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Der Israelit · 1909-11-25 · Heft 47 (25.11.1909) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 47 (25.11.1909)
Date
1909-11-25
Page
– (sequence 13)
Language
German
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MMWMN rzii PiJ^ojImI^ ß«ii< ,ltf IA i-O. Organ 3es Bundes gesefiesfreuer jüöiseher Lehrer Deutschlands. ZJ Der Bibel-Unterricht am Lehrersemiitar. Von Seminarlehrer L. Anfänger in Würzburg. Die Bibel in ihrer Gesamtheit, also die schriftliche Lehre, ist die Grundlage aller Religion/ unbeschadet der Gleichberechtigung, gleichen Göttlichkeit, gleichen Verbindlichkeit und Unentbehrlichkeit der mündlichen Lehre darf dies behauptet werden, denn die L"3vrn selbst sucht ihre Grundlage in der 3"3tPn. Ist aber die Bibel die Grundlage alles reliösen Kennens und Könnens, bann muß selbstverständlich der Bibelunterricht JÜch Grundlage, Fundament alles Religionsunterrichtes sein, muß dies in ganz besonderem Grade sein bei Heranbildung von Männern, die selbst wieder Religion lehren und Thorakenntnis verbreiten sollen, also am Lehrerseminar. Es liegt wohl nur an der Tatsache, daß man allgemein von der hohen Wichtigkeit des Bibelunterrichtes überzeugt ist, wenn verschiedentlich die Forderung gestellt wurde und gestellt wird, daß in den 6 Bildungsjahren der Lehrerbildungsanstalten ganz y'jn durchgearbeitet werden müßte. In der Praxis ist die Erreichung dieses Zieles unmöglich, sie ist aber auch nicht unbedingt notwendig.*) Gewiß ist es für jeden wahren Jehudi, dem das rMl DöV 12 ri^nials Ideal vorschwebt, Herzensbedürfnis zu fordern und zu erwirken, daß recht viel „gelernt" werde/ bei ter Lehrerbildung handelt es sich aber um recht eng gezogene Grenzen von zur Verfügung stehender Zeit und Kraft, und es heißt mit gegebenen Faktoren rechnen. Es wäre sicher ebenso wünschenswert, ganz D"tV durchzulernen, aber leider ebenso unmöglich. In der Beschränkung zeigt sich der Meister. Im Rahmen der Möglichkeit muß das beste geleistet werden und da ist eben doch oft das „Weniger" das „Mehr", da ist es besser die Quantität zu beschneiden im Interesse der Gründlichkeit. Zwischen dem Unterrichtsbetrieb in der Präparandie und dem im Seminar ist natürlich ein großer Unterschied. Die Altersdifferenz und damit der Grad der geistigen Reife sind zu verschieden, als daß es dafür noch weiterer Belege bedürfte, ganz abgesehen davon, daß ja auch nicht alle Präparanden später Lehrer werden. Ist darum der Bibelunterricht der Präparandenschule mehr fchulmäßig und allgemeiner Natur, so wird er im Seminar mehr wissenschaftlich vertieft auftreten. Das tföin nimmt im Rahmen des Bibelunterrichtes eine gewiffe selbständige Stellung ein, *)1Wir behalten uns vor, auf die Ausführungen unseres geschätzten Mitarbeiters, soweit fie mit unseren Anschauungen h cht iibereinstimmcn, in einem betonteren Artikel zurückzukommen. Die Redaktion. und gerade an diesem Fache läßt sich die Steigerung und der Fortschritt im Unterrichtsbetrieb so recht erweisen. Uebersetzt und — soweit zum Verständnis nötig — einfach erklärt soll das PDin doch bereits in der Volksschule werden, d. h. also, beim Eintritt in die Präparandie muß der Knabe das Chumesch „können". In der Präparandie wird aber derselbe Stoff wieder behandelt. Hier laufen jedoch schon Uebersetzen und Kommentierung mehr neben einander. Im einfachen Uebersetzen werden größere Partien durchgenommen und so ergibt sich ein freierer Ueberblick. Die steigende grammatische Schulung erschließt neue Bahnen. Gruppierung und Zusammenhang werden hervorgehoben, die Kommentierung wird wohl überall mit ein setzen. Es wird geraume Zeit in Anspruch nehuten bis nur die elementaren Lehrschwiertgkeiten überwunden sind. Langsam aber sicher ist die Devise. Gründliches Nachdenken und Erfassen der schwierigen Momente im Texte, welche zur Erklärung drängten, ist unerläßlich. Steigende Fertigkeit, vielleicht bis zur Fähigkeit, selbständig einen plDS mit Raschi zu lernen, dürfte das höchstgesteckte Ziel in der Präparandie sein. Ob beim Unterrichte ein stoffliches Weitergehen nach der Reihenfolge oder Auswahl von Stoffgruppen beliebt wird, dürfte für die Unterklaffen ziemlich gleich sein, für die Oberstufe sind Stoffgruppen zu empfehlen. Markante Stellen sind stets hervorzuheben und einzuprägen, damit auch ein gewiffes mK'pD erzielt werde. Der Schüler soll im PDin „zu Hause sein". Da für viele Schüler die jüdische Ausbildung mit dem Verlaffen der Präparandie abschließt, ist das Bestreben nach Bewältigung einer größeren Stoffmenge berechtigt. Im Seminar setzt die wiffenschaftliche Vertiefung ein. Der Unterricht in Raschi wird eifrig fortgesetzt, aber es werden auch andere Kommentare beigezogen. )"3D"i wird unter keinen Umständen fehlen. Die verschiedene Tendenz der Kommentare ist zu zeigen. Je nachdem es sich darum handelt einen Dtttß zu geben oder grammatische Exegese zu treiben, homiletisch vorzubereiten oder den Einfluß wissenschaftlicher Zeitströmungen auf die Bibelerklärung nachzuweisen, werden auch Kommentare wieJbn Esra, Sforno, Abarbanel gelegentlich in einzelnen Proben vorzuführen sein. Die Erwähnung des Einfluffes wiffenschaftlicher Zeitströmungen — in Abarbanel z. B. zeigt sich ziemlich deutlich die Form der Scholastik — führt nun noch auf ein heikles Gebiet, die Bibelkritik. Das Seminar hat sich nicht mit Bibelkritik zu befassen/ es wird nicht die kriti-. schen Hypothesen vortragen, um fie widerlegen zu können. Darf es aber diese Bewegung vollständig als nicht vorhanden betrachten, darf es Vogel-Strauß-Politik treiben? Sicher nicht! Denn nicht nur werden die ausgetretenen jungen Lehrer ftüher oder später bibelkritische Lektüre in die Hand bekommen, auch im Seminar wird hie und da der eine und andere dazu kommen, in Gesellschaft, in der Buchhandlung u. s. w. Bekanntschaft mit der Kritik anzuknüpfen. Der Unterricht muß hier vorbauend, prophylaktisch wirken, nicht durch kategorische Verbote solcher Lektüre — das bewirkt ja in der Regel das Gegenteil des Gewollten — sondern durch entsprechende Apologetik. Der gewiffenhafte Schüler wird vertrauensvoll sich dem Lehrer Mitteilen, der Lehrer wird nach Kräften aufgetretene Zweifel zerstreuen und die kritischen Hypothesen als solche erweisen. Besonders kraffe Fälle kritischer Allwissenheit können darum auch wohl im Unterrichte bloßgestellt werden. Doch das sind nur die sog. „kleinen Mittel". Die Haupffache ist die rechte Festigung im Glauben einerseits und die Tatsache anderseits, daß ebenso hochstehende Männer der Wissenschaft in scharf pointierten wifsenschaftlichen Elaboraten für die Göttlichkeit der Thora eintraten und eintreten. Auf solche Werke sind die Seminaristen behufs späterer Fortbildung besonders hinzuweisen, indem auch hier wieder einzelne Partien bereits im Seminar geboten werden. Die Schriften von S. R. Hirsch bedürfen wohl keiner besonderen Empfehlung mehr / von neueren Autoren sei nur speziell auf Hoffmann hingewiesen. Dem kundigen Fachlehrer genügen diese Andeutungen. Der Hinweis dürfte vielleicht noch am Platze sein, daß, da ja unsere traditionelle Exegese auf dem Talmud beruht, auch diese Quellen mitunter vorzuführen sind. Gerade bei '"ei bietet sich dazu sehr oft Gelegenheit, ebenso wie die häufigen Hinweise auf die Targumim zu deren Lektüre anregen, ganz abgesehen von der religiösen Verpflichtung des D'atP m:nn intei enpo. (Berach. »). Der hier vorgezeichnete Gang des Pentateuchunterrichtes wird in den Hauptzügen — mutatis mutandis — auch auf “}"a, auf Propheten und Hagiographen seine Anwendung finden. In der Präparandenschule werden in der Regel die geschichtlichen Bücher der ersten Propheten, also Josua, Richter, Samuel und Könige übersetzt — viel anders kann man wohl nicht sagen —, und es ist wirklich m. E. ein Kunststück auch nur dies fertig zu bringen, zumal tatsächlich hie und da noch leichtere hagiographische Stücke zur Behandlung kommen. Neben dem Uebersetzen wird wohl nur aus das geschichtltche Moment zu achten sein und dies erscheint um 'so leichter, als ja die bibl. Geschichte in ihren Grundzügen von der Volksschule her vertraut sein muß. Geschichtliches erregt in jüngeren Jahren immer Interesse, und so versieht sich die Forderung einsichtiger Methodiker, den relig. Unterricht mit bibl Geschichte zu beginnen und auch für das Chumesch-U ebersetzen eineentsPrechendeAuswahl zu treffen, die mit geschichtlichen Partien einsetzt.

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