Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 49 (9.12.1909)
- Date
- 1909-12-09
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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«ette^ Nr. 48. durch zugehörige Partien abgerundet werden. Jeremiahu bietet für 1 Jahr ebenfalls überreichen Stoff. Dem Geschick und Ermessen des Lehrers unter Berücksichtigung aller einschlägigen Verhältnisse muß es überlassen bleiben, die richtige Gruppierung für die drei Seminarjahre zu schaffen. Die Behandlung der prophetischen Literatur ist also, wie nachgewiesen, die Hauptaufgabe des Bibelunterrichts am Semtrr^r.. Sollen nun aber die anderen biblischen Büa:^:r völlig außer Ansatz bleiben? Selbstverständlich nicht, nur kann, und das sei immer und immer wieder betont von einem „Durcharbeiten" keine Rede sein. Was denn aber soll geschehen? Der ins Leben, in die Praxis tretende junge Lehrer darf natürlich bez. keines.Buches der hl. Schrift in völliger Unkenntnis sein,' er muß aber auch sowohl das Bewußtsein der Notwendigkeit einer Weiterbildung in der Bibel als der Äkögltchkeit, der Befähigung auf Grund der erhaltenen Vorbildung in sich fühlen. Aus den bisherigen Darlegungen war ersichtlich, daß auch die prophetische Literatur und erst der geschichtliche Bibelstoff der Präparandie noch der späteren Ergänzung und Vertiefung in einer Fortbildung bedürfen, es wurde aber auch gezeigt, daß Bibelpartien, die außerhalb des Stoffplanes insofern liegen, als sie der Jahresbericht der div. Bildungsanstalten nicht aufführt, doch einbezogen und gewürdigt sind. Das stellt gleichsam ein Programm dar, d. h., die biblischen Bücher, welche außerhalb der Stoffnorm liegen, sind, um mich 'eines talmudffch-technischen Ausdrucks zu bedienen, 'TniK 238 iu behandeln. Anlaß bietet sich oft genug Und ob es in der Homiletik- oder Geschichtskunde, bei der Grammatik oder im eigentlichen Religionsunterrichte geschieht, ist doch wohl nebensächlich. Es siehe z. B. das 13. Kapitel bei Jeremiah zur Behandlung. Die Frage des Propheten nnte D'yttn^vr yHD und die göttliche Antwort v'Own Nt« mnnn 1'81 tikVi nsn O'ÄI na ergeben dasselbe Motiv wie das herrliche Buch Hiob, die ewige Wahrheit, daß der Mensch nicht in Wesen und Wirken der Gottheit einzudringen vermöge, daß er sich den göttlichen Beschlüssen willig zu fügen habe, da Gott schließlich allein das wahre Gute wisse : die Theodicee. Der Lehrer wird die Gelegenheit nicht vorübergehen lassen ohne auf das Buch Hiob etwas einzugehen. (Diese „Gelegenheit" kann sich natürlich ebensowohl im „Moralunterricht" wie in der re. ergeben und ebenso kann die Besprechung überall einsetzen. Gerade die Fächer des jüdischen Religionsunterrichtes bedürfen ja keines sklavischen Festhalrens am Schematismus.) Er wird einen allgemeinen Neberblick geben, die Ansichten der Freunde Hiobs und dessen jeweilige Erwiderungen zur Lektüre aufgeben, — auch nn deutschen Unterricht bestimmen wir ja Stücke zur freien Lektüre — sich über das erzielte Verstäub is vergewissern usw. und vielleicht schließlich einen der besseren Schüler ein Referat über das Buch Hiob halten lassen. Für diese freie Lektüre genügt natürlich eine deutsche Uebersetzung, eine gute Bibel. In ähnlicher Weise treten Betrachtungen und Besprechungen der übrigen bibl. Bücher ein und dafür bietet allerdings die dreijährige Seminarzeit Raum. Die Seminaristen haben also während ihrer Ausbildung ein gewiffes Bibelpensum eingehend behandelt, sie haben die fehlenden Partien in großen Zügen kennen gelernt und damit ist einerseits erreicht, daß eine völlige Unvertrautheit mit irgend welchem Teile der hl. Schrift ausgeschloffen ist, anderseits aber wird den angehenden Lehrern klar sein, daß in vielen solchen Partien ihr Wissen nur notdürftig Stückwerk ist, sie also zu eifriger Selbstfortbildung gehalten sind. Die Unterrichtserteilung am Seminar hat aber gezeigt, nach welchen Prinzipien, in welcher Weise eine rechte Vertiefung, eine nutzbringende Weiterbildung sich zu vollziehen hat. Besonders in den letzten Schulwochen muß der Unterricht immer mit Hinweisen auf die spätere eigne Fortbildung Md diesbez. Ratschlägen operieren. Das „Leben" setze fort, was die „Schule" hGvvnen. Der JSrarltt. Lebrermangel oder Ccbrer- Überfluss. Theorie nnd Praxis stehen gar häufig im schroffsten Gegensatz zu einander, und wir meinen dieser Gegensatz sei nirgends häufiger anzutreffen als im Lehrerleben. Alle Parteien ohne Ausnahme rühmen beispielsweise die hohe Bedeutung des Lehrerstandeswenn es sich aber drum handelt, dem Lehrer einer der Bedeutung seines Amtes entsprechende Stellung und ein angemessenes Gehalt zu gewähren, da ist es mit aller Anerkennung aus einmal vorbei. Am häufigsten stehen aber Theorie und Praxis in Widerspruch, wenn es sich um sogenannte Schlagworte handelt, die bei der Menge sehr beliebt sind und nur selren einer Nachprüfung auf ihre Richtigkeit unterzogen werden. So erinnern wir uns noch recht lebhaft, daß auf einer Konferenz der jüdischen Lehrer Hessens von einen angesehenen Vorstandsmitglied unter großem Beifall der bekannte Ausspruch Diesterwegs zitiert wurde: „Der Mangel der Lehrer kann nur durch den Lehrermangel beseitigt werden!" Am Schluffe der Konferenz aber wurde von demselben Kollegen der Unterstützungsverein für. das A l z e y e r Seminar in empfehlende Erinnerung gebracht und die Lehrer wurden gebeten, in ihren Gemeinden für diesen Zweck zu sammeln. Rühmend wurde dabei hervorgehoben, welch reiche Stipendien die jüdischen Zöglinge des dortigen Seminars aus der erwähnten Kaffe bezögen. In der Theorie war man also dafür, einen künstlichen Lehrermangel herbeizuführen, in der Praxis aber trug man durch reiche Stipendien dazu bei, eventuell den Lehrerüberfluß zu fördern. Diesen Widerspruch fühlte der gute Mann gar nicht heraus - es handelte sich ja um ein Seminar seiner Richtung! Aber abgesehen von diesem Widerspruch läßt es sich bei aller. Hochachtung vor dem Altmeister Diesterweg doch leicht Nachweisen, daß sein viel zitierter Ausspruch der inneren Wahrheit entbehrt. Als vor Jahren auf einer allgemeinen Lehrerkonferenz an den obigen Ausspruch erinnert wurde, da wies der als Führer der liberalen Lehrer Hessens hochgefeierte Professor Dr. Heidt, Seminarlehrer in Friedberg, warnend darauf hin, daß man sich hüten solle, diesem Schlagworte praktische Folge zu geben. „Wenn Lehrermangel herrscht", so führte er überzeugend aus, „dann setzt die Regierung das Niveau der Lehrerbildung einfach herab. Die Seminardirektoren werden dann angewiesen, die Ansprüche an die in ihre Anstalt eintretenden Zöglinge zu ermäßigen upd ebenso wird bei der Abschlußprüfung mehr als ein Auge zugedrückt, wenn die Seminarabiturienten nicht ganz auf der Höhe der Rormalforderungen stehen. Jede Agitation, die darauf hinzielt, begabte junge Leute von dem Lehrerberuf zurückzuhalten, läuft auf eine direkte Schädigung des Lehrerstandes hinaus." (Jom-tz. folgt.) ißcherschau. Hebräisch-Lesen in einer Stunde. Nach den Grundsätzen der Phonomimtk Bon Dr. I. Golösch m t d t, Gr. Rabbiner in Offenbach a. M. Eine neue Fibel und eine neue Methode! Die erstere benennt fich nach dem Erfolg der Methode „Hebräisch- Lesen in einer Stunde". Wir haben seinerzeit bet Besprechung eines von Herrn Rabbiner Dr. Goldschmibt herausgegebenen Werkchens „Grosseltns Phonomimtk", welches auf die jetzt erschienene Fibel ytnwies, bereits betont, daß vor allem die Probe aufs Exempel gemacht werden müsse und daß eS hauptsächlich auf den Erfolg ankomme. Nunwohl, der Erfolg gibt dem Verfasser recht: er hat, wie uns von einwandfreier Sette versichert wird, wiederholt den Beweis erbracht, daß Schüler, die bereits die deutsche Druck- und Schreibschrift lesen, sich mit Hilfe der neuen Methode die sämtlichen Buchstaben des hebr. Alphabets in einer Stunde einprägen können. Das ist immerhin eine anerkennenswerte Leistung, die besonders ln jenen Kreisen Eindruck machen wird, wo man dem Erlernen des Hebräischen als zu mühselig und zeitraubend feindlich gegenübersteht. Das Wesen der neuen Methode besteht darin, daß die biblische Geschichte als mnemotechnisches Hilfsmittel zur Etnprägung der Buchstaben verwandt wird. Sie setzt die Kenntnis eines wesentlichen Teils der biblischen Geschichte voraus,*) *) GM Voraussetzung, die aber für das 2. Schuljahr nur in W^feltensten Fällen zutrifft. denn folgende Ramm und Einrichtungen kommen zur Anwendung: «tarn, Kain, Noah, Sem, Abraham, Isaak, Esau, Jakob, Lea, Rahel, Moses, Pharao, b.e Thora, das Heiligtum, die Spiegel zum Waschbecken, die Prtesterkletbung, die Wallfahrt nach Jerusalem, David, und Goliath und Ztdkijah. Wir lassen hier einen kleinen Tetl der Anweisung folgen, die den eigentliche» Leseübungen vorgedruckt ist, damit fich unsere Leser selbständig ein Urteil über die neue Methode bilden können: 1. Odom (Adam) und Noah. ------ O, Odom. * sieht aus wie ein Stempel. Den ersten Menschen, Odom (Adam) hat Gott in Seinem Ebenbilde geschaffen. Gott hat ihm Seinen Stempel aufgebrückt. p — K, Kain. Kain hat seinen Bruder umgebracht. Der Strich, der veimp herunterhängt, ist daS Messer mit dem Kain seinen Bruder ermordet bat. 2 — N, Noah, Nachen. Legt man das 2 um — «-*, ist es einem Nachen ähnlich. DaS ist der Nachm, den Noah in der Sündstut gebaut hat. $ Sch, Schem, der älteste der drei Söhne Noahs. Das # hat 3 Köpfe, das find die drei Söhne NoahS: Schem, Ham und Japhet, und darum — Sch. Was bedeutet aber der Punkt auf der rechten Sette? Es gab Leute, die sprachen Schem, andere aber sagten Sem, S und nicht Sch. Um nun Streit zu vermeiden, bestimmte man: wenn der Punkt auf der rechten Sette steht, dann haben die recht, welche Schem lesen, also $ — Sch. Wenn aber der Punkt auf der linken Seite steht, bann haben die recht) welche Sem lesen, also A — S. @, Sem. 2. Abraham, Isaak und Jakob. — — A, Abraham. Gott sprach zu Abraham: Gehe hinweg aus deinem Lande! Sieht das — nicht aus wie ein Weg, eine Straße? Das ist der Weg, dm Abraham gegangen. . I, Isaak. Abraham hatte einen Sohn, Isaak Ein Punkt ist darum — I. — E, Esau. Isaak hatte zwei Söhne, der älteste hieß Esau. Zwei Punkte find darum — E, Esau. (? die Redaktion.) ... — ä. Einige sagten Esau, andere wieder Asau - E, dagegen v ä. kleinste Konsonant, und Um Fr eben zu mache.r, ist ' — I, Jakob. ' ist der darum der Jüngere, Jakob. — L, Lea, Jakobs Frau, hatte viele Sühne. Welche? Darum trug sie den Kopf so hoch, wie bet dem Buchstaben -1 — R. Rahel. Rahel hatte anfangs keine Kinder, und später nur zwei. Welche? — Sie ging darum so gebückt wie das *-), ohne den Kopf hoch zu tragen usw. ' Mit dem Lesen geht das Schreiben Hand in Hand, und zwar wird mit der Quadratschrift begonnm, die bis auf einige Buchstaben tatsächlich leichter als die jüdische Kurrentschrift ist. Soweit können wir dem Herrn Verfasser folgen. Wenn wir in seiner Methode auch manches für geschraubt und gekünstelt halten, sein Bestreben, Interesse zu erregm und vermittels derselben dem Kinde die Arbeit zu erleichtern, verdeint Anerkennung und Förderung. Seine Fibel jedoch befriedigt nur halbwegs und steht in methodischer Beziehung weit mrück hinter denen von Abraham, Levy, Bruchsater und Rosenthaler u. a. m. Für die Leseübungen verwendet er nämlich nutzer den biblischen Namen, die zur Lautgewinnung behilflich sein sollen und einigen deutschen Wörtern, die demselben Zweck dienen, die Namen der Fest- und Fasttage, wie filVIV NVL, religiöse Vorschriften, wie 2*31*3 2V-)nx, die Namen der Gebete, wie die Namen der jüdischen Monate, die Stammväter und großen Männer Israels, Frauen der Bibel, geographische Ramm, die Bücher der heiligen Schrift, die Namen der Wochenabschnitte usw., ohne jede Rücksicht auf die Leseschwterigkeit. So folgen fich ein-, zwet-, dret- und mehrsilbige Wörter bunt durchetnanker gemischt, ohne daß dabet auf Erzielung eines korrekten Lesens irgendwie Rücksicht genommen ist. #2 81V und |-[J 81V, bp und pin V3"I ,riiCÜ m und nnoi N2, die Halbvokale naiJJ nna werden so nebensächlich behandelt, als ob das die einfachsten und leichtesten Dinge von der Welt waren. Bezeichnend dafür ist, daß schon in der ersten Leseübung Wörter wie UT»p12S ,NV!2 ,P!3 auftreten» In seinem Streben, dem K ode für die ersten Leseübungen bekanntes Material vorzuführen, hat der Verfasser die einfachsten didaktischen Regeln: vom Leichten zum Schweren, vom Einfachen zum Zusammengesetzten außer acht gelassen. Nun ist aber ein recht wesentlicher Teil beS verwandten Lesestoffs den Schülern dieser Stufe — 2. Schuljahr — nichts weniger als bekannt, sodaß der methodische Gewinn auch nach dieser Richtung hin mehr als problematisch ist. Herr Rabbiner Dr. Goldschmidt liebt die ausgefahrenen Gleise nicht, er ist originell in allen seinen Schöpfungen, aber die von ihm verfaßten Lehrbücher haben bisher nur deshalb keinen nennenswerten Erfolg erzielt, well sie den Verhältnissen unserer Reltgtonsschulen so wenig angepaßt find. Er wird sich wohl oder übel dazu beauemen müssen, bei einer etwa notwendig werbenden 3. Auflage die obengenannten Lehrbücher sorgfältig durchzusehen und fich zu überlegen, ob seine Fibel nicht einer gründlichen Umarbeitung bedarf. Den Herren Kollegen möchten wir aber dringend die Anschaffung des WerkchenS empfehlen. Sie werden manche Anregung daraus schöpfen und vieles daraus mit Nutzen verwerten könnet^ denn, das wollen wir nochmals am Schluß hervorheoen, die darin empfohlene Methode ist fast ganz unabhängig von der Fibel selbst.