Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 47 (25.11.1909)
- Date
- 1909-11-25
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Uermisc&tes. Biel, 19. Nov. An der diesjährigen Rekrutenveretbigung für die Marine nahmen auch fieben Juden teil. Herr Laffar Lewisohn aus Franrfurt a. M. halte der Marinebehörde 13 Gebetbücher zur Verfügung gestellt, die an die einzelnen Mannschaften zur Verteilung gelangten. Beim Gottesdienste, zu dem die Soldaten und Mannschaften der gesamten Marine, die hier und in der Umgebung stationiert find, alle 3 Wok« beurlaubt werden (augenblicklich find eS insgesamt 18 Mann), erhalten diese ben in der Synagoge Gebetbücher, Chumoschim und Taletßim und ist auch die Einrichtung getroffen, daß die Mannschaften an diesen Sabbaten und allen Festtagen rituell verpflegt we ben. Da aber unsere Gemeinde allein nicht in der Lage ist, auf die Dauer diese Einrichtung beizubehalten, wäre es zu wünschen, daß edle Glaubensgenossen noch weiter diesem Werke ihr Interesse zuwenden. L. K a tz, Lehrer. Ratibor, 14. Novbr. Das k. k. Ministerium für KultnS und Unterricht hat in Willfahrung des Ansuchens der im GertchtSfprengel Oderberg anfäsfigen Juden die Ausscheidung der zu diesem Gerichtebezirke gehörigen Ortsgemeinden aus dem Sprengel der Kultusgem inde Ostrau und die Errichtung einer neuen jüdischen Kultusgemeinbe für das erwähnte Grbtet, welches die Gemeinden Deutschleuten, Oderberg, PeterSwald, Polntschleuten, Pudlau, Retchwaldau' Schönichel-Bahnhof, Skrzezcon, Willmersdorf, Wirbttz und Zablacz umfaßt, genehmigt. Mit der Durchführung der in Oderberg vorzunehmenden Wahl des Kultus gemetndevorstandes wurde ein aus vier Herren bestehendes Komitee betraut. Die neue Kultusgemeinderepräsentanz wird mit 1. Januar 1910 in Funktion treten. -kriest, 17. Nov. In der vergangenen Nacht drangen unbekannte Täter in den auf der Altstadt gelegenen israelitischen Tempel, brachen die Bundeslade auf und en.wendeten die dort befindlichen goldenen und filbe nen Gerätschaften im Werte von mehreren tausend Kronen. Bon den Tätern fehlt jede Spur. Lodz, 2t. Novbr. Am 18 d. Mts fand die feierliche Grundsteinlegung des israelitischen Kinderlos p i t a l s statt, welches die Eheleute H. und M. onstadt gestiftet haben. OtrtiMSwmn. Surrfundzwauzgjähriges Jubiläum des Verein „Moutesiore" i« Berlin. 8. E. Berlin, 22. Nov. tJn den letzten Wochen konnte der hiesige israelitische ldungSveretn »M o n t e f t o r e" auf fein 35jährigeS estehen zurückschauen. W die Berliner Verhältnisse kennt, wer weiß, wie ungeheuer schwer, ja fast unmöglich es ist, hier einen Verein zu gründen und zu erhalten, dessen BastS rni/l dessen Ziel und Zweck eS ist, den gesetzestreuen i rdijchen jungen Leuten ein Heim und eine religiöse Ausbildung zu geben, der wird eS za schätz« Wissen, waS eS heißt: 25 Jahre Verein „Montefiore". 140000 jüdische Seelen unb doch nicht 3 Proz., die für einen solchen Verein ernstlich in Bet-acht kommen. Es kommt hinzu, daß diese wenigen fast nach allen Richtung« der Riesenstadt hin zerstreut wohnen, also eine Zmtralisatwn fast unmöglich erscheint. Es ist daher um so anerkennenswerter, baß eS der Tatkraft und der Energie einer Anzahl Männer gelungen ist, d« Verein durch alle Fährnisse und Klippen z i seiner jetzigen Blüte htnanzuführm. Im Jahre 1884, einer Zeit, in der die Berliner jüdische Jugend sich an JndissermtismuS jüdisch« Dingen gegenüber gegenseitig zu üherbieten suchte, waren eS einige junge Männer, an ihrer Spitze der heutige Besitzer der Märkisch n Buchhandlung Eugen Beer, die den schönen Plan faßt n, jüdischen jungen Leuten im Rahme« eines Vereins Heim, Geselligkeit und jüdisch« Umgang zu gewahren. Es war dies in jenen Togen, in welch« dte ganze jüdische Welt den 100. Geburtstag M^ses Mont» stores feierte, jenes Mannes, der wie kaum ein zweiter, aiS Vorbild und Muster jüdischer UeberzeuqungStreue, verbunden mit echtjüdisber werktätiger Menschenliebe, gelten kann. In dies« Tag« nun entstand« allüberall, wo jüdisches Interesse lebte, „Montefiore-Beretne", und auch dte Berlins Herren ziert« ihr Werk mit dem Namen des großen Glaubensgenossen. Ursprünglich rein als Vortrags- und GeselligkeuSverein gedacht, e hielt er im Jahre 18»7 durch seinen heutigen Ehn »Vorsitzenden, Herrn Dr. Ed B i e b e r f e i d einen Charakter, der chn zum wahrhaft jüdischen Verein stempelte. Es' wurden D'mjrtP eingerichtet und man verband rnifl 'JUrS mit edler G selligkett und der Verbreitung allgemeinen Wissens. In dieser Form hat fich der Verkitt bis zum heutigen Togo wettermtwickelt und ist unzähligen jung« Leuten, die von auswärts kam«, zum Halt und zur Stütze geworden im rastlosen Getriebe der Großstadt. Reben Herrn Dr. Blberfeld waren es besonders die Herr« Rabbiner Dr. Bon dt in Mainz und Dr. Mannheimer in Oldenburg, die.fich in b« ersten Jahr« des Bestehens große Verdienste um den Verein erworben haben, die die Tendenz immer klarer und fester dahin formulierten, die Jugend zu gefetzeSt euen, guten zu erziehen. Heu e umfaßt der Verein über 206 Mitglieder, hält Sommer und Winter regelmäßig eine Reihe von D’WtP ab, pflegt getreu feinem Programme edle Geselligkeit, veranstaltet Ausflüge, DiSkufstonsabende etc. Seinem Dezentenkollegium gehören tüchtige Kräfte auf dem Gebiete des hier an. Herr Rabbiner Dr. Munk, Herr Rabvtner Dr. Biber selb, Herr Dr. Neuwitb, Herr Oberlehrer Dr. I. Carlebach und Herr Max Neuberger teilen fich in uneigennützigster Weise in die schöne Ausgabe, dte jungen Leute einzuführen, in die Geistesschätze unterer Ueberlteferung. Eme mehr alS tausendbändtge Bibliothek steht ben Mitgliedern zur Verfügung, ein schöner Lesesaal b:etet den jungen Leuten an allen Tag« der Woche ein schönes gemütliches Heim. Man darf an dem Tage, an dem der Verein auf ein 25jährtgeS Bestehen zurückblickt, dte Hoffnung aussprechen, daß er seinen Wirkungskreis immer weiter auSbehnen wird, zum Segen aller in Berlin lebenden jüdisch« jungen L«te. Nur der, der weiß, was es heißt, wenn ein junger Mann, kaum der Schule entwachsen, hinaus in dte Fremde kommt, und gar nach einer Stadt wie Berlin, der wird die Bedeutung eines solchen Vereins in ihrer wahren Größe würdig« können, unb wird mit uns in d« aufttchtigen Wunsch einsttmmen: vivat, creseat, klorest. Am vergangenen Mittwoch Abend versammelte der Verein seine Mitglieder, Freunde und Gönner zu einer würdigen Feier in dem groß« Festsaal der »Schlaraffia". Trotz der überaus schlecht« Witterung hatte fich ein großer Kreis etngefunden, um am Jubelfeste tetlzunehm«. Den ersten Teil des reichhaltig« Programms füllten ein Proüm, rtn Festspiel „Jabneh", baS von Herrn Max Neuoerger verfaßt und von ben Darstellern gut gespielt wurde. Es folgte die mit herzlichem Beifall aufgenommene Festrede deS Herrn Rabbiner Dr. Meier Hildesheimer, welcher in großen Zügen baS historische Werden unb Entwickeln des Vereins zeichnete, all« derer gedachte, die in' schwierigen Zetten daS schwere Werk begonnen und vollbracht un > mit einem warmen Appell an dte Versammelten, insbesondere an dte Jugend schloß. Es folgt« zwei größere von Herrn Dr. Salomon Hildesheimer und Herrn Lazarus Barth verfaßte Stücke »Peßach Tikwah" und „Eine meschuggene Geschichte', welche vortrefflich gespielt unb mit großem Beifall aufgmomm« wurden. Der Charakter dieser Stücke, dte den ausgezeichneten Humor der Verfasser verrieten, paßte sich glücklich dem Rahmen der Veranstaltung an. Couplets, Gesänge und sonstige deklamatorische Darbiebi tungen füllten den zweit« Teil deS Abends auS. ES war fast 3 Uhr, als dte nimmermüde Gesellschaft an zwei großen gemütlichen Kaffeetafel« Platz nahm, um ein Stündchen bet Wort, Gesang, Spiel und Plaudern zu verleben. Der Vorsitzende der Vereins, Herr Jakob L e v t, feierte in einer von Humor gewürzten Rede alle, dte fich um das Gelingen des Abends verdient gemacht hatten, Herr Oberlehrer Carlebach toastterte auf die Dozenten, Herr Dr. MoseS leerte feine »Tasse" auf das Wohl des Herrn Biberselb, Herr Rabb. Dr. Rosenthal überbrachte die Grüße der B rllner Ortsgruppe der »Frei« Bereinigung", Herr Rabbiner Dr. Blum in Pos« dte des Bundes der gesetzestreurn Jugendvereine. Gieften, 33. November. Der rührige »Sabbat- Vereins der sich großer Popularität in allen hiesig« jüdischen Kreis« erfreut, ist nun von seinem Sommerfnlaf zu neuem, kräftigem Leb« erwacht. Getreu seinem Prinzips, auch durch belehrende Borträge und gesellige Abende seine Mitglieder an seine Tendenz« zu fesseln, gelang es ihm, auch dte en Winter fich eine Reihe guter auswärtiger Redner zu sichern. Den Eröffnungsvortrag hielt am letzten Sonntag im vollbesetzten Saale des »Zentraihotels" Herr Redakteur S. Schachnowttz aus Frankfurt a. M. über »Die Zukunft des Jud«tums." Bon der Zukunftshoffnung Israels, wie sie dte Prophet« gesehen, ausgehend, schtl beite der Redner die Voraussetzungen und Bedingungen, dte allezeit unsere Zukunft sichert«. Dte Gesamtlage des jüdischen Bottes, auf die der Redner ausführlich emgtng, biete kein tröstliches Bild und habe die Kleinmütigen zu der Wahnidee gebracht, dte Lösung der jüdischen Frage in der Auflösung des Judmtums zu such«. Allein wer den Stegesz >g deS Judentums durch die Weltgeschichte zu folgen imstande sei, würde getrost« dte Zukunft blicken, in oer ficherett Erwartung, daß der jüdische Gedanke, der heute schon im kulturellen, politischen und sozial« Leb« der Völker immer mehr an Booen gewinne, auch seinen Anhängern zum Siege verhelf« werde In dieser StegeSgewtßheit wurzele auch der Optimismus deS Judentums, der dasselbe auS den kritischen Prüfungen aller Zeiten immer heil und neu gestärkt hervorgehen ließ. Mt einem Appell, sich auch in der Gegenwart allen entmutigenden Erscheinung« zum Trotze zum kraftvollen Handeln, zur Pflege der jüdisch« Lehre durch Studium und lebendige Tat auszuruf«, schloß der Redner seinen mit ungetellter Aufmerksamkeit und großem Beifall aufgenommmen Bortrag. Der Präsident, des Vereins, Herr Provinzialrabvtner Dr. Hirsch selb ließ dem Referate eine kurze Begrüßungsansprache vorangehen und schloß auch die Versammlung mit warm« DankeSworten an den Redner. Kalmar, 35. Nov. Am 14. d, M. htettbte »Äese! schc^fürdieGeschtchte derJSraelttensnGlsaß- Lothringen" unter dem Borsttz ihres Präfidmt«, Herrn Charles Levy-Kolmar, ihre Generalversammlung ab. Rach einer kurzen Begrüßung und Ansprache desselben referierte der Schriftführer de« Vereins, Herr Dr. GtnSbürg er-Sulz über die Geschichte der Juden in Elsaß. Dte seitens der Gesellschaft in den letzten 5 Jahren angelegte Sammlung geschichtlicher jüdischer Altertümer find in zwei Sälen des Elsässtschen Muse u m S in Gtraßburg untergebracht und zwar in sechs Abteilungen, die teilweise recht umfangreich und interessant find. Das junge Unternehmen hat daS Verdienst, manche geschichtlich wertvolle Stücke der Vergessenheit zu entreiß« unb der Allgemeinheit zugänglich zu machen, wofür ihm Anerkennung gebührt. Basel, 21. Nov. Gestern hielt Herr Rabbiner Dr Cohn im JüngltnqSveretn »S ch o m r e T h o r a" vor einem zahlreich erschienenen Publikum ein« Bortrag über »Die Zeit und daS Leben des Rabt Meic". Me tirmer verstand eS der Rewier auch dieses Mal, mir seinen lichtvollen Schilderung« die Zuhörer in Spannung zu halten und fie für diesen Groß« in Israel zu begnfttrn. In eingehmder Weise schilderte er den Werdegang deS Rabbi 'vierc und «twarf ein treffmdeS Bild dieses großen Tanatten. Durch daS Zitieren einiger FuchSfaLeln deS Rabbi Meir erhielt der Bortrag auch noch eine humoristische Würze. Starker Applaus belohnte dte Ausführung« des Redners. Bei dieser Gelegenheit sei noch mit einigen Worten auf den »Schomre Thora-Berein Basel" hingewiesen. Der Verein wurde vor etwa 15 Jahr« von Her« Rabb. Dr. Cohn ins Leben gerufen und bat fich zur Aufgabe gestellt, jüdischen Geist und jüdische L.bensanschauung zu verbreiten. In drei Abteilungen werdm Schüler von ihrem 9.—16. Lebensjahre in dte jüdische Lehre ringeführt. Für dte religiöse Weiterentwicklung der der Schule entwachsenen Jugend wird im JünglingSveretn Sorge gettagen. A. Persoiialieti. Wiesenbrouu (Unterfr.), 23. Nov. Mit dem Htnschetdenunseres allverehrtenLehrerS Emanuel Schloß hat unsere Gemeinde ein« überaus schmerzlichen Vertust erlitt«. Dte mi2p fand unter ungewöhnlich zahreicher Beteiligung aller Schicht« der Bevölkerung statt. In Berhtnbe«ng deS uständtgen Her« Rabbiner- Adler in Ktsstng« wurde Herr Präparandenlehrer Klugmann auS Höchberg von der Gemeinde mt Abhaltung eines ISDH b»rufen. In zu Herz« gehend« Worten schilderte derselbe daS verdienstvolle Wirk» des für die Ideale unserer heiligen n31Ö«1 NN1N bgaMekte» Lehrers und Erziehers, deS von tnmaster ,-M2«ftelten des treuen Freundes und einsichtig« Beraters der Gemetnbeglieder. Herrr Lehrer R o s e n b e rge r - Kletnlanghetm widmete dem hochgeschätzten Kollegen Worte ehrenden Gedächtnisses, hervorhebend, daß M §ex jetzig«, der min leider abholden Generation mehr chenn je der Ausspruch unserer Weisen b"1 setye Berechtigung habe *12« ■nita6 *72« weshalb der Verlust des allgemein Betrauerten ein beklagenswerter sei. Mit tränenerstickter Stimme rief hierauf der Sah» -es Berbltch«en, Herr Lehrer Jakob Schloß -MkHSrolh, dem Vater tiefergreifende Worte kindlicher DÄMarkeit und Bereh«ng nach. Auf dem P"N2 zu Rvdelsee, wohin man die sterbliche Hülle des' Dahtnaegangm« geleitete, hielt Herr Lehrer Wechsler- Aschvach ein« etnd«ckSvollen ICDH/ das Leb« und Wirk« des Verstorbene> mit d« Wortm kennzeichn«-: «IN '*7 n>TT,-“Cr;n ni« H Y«N' T12C1K Gottesfurcht war die Quelle seiner LebenSimtzerungen, b.ldete die Mottve seiner Handlungen- Gottesfurcht war sein köstliches Kleinod. N"2L2N BreSla«, 21. Novbr. Der verstorbene berühmte Schachmeister Arnold Schottlänber unb fein noch lebmder Bruder Hermann Schottlänber haben der Stadt eine halbe Million zur ^rfstgung gestellt. Die eine Hälfte soll für ein städtisches Siechenhaus, die andere Hälfte für enjüdischeS SiechenhauS verwendet werden. Breslau, 15. Nov. Der bekannte Vorsteher der sog. Lemberger Synagoge, Herr Valentin Elias, starb hier im 69. Lebensjahre; er war ein echt frommer der die Lemberger Synagoge fast 30 Jahre leitete. Lissa (Pos.), 21. Nov. Ein edler Mann ist mit de« verstorbenen HerrnSalomon Mannheim-«htngegangen. Er hatte 35 Jahre als Repräsentant in der Gemeinde gewirkt, war außerdem Stadtverordneter unb im Besitz vieler Ehrenämter. Er wirkte in all« sein« Aemtern äußerst segensreich. Königsberg (Neumark), 19. Novbr. Ein früher Tod hat unser« allverehrt« Lehrer, Her« G o lösch midt, hinweggeraffr. er ist nur 38 Jahre alt geworden. Er stammte aus dem Thüringisch« und hat hier zum Wohle des Judentum« eifrig gewirkt. Sein Tod wird in der gesamten Bürgerschaft aus- Ueffte betrauert. Wreschen, 17. Novbr. Unter großer Beteiligung wurde die allgemein verehrte Frau BerthaJadesohn