Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 47 (25.11.1909)
- Date
- 1909-11-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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wären, die Situation, finanziell und politisch W retten, -«ber ich konnte diese Einladung nicht akzeptieren und so weit mein Einfluß reicht, wird kein einziger Jude nach Mesopotamien auswandern, so lange nicht mit der türkischen Regierung klare und entsprechende politische Bedingungen hergestellt seien. Ich möchte es der Regierung wissen lassen und sage es jetzt Willcocs als dem offiziellen Berater derselben, daß solange das türkische Parlament nicht seine Zustimmung gibt, Mesopotamien oder vorzugsweise ein bestimmtes und begrenztes Gebiet dieses Landes als ein jüdisches Land der Zuflucht anzuerkennen, ich meinerseits mit dem Projekte nichts zu tun haben will, sondern im Gegenteile alle mir zu Gebote stehenden Mittel anwenden würde, um den Strom der jüdischen Emigration von dort abzulenken." Das ist Prosa, die von der schwungvollen Art, in der Zangwill ehedem Mesopotamien zu besingen pflegte, sehr absticht. Es ist mehr als das, es sieht einem Rückzuge verzweifelt ähnlich. Denn, daß nach dem Winde, der jetzt im türkischen Parlamente weht, an die durch Charter gesicherte Autonomie nicht im entferntesten zu denken ist, weiß Mr. Zangwill sehr wohl. Wenn er trotzdem erklärt, seinerseits alles zu tun, um die Auswanderung nach Mesopotamien, solange es kein autonomer Judenstaat ist, zu verhindern, so heißt das mit anderen Worten: Wir haben auch Mesopotamien definitiv fallen lassen! Mit der Verhinderung der Auswanderung nach Mesopotamien dürfte Zangwill gewiß keine allzu große Mühe haben. Denn noch war von einer sonderlichen Anziehungskraft dieses Landes auf die wandernden Massen bis jetzt nichts wahrzunehmen. Schwerer dürfte es ihm schon fallen, die Länder, wohin er zum Schaden Mesopotamiens die jüdische Auswanderung hinlenken will, namhaft zu machen. Das wird aber auch dem Weltkongresse, sollte er zwecks Schaffung eines gesunden Bettes für den Auswandererftrom, ebenfalls auf d:e Ländersuche gehen sollte, kaum gelingen. Und darin liegt die schon eingangs angedeutete Gefahr — in dem Umstande, daß es dem Kongresse unter den obwaltenden Umständen unmöglich sein wird, positive Arbeit zu leisten. Bei der Tendenz derAbschließung und Absperrung der Landesgrenzen vor jüdischen Einwanderern, die heute überall, selbst im kultur- und menschenarmen Kanada, epidemisch auftritt, würde ein Weltkongreß, der sich mit all den trüben Erscheinungen und unerquicklichen Fragen der Emigration vor aller Welt Augen notwendig befassen müßte, ohne auf Mittel und Wege Hinweisen zu können, die aus der Dilema hinausführen, ohne praktische, greifbare , Reftrltate zur Abstellung der Misere zeitigen zu können, würde eine solche platonische Hilfsaktion natur- und erfahrungsgemäß die nervöse Angst vor einer imaginären Judeninvasion in den Landungshäfen ungemein steigern. Und die Folgen sind allzubekannt — weitere Verschärfung der bereits bestehenden drakonischen Gesetze und neue Maßregeln. Erft kürzlich konnte man in der gesamten jüdischen Presse lange Berichte lesen über ein Interview mit dem berühmten türkischen Parlamentarier Dr. Riza Tewfik Bey anläßlich seines Aufenthaltes in Budapest. Interviews sind heute im allgemeinen sehr billig und Zeitungen, die etwas besseres zu tunhaben, widmen ihnen keine langen Spalten mehr. Allein der türkische Politiker sagte etwas, das wir gerade darum, weil es jedem Klarsehenden längst bekannt war, unseren Politikern nicht genug einprägen können, sollen sie anders nicht den Boden unter ihren Füßen für immer verlieren. Er sagte nämlich, daß jedes unnötige Geräusch der freien Einwanderung in dieTürk ei schade. Das gilt aber nicht allein von der neuen Türkei, sondern auch, und vielleicht in noch höherm Grade, von England und Am erika. Es ist denn auch von Interesse zu verzeichnen, daß es eigentlich nur die zionistischen Blätter aller Schattierungen sind, die dem Zauberworte „Kongreß" nie wiedecstehen können, die in jeder größeren jüdischen Versammlung, selbst wenn sie von ausgesprochen antizionistischen Tendenzen geleitet wird, sonderbarerweise den Sieg des nationalen Gedankens erblicken und die nun auch der Idee des Emigrationskongreffes von vornherein, zumeist ohne ernstliche Prüfung, zujubeln. Die jüdischen Zeitungen in Rußland, die der Sache näher stehen, legen eine sonst in diese»! Kreisen gerade nicht übliche Reserve an den Tag, während die amerikanisch-jüdische Presse, deren Stimme in dieser Frage doch gewiß schwer ins Gewicht fällt, eine direkt ablehneude Haltung gegenüber dem Kongresse einnimmt. Das in New-Aork erscheinende Organ der jüdischen Arbeiter „Das jüdische Tageblatt" weiß in einem länger» Artikel eine ganze Reihe von Bedenken verschiedenster Art gegen den Emigrationskongreß geltend zu machen, Bedenken, die von anderen Gesichtspunkten und Voraussetzungen ausgehend, wohl auch nicht von der Art der unsrigen sein können, die aber doch unzweideutig zeigen, daß man in den Kreisen, die es eigentlich am meisten angeht, von der Notwendigkeit und dem Segen des Emigrationskongreffes noch keineswegs überzeugt ist. Bei all diesem soll und darf gewiß nicht bestritten werden, daß sich zur Regulierung der Auswanderung hellte schon manches mit gutem panischen Charakter der jüdischen Emigration zu erkennen. Mn solcher Wanderer' muß überall ungelegen, unerwünscht kommen. Und diesen Strom, der sich mit der Notwendigkeit einer Naturgewalt ergießt, aufzuhalten, wird keiner Organisation, und wäre sie noch so fest gefügt, keinem Kongresse, und würde er noch so stark besucht und wären seine Beschlüsse und Resolutionen noch so logisch und folgerichtig gefaßt, möglich sein. An der Quelle des Nebels angelangt, wird auch ein Weltkongreß zu völliger Tatenlosigkeit verurteilt sein. Oder will der Kongreß die Auswanderung in bestimmte Bahnen leiten, nach einer gewissen Richtung lenken? Das wäre allerdings das einige Mittel zur Sanierung der Emigration, schon arum, weil dieses nichts Unmögliches verlangen würde: nicht die Aufhaltung und Zmückdrängung des gewaltigen Auswandererstromes, sondern lediglich seine Ueberleitung in ein gesundes Bett. Allein, wo ist dieses gesunde Bett? Wo ist das Ziel, dem die Bahnen, die nunmehr der Auswanderung harren, entgegenführen sollen? Das sollten doch die Herren aus der Jto, die den Kongreßgedanken geboren hat, zu allererst wissen. Das Jtoland ist immer noch nicht entdeckt, ist noch nicht einmal in Sicht. Cyren a i c a ist längst abgetan, und um Mesopotamien ist es bedenklich stille geworden in letzter Zeit. Still? Nein, nicht ganz. Vorige Woche hatte, wie englische Zeitungen berichten, Mr. Zangvill wieder einmal Gelegenheit, von seinem Plane zu sprechen. Es war bei einer Versammlung der Londoner Royal Geojraphical Society-, in welcher Sir Wilcocs, der bekanntlich von der türkischen Regierung mit den Vorstudien für die Jrrigattons- und Entsumpfungsarbeit in M sopotamien betraut wurde, einen Vortrag über die Ergebnisse seiner Forschungen hielt. In der unverhohlenen Absicht, die Worte des Redners über die günstigen Zukunftsmögltchkeiten Mesopotamiens abzuschwächen, äußerte sich Zangwill in der Diskussion dahin, daß Sir Wllcocs in seinen Plänen einen wichttgen Faktor außer acht gelassen habe, die Bevölkerungsfrage. In Mesopotamien gäbe es nur eine geringe Bevölkerung, und diese verfüge über keine Geldmittel. Es gehe nicht an, die diesbezüglichen Projekte auf die Analogie mit Egypten zu basieren. In Mesopotamien sei die Bevölkerung, soweit sie vorhanden ist, ein Nomadenvolk, stehe nur nominell unter türkischer Kontrolle und sei der ständigen Fehde zwischen den Schafhirten und Landwirten preisgegeben. Er führte dann zum Schluffe wörtlich aus: „Es ist wahr, daß Ahmed Riza Bey, Präsident der türkischen Deputiertenkammer, die Juden eingeladen hat, nach Mesopotamien zu emigriren und es ist kein Zweifel, daß die Juden geeignet ves maitderm Beimkeftr. Zum Wochenabschnttt. Bon Rabbiner Dr. Neuhaus in Ostrotvo. . nnrn^i rat? nan» apjp wizog Jakob aus Beer scheba und ging nach Charan", beginnt die vorige Sibra, und zu Ende heißt es: 3p »Jakob zog seines Weges". Welche Entwicklung, welche Wandlung liegt doch in diesen Sätzen! Hier der einsame Wanderer, der, sich selbst überlassen, in die Welt hinauszieht, dort der Familienvater, der zu großem Besitze gelangt ist, hier vor seinem Bruder fliehend, dort zu diesem eilend, um ihn zu versöhnen, hier VVVN K3 '3 wollte die Sonne scheinbar untergehen, das Licht gleichsam erlöschen, dort ^p33 Ipv' D3fcH ging das Licht seines Daseins mit erneuter Kraft wieder strahlend und leuchtend auf. Allein, eS besteht nicht nur ein rein äußerlicher Gegensatz zwischen Anfang und Schluß der Stdra, sondern vielmehr'ein tief innerlicher, den wir hiermit näher erklären wollen. 3pv' Es zieht Jakob hinaus. Schon einmal wurde uns in der Stdrah fnSlfl, berichtet, daß Jakob seine Heimat verließ. b")K njlÖ ‘■jfr’l- Mit Recht hat man aus dieser Wiederholung gepfolgert, daß eben mit dem Worre die Geschichte des selbständigen Jakob beginnt. (Bergt. Hirsch, Pentateuchkommentar zu dieser Stelle.) In der Tat, dieses Wegziehen aus der Heimat ist bet Jakob ein hochbedeutsames, befreiendes Ereignis. Im ^ause Jsaks wäre Jakob nur der Sohn seines großen BaterS geblieben; ist es doch schwer — so lehrt die Geschichte aller Zeiten — der große Sohn eines großen Baters zu sein. Er wäre in der Heimat der Sohn der Sphäre geblieben, die ihn umgab, wenn er auch dieser Sphäre Glanz und Ruhm gewesen (stehe Nascht zur Stelle). Zu Hause hätte Jakob seine Persönlichkeit nicht entwickeln können, seiner eigenen Individualität nicht Genüge tun können. Damit in dem Enkel die abrahamitische Tradition und der Gedanke von der Größe und Allgewalt Gottes auf Erden vertreten werden, ap#' K3T1 muß Jakob die ihn vielleicht hemmende und hindernde Umge ung verlassen. ES wird zur zwingenden Notwendigkeit seines geistigen Lebens, sein Elternhaus zu verlassen. Er hätte vielleicht sich nicht so leicht entschließen können, die Heimat mit allem, was sie an Gutem und Schönem ha», zu verlasien. Aber xri er muß gehen, der Tod wartet sonst seiner. Die allwetse, göttliche Vorsehung ist's, die ihn veranlaßt, alles zu verlassen. Das Ringen und Kämpfen mit dem Lebm soll ihn stählen. Heraus aus dem gewohnten Kreise, sollen des Lebens Wogen über ihn dahtnstürmen, um die in ihm schlummernden Eigenschaften und Fähigkeiten eines AbrahamS und JsakS zu wecken. So zeichnet uns die Notwendigkeit der Wanderschaft Jakobs. 31p)23 WS’’1)- Da traf er das Göttliche, da traf er seine historische Mtsflon. Ja, die Geschichte — dieser Leitfaden Gottes — brauchte eines solchen Menschen wie Jakob zur Verwirklichung ihrer Pläne. K3 ’3- Denn es war Abend geworden, dunkle Nachtschatten vretteten vdj über die Welt, es mußte ein Held erstehen, ein Gotteskämpfer. DlpÖ3 So traf Jakob seinen historischen Ort, der auf ihn wartete. Denn dieser D1pl2 war kein anderer als der *"IPI (siehe die Erklärer), von dem später die Gottesvffenbarung der ganzen Welt zureil wurde. So nur konnte Jakvb Israel werden, so nur Träger einer Idee. Am Ende der Sidrah #y| sehen wir Jakob in ganz anderer Umgebung. ■Qf]1? 3pV'1- Durch Kampf, durch Ringen zum Sieger geworden, zieht er heim, von Charan nach Beer Schewa, innerlich zur Persönlichkeit gereift. Er ist reif für s.inen historischen Beruf, ruhig zieht er seines Weges. Es ist nicht mehr der frühere Jakob; eine Idee lebt in ihm, die die göttliche Wahrheit in sich trägt, sie kann nicht untergehen. Seine Idee ist göttlich, will sie wahr ist. Mag auch ihr Sieg unendlich lange auf sich warten lassen — einn al kommt er. Göttliche Boten find es, die ihn leiten. 12 D’p^K '38^3- Die Boten Gottes begleiten ihn, fie nehmen ihn gleichsam in ihre MUte. Denn wie sie Mittel und Werkzeug Gottes find, so ist er innerhalb eines Zeitraums von *0 Jahren ein Werkzeug Gottes geworden. Bor 20 Jahren hieß eS ölp33 WÖ,'I/ ba traf