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Der Israelit · 1909-12-09 · Heft 49 (9.12.1909) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 49 (9.12.1909)
Date
1909-12-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
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geWebSte, die d«n Gottesrufe folgten, hüteten das Gotteslicht tief im Herzen. Dieser Matisjahu erhob sich mit den Worten: „Wenn auch alle Söhne meines Volkes Gott die Nachfolge versagen sollten, ich und mein Haus, wir werden nicht von dem Väterbunde lassenSprach's und fand seine Stärke in Gott, und Gott stand ihm helfend zur Seite, den fremden Kult aus. dem Lande zu tilgen, der heiligen Gesetzeskrone die Heiligkeit, wieder zu erringen und dem Gotteslicht seine Stätte wieder derart zu sichern, daß es noch heute in unseren Wohnungen leuchtet — nnd wir sollten verzagten Herzens, die Hand kraftlos finken lassen und nicht das Unsere tun, für Gott und seine Thora? Allerdings waren es in Matisjahus Tagen Fremde, welche zur Zerstörung unserer Thorastätte über deren Mauern stürmten, während es heute Leute aus unserer eigenen Mitte, Männer unseres Bundes, Lehrer unseres Gesetzes, Priester unserer Thora sind, die den Bu'ndesbruch vollziehen und uns vom rechten Wege ablenken möchten. Aber auch das darf unfern Mut nicht lähmen. Auch in der Hasmonäerzeit ging alles von uns selber aus. Entartete Söhne unseres Volkes haben mit allem Schlechten den Anfang gemacht, und auch.damals waren es Träger des Priestergewandes, welche als die ersten mit dem Treubruch allen voran gingen. Bevor Antiochus nach Jerusalem gekommen war, um dem Gesetz Israels den Untergang zu bereiten, hatten schon Onias und der Priester Menelaos — an dessen bloßes Gedächtnis sich die Schmach aller Zeiten knüpft — mit ihrem Anhang den König in seinem Lande aufgesucht, um durch Abstreifung ihres Hovebschmuckes, durch Verleugnung ihres Gottesbundes und durch Errichtung eines griechischen Gymnasiums in Zijons reiner Schöne das Herz des Königs zu gewinnen. Hätten diese Entarteten unseres eigenen Volkes den verbrecherischen Plan nicht vorher dem König unterbreitet, wer weiß, ob er je auch nur auf den Gedanken verfallen wäre, das Gotteslicht verlöschen und Israel zum Abfall von Gott verleiten zo wollen! Sie haben nun, meine Herren, als wahrhaft gottgesegnete Männer, angesichts der in Israel sich geltend machenden Zügellosigkeit sich aus freien Stücken bereit gefunden und uns zur Hülfe für die angegriffene Thora Gottes gerufen, um unser redliches Zeugnis für sie abzulegen. Wer, dessen Herz noch voll und ganz für unfern Väterbund schlägt, sollte diesem Ruf nicht folgen, für Gottes Sache die Feder zu führen, um Gott die Ehre zu geben und für die Wahrhaftigkeit seiner Thora einzutreten? Aber trotz alledem, wäre unsere gesamte Zeit nicht an und für sich so krank, diese Braunschweiger Versammlung, die Sie bestimmt hat, Ihren Sammelruf an Israels Männer ergehen zu lassen , sie allein wäre z« belangM, Ihkebhalben das Schweigen zu brechen, und ihretwegen auch nur die Feder zu ergreifen. Sie legt ja selber Zeugnis gegen sich ab, ihre Protokolle, die sie allüberallhtn versendet, zeugen ja selber für ihren Leichtsinn. Wer einen Blick in sie wirft, erkennt sofort ihren Bruch mit Gott, wie das Ganze ein Konglomerat unjüdischer Ausgeburten, falscher Anschauungen und Irrlehren ist. Wer möchte dazu die Hand bieten? Wer möchte sich auch dem Leichtsinn und Unverstand anschließen, der das Gesetz aufheben, den Bund brechen und die Bahnen der Welt aufheben will. Für jeden Einsichtigen liegt es doch augenscheinlich da, daß dieser Versammlung alle Kriterien abgehen, die der Bekenner jeder Religion und speziell jeder Bekenner des israelitischen Gesetzes bei jedem Handhaber der Thora voraussetzt, der zu ihrer Hut bestellt ist. Denn 1) obgleich sich diese Versammlung, „Rabbiner- Verjammlung" nennt und jeden Unkundigen ausgeschlossen hat, so sind doch alle ihre Aussprüche, ihre Abstimmungen, ihre Beschlüsse und ihre Anträge alles ausnahmslos ein Werk von Ignoranten, sind nichts als Redensarten, wie man sie sonst nur beim großen Troß trifft, die in gesetzlicher Hinsicht ohne jede Bedeutung und daher null und nichtig sind. Von jedem Gesetzes-Lehrer, von jedem jh rvo fordern wir beweiskräftiges Zeugnis, daß sie uns - nach dem Ausspruch der Thora lehren, durch Darlegung ihrer Zeugnisse sich legitimieren und in den Rechtsaussprüchen Gottes und seiner Thora Jakob nnd Israel unterweisen. Tun sie das, dann ruht die Weihe ihres Priesteramtes auf ihnen und ihren Worten, und das Volk hört auf ihre Stimmen. Wenn sie aber das, was ihrem Blick zusagt, als Gesetz ausgeben, und den Geist in ihrem eigenen Innern mit ihren Worten vertreten, dann ist's um ihr Priestertum geschehen, dann ist ihre Weihe dahin und zwischen Priester und Volk besteht kein Unterschied mehr. Und nun gehe man die Verhandlungen dieser Versammlung durch, die sich den Namen „Nabbinen-Versammlung" zuerkannt, man lasse ihr Protokoll von Anfang bis Ende Revue passieren, ob sie auch nur den Schein eines Beweises für ihre Worte von der Thora erbringen! Wo sind die gediegenen Grundlagen, auf die sie ihren Bau stützen? Unsere Gesetzesbücher Lassen sie im Winkel liegen, in ihrem Herzen ist nur ihre Thora niedergeschrieben, deren Worte sich wie prophezeiende Orakelsprüche anhören, „so und so ist es ihne in den Sinn gekommen, so scheint es ihnen, so und so haben sie beschlossen." Kommt es aber zwei oder dreimal wirklich vor, daß sich in ihre Reden ein Ausspruch der Thora verirrt, so entstellen sie ihn, und sein Sinn wird von ihnen derart verdreht, daß sie dabei die gröbste Unmm rden. 6)0 «titelt M rotokoll S. 71), um die Statthaftigkeit einer elichen Verbindung zwischen Juden und Nicht- Juden plausibel zu machen den Ausspruch unserer Weisen s. A.: „Eine eheliche Verbindung findet zwischen ihnen statt, Chuppa und Kidduschin findet nicht bei ihnen statt" ,on? vn byi rfriya DH7 s'tt piPHp) nsvi und es entgeht ihm, oder er hat es nie gewußt, daß dieser Ausspruch nur von einer Ehe unter Nichtjuden handelt (Sanhedrin 57)/ dagegen kann zwischen Israeliten und Nichtisraeliten keine eheliche Verbindung stattfinden. Auch der Sohn eines Israeliten, der von einer Nichtisraelitin geboren wurde, wird nicht als sein Sohn betrachtet und nicht als von ihm abftammend angesehen, sondern ist ein Nicht- JSraelit (Jebamoth 22, Kidduschin 66) und eine solche Verbindung gilt für noch verwerflicher, als die durch die strengsten Verbote untersagten sonstigen Verbindungen. Ein anderer (Prot. S. 65 u. 68) führt den Ausspruch Samuels im Munde: „Staatsgesetz ist verbindliches Gesetz" kjh KnuVoi W'i, als ob er auch auf religionsgesetzliche Verbote und auf untersagte geschlechtliche Verbindungen Bezug habe, und es war ihm entgangen oder er hat es nie gewußt, daß dieser Satz sich nur auf zivilrechtliches Gebiet beschränkt. (Gittin 10, Baba Bathra 54, Nedarim 28). Ein anderer (Prot. S. 43) hat die Sätze, daß in Fällen von Lebensgefahr jeder Zweifel in erleichterndem Sinn zu behandeln ist und daß, wer nur eine einzige Seele erhält, damit gewissermaßen eine ganze Welt erhalten hat, als Stützpunkte zur Abschaffung der Meziza zitiert. Es war ihm entfallen oder hat es nie gewußt, daß die Pflicht der Meziza gerade vorgeschrieben ist, um jeder Lebensgefahr vorzubeuaen und daß man sie deshalb auch am Sabbat vornimmt (Sabbat 133 b). Das sind einige Körnlein von der Thora- Weisheit, die sie im Munde führen. Deshalb sage ich, ihre Redeweise ist die von Ignoranten. (Fortsetzung folgt.) Kochmr«n§scha«. Her kmlgrstlonskongreß. Der Leitartikel „Emigration und Weltkongreß" in Nummer 47 unseres Blattes hat uns eine ganze Reihe von Anfragen, Zueines Feuilleton Aas Sie lampe rang. Am Boden bei altem Gerümpel Recht in die Ecke gedrängt Da hat man an morschem Giebel Eine Lampe aufaehängt. ' Sie hängt so schon manche Jahre, Und Staub bedecket sie dicht. Sie, die im Glanz ihrer Jugend Selbst Strahlen gespendet und Licht. Dumps brütet hier oben die Hitze, Kein Luftzug dringet hier ein, Und kümmerlich nur schickt durchs Fenster Frau Sonne gar spärlichen Schein. Wozu auch? Die Schabbeslampe Wie die Urahne bejahrt. Und alte Folianten und Hausrat, Sind besser im Dunkeln verwahrt. Doch schau, heut wird es lebendig Hier oben im Dachkämmerlein Voll Staunen betreten die Klause Ern Knab' und ein Mägdelein. „Nein sieh, was gibt es hier alles, Voll seltsamer Bücher die Wand, Die Lampe mit Spangen nnd Armen, Hier ists wie im Märchenland!" Den altertümlichen Hausrat Betasten sie Stück für Stück, WS müde die Aeuglein vom Schauen, Und Schlummer begehrend der Blick. Bon tiefem Schlaf umfangen So halten sie hier Rast, Dornröschen im Jugendglanze Beim Altertum zu Gast. Und wie sie friedlich da schlummern Aus ihrer Entdeckungsfahrt, Da neigt sich über die Beiden Ein Träumlein von wonnigster Art: Tie Lampe am morschen Giebel, Sie läßt sich bedächtig herab. Und schreitet zu den zwei Kindern Mit winzigen Schrittchen; Tripp, trapp! „Ich will Euch ein Liedchen singen, Nun hört mir, ihr Kinderlein, zu: „Jahrzehnte wohl sind verflossen Seitdem ich hier träume in Ruh. ,Jch träume von besseren Ta^en, , Von meiner Jugend so hold. Als ich der Stolz der Meinen Geglänzt wie eitel Gold. Ten höchsten Platz im Zimmer Nahm ich, die Lampe, ein, Und naht sich der Freitag-Abend Erglänzt' ich wie Edelgestein. Man hatte mich blank ja gerieben Mit Oel und mit Dochten verseh'u. Weil ich zur Weihe des Schabbos, Zu Ehren war ausersehen. Dann nahten sich zitternde Hände, Bald flimmerte Licht um Licht, Großmütterlein schirmte in Demut Fromm betend das Angesicht. Ter Vater nahte, die Krnder, Tie Engel, sie kamen zu Häuf', Wie viele nur sah ich kommen Und gehn in der Zeiten Lauf. Doch immer brachte der Schabbos Das alte Bild so traut, Was Alltags füllte die Herzen, Am Schabbos da wurde es laut. Ich hörte manch innige Weise, Manch alte Melodie, Und ob ich erblinde vom Staube, Ties Leben vergesse ich nie. Die alten grauen Folianten, Die hier in Vergessenheit stehn. Sie haben auch damals, o glaubt uns, Ein besseres Dasein gesehn. Der Werktag gehörte der Arbeit, Am Schabbos war Freude und Licht, Tie Forschung in heiligen Werken War freudigste Ruhetags-Pflicht. Tann kam die Stunde der Ruhe Und matter wurde mein Schein, Ein Lichtlein erlosch nach dem andern, Und friedlich schlummert' ich ein. Vergangen ist uns und verklungen, Was einst unser Teuerstes war, Und doch bewahrt' ich die Hoffnung Im Herzen mir Jahr für Jahr, Tie Hoffnung, daß wiederkomme Tie alte Herrlichkeit, Und daß sie wieder erstehe, Tie alte, die fromme Zeit. Nehmt uns hinaus mit ins Leben, Ihr Kinder, zu Licht und zu Sang, Wir wollen Euch leuchten und lehren, O nehmt uns, wir kommen, — bing — bang." Was war das? Urplötzlich erwachen Die kleinen^Träumer schnell,

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