Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 48 (2.12.1909)
- Date
- 1909-12-02
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 48 M^WWWWW^M^^WVMWWW^WWMWHWWD 55@3^S Der Israelit. 2. Dezember 1209. vom Amsterdamer Konsistorium bestätigt worden. Am 14. Mai 1813 erhob dann eine Notabelnkonferenz der ostfriesischen Juden Löwenstamm einstimmig zum „Oberlandrabbiner von Ostfnes land" (damals Departement Oberems). Das französische Ministerium St. Cloud bestätigte ihn als solchen am 10. Juli 1613. Lange nachdem Ostsriesland an Hannover gekommen war, nämlich am 27. März 1827 bestätigte ihn auch die hannoversche Regierung als Landrabbiner von Ostfriesland mit dem Sitz in Emden. Löwenfiamm war ein Raw alten Scklags, hielt gleichwohl aber neben hebräischen Vorträgen schon meisterhafte deutsche Predigten, von denen sogar einige erhalten sind. So leitete er denn die neue Zeit ein, welche sein Nachfolger, der große Samson Raphael Hirsch (seit 25. August 1641 Landrabbiner in Emden) repräsentierte, dessen große Verdienste um das Wohl seiner ihm dort anvertrauten Gemeinden und um die gesetzliche Regelung der jüdischen Angelegenheiten des ganzen damaligen Königreichs Hannover bislang noch nicht genügend gewürdigt worden sind. y 11 Ächerscha«. iinSiri “1ÖD Die Geschichte Israels nach den Urquellen, neu und selbständig bearbeitet von W. Jawttz, 7. Band, vom Anfang derAmoräcrzeit bis zu ihrer Blüte in Babylonien und ihrem Niedergang in Palästina. Berlin 1908 (207 und K'2 Setten). Nach verhältnismäßig kurzer Zeit ist dem sechsten Bande des Jawttzschen Geschichtswerks der fiebenie Band gefolgt, der uns die Geschichte der Zeit darstellt, in welcher noch und nach der Schwerpunkt des jüdischen Lebens und der jüdischen Lehre von Palästina nach Babylonien versetzt ward, bis schließlich letzteres Land allein auf lange Zeit der Schauplatz der jüdischen Geschichte war. In farbenreicher Schilderung wird uns daher im ersten Abschnitt (S. 1-23) dieser neue Schauplatz mit besten Bewohnern vorgeführt und, wie dies ebenfalls von Isaak Halevy ausführlich nachgewicsen wurde, gezeigt, wie schon in den Zeiten der Tannaim die Thora tu Babylonien eifrige Pflege gesunden und wie bedeutende Vertreter der jüdischen Traditionölehre in diesem Lande ihren Wohnsitz gehabt. Der zweite Abschnitt (S. 23—56) macht unS mit dem ersten t abylonifchen Amoräergeschlechte bekannt, besten Heroen ein muss jüdisches Geistesleben in Babel begründeten. Der dritte Abschnitt (S. 57—108) führt uns wieder nach Palästina zurück, wo die Sonne der Thora Wissenschaft vor ihrem Niedergange in R. Jochanan und seinem Gelehrtcnkreise noch line geraume Zeit im hellsten Glanze strahlte. Der vierte Abschnitt (S109—142) erzählt vom zweiten babylonischen Amoräergeschlechte, während der fünfte und sechste Abschnitt (142—Ende) wieder das zweite Amoräergeschlecht in P.ilästtna und deren Schulen behandelt. Mehrere kurze Exkurse (S. k"3) beschließen diesen Band Der vorligende Band kann sich würdig seinen Vorgängern zur Seite stellen (vgl. die Besprechung im «-Israelit" vom 8. August 1908). Gediegene Form nebst Reichhaltigkeit des Inhalts zeichnen auch diesen Band auS. Es fei hier nur auf einiges besor ders hingewiesen. Lehrreiche Darstellungen der Ethik des Talmuds werden gegeben: S. 34—35 Morallehren von Rab- S. 71—76 die allgemeine und keine Schranken setzende Menschenliebe des R. Jochanan- S. 81-83 die Wahrheitsliebe und der Gerechtigkeitssinn des Resch Lakisch- S. 88-93 die Fülle der Sltlenlehre R. Eleasars- S. 179—181 die außerordentliche Bescheidenheit des R. Abahu- S. 197 die Demvt und Herzensreinhett des R. Sera. Zu dieser Rubrtk gehören auch die Charakterschilderungen von Rab und Samuel (41—42), Nab Ci iSda iS. 138—-49) «. a. Einen Einblick in die Pädagogik des Talmuds gewähren uns die Erörterungen über den Lehrer R. Samuel b. Schilat und sein Verhältnis zu Roch (S. 39 f.), über die Sorgfalt, die R. Juda Nefiah II und seine Zeitgenossen dem Schulwesen zugewenbet (S. 107—108). Auf die L-Hr weise und die Lehrmethode der einzelnen Amoraim «wirb stets die gebührende R. ckficht genommen und darüber eingehend gesprochen (vgl. z. B. S. 141). Der Verfasser bat auch bet jeder Gelegenheit darzulegen versucht, wie die Amoräer auch auf anderen scheinbar vom Thorastudium abseits gelegenm Wistensgebieten .reiche Kenntnisse besessen haben (vergl. z. B. S. 45, 120 u. a.). Wohltuend wirkt in Jawitz' Geschichte die Pietät, bte überall gegenüber den „Vätern der Tradition" an den T"g gelegt wird, die Ehrfurcht, mit welcher der Berfafler sich zu den Füßen der großen Lehrer setzt und mit Wissensdurst jedes ihrer Worte einschlürst und bte sorgsame Durchforschung aller Gebiet« des Talmud und Midrasch, um die verborgenen Perlen aufzufinden, dieselben aneinanberzureihen und zu einem herrlichen Schmuck zu gestalten. Das Buch eignet fich deshalb nicht bloß zum Lehrbuch der Geschichte des Judentum-, sondern auch zu einem religiösen Erbauungsbuch, auS welchem Alt und Jung Liebe und Betetsterung für unsere alten Heiligtümer, für die schriftliche und mündliche Lehre schöpfen können. Die klassische hebräische Sprache macht das Buch nebenbei noch zu einer angenehmen Lektüre, die wir jedem auch nur einigermaßen des Hebräischen Kundigen aufangelegentlichste empfehlen möchten. D. Hoffman n-Bert in. n«ö löion TO» 'n “HTD^ »wrpn Dirn* /tai Diese, Oberrabbiner D. Adlerin London u seinem 70. Geburtstage gewidmete, von Prof. Berliner besorgte und bei I. Kauffmann in Frankfurt a. M. verlegte Schrift ist, obwohl fie nur einen Teil eines Vorwortes zu einem größeren Werkes bietet, als ein Werk für fich zu betrachten, das als eine wertvolle Bereicherung der jüdischen Literatur gelten kann und für dessen Veröffentlichung wir dem noch immer rüstig schaffenden Herausgeber zu aufrichtigem Danke verpflichtet find. In einem deutsch geschriebenen Begleitwort macht uns Prof. Berliner mit dem Werke bekannt, dem die vorliegende 77 Setten starke Abhandlung als Borrede dienen soll. Diese- Werk ist der Kommentar des R. Sabbatat Hasofer zur Tephtlla, welcher fich handschriftlich in der Bibliothek des Be>h Hamidrasch zu London befindet. Die vorliegende Einleitung ist als Vorläufer dem eigentlichen Werke, daS der Herausgeber vollständig hat abschreiben lassen, vorangeschickt, und von der Aufnahme, den diese Schrist finden wird, wird wohl die Herausgabe des Werkes abhängen. Was nun daS Werk selbst, den Kommentar zum Gebetbuch, betrifft, so war eS schon 1617 fertiggestellt, und eine stattliche Reihe hochangesehener Talmudgelehrten gaben ihre NV2ON -ur Drucklegung. Allein die Sache kam nicht zustande, fie scheiterte wohl an den hohen Kosten, die die Herausgabe erforderte und an der geringen Beteiligung des Publikums. Zwei 75 resp. 85 Jahre später erueute Versuche, den Kommentar zum Abdruck zu dringen, verlasen resultatloSso harrt daS Werk heute noch feines Erlösers, der es der Oeffentlichkett übergibt Indessen wurde aber daS von R. Sabbatat nach Handschriften und älteren Q'TiYD gründlich revidierte Gebetbuch dem Drucke übergeben und dieses von hervorragender Sette den Gemeinden zur Anschaffung empfohlen, nach dem jeder einzelne sein Gebetbuch zu korrigieren habe Bon diesem Gebetbuch hat sich bis auf einzelne Blätter und das Titelblatt der zweiten Auflage nichts erhalten. WaS nun die vorliegende Schrift selbst betrifft, so haben wir den ersten Teil der Vorrede, die der Veriasser zu seinem Kommentar geschrieben hat, vor uns, die HÖ^pn, denn auch eine JTtTlBn HttlpH schickt er seinem Werke voran. Dte erstere zerfällt in acht Abschnitte und verbreitet fich über allgemeine grammatische Regeln, über Bokalisatton und über Leseregeln. Dann werden auch manche Lesarten in Betracht gezogen, besonders strittige Lesarten quellenmäßig beleuchtet und über fie auf Grund der Quellenforschung entschieden. Dte flöTprr soll sich mit halachtschen Bestimmungen für dte bes l ästigen und alle dte Korrekturen, die vorgenommen find, begründen. Hochinteressant find die Mahnungen, dte der Verfasser an die Beienden, insbesondere an die Borbetenden, tm ersten Kapitel richtet, fich einer reinen Aussprache zu befleißen und auf dte Grammatik wohl zu achten. Bon der Mischna bis zu den späteren Gesetzeölehren hinab werde dies mit eindringlichen Worten etngeschärst, und es sei eine schwere Sünde, gegen die Reinheit der Sprache zu verstoßen. Ebenso ime.essant ist es a ch zu hören, nach welchen Grundsätzen er dte msire8 lectionis anwendet. Im punktierten Text besch änke er fich auf daS geringste Maß, nlir wenn dte Länge eines Vokals zu bezeichnen ist, dann fetze er fie. Im unpunktierten Text setze er sie dann nur, wenn ein falsches Lesen verhütet werben soll, sonst beschränke er sich und richte fich nicht nach dem C’T’Dn, das eine weitgehende Anwendung dieser Le,ehllfen verlangt, so weit, daß Jrrtümer veranlaßt werben. So w.rde beispielsweise verlangt, daß, wo T???1? zu lesen ist, “pmpb tm unpunkttertm Text zu setzen sei. ES gibt dieses auffällige Verlangen des D'TDH 'D/ wie wir in Parenthese bemerken wollen, zu einer interessanten Beobachtung auf dialektischem Gebiete Anlaß. Wer einmal eine alte jüdische Handschrift, bte aus Sübdeutschland stammt,durchgesehen hat, der wird dte Beobachtung gemacht haben,daß für den Bokal o das 1 — au gesetzt wird, so habe ich unter andern, um nur eines zu erwähnen, in einer solchen Handschrift ILIpN gefunden, wo "AHN gelesen werden muß, man hat also au alo ausgesprochen, und noch heute kann man eS, namentlich in Bayern, erfahren, -aß tm Hebräischen das au vielfach alS o ausgesprochen wirb. Daserklärt unS, wteso E'Tpn 'D zu dem oben rrwähntm Verlangen kommt. Die übrigen Kapitel bchandeln in gründltch'er Weise einige Gevetformeln, über welche nicht völlige Ueberetnsttnmuna im Gebrauche herrscht, und suchen bte richtige festzustellen, wie auch einzelne Wörter im Gebete, deren Aussprache schwankend ist. Ueverblicken wir daS Ganze, so haben wir eine Schrift vor uns bte unS ein reiches grammatisches und talmud'scheS Wissen des Verfassers offenbart, wir lernen einen Mann kennen, dem dte Richtigstellung des Textes unseres Gebetbuches eine Herzensfrage ist, der aber auch über die richtigen Mittel gebietet, eine solche Arbeit fertigzustellen. Er ist gewtflermaßen ein Hetdenheim seiner Zeit, und diese „Vorrede" läßt unS ahnen, WaS bas eigentliche Werk erst Steten wirb. Es versetzt den Leser in eine Erwartung und Spannung, die ihn den Wunsch aussprechen läßt, baß eS ihrem Herausgeber vergönnt sein möge, der Welt auch baS eigentliche Werk bald oarre chen zu können. S. Kinderträume. Ein Märchenbuch für jüdische Sinder von Hermann Schwab. Jüdischer Bolksschrtftenverlag G. m. b. H., Frankfurt a. M. Preis broschiert 30 Pfg., einfach geb. 50 Psg., elegant geb. 90 Pfg. „Wenn Ihr wollt, ist eS kein Märchen!" Dieses alS Motto auf Herzls Altneuland so beliebt gewordene Wort fiel mir ein, alS ich daS vorliegende Büchlein aus der Hand legte. WaS geht mich, den Erwachsenen, der von der Vorsehung auch nicht zum Juzenderzieher berufen ist, ein Märchenbuch an? Nur flüchtig durchblicken, durchblättern wollte ich also daS Büchlein, aber da hatte mich schon nach dom ersten Ktnderttaum der Zauberer >n seinen Bann gelockt. Ich laS weiter, ich konnte nicht anders, ich las sie alle, die prächtigen Kinderernährungen. Und als ich aus der lieben Kinderwett, in der ich eine Stunde lang weilte, wieder in die der rauhen Wirklichkeit zurückkehrte, da fiel mir eben das oben erwähnte Motto ein: „Wenn Ihr wollt, ist es kein Märchen!" Ein Märchen, unwahrscheinlich, unwahr, ja unmöglich. Aber wenn Wahrheit daS ist, was wir sehen, was wir innerlich erleben, so ist auch die Märchenwelt eine Welt echter subjektiver Wahrheit für deS KtndeS Gemüt. Dte Puppenstube enthält für daS spielende Kind keine toten, stummen Dinge, sondern echtes, pulfierendeS Leben, dieweil in der kindlichen Vorstellung alles Leben und Inhalt erhält, was ein Plätzchen in seinem kleinen Herzchen gefunden hat. Wenn dteseS von jedem Kinde gilt, um wieviel mehr vom jüdischen Kinde, bas den Zauber eines Freitagabends mit all den lieben Engeln, dte dte Sabbatiampe umgeben, kennt, das lauschend und bewundernd den geheimnisvollen Chanuckalichtlein zuschaut, daS am Sederabend in Erwartung des Propheten mitwirkt. Und nun kommt Schwab und erschließt dem jüdischen Kinde sozusagen daS Innenleben all dieser seiner vertrauten Freunde, denen eS in regelmäßiger Folge im Famtltenhause und in der Synagoge zu begegnen pflegter erzählt ihm von ihrem Leben und Treiben in den Stunden, da sie fern von ihm, dem Kinde weilen. Er erzählt ihm von dem kleinen ESrog, der, in der Kiste des Buchhändlers liegend, „von der Heimat ttäumt, von tm Palmen und Granatbäumen, von den Apfetfinen und Mandeln, von dem blauen Himmel und dem strahlenden. Sonnenschein" und dem stolzen Rivalen, dem großen Esrog, über den er doch endlichsiegt. Lr übermittelt dem Kinde dte Sprache der ausgelöschten Ehanuckalici,tletn. Und wie groß und ergreifend find doch die Erlebnisse d e S M o n b e S, -er ln -er Tischrbeawnacht, da daS Kind nach dem TrauergotteSdtenste in seinem Bette schlummert, dte Trümmer der heiligen Stadt beleuchtet! Das beleidigte Schaufor verrät das vorwitzige Kind, das gewagt hat, es in unbewachter Stunde durch Mttztöne zu beleidigen. Und sieht nicht das Kind den Propheten am Sederabend erscheinen, genau so wie es dte Thorarollen in der Synagoge, wo fie fich seiner Vorstellung nach langweilen und fürchten könnten, sprechen und das dunkle Geheimnis, das der heilige Schrein birgt, verraten hört? ES ist aüeS in allem ein prächtiges Bändchen, von einem wahren Poeten geschrieben, der di^ Kindesseele in all ihren Höhen und Tiefen kennt. Lehrer, Erzieher und Eltern werden ihre helle Freude an dem Büchlein haben, das zudem so hübsch auSgestattet ist, daß es schon durch sein Aeußeres cie Liebe und das Verträum deS Kindes gewinnen muß. —tz »Israels Sendung". Ein Festspiel von Adolf Motte!. Verlag von M. W. Kaufmann in Leipzig. Klio, die Muse der Geschichte, feien Israel, daS von Gott erwählte Volt unddeffm ewige Dauer - bte „Bemang nhett" erzählt dte biblische Geschichte vom Anfang der Welt biS heute, dte „Gegenwart" zeigt Israels Abkehr von der Thora, dte „Zukunft" Israels Rückkehr zur Treue gegen die Thora und die Wtederaufrichtun i Jerusalems und des Tempels. Dte V rse, schön und inhaltsvoll, eignen fich zur Aufführung bei Schulfesten durch reifere Schüler. Dr. M. K. in E.