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Der Israelit · 1909-11-25 · Heft 47 (25.11.1909) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 47 (25.11.1909)
Date
1909-11-25
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Mäi GMe getragen, der die Gründung des Äefig«r iSr. KrauenvettknS hauptsächlich zu verdanken ist, zu dessen Borstand fie 23 Jahre zählte. In jeder Art der Rot stand fie dm Bittenden hilfreich zur Seite und JilV’Öi Ü^on widmete fie ihr ganzes Leben. N22L2N- Laudeck (Westpreußen), 21. Nov. Nach nur dreimonatlicher Tätigkeit scheidet unser Kantor, Herr Jeremias Singermann, aus dem Amte, um nach Ezerfk zu gehen, wohin er berufen worben ist. Fordon, 21. Rov. Als Nachfolger deS Kantors Herr Glaser, der nach Schildberg berufen wurde, wurde Herr Kantor I o s p e gewählt, welcher sein Amt bereits angetreten hatte. Neustadt (O.-S.), 15. Nov. Kom.-Rat und Stadtrat Albert Fränkel, Mitinhaber der beühmten Firma Fränkel, ist im 72. Lebensjahre gestorben. Er war lange Jahre Vorfitzender der Gemeinde und zeichnete fich durch grotze Wohltätigkeit aus. Christdurg (W.-Pr.), IS. Nov. Der Ehrenbürger unserer Gtrwt, Herr Gaul Hehmann, ist im 93. Lebensjahre verschieden. Die Trauer um seinen Heimgang ist allgemein. Hört«-hause« (Kr. Frankenau), 15. Nov. Die Eheleute EltaS Btckhardt dahier feiern am 23. d. M. das Fest ihrer goldenen Hochzeit. ES ist dies in dieser kleinen Gemeinde daS 6. derartige seltene Familienfest in einem Zeitraum von 10 Jahren. Mesenich, IS. Nov. Unter allgemeiner Teilnahme feierte der Kaufmann Josef Rathe mit seiner Gattin die goldene Hochzeit. Heideuheim a. H., 15. Nov. Die Lehrerstelle dahier wurde seitens der Kultusgemeinte Herrn Uhl - felder z. Zt. in Burgpreppach übertragen. Sulzbürg, 15. Rov. Herr M. Rosenbaum in Poppenlauen wurde von der hiefigen Gemeinde als Lehrer gewählt. Ludwigsburg, 7. Nov. Die Eheleute Simon und Nanetre Otlenheimer hier dursten am 2. Nov. d. I. daS seltene Fest der goldenen Hochzeit feiern. Die Kinder und Enkel deS greisen Brautpaares fanden fich an diesem Tag von weither zur Feier des Festes zusammen und von allen Seiten trafen Glückwünsche und Geschenke ein. Der König von Württemberg ließ durch den vezirksrabbtner, Herrn Dr. Stößel, eine goldbronzene Plakette mit dem Bild deS Königs und den Jahreszahlen 1859—1909 überreichen. Nach einer Feier die im Hause deS Jubelpaares abgehalten uurde, fand dort ein Fe,-mahl statt, bet welchem fich die Anverwandten um daS Brautpaar versammelten. Möge dem allseitig geschätzten Ehepaar noch ein recht langer und schöner Lebensabend beschieden sein. Lakeubach, 12. Rov. Diese Woche starb hier die älteste Frau in der ganzen Gegend, Frau Lotti Kornfein im Alter vrn 103 Jahren. Sie war die Mutter deS verstorbenen orthodoxen Rabb ner Markus Kornfein in Stetnamanger, auch den zweiten ohn, den in unserer Gegend bekannten Rabbiner Ignatz Kornfein V'XT hat fie überlebt. Bei der jrrv)^, die unter großer Beteiligung stattfanb, hielt Herr Rabbiner Krauß einen -sHON, in der er besonders hervorhob, daß die Verstorbene trotz ihrer Armut ihre Söhne ,TYjji lernen liest, und fie als anerkannte wirken sah. Auch ihre Enkel seien woher Q'^nn'. Darauf sprach ein Enkel, Abraham Kornfein aus Budapest, im Namen der Familie herzliche Worte deS Abschiedes. Die Berswrbene war die G oßmutler deS orthodoxen Rabbiners Reichenv erg er intzirnau (Ungarn) und deS Rabbiners Arnim Kornfein bet der Reltgionsgesellschaft Zürich (Schweiz). Zpreedraal. Eine Frage. Gestatten Sie mir, hier eine Frage aufzuwerfen, die einer Eröterung in Ihrem Leserkreise wohl wert ist. Ich knüpfe hier an einen Bortrag an, den Frau Henriette Fürth in Berlin im „Verein deutscher Staatsbürger jüdisch eu Glaubens" am 28. v. M. gehalten har. Sie behandelte das Thema : „Der Antisemitismus in den Schulen." Ich war nicht zugegen. Doch hörte ich, fie hätte den jüdischen Kindern Fleiß, gesittetes Bettagen rc. als Präservativ „gegen die anttsemtttche Strömung in der Schule" anempfohlen. Nun ist eS außer Frage, daß daS Gebühren und der Fleiß jüdischer Schüler musterhaft sein sollten. Ob daS aber allein geeignet sei, der Nichtachtung und dem Spott der Kameraden zu begegnen, ist äußerst fraglich. Heute, wo alle Nationen, auch die kleinsten, so patttttuaristifch gesinnt find, baß fie immer und ü erall ihre SonKrart -urchzusetzen suchen, find eS allein die Juden, welche nicht nur kein Bestreben, ihre Sonderheit anerkannt zu sehen, zutage tteten laffen, vielmehr alles tun, um ihre angestammte Religion zu vertuschen, zu bemänteln. Jetzt kommt meine Frage: Weshalb vettaufchen jüdische Eltern die Namen, welche fie ihren Neugeborenen beigelegt — aus Pietät gegen verstorbene nahe Angehörige oder Freunde — schon aus dem Standesamt bei Anmeldung der Geburt mit anderen, modernen Namen? Warum tun fie das? frage ich. „Einzig und allein doch, weil fie fich der alttestümentarischen Namen schämen, fich und ihre Kinder nicht lächerlich machen wollen," würde wohl die Antwort lauten. Altertums nicht würdig sein, mit ihren Namen bei den komm nden Geschlechtern fortzuleSen? Sie haben uns eine Religion hmterlaffen, die unvergänglich ist wie die Gestirne deS Himmels; eine Religion, deren Lehre in die HaupttÄigionen des Erdballs übergegangen — und wtt schämen uns ihrer! Daher die maffenhafte Flucht aus dem Judentum in der Neuzeit. Solange wir unserer Jugend nicht ^nehr Achtung «vor unserer Religion beibringen, solange wttd's nicht besser werben. Völker wie Amerikaner, Engländer u. a. geben ihren Kindern mit Vorliebe jüdische, d. h. atttestamentarische Namen. Aber wir finden daS verwerflich. Auch der Jugendunterricht krankt an zu großer Oberflächlichkeit. Mehr jüdische Geschichte und Literatur tut not. Die Unkenntnis deS Schulchan Aruch, des Pentateuch und der Thora; also die Unwissenheit über die Werte in der eigenen Religion zeitigt die Gleichgültigkeit, ja schlimmer noch, Mißachtung gegen fie. Was man selbst gertngschätzt, kann von anderen nicht hochgehalten werden. Da muß man den Hebel ansetzen! Großlichterfelde. Cohn. Rach Dr. Blaubarts Rezepte. Geehrte Redaktton! Die Posener Zeitung bringt in ihrer heutigen Nummer ein längeres Referat über den Borttag, welchen Herr Rabbiner Dr. Bogelstein aus Stettin in dem Posener Verein liberaler Juden gehalten, muß zunächst auffallen, daß dieser Verein eine rein politische Zeitung gewählt hat, um dort die von Herrn Dr. Bogelstein vorgettagene Weisheit abzulagern. Doch das mag wohl als Geschmacksache aufgefaßt werden. Was Herr Dr. B. an neuen Ideen den Posenern auftischte, lohnte wirklich nicht den weiten Transport von Stettin nach dorr. Ausschließlich waren es die be kannten Heilmittel für Rettung deS Judentums: „Die Zerstörung des Rumpfes", nachdem bcrettS die Glitder einzeln abgebrochen wurden. Um kurz zu sein die hebräische Sprache sollte biS auf ein Winzige» gänzlich aus den Gotteshäusern ausgeschaltet werden. DaS war der Kern des Vortrages - nach diesem würde eS err ii.t werden, baß daS Judentum nicht nur erhalten bliebe, es würde dann aufviühen und zu neuem Leben gedeihen. Run, den Reiz der Neuheit hat dtefes Mahn woxt nicht. Herr Dr. B. h.t dieses Rrzepr beretiS an vielen Stellen verschrieben, viele andere Gleichg sinnte haben dieses vorher auch schon getan, ob mit Erfolg? Die Herren wissen eS selbst. Die Abbröckelung führte bisher nur zu weiterem Jndifferentismus. Je mehr Konzrsfionen, desto apathischer wurde daS Publikum Sofern es Herrn Dr. B. weniger um den Effekt seiner Rede, als um die Heilung ter Schäden im Judentum zu tun wäre, hätte er fich schon mit geeigneterem Material versehm müssen. Letzteres liegt sehr fichtbar in seiner eigenen Gemeinde. Stettin ha auf Dr. V.» Veranlassung die Gebete derart gekürzt, umgeändert, verdeutscht, daß der Kern derselben fast nicht mehr zu ermitteln ift und der Erfolg? Nun, Herr Dr. B. weiß das sehr genau, außer an den hohen Festlagen würde nur selten ein Minjan dort zustande kommen, wenn nicht das Heer von Beamten, durch Mas gezwungen, den Gottesdiensten regelmäßig zu erscheinen verpflichtet wäre. Doch es l eat mir fern und auch außerhalb meines kaufmännischen Berufes, hier nur zu!rttt|teren. Ich möchte mir nur erlauben, den Herrn Referenten auf einen Punkt aufmerksam zu machen, welcher ficherer zu dem angestrebten Ziel: da» religiöse Empfinden zu heben, führen bürste. Vielleicht wird hiervon Noriz genommen. Zugegeben wird, daß der JndisserenttSmus immer mehr zuntmmt. Ebenso kann nicht geleugnet werden, daß bei einem Teil der die Synagoge Besuchenden daS Verständnis der hebräischen Sp ache fehlt. Wenn aber der Herr Referent behauptet, daß in Konsequenz dessen, wie er fich dann vorfichttg ausdrückt, die Muttersprache, d. h. die deutsche mehr etngesührt werben müsse, „kamst bas Gebet nicht einem Ltppendtenste gleiche", nun — dann ist es wirksamer, dem Nebel dadurch zu steuern, daß die Herren Rabbiner dieser sogenannten liberalen Ricttung, fich mehr um den Unterricht kümmern, daß fie mehr wie bisher bemüht bleiben, den Kindern die Kenntnis der hebräischen Sprache, den Inhalt der so schönen, inhaltsreichen hebräischen Gebete beizubrtngen. Beschämend ist eS für uns Juden, in dieser Beziehung auf die Tätigkeit der Seelsorger anderer Religionen exempltzieren zu müssen. Mit welch m Flerß, mtt welch zäher Ausdauer wird dort der relig öfe Unterricht geleitet. Und wenn auch btt deren Liturgie die Landessprache vorherrscht (bei den Katholiken ist es übrigens auch die lateinische), dann ist die Ausdrucksweise meist eine derart Lbersawängltche, ab und zu etne solch' geschrau te baß deren Inhalt nur wenig Sterbliche dem Sinne nach erfassen können. Ich resümiere, Herr Dr. Bogelstein! Predigen Sie nicht daS Abbröckeln unserer helligen Gebräuche, streben Sie nicht nach Verringerung unserer hebräischen Gebete. Setzen Sie dafür Ihre ganze Kraft ein, um in erster Reche der Jugend, welcher unsere Zukunft gehört, die Kenntnis drr hebräischen Sprache betzubringen. Dann wird daS Uebel ficher beseitigt sein, dann erst wird es heißen: blKlVT *6 Ä 1 M. H. in H. Briefkasten. Wir bitten, uns den Artikel zur solcher Verein ist uns hier nicht S. St. i» rr. Anstckt zuzusenden. Ch. G. Ein bekannt. D. L. in T. Wenden Sie fich an Herrn Rabbiner Dr. Fetlchenfelb in Posen, der Ihnen gern über das Resultat der Verhandlung in dieser Angelegenhett Auskunft gibt. — _ i» O. Die Leidensgeschichte der Juden kann ebensowenig diskret behandelt werden wie die Geschichte anderer Völker, die ja auch reich an trüben Bildern ist. Die Erörterung früherer Verfolgungen kann, wenigstens auf Etnfichttge und Vernünftige, nie die Wirkung ausüben von der Sie sprechen. Lehrer PH. K. in R. und S. R. in C. Wenden Sie fich an den „Jüdischen Bolksschriftenverla^ Frankfurt a. M., Schützenstr. 14/ .dl. N iu H. Wir verfügen über den Inseratenteil nicht und können daher leider den Aufruf nicht aufnehmen. N. N. in 8. Es ist in der Tat sehr traurig, daß ein jüdischer Verein ein Festessen in einem ntchrrituellen Restaurant veranstattet. Daß ein Jude, der die heiligen Güter seiner Religion noch schätzt, einem solchen Vereine fernbleiben muß, versteht fich von selbst. A. S. Sp. in Krakau. Die größten jüdischen Gemeinde» Deutschlaads find in Berlin (ca. 130000 S.), Hamburg (25 000 S.), Frankfurt a. M. 35 000 S.) S. Kr. tu Br. Wir haben den Artikel in der --J. Vst." gelesen, halten es jedoch, so sehr wir Ihre Enttüstung über diese PerhorreSzierung des religiösen Empfindens weiter Zkreise Ihrer Heimat begreifen, nicht für angebracht, auf denselben irgendwie zu reagieren. ($. W. Wir wissen leider mtt BereinSberichten in diesem Umfange und dieser Form nichts anzufangen. Qereinskalender. Jüdische Frauenvereinigung. Mittwoch,den 1. Dezember, abends */,9 Uhr, im Hörfaale (Schützenstr.) „Aus der Gedankenwelt der jüdischen Gebete." Referent: Herr Jacob Rosenhetm. Gäste (Damen) willkommen. Verein Mekor-Ehajim, Schützenstraße 2. Samstag, den 27. November, nachmittags 3l/* Uhr: Mikro- Vortrag des Herrn Josef Sänger. Bereinigung zur Pflege jüdischer LebenSanschauung '22t Mittwoch, 1. Dezember, abends 9 Uhr, im Veretnstokale Langestraße 26 (ehemals Kaufm. Verein): Bortrag des Herrn M. A. Loeb über „Organisation Sbesttevungen der deutschen Juden in jüngster Zeit." Labbat - Anfang u. Ausgang rfttzri OKI: Anfang Dar»» Ausgang UhrlMiu. 1909 5670 UhrlRia. 27. 14 Sruukfurt u. M 4 05 Nvbr. Kißlew 5 20 Berlin .... — — 4 47 MSucheu . . . — — 5 10 Struhburg . 4 30 5 25 Stuttgart. . . 4 15 5 15 Pole« .... — — 4 36 NÜruber- . . — — 5 05 Hamdurg. . . — — 5 01 Prag .... — — 4 35 Jamiliennackrickten. Geburten: Einen Sohn: Jacob Rubinstein (Strauß) Fürth i. B. 'Verlebte: Felice Weil, Leopold Oppenheimer, Frankfutt a. M. — Martha Klan» Dr. Caesar Heck scher, Frankfurt a. M-Hamburg. — Erna Strauß, Benno Koßmann. Darmstadt - Cöln. — Flora Hammel, Atbert L andauer, Frirdberg-Frankfutt. — Betty Bamberger, August Wertheimer, Würzburg-München. — Recha Ehren- ’elb, Rexander Danzig, Prag-Wien. Vermfthlte: David Stegmann, Lina geb. Ster" St. Gallen-Bern. — Salomon NehauS, Johanna geb- Straffer, Pozsony-Tokaj. Versterben«: Frau Lina M o o S» Luzern. SS Jahre. Mina Epstein, geb. Hahn, Freibnrg (Br.) 64 Jahre. — Josef Scheuer, Obelgheim (Pf.) 79 Jahre. Barmliwolifeler: Alexander Stein im Tempel der deutsch-iSrael. Gem. in Sofia. Statt jeder betondereii Anielge! Wir beehren und, Freunden und Bekannten die Verlobung unserer Kinder 02751 Felice und Leopold höfl. anzuzeigen. D. I. Weil ft Fra« Selig«««» Oppeuhetmer k Fra« Frankfutt a. M. Friedberg (Frankfutt a. M.) Am Tiergatten 36. 1 *y.

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