit und Vielseitigkeit mehr gelten als eine große Kapitelzahl, daß also von einem „Durcharbeiten" der ganzen Bibel keine Rede mehr sein kann, ist klar. Die Stoffauswahl ist durch die angegebenen Unterrichtszwecke und 'Unterrichtsformen nahezu bestimmt. Behandelt die Präparandie im Pentateuch hauptsächlich leichtere und mehr geschichtliche Partien, so wird das Seminar mehr Stoffgruppen zu bieten haben, die natürlich nach methodischen Richtpunkten zu ordnen sind, drei Schuljahre ausfüllend, wie schon betont. Der Festzyklus, d. h. alle Stellen der Schrift, welche von der Festesfeier handeln, wäre eine solche Stoffgruppe, vielleicht die leichteste und unter Umständen sogar für die Oberstufe der Präparandie geeignetdie Opfergesetze, die Mischungsverbote, die Prieftersatzungen, Reinheitsgesetze und Speisevorschrifteu usw. ließen sich zu Einheiten gruppieren, wobei immer mit der Möglichkeit zu rechnen wäre, daß auch im Mischnah- und Ritualunterricht Konzentrationsstoffe geschaffen werden könnten. Besonderer Würdigung, vielleicht auf der Oberstufe des Seminars, haben dann noch die sogen, poetischen Partien des Pentateuchs zu finden. Im Unterricht wurden die D'3tiW"i D'K'33 der Präparandie zugewiesen. Auch einzelne Partien der Hagiographen weist in der Regel der Jahresbericht auf, so die Psalmen des Gebetbuches, Sprüche Salomos, einzelnes aus den niVjo rrcn Das Seminar setzt mit den eigentlichen Büchern der Propheten ein. Am Seminar zu Würzburg bildet der Prophet Jesaias regelmäßig in 2 Jahreskursen den Stoff der Oberstufe, in einem Jahre Kap. 1 mit 39, im zweiten Kap. 40 mit 60. Es besteht diese Einrichtung nunmehr durch Jahrzehnte und ist zum Gewohnheitsrecht geworden, dem sich auch die Seminarschlußprüfung aupaßt. Es bleiben somit noch die Unterkurse zu besetzen. Das Dodekapropheton '-in mit seinen zum Teil äußerst schwierigen Stoffen dürfte bei gründlicher Behandlung immer für lVa Jahre Stoff bieten. Das letzte Halbjahr des zweijährigen Kursus wäre etwa mit ausgewählten Stücken aus VkPTH' auszufüllen, in dem besonders die nriösn aus diesem Propheten