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Der Israelit · 1909-11-25 · Heft 47 (25.11.1909) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 47 (25.11.1909)
Date
1909-11-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Erfolge unternehmen läßt. Kann auch der reißende Strom nicht ausgehalten, noch in bestimmte Bahnen geleitet werden, so könnte nichts destoweniger mit Hilfe guter geeigneter Auskunstsinstitutionen das Los des heimsuchenden Wanderers in mancher Beziehung erleichtert werden - die schon bestehenden, aber eingestandenermaßen durchaus unzulänglichen derartigen Bureaus könnten leicht erweitert, vermehrt und richtig verteilt, zu Anstalten ausgebaut werden, wo der unkundige und hilflose Emigrant allezeit auf Hilfe, Rat und Schutz rechnen dürfte. Ob es aber zu dieser sozialen Hilfsarbeit des öffentlichen Schauspieles eines Weltkongresses bedarf, das ist die Frage, die wir auf Grund unserer Ueberzeugung verneinen müffen. Ein stilles ruhiges Einvernehmen der verschiedenen Organisation, deren Vertreter zu diesem Zwecke ohne viel Umstände in engere Fühlung miteinander treten, könnte in diesem Falle weit rascher, sicherer und gefahrloser zum Ziele gelangen als das große Lärmschlagen, das sich inbezug auf seine Wirkungen besten Falls als einen Lärm um nichts erweisen würde. Kochenrun-jHa». Deuffche un9 jitälfdie [Tarnen. Nomen omen! Für einen Juden kann der Name, wohlgemerkt nicht der jüdische, sondern der gut deutsche leicht ein b öses Omen werden. Wer kennt nicht die wilde Hetze gegen die deutschen, d^h. gegen die deutsch klingenden jüdischen Firmen in allen Slavenländern? Ist es doch nicht so gar lange her, daß man in Prag als Demonstration gegen das Deutschtum jüdische Firmenschilder erbarmungslos heruntergerissen hat. Welcher Lohn dafür in gewissen Kreisen Deutschlands den jüdischen Schildträgern des Deutschtums im Osten zugedacht wird, hat neulich die bekannte Broschüre des Regierungsrates Dr. Herr in Posen gezeigt. Nun scheint auch in Sachsen, wo eben erst die Antisemiten vom Volke eine so kräftige Absage erhalten haben, der deutschjüdische Namen manchem Beamten auf die Nerven zu fallen. In der Begründung eines Urteils des Landgerichtes in Dresden in einer Prozeßsache, die Zeinen Angeklagten namens Steinhaus betraf, heißt es u. a. wörtlich: . . zudem verraten die Namen der wucherischen Ausbeuter, daß sie zu einem BevölkerungSteile gehörender weit mehr als andere BevölkerungSkretfe Wucher betreibt und von alterSher betrieben hat. Das ist auch ein Anzeichen für die Annahme des Wuchers." Es gehört nicht viel Empfindlichkeit dazu, um in diesen Worten eine tiefverletzende Kränkung deS Judentums zu erblicken. Und dem „Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" fiel die Aufgabe zu, den Vorgang der obersten Justizbehörde zu unterbreiten. Die Antwort des ächsischen Justizministers v. Otto lautet: „DaS Justizministerium h ilt die zur Beschwerde gezogene Bemerkung in den Gründen des Urteils der 6. Kammer für Handelssachen bei dem Landgerichte Dresden vom 33. Februar nicht für sachgemäß und zutreffend. Es kann auch nicht zurückhalten mit dem Ausdrucke des Bedauerns darüber, daß stch dieser die Allgemeinheit verletzende Entscheidungsgrund in dem Urteile findet. Da er jedoch unzweifelhaft zur ernsthaften Begründung einer richterlichen Ueberzeugung geltend gemacht ist, die in dem Urteil überdies auf eine Reihe weiterer Anzeichen gestützt wird, ist das Unterzeichnete Justizministerium nicht in der Lage, oegen die Richter, die das Urteil erlassen haben, im Auffichtswege einzuschreiten." Die politisch liberale Presse findet die Ant' wort ungenügend. Wir auch. Allein auf die Maßnahme der Justizbehörde kommt es in diesem Falle gar nicht so sehr an. An der Sache würde auch dann nichts geändert, wenn der betreffende Richter den wohlverdienten Verweis erhalten hätte. Sie besteht und beweist nur allzu deutlich, welcher Art die Früchte sind, die eine Politik der Verhetzung allenthalben notwendig zeitigen muß. „Er ist ein Deutscher, der Name' beweist es" — sagt der Tscheche. Und der gleiche Name stempelt den Juden in den Augen deutscher Antisemiten zum Angehörigen eines Bevölkerungsteiles, den man ungestraft beleidigen und beschimpfen darf. ein sieg ger msslslhen Orthodoxie. In der vorletzten Nummer brachten wir den aus tiefster Seele dringenden Nus der hervorragendsten russischen Rabbinen an die Massen, ihnen zu folgen und nicht Leute mit der Vertretung ihrer heiligsten Jntereffen in der zu wähllenden Rabbinerkommission zu betrauen, die ihnen, ihrem Denken und Fühlen vollständig fremd und fern ständen. Nur schüchtern wagten wir es, an diesen ergreifenden Appell die Hoffnung zu knüpfen, daß die gesetzestreue Bolksmaffe sich diesem Rufe nicht verschließen und sich nicht durch die Machenschaften der Gegenpartei, die alle Hebel in Bewegung setzte, um in den Besitz der Macht zu gelangen, von ihren wahren Führern abwenden lassen möchte. Nun können wir Gott Lob von einem vollen Siege berichten. Die nach Hunderttausenden zählenden Gesetzestreuen in Rußland haben den Beweis geliefert, daß die Autorität der Thora nach wie vor bestehe und bestimmend ist für ihre Geschicke, soweit deren Regelung von ihnen abhängt. Sie haben ihren Führern ein Vertrauensvotum gegeben, das angesichts der trüben Erscheinungen der letzten Zeit, welche die um ihr Volk Besorgten fast an der Lage verzweifeln ließen, um so bedeutsamer und wertvoller ist und wie ein warmer Hoffnungsstrahl wirkt. K hat die ehrwürdige Gemeinde in en Ruf als littauischeS Jerusalem wieder einmal gerechtfertigt. Dort ging die Wahlmännerliste des gesetzestreuen Wahlkomittes anstandslos durch. Unter den 22 Wahlmännern, an deren Spitze der unfern Lesern rühmlichst bekannte Rabbi Chajim Oser Grodsenski steht, befinden sich die angesehensten Männer der Gemeinde. Als Vertreter Wilnas in der Rabbinerkommission werden denn somit dem genannten Rabbi Grodsenski noch 6 geeignete Männer würdig zur Seite stehen. Ueber die gleichen Erfolge sind auch aus all den anderen Gegenden des Rayons zu berichten. Als Delegierte aus dem Gouvernement Grodn o werden an der Rabbinerkommission tellnehmen, der als Thorafürst allbekannte Rabbi Chajim Soloweizik-Brest, und ein besonders auch durch profane Bildung sich auszeichnender jüngerer Rabbiner aus Prosany bei Grodno. Im Kreise Lid a wurden, wie nicht anders zu erwarten war, der Führer der Misrachigruppe, Rabbiner Reines und der als Jdealgestalt jüdischer Ethik weithin berühmte Rabbi Israel Meir aus Radin gewählt. Der Sieg der Gesetzestreuen ist also gesichert. Er bleibt auch ein vollkommener, wenn es den sogenannten „Intellektuellen" in Petersburg, Moskau und Odessa noch gelingen sollte, 2 oder 3 ihrer Getreuen in die Kommission hineinzubringen, was aber noch nicht einmal feststeht. Es ist sogar anzunehmen, daß man nach dieser unzweideutigen Kundgebung des Volkes auch in den Kreisen der Neologie endlich einsieht, daß Leute, die weder ihrem Bildungsgänge noch ihrer Lebensführung nach zu den geistigen Vertretern des Judentums gezählt werden können, in einer Rabbinerkommission, die vornehmlich in religiösen Fragen zu entscheiden haben wird, nichts zu suchen haben. Nun hört man wohl, daß die Kommission womöglich in eine permanente Behörde umgewandelt werden soll, die sich auch mit Fragen sozialer und wirtschaftlicher Natur befassen dürfte. Dahin wird das Streben der Rabbiner, die sich von Macht- und Repräsentationsgelüsten von je her frei fühlten, keineswegs gehen. Sollten sie aber in die Lage kommen, auch auf die politische und soziale Lage der Juden Einfluß zu nehmen, so werden sie, deffen sind er das Göttliche, jetzt treffen ihn tie Göttlichen, die Engel. Jetzt war es für die Engel, die Gottesboten, ein Ereignis (stehe Hirsch zur Stelle), zum ersten Male ein höheres Menschenwesen auf Erden anzutreffen' Doch, so ruhig er auch deS Weges gezogen .ist, er fürchtete sich und es ward Jakob angst, als er erfuhr, daß Esau gerüstet ihm entgegenzog Und cS betete Jakob zu seinem himmlischen Vater. TD K) ’JTXTT .v'22 bv qk wn Ria* sv ’a:# kt b itrr *ra Wie? Sollte. Jakob in dem Glauben an seine Idee wanken bet der drohenden Gefahr? Nein, Jakob bleibt stch treu und wie er T222 l^üb am Morgen, im Sonnenglanze seines Glückes Gott preist, so auch ^rTöRl ni^'ba in der Stunde, da bange Zweifel seine Brust durchbevten, da es Nacht um ihn wurde. Aber die bange Frage, die ihn quälte, war: „Verlange ich auch nicht zu viel von Gott? Wie darf ich zu bitten wagen? Habe ich nicht schon so viel dem Ewigen zu danken? „Vergebens sucht Jakob nach einer - ntwort auf seine Frageaber da wird es plötzlich hell in ihm und wie er auS freier Seele sein Gebet begonnen, so beendete er eS auch. Nicht mehr kämpft es in seiner Seele, nicht mehr zweifelt er, nein, eS ist gewiß, er wird gerettet. „Bittest du denn für dich, so ruft eS in ihm, bittest du denn nicht für ganz Israel?" "pP a'V'R 2BVT möR JlfiKl •ana "MD' nb ivh dvt bina -[in? nx 'riötsn Hast du doch gesagt: „Dir will ich GuteS erzeigen/ und auch deine Nachkommen will ich werden lassen wie Sand am Meere!" Jakob weiß es, um ganz Israels willen ist er geretttet, um seiner Z u k u n f t willen. Er fühtt fich als wichtige- Bindeglied in einer unendliche« Kette, als Träger einer großen Bergangenhett und glorreichen Zukunft. Am Avfang feines Gebetes faßt er stch nur als Einzelperson auf und sagt zu seinem Gotte: na'k'rri yrwb aw- „Ich wm dir Gutes erzeigen-" jetzt am Ende seines Gebetes ist er nicht mehr die Einzelperson, nein, da betrachtet er stch, wie wir es oben bereits darstellten, historisch alS Bindeglied zwischen Vergangenheit und Zukunft, wie er ja auch nunmehr nicht bloß sagt: 2'D'R D'D'N, sondern hinzufügt: '-Q1 D'N DH VWI* Einen Augenblick nur konnte Jakob seine Bestimmung, seinen historischen Zweck vergeffen, dann aber weiß eS für immer, es ist die Zukunft seines Samen, seines Bolkes, um die eS sich handelt: p1 xSl DT nb Kleines Feuilleton Die Mirche (folksbiicberei. Wir leben nicht nur im Zeichen der Elektrizität und der Luftschiffahrt, nicht nur der Technik und der Erfindungen sondern ebenso sehr im Zeichen d s Buches. Die schriftstellerischen Erzeugniffe der Gegenwart haben eine bei, ahe unheimliche Ausdehnung angenommen - Zeitungen und Broschüren wachsen gleichsam auS dem Boden, nnd der Büchermarkt bringt täglich Hunderte neuer Erscheinnuneg. And was bas seltsamste bet dieser Ueberfülle literarischer Schöpfungen ist — sie werden alle gelesen. Eine jede Zett modelt ihre Menschen nach ihren Wünschen, und eS deucht uns, daß gerade die Anhäufung deS Materials -eS zum Lesen Geschaffenen auch die phhfische Möglichkeit des Gelesen-Werdens mitbringe. Allüberall wirb geschriebenjede Kunst und jede Industrie, jeder Stand und jeder Beruf ^schafft seine eigene Literatur, ein Licht entzündet fich an anderen, und waS im Leben vielgestaltig wirkt — auf Folio- und Quartfetten, in Blättern und Bogen, in Leinwand und Leder bleibt es der Zukunft aufbewayrt. Da darf auch „daS Volk deS Buches" nimmermehr zur Seiee stehen. Seit Jahr und Tag ertönt in jüdischen Kreisen der Ruf nach deutschen Büchern jüdischen Inhalts, aber bis heute ward ihm nicht allzu häufig Erfüllung. Gewiß gibt eS solche Bücher in nicht kleiner Zahl, und «gibt es eine große Fülle einzelner Erzählungen, aber, rurtetlslose Kritik kann teilweise nicht mit ihnen rechnen. Haben fie den Vorzug, das Judentum im Lichte seiner Lehre zu ersoffen, so erwächst oft gerade daraus die künstlerische Schwäche, daß eine Etikette tenblnztöser Schilderung dem Buche ein unkünstlerisches Gepräge gibt. Nicht Menschenschicksal steigt manchmal auS diesen Büchern empor, sondern stets zu gutem En^e geführte LebenSrechnungen find eS, die von guten Rechnern oft trefflich gelöst werden. Das aber ist nicht daS Signum den Schilderung von Menschen und Geschehniffen; nicht darf der Gute stets belohnt und der Böse bestraft werdennicht darf der Gesetzesverletzer von der Strafe auf dem Fuße ereilt und der GesetzeSersüller unverzüglich nach der Erfüllung von Segen gekrönt werden — die Literatur soll daS Leben wiederspiegeln, und das Leben war noch niemals so klar und durchsichtig, wie jene Bücher eS zeigen wollnn. Und wenn andererseits -er Borzug, das Judentum im Lichte seiner Lehre zu erfaffen, den literarischen Schöpfungen nicht eigen ist, so können fie natürlich in einer jüdisch-deutschen Literatur keine Stätte finden, denn ein Judentum ohne Lehre ist ein Exempel, das nimmer gelöst werben kann.

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