Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 46 (18.11.1909)
- Date
- 1909-11-18
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2449352-2449399--66041-2508711- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der J-raeltt. Sette » Nr. 46 18. November 1909. ■ GLrkei. Das hommende Parlament und die Juden- Konstantinopel, 5. Nov. Die kommende Session des türkischen Parlaments wird eine Session der positiven Arbeit sein. Sie wird nicht nur für die Türkei, sondern auch für die Juden des Auslandes eine der bedeutungsvollen werden. Das Parlament wird eigentlich jetzt zum ersten Male in die Lage kommen, in wichtigen prinzipiellen Fragen Farbe zu bekennen und es wird sich zeigen, nicht so sehr welche Partei, sondern welche kulturelle Gesinnung im türkischen Parlamente die Majorität besitzt. Das junge türkische Parlament wird bald nach Eröffnung der kommenden Session auch in die Lage versetzt werden, zur Judenfrage im Allgemeinen und zur Frage der Einwanderung der Juden im besonderen Stellung zu nehmen und man macht sich auf eine sehr heftige Debatte gefaßt. Wie ^verlautet, hat das Ministerium die zwei Gesetzentwürfe betreffend die Einwanderung nach Palästina und die Neubelebung Mesopotamiens bereits sertiggestellt der Staatsrat hat bereits den dringenden Auftrag erhalten, die Gesetzentwürfe in Behandlung zu ziehen, da der Großvezier die Absicht habe, die beiden Gesetzentwürfe gleich nach Eröffnung der Session dem Parlamente zu unterbreiten. Der Inhalt dieser wichtigen Gesetzentwürfe wird noch vorläufig geheim gehalten, doch so viel ist schon heute bekannt, daß die Griechen, ein Teil der Araber und konservativen Mohammedaner sich schon darauf vorbereiten, die ganze Judenfrage aufzurollen und gegen eine Masseneinwanderung von Juden auf türkisches Gebiet mit allen Mitteln anzukämpfen. Es ist zwar bekannt, daß die Regierung selbst in der Judenfrage eine tolerante Haltung einnimmt, aber die gegenteiligen Einsiüffe werden kaum ihre Wirkung verfehlen. Man befürchtet, daß die türkische Deputiertenkammer die jüdische Einwanderungsfrage in einer Weise lösen werde, welche eine Konzentrirung von Juden in großen Massen an einem Orte sehr erschwert, wenn nicht von vornherein ausschließt. Ualetsttnet. Jaffa, 8. Nov. DieBaumwollpflanzungen in Galiläa sollen, wie der „N. I. K." geschrieben wird, einen neuen Aufschwung erfahren. Seit langem war es bekannt, daß diejenigen Gebiete Palästinas, die Wasser besitzen, sich für Baumwollpflanzungen gut eignen. Der erste, der einen praktischen Versuch in dieser Sache unternommen hat, ist der reiche Beiruter Bankier und Besitzer ausgedehnter Landteile in Galiläa und in Syrien, Sursuk-Bey, der im verflossenen Jahre in einigen seiner Ländereien in Galiläa Baumwollpflanzungen anlegte. Weitere Versuche unternahmen die beiden Petach-Tikwaer jüdischen Kolonisten, die Landwirte Paskal und Apfelbaum, welche bei der Kolonie Melhamie in diesem Jahre 400 Dunam Land gepachtet haben, um es mit Baumwolle zu bepflanzen. Dieser Versuch scheint durchaus gelungen ^u sein und die Baumwollkultur hat alle Aussicht, in Palästina ein sehr rentables Unternehmen zu werden. Man kann bestimmt erwarten, daß in naher Zukunft weite wasserreiche Gebiete Galiläas Baumwollplantagen aufweisen werden. Es ist hier ein Gerücht verbreitet, daß eine äußerst kapitalkräftige ägyptische Gesellschaft die Absicht habe, Zuckerrüben und Baumwolle in großem Maßstabe anzupflanzen und, da für diese intensiven Kulturen zu wenige Arbeitskräfte im Lande vorhanden sind, größere Arbeitermassen aus Aegypten und dem Djebel Huran in Palästina anzusiedeln. 4- * * Die Einwanderung jemenitischer Juden nach Palästina dauert fort. In den letzten Wochen find wieder 150 Jemeniten in Jaffa angelangt. Dem Alter nach waren unter ihnen - Männer bis 30 Jahre 15, Männer über 30 Jahre 18, Frauen bis 30 Jahre 27, Frauen über 30 Jahre 15, Kinder bis 13 Jahre 36, Kinder von 13—18 Jahren 7. Greise 4, insgesamt 122 Personen. Bei etwa 30 Personen wurde das Alter nicht ermittelt. Durch die Vermittlung einer jüdischen Arbeiter-Organisation wurden 18 Familien in der jüdischen Kolonie Rechoboth und 11 Familien in R i sch o n le Z i o n ausgenommen. In beiden Kolonien fanden die Jemeniten freundliches Entgegenkommen seitens der Kolonisten. Amerika. New-Aork, 8. Nov. Nach offizieller Mitteilung kamen im September d. I. 5557 jüdische Einwanderer nach New-Aork, davon 3925 aus Rußland, 1010 aus Oesterreich-Ungarn, 220 aus England und die übrigen aus etwa 10 anderen Ländern. 112 Juden wurden zurückgeschickt. Im September v. I. war die jüdische Einwanderung nach New-Aork etwas größer und.betrug 6225 Personen. Die New-Aorker „Immigrant Aid Society" hat im September d. I. 348 Einwanderern beim Aufsuchen ihrer Verwandten Hilfe geleistet. 143 Immigranten hat sie 3 Tagt lang beköstigt und beherbergt. In 589 Fällen hat sie verschiedene Auskünfte und Ratschläge an Immigranten erteilt. Während der jüdischen hohen Feiertage hatte die Gesellschaft auf E l l i s Island ein Bethaus für die Einwanderer eingerichtet. ttrrmircdter* Ztveivrücke«, 10. Nov. In der unerquicklichen Angelegenheit des Rabbiner Dr. Meyer ist nun neuerdings eine Ministerialentscheidung ergangen, die in der Hauptsache folgendes besagt: Die k. Regierung, Kammer des Innern, hat mit Verfügung vom 24. August d. I. in Anbetracht der Erbitterung und Mißsttmmung, die eine weitere Amtstätigkeit des Bezirksrabbiners Dr. Meyer von Zweibrücken insbesondere während der hohen israelitische Festtage Hervorrufen könnte, und im H nblick auf öie Schwere der ihm zur Last fallenden Verfehlungen die Regierungsentschließung vom 20. Juni 1909 vorläufig in Vollzug gesetzt und demgemäß dem Rabbiner bis zur Entscheidung über seine Beschwerde die Vornahme von Amtshandlungen untersagt. Nunmehr hat Dr. Meyer unterm 7. d. M. bei dem k. Staatsministerium des Innern für Kirchen und Schulangelegenheiten die Erklärung zu Protokoll gegeben, daß er bis zur Entscheidung über seilte Beschwerde gegen die Regierungsentscbließung vom 20. Juni 1909 auf die Ausübung aller Funktionen eines Rabbiners in der Synagoge zu Zweibrücken verzichte, sich auch verpflichtete, die dortige Synagoge nicht in Amtskleidung zu besuchen, und sich überhaupt in der Kul us emeinde Zweibrücken aller öffentlichen Amtshandlungen als Rabbiner enthalten werde. Solange Dr. Meyer die in dieser Erklärung übernommenen Be Pachtungen gewissenhaft beobachtet, dürfte der Friede in der Kultusgemeinde Zweibrücken vorläufig gesichert sein, zumal da auch von der Partei des Synagogenausschufses bestimmt erwartet werden muß, daß bis zur endgülttgen Entscheidung über die von der k. Regierung, K. d. I., ausgesprochene Zurücknahme der Bestättgung des Dr. Meyer als Bezirksrabbiner alles vermieden werden wird, was zur weiteren Verschärfung der Gegen ätze beitragen würde. Die gegen Dr. Meyer erhohenen Beschuldigungen sind allerdings ern "er Natur und können geeignet sein, die Zurücknahme der Bestättgung zu rechtfertigen. Es kommt aber m Bettacht, daß Dr. Meyer jede Schuld mit Entschiedenheit bestreitet und daß er ungeachtet der schwerwiegenden Berdachtsgründe nicht als überführt gelten kann, da er gegen die RegierungSentschließung vom 20. Juni 1909 Beschwerde erhoben hat und die Entscheidung über diese Beschwerde noch nicht erfolgt ist. Aus diesen Erwägungen wird die vorläufige Verfügung der k. Regierung, K. d. I., vom 24. August 1909 im Hinblick auf die durch Dr. Meyers Erklärung veränderte Sachlage hiermit außer Wirksamkeit gesetzt." Würzburg, 10. Nov. Heute vormittag 9 Uhr fand die Eidesbelehrung für die jüdische Mannschaft der htefigen Garnison in der Synagoge statt. Nach Abfingnng eines Psalms durch Herrn Kantor Lehmann hielt Herr Dtstriktsrabbiner Bamberger eine längere Ansprache über die Bedeutung und Heiligkeit des Eides und ermahnte zur Treue gegen König und Vaterland. Thann i. Elf., 4. Nov. Durch Berfügüng des Ministeriums sollten sämtliche im Kreise Thann bestehenden Rabbtnerämter vom 1. April 1910 aufgehoben werden. In diesem Kreise befindet fich auch die Gemeinde Senn heim, der eS am meisten schwer fallen würbe, fich von ihrem allverehrten und beliebten Rabbiner Bamberger. der nach der erwähnten Verfügung sein Domizil wechseln müßte, zu trennen. Die Gemeinde reichte daher durch den Borstand ein Gesuch anS Ministerium ein, das. Rabbinat solange alS cS Rabbiner Bamberger noch zu bckletden vermag, hier zu belassen. Mmt und bezeichnend ist eS. daß fich der GemeindenamenS der bürgerlichen Gemeinde diesem Gesuche anschloß. Schweich (Mosel), 10. Nov. Ein ttaurtges Bild bot vergangenen Sonntag unser ml# Nicht weniger als 13 waren umgeworfen und teilweise zertrümmert. AlS Täter find Kinder, die Bieh weideten und eS im Uebermute auf den Friedhof trieben, ermittelt. Nicht nur in jüdischen, sondern auch in allen besseren, christlichen Kreisen ist die Entrüstung über diese Rohheit zu der, wie man anntmmt, sie von Größeren ermuttgt wurden, groß. Breslau, 15. Nov. Die Repräsentantenversammlung der Synagogengemeinbe beschäftigte fich in ihrer letzten Sitzung mit der Bebauung beS Areals an der neuen Angerstraße südlich der Synagoge. ES wurde beschlossen, dort einen Neubau mit einem Sostenaufwande von 162000 Mk. aufzuführen, der hauptsächlich zur Aufnahme der Reltgionsschu e bienen soll. Der Neubau wirb seine Front an der Angerstraße haben. Roshe m, 1. Nov. Anläßlich des hohen Besuches, welchem Graf v. Wedel, Kaiserlicher Statthalter von Elsaß-Lothringen, unsere Synagoge sowie die hiefige tSr. Gemeinde beehrte, richtete unser Rabbiner, Herr Dr. Gold st ein auS Mutztg, an seine Exzellenz eine Ansprache, die großen Eindruck machte. Pose«, 15. Nov. Auf Beranlaffung des Gemeinde- Vorstandes wurde am Reuban Lötzschen Altenheims eine Tafel mit folgender Aufschrift angebracht: „An dieser Stätte befanden fich während einer Reihe von Jahrhunderten die im Jahre 5668/1908 abgebrochenen Gemeindesynagogen." Zülz, 15 Nov. Die alte Zülzer Gemeinde löste fich infolge geringer Mitgltederzahl auf. Arad, 38. Ott. Ueber einen merkwürdigen Fall habm wir heute zu berichten. Auf dem hiestgen katholischen Friedhofe fand vorgestern eine Exhumierung statt, weil infolge eines Irrtums die Leiche eines Juden daselbst begraben worden war. Bor kurzem wurde nämlich in der Nähe von Arad von den Fluten der MaroS die Leiche eines ManneS ans Ufer geschwemmt, welche der behördliche Arzt, der die Leichenbeschau vornahm, alS einm Ka.holiken bezeichnett. Auf Grund dieses Srzlichen Befundes wurde die Leiche auf dem katholischen Friedhöfe beerdigt. Bald aber stellte fich heraus, daß der Beeidigte der jüdische Kaufmann Josef Wetntraub ist, der' den Tod in den Wellen der MaroS gefunden. Auf Etnschreitrn der .^amttie gab die Polizei die Erlaubnis, baß die Leiche exhumiert und auf den jüdischen Friedhof übergeführt werde. Tiflis, 4. Nov. Wie aus Tiflis unterm 3.d.M. telegraphiert wird, ist daS Judenviertel der Bezirksstadt Sur am mit seinen Warenlagern und Kaufläden abgebrannt. Der Schaden, beträgt etwa 1 Million Rubel. Omi-rweren. Frankfurt a. M., 15. Nov. Die zumeist auS früheren Schülern der Realschule der ReligionSgesellschast bestehende „Bereinigung zur Pflege von Literatur und Geselligkeit" ließ es fich nicht nehmen, den 150. Geburtsta i Schillers festlich zu begehen und ihre in Gemeinschaft mit der hiefigen Ortspruppe deS „Schill erb und es" am letzten Samstag in der Frankfurt-Loge veran'altete Frier nahm einen recht würdigen Berlau». Als Festredner war Herr Prof. Ernst Keller gewonnen, der den Dichter der Tugend und Vorkämpfer des Guten, Hohen und Edlen als den größten und besten Jugenddichter Deutschlands schilderte, dessen Ideale die Heranwachsende Generation allezeit zum Segen der Gesamtheit hochhatten möge. Den Mittelpuntt de- AbenbS bildete die vortteffliche Aufführung eteS AtteS auS „Kabale und Liebe"". Auch die anderen musikalischen und deklamatorischen Leistungen fanden großen Beifall und legten von ernstem Streben der kunstbefltssenen Jugend innerhalb der genannten Bereinigung das beste Zeugnis ab. Düsseldorf, 15. Nov. Am letzten min nnvv wurde hier eine mm ins Leben gerufen. Leicht war die Arbeit nicht, aber der schöne Erfolg bietet vollen Ersatz. Der Verein hat heute schon 60 Mitglieder. Die Einweihung diese« nur dem niDÜ1? min *^lob gewidmeten Bereir.S wird am 1. HSUn Abend stattfinden. Wir wollen h ssen. daß der Verein der hiesigen Gemeinde zum Segen gereicht. Pose«, 15. Nov. Einen großen Erfolg brachte die Versammlung am Dienstag, 8. November, in welcher Herr Rabbiner Nobel aus Ha berstadt über „die altjüdische Gemeinde und die Neuzeit" sprach. Die Rede gipfttte iu der besonderen Hervorhebung der Vorzüge der alten jüdischen Gemeinde, „die Zeit dürfe nur den äußeren Rahmen geben für das ewig unveränderliche Bild des jüdischen Gesetze-." Rauschender Beifall folgte dem mit jugendlicher Begeisterung ßg haltenen Borttage beS greisen Redner-. ES war eine tmposannte Kundgebung für rrannpn ijnmn- Preßbnrg, 14. Nov Gestern Abend veranstattete der Verein „min '2N1A", dessen Dozent der allsett geehrten pi Rabbi L. Rubtnstein ist, ein Siumftst auf V'NOV 'DE- In seiner begeisterten nttn"T schilderte der genannte Lehrer die Tendenz de» Vereins und betonte die hohe Wichtigkeit de- Lernen-. In gleichem Sinn sprach unser allverehrter Oberrabbtner sowie Herr Rabbiner Friedmann.