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Der Israelit · 1909-12-09 · Heft 49 (9.12.1909) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 49 (9.12.1909)
Date
1909-12-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
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ifBtl Ein Ccnfralorgan IQr das orfhodoxe Judentum (I, JII »saggsi Begründet oon Dr. Lefimann in fflainz bsssi ul / 50. Jahraana, esa Sranhlurta. M.. flen ^6°ttl7lew^b7a M*9. Bbotmement pro Vierteljahr: Gewöhnliche Ausgabe Mk. 1.50, HestauSgabe (Kunstdruck) Mk. 8.—. Auslandspreise: Gewöhnliche Ausgabe: Oesterreich-Ungarn 2 Kr., Rußland 1 Lud., England 2 sh., . ^Amerika 50 cts., Niederlande 1.20 fl., Frankreich Frs. 2L0. Abonnements bei allen Postanstalten, Buchhand ungen, sowie direkt bei dem Verlag. HestauSgabe nur dirett. Der JSraelit erschemt jeden Douuerstag. Inserate: 30 Pfennig für die sechsgespaltene Lolonel-Zeile; Rabatt nach Tarif. Inserate« auuahme nur durch Haas enstein «.Vogler A.-G., Frankfurt a. M., und deren Filialen. Zahlungen können außer dirett an den Verlag erfolgen per: Conto hei de« Postscheck-Amt Frankfurt a. M. Ro. 344, Conto bei der S. «. Poftfparkaffe «Sie« Ro. 79 606. Conto bei dem fl, Poftsparkaffenamt Budapest Ro. 18424, Conto bei der Rigaer Commerzbank in Riga und deren Filialen. 0er Nscköruck Ser Nttikel unS eorrelponSenren öe§ „Israelit“ fff nur unter genauer Quellenangabe, und, soweit es fidi um größere Rufffifte handelt, nur nach vorheriger Genehmigung gehaftet. * eine edanulka-velrachlnng 5am;on Raphael Bir$cb$ vor 65 Jahren, Diesen Sommer waren es 65 Jahre, daß eine Handvoll dem Rabbinerstande angehörender Stürmer und Dränger in Braunschweig zusammengekommen war und sich dort als „Rabbinerversammlung" gerierte. Dem alten, überlieferten Judentum stellten sie den Totenschein aus und ein neues ihrer Mache sollte an dessen Stelle treten. Bon diesen Totengräbern des alten und den Taufpaten dieses neuen Judentums ist keiner mehr am Leben. Auch ihre Versammlung ist den Weg aller anderen Rabbinerversammlungen gegangen. Sie war versunken und vergessen, als ihre Gevattern noch lange unter den Lebenden wandelten. Sie würde dem Bewußsein der Zeitgenossen vielleicht noch früher entschwunden sein, wenn der Schrei der Entrüstung, der über diese Freveltat damals durch die Reihen der gesetzestreuen Judenheit und ihrer Führer ging, das Gedächtnis an dieses Sakrilegium nicht noch eine Zeit lang aufrecht erhalten hätte. Unter den Stimmen, welche sich gegen diese treubrüchige Fahnenflucht damals erhoben, nimmt die Gutachtensammlung mtopn min einen hervorragenden Rang ein. Sie wurde von den Herren Hirsch Lehren und Abraham Prins in Amsterdam veranlaßt, und enthält das Verdikt der Rabbiner Hollands, Deutschlands und Ungarns über die „Rabbinerversammlung zu Braunschweig". In dieser Gutachtensammlung vereinigen sich die talmudischen Kapazitäten der damaligen Zeit, um das Haltlose, Wahrheitswidrige und Illegale dieser Versammlung und ihrer Beschlüsse darzutun. Sie ist ein unerschöpfliches Arsenal für den Kampf, den das „liberale" Judentum — das damals noch in den Kinderschuhen steckte und „Reformjudentum" hieß — den Bekennern des überlieferten, historischen Judentums aufgedrängt hatte und neuerdings wieder aufdrängt. Das zweite dieser Gutachten ist von Rabbiner Samson Raphael Hirsch, Landrabbiner von Emden und ist vom 7. Tage Chanuka des Jahres 5605 (1844) datiert. Es ist wie die übrigen Gutachten in hebräischer Sprache geschrieben und schon durch diesen äußern Umstand geeignet, den Autor von einer Seite kennen zu lehren, die bislang noch nicht in ihrer Bedeutsamkeit gewürdigt wrw>e. Man erklärt den tiefen nachhalttgen Einfluß, den Hirsch auf seine Leser und Hörer übte durch den Umstand, daß er einer der ersten Rabbiner war, welche mit gediegener Thorakunde eine gründlich allgemeine Bildung verbanden. Diese Bildung äußerte sich in der Meisterschaft, mit der er die deutsche Sprache handhabte und in der Virtuosität, mit der er für seine eigenartigen Gedanken und Anschauungen auch die originelle Form des sprachliche Ausdrucks prägte. Das verhältnismäßig Wenige, was wir von Hirsch in der heiligen Sprache besitzen, zeigt uns aber, wie sein Genie von der Sprache, in welcher es sich äußerte, ganz unabhängig war. Ja, vielleicht wirkt es noch eindrucksvoller, wenn er in der Sprache der Thora und der Propheten als Anwalt der verkannten, geächteten jüdischen Wahrheit spricht und schreibt. Das drängt sich ganz unwillkürlich dem aufmerksamen Leser auf, der dieses Gutachten mit den Gutachten der übrigen rabbinischen Koryphäen vergleicht. Während fast alle Gutachten dem erklärlichen Schmerz über das ganze Gebühren dieser Versammlung in beweglichen Worten Ausdruck geben, schöpft Hirsch aus der Geschichte am Chanuka die zuversichtliche Hoffnung auf eine bessere Zukunft und diese siegesgewiffe Ueberzeugung geht durch sein ganzes Schreiben, es leitet damit ein und klingt darin aus- Während die große Mehrzahl der hier gesammelten Gutachten, diese braunschweigische Versammlung nicht ernst genug nehmen kann und sie deshalb mit Aufgebot aller Mittel bekämpft, behandelt sie Hirsch wie eine Bagatelle, über die es sich nicht verlohnte, ein Wort zu verlieren, wenn es nicht die Gebrechen der ganzen Zeitrichtung wären, die hier symptomatisch zum Ausdruck kommen. Seine Argumente gelten der ganzen «Verirrung - der Zeit, was ihn aber nicht hindert, ihre Braunschweiger vokants tsrribiss an den Pranger zu stellen, an dem sie heute noch stehen. Alle Gutachten bekämpfen die Stürmer mit den Waffen der Thora, Hirsch ist der einzige, der sie noch außerdem mit ihren eigenen Waffen schlägt, ihnen nachweist, wie sie mit ihrem Getue ihre eigenen Schlagworte verleugnen und mit ihren gefaßten Beschlüssen sich selber untreu geworden sind. Alle Gutachten beschränken sich darauf, über das Weh und den Bruch der Zeit zu klagen, aber das Hksch'sche Gutachten ist das einzige, das auch Mittel und Wege angibt, um diesem Jammer mit Erfolg entgegen zu treten. Die Abstraktionen aus der Chanukageschichte, aus welcher Hirsch hier seine Hoffnung und Zuversicht für eine bessere Zukunft schöpft, find dem Kenner seiner Schriften nicht neu. Aber man sieht daraus, daß sie ihm nicht geistreiche Einfälle und bloße rhetorische Arabesken waren, wie oberflächliche Leser vielfach zu glauben geneigt sind, sondern sie sind ihm so wahr und so ernst, daß sie ihn über das Weh einer verblendeten Gegenwart heben und ihn die Zukunft mit einer Wahrheit und Klarheit verkünden lassen, von der sich nach nun 65 Jahren bereits so vieles erfüllt hat. Die Erben des bankerotten Reformjudentums, die sich unter der Firma des Liberalismus neu etablieren und wieder rehabilitteren möchten, sorgen dafür, daß diese Gutachten durch die 65 Jahre, die seitdem dahin gegangen sind, nichts von ihrer Aktualität verloren haben. Es mag daher das Hirsch'sche Gutachten in fteier Uebertragung aus dem Hebräischen hier folgen: „Den ehrwürdigen Herren Hirsckel Lehren und Abraham Prins! Gott mit Euch! Wie könnte ich die Chanukatage besser feiern als durch Beantwortung Ihrer werten Mitteilung vom 16. Marcheschwan, die ich am 17. Kislew erhielt! Wenn der Zusammenbruch des Jakobhauses das Herz schmerzlich bewegt und der Untergang unsers Heiligtums den Geist betrüben möchte, so richtet uns das Gedächtnis der Hasmonäer auf und ruft uns zu: Fürchtet nicht, zaget nicht! Schauet nicht in sorgender Furcht bange nach dem Helfer aus, der unsere Wunde verbinden und unsere Krankhett heilen möge, sondern erhebt Euch als Männer, denn Euer Erlöser lebt, er stärkt' Euch den Mut für den Kampf und stützt die wankenden Kniee. Denn Gott gibt sein Volk nicht auf und verläßt nicht das Erbe seiner Thora. Er wird unser Recht wie das Licht und die Gerechtigkett unserer religiösen Ueberzeugung wie die Tageshelle erstrahlen lassen. Mit unseren Altvordern war Gott und ich bleibe derselbe, lautet der Spruch Gottes, bei den spätesten Folgegeschlechtern. Schaut auf Matisjahu den Priester hin, wie der Segen seines Gedächtnisses in die Ewigkett leuchtet! War es nicht ein vereinzelter Einziger? Finsternis bedeckte seine Umgebung, der Aind wütete im Heiligtum, die Gottesaltäre hatte man niedergerissen, seine Heiligtümer entweiht, die Feste waren in Vergessenheit geraten, der Gottesbund gebrochen, das Gotteslicht dachten sie auszulöschen, die Thora der Vergessenheit zu überantworten und Israel-von den Gesetzen Gottes abwendig zu machen — und nur der eme Matisjahu mtt seinen Söhnen, und vereinzelte Treu-

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