Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 46 (18.11.1909)
- Date
- 1909-11-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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18. November 19C9 Der Mraettr. No. 46. Sette 6 Hirsch geschrieben, dennoch dem letztgenannten die ihm gebührende Ehre widerfahren: „Dem ehrenwerten Kritiker aber sage ich: Im Himmel ist ein Zeuge, daß Du auch geehrt bist in meinen Augen. Ich vermag deine großen schriftstellerischen Gaben und Leistungen, um das Volk Israel auf den rechten Weg zu führen, gebührend zu würdigen. Ich erkannte'deine großen Kenntnisse in Talmud, in Religions- und anderen Wissenschaften. Auch hat mich warm berührt das Licht des Feuergesetzes, das in deinem Inneren strahlet." Das übereinstimmende Urteil dieser drei Männer, bei denen es ausgeschlossen ist, daß die Liebe und die Freundschaft zu H. aus ihnen spricht, mag hinreichend bezeugen, daß dieser ehrenwerte Rabbiner H. einer der ausgezeichnetsten Männer unserer Generation ist, er vereinigt Wissenschaft, Thoragelehrsamkeit und Gottesfurcht auf die erhabenste und lobenswerteste Weise in sich, er leuchtet mit seinem Feuergeifte und mit seiner großen Liebe zum jüdischen Volke, und darum sei es ferne von uns, seine Worte nur so nebenbei beiseite schieben zu wollen. Denn er ist unser Bruder in der Liebe zur Wissenschaft, in dem Fernhalten aller Schwärmereien, in dem Verwerfen aller Überspanntheiten. (S. 18-20)." Ob dieses Buch je vor die Augen des unsterblichen Meisters gekommen war? Wir wissen es nicht. Aber wenn ja, da mag er so still gelachelt haben. Mit den Worten: 'Np NDttnp 'Np nS N"»PW „Wahrheit besieht, Lüge vergeht!" hat er seine unvergleichliche „Vorläufige Abrechnung" mit Frankel und dessen Schildknappen beschlossen. Das ganze Weh einer in seinem innersten Heiligtume verletzten großen Seele tönt uns aus den niederschmetternden Worten entgegen, in denen er den treuen Schleppträger Fraukelscher Weisheit, Herrn Dr. Beer bittet, „-— so lange den jungen Hörern seines Freundes an dem den öffentlichen Verleumdern gebührende» Pranger Gesellschaft zu leisten, bis er ihm nach gewiesen, wie er allen geistigen Produkten und wissenschaftlichen Bestrebungen innerhalb des Judentums mit den unwürdigsten Schmähungen begegnet und sie als unjüdisch bezeichnet." (Jesch. VII, S. 356). Nach Verlaus von 11 Jahren nun, nachdem der heftige Strauß längst ausgefochten war und zwar nicht zu Ungunsten Hirschs, da man schon zrfolge des mannhaften Auftretens HirschS überall im gesetzestreuen Lager wußte, was man von der Orthodoxie Frankels zu halten habe, — da kommt nun . ein treuer — Anhänger Frankels und bekennt eS unumwunden, was ja den von blindem Vorurteil nicht Eingenommenen aller Parteien nie ein Geheimnis war, daß Hirsch nounn nnnNü Nin irnN ist, also doch „kein unwissenschaftlicher Siddurlamdon" . . . Wie, eigentümlich mag da der Meister gelächelt haben; 'Np N1? N"iptP 'NP NBttnp. Zur Rabbinerfrage in Galizien. Bon Azaria ifrtt Bidal. Die galizische Orthoooxie hat sich, wie es scheinen will, zu etwas ausgerafft. Bekanntlich ist schon das Gesetz in Kra/t.getreten, nach welchem in Galizien Rabbiner Gymnasial-Matura haben müssen. Wir müssen in dieser Frage zwischen dem Ideal-Zustände, wie er sein soll, und dem Zustande wie er ist und jein kann, scharf scheiden. Daß dies nicht immer geschieht, richtet nicht selten Verwirrung an. Das Ideal einer fernen Zukunft könneir wir höchstens umsichtig vor-- bereiten, in der Gegenwart müssen wir nach den gegebenen Zuständen handeln, wir können sie nicht ändern. Soll das Gesetz zur Wirklichkeit werden, so bedeutet es nichts weniger als den Untergang des ma:n. Sei dem wie es will, bei dem jetzigen Zustande kann es hierzulande wirkliche Rabbiner mit Gymnasialmatura nicht geben. Nicht das Studiuin macht es, aber der Entschluß zum Studium. Der Entschluß zu „studieren", trennt einen hier von den religiösen Massen, wer es.auf sich nehmen kann, diese Trennung zu vollziehen, ist schon diesen Massen innerlich fremd und hat nicht mehr die Eignung Wächter der heiligen Lehre zu sein. Daß ein regelrecht Studierter, der seine acht Klassen in acht Jahren absolviert hat, um dann vielleicht noch Universitätsstudien zu betreiben, hierzulande nie und nimmer Rabbiner werden wird, das wird ein jeder Wissender bestätigen. Das ist völlig ausgeschlossen und kann nicht sein. Ein hiesiger Gymnasialschüler ist seiner Weltanschauung wegen zum rabbinischen Beruf für immer ungeeignet. Es werden also andere in Betracht kornmen, Leute, die im Mannes alter sich von der Thora für 2—3 Jahre trennen und die Gymnasialgegenstände sich aneignen, um dann mit Mühe und Protektion das erwünschte Zeugnis zu erlangen. Was für Bildung da herauskommt, davon wollen wir lieber nicht reden. Aber diese Leute, die im vorgerückten Alter eine solche Schwenkung unvermittelt vorgenommen haben, sind innerlich gebrochen, sie sind keine ganzen Juden und Menschen mehr, unverdaut lagert sich der neue Bildungsstoff in ihren Seelen, nicht ihrem Wesen organisch einverleibt. ^Werden sie Rabbiner so werden sie D'ym und bestenfalls Indifferente. Aber selbst diese Rabbiner werden nicht vom Volle als vollgiltig angesehen. Das Volk mag nicht von einem „Strchierten" Thora lernen, und mag nicht bei chm eine opn rV?Nttf fragen. Es fehlt das Zutrauen. Was wird nun geschehen, wenn kein „wirklicher Rabbiner" angestellt werden darf und kein Maturierter angestellt werden kann? Es wird in Galizien das zweifache Rabbinat geschaffen werden, wie es in Rußland schon lange besteht. Es werden Prediger angeftellt werden, Zöglinge des Wiener Seminars, als offizielle Rabbiner, während die wirklichen Aufgaben des Rabbinats einem nN"nn rroo zugewiesen werden, der offiziell nichts bedeutet. Welchen Schaden dies bedeutet, davon können die russischen Juden ein Lied singen. Daß dies die Lösung sein wird, dafür sprechen schon mancherlei Zeichen. So wird die ganze Institution zu Grabe getragen. Wenn aber im Lande keine Rabbiner mehr sein werden, dann wird es mit dem Judentum noch viel schneller abwärts gehen als es ohnediesl der^Fall ist. Dies alles galt der praktischen Seite der Frage, es zeigt sich, daß unter den gegebenen Umständen wir das Gesetz, well^s Matura von den Rabbinern verlangt, unmöglich verwirklichen können. Das Gesetz muß aufgehoben werden, soll das Rabbinat bestehen bleiben. Das Gesetz hat eine 10 jährige Wartezeit eingeräumt, diese goldene Zeit hat die Orthodoxie verschlafen. Jetzt ist die Zeit bereits vorbei, und schon werden die Verhältnisse unhaltbar. Das Gesetz betrifft vorzüglich 22 größere Gemeinden. Von den 22 sind nun schon 4 Rabbinerstühle vakant und können nicht besetzt werden. Es sind fetzt noch einige alte Rabbiner da, die noch vor diesen! Gesetz einen Dispens erworben haben und Rabbiner sein dürfen. Nun, diese sind nicht mobil, sie wollen zumeist ihren Platz nicht verändern. Wenn aber diese Alten nicht mehr sein werden, dann werden alle Rabbinerstühle unbesetzt bleiben. Der Nachwuchs, die jungen Rabbiner kön<- nen nicht hincmffteigen, sie bleiben in Herr kleinen Städtchen, in denen ein geringerer Bildungszensus gefordert wird. Diese Kalamität wird schon an Leib und Seele gespürt und die Orthodoxie rührt sich endlich. Herr Samuel R o k a ch in Lemberg und Rabbiner Simcha F r ä n k e l-T e omim in Skawina haben die Initiative ergriffen und sammeln im ganzen Lande Unterschriften auf Petitionen, die an Ministerium und Reichsrat überreicht werden sollen. Ebenso werden im ganzen Lande Versammlungen abgehalten, in denen Resolutionen gefaßt werden, die die Aufhebung des Gesetzes verlangen. Wird man auch die volle Aufhebung verlangen können? Wir wollen uns der Beantwortung dieser Frage 14.80 erinnert, wenn er sich den sog. Judenanger zeigen läßt, aus dessen Gebiet nun ein königliches Landhaus, die Billa Amsee sich erhebt, die Sommerresidenz des bayrischen Prinzen und Thronfolgers Ludwig. (Hauptmann und — Schofarbläser.) In dem unlerfränrischen Dorfe H. fungiert ein junger Viehhändler als B a l t'k e a, doch mußte derselbe 1901/03 seiner Militärpflicht in Würzburg genügen und die Gemeinde H. befand sich im Jahre 1902 bezüglich des Schosarblasens in großer Verlegenheit. Kurz entschlossen richtete nun der Ortslehrer A. an den Chef der ö. Kompagnie des 9. Infanterie-Regiments die Bitte: „Es wolle dem Infanteristen Abraham Schild für die Tauer des heurigen jüdischen Neujahrsfestes Urlaub gewährt werden, damit x Schild, wie alljährlich, am genannten Feste in seiner Heimat die Posaune blase, da keine andere Person der israel. Gemeinde H. für diese Funktion befähigt sei. Hauptmann Rienecker, ein gutmütiger Mann, ließ den Infanteristen Schild kommen und befragte ihn über den im Brieseausgesprochenen Wunsch und bemerkte am Ende der Unterredung: „Sie bekommen also 4 Tage Urlaub und wenn Sie einpassiert sind, dann blasen Sie mir aber auch ein Stück auf Ihrer Posaune vor!" I. Bierschild, Lehrer, Altenkundstadt. (Die Schrift -er alten Philister.) Auf die Entdeckung einer neuen Schriftart, die sich auf einem in Kreta ausgegrabenen Diskus befindet, macht Prof. Eduard Meyer in den Sitzungsberichten der Berliner Akademie der Wissenschaften aufmerksam. Es handelt sich um eine von tz>em italienischen Forscher L. Pernier bei den Grabungenum den Palast von Phaestos ans Licht geförderte Hieroglyphenschrift, die bisher noch auf keinem andern Denkmal vorgekommen ist. Es rritt also zu den drei Schriftarten, die aus dein älteren Kreta bekannt sind, der alten „piktographischen" Bilderschrift und den beiden Kursiven, eine vierte, die von ihnen völlig verschieden ist. Auf dcm runden Diskus sind die Schriftbilder mit einem wahrscheinlich aus Holz angefertigten Stempel eingedrückt, und zwar muß es sich um eine Silbenschrift handeln, da bei den 241 Figuren nur 45 oerschiedene Zeichen vernrendet sind. Aus einem menschlichen Kopf in dieser Inschrift, der eine Federkrone trägt, sowie aus anderen Anzeichen macht es Meyer wahrscheinlich, daß diese neue Hieroglyphenschrist von den Philistern verwendet wurde, die nach biblischer Angabe von nnSD vermutlich der Insel Kreta, herstammt. (Spanien — total verjudet!) Diese grandiose Entdeckung gibt Karlchen Mieß nick in den „Teutschsoz Bl." (S. 11.) zum besten. Der hervorragende Gesch'chts- und Rassensorscher des Schack-Moniteurs verkündet nämlich in dem bekannten anmutigen Stil des Blattes als Ergebnis seiner Studien: „Ferrer wurde als Aohn eines Weinbauers zu einer Zeit geboren, als den Juden in Spanien der Aufenthalt gesetzlich verboten war. Inwieweit er in rassischer Hinsicht durch jüdisches Blut belastet war, das ist umso schwerer zu sagen, als fast das ganze spanische Volk, nach der gewaltsamen Judenbekehrung aus den Tagen Jsabellas, durch jüdisches Blut schwer verseucht ist. Als einige Generationen später die Folgen dieser Verschmelzung, die eine fluchwürdige Versündigung am spanischen Volke war, sich zeigten, da begann auch zugleich der Verfall der spanischen Macht. Das äußerlich ohnmächtige und innerlich haltlose Volk Spaniens ist seitdem mit Ausnahme einzelner Landstriche und weniger Familien. durch die Blutsvermischung mit dem Judentum rettungslos verpöbelt." Und dre Berpöbelung der Herren aus den Bauhnuud Waeßnik-Kreisen, die doch gewiß vom „Blute des Judentums verschont blieben, woher mag diese kommen? Denn es gehört doch ebensoviel Pöbelei wie krankhafte Phantasie dazu, das Schicksal eines unschuldig Verurteilten, in einem Lande, dessen Vorzug es ist, j u d e n r e i n zu sein, mit Juden und Judentum in Verbindung zu bringen. (Ein Bischof gegen antisemitischen ««fug ) In. zwei größeren Orten der Diezöse Hannover mit überwiegend katholischer Bevölkerung wurden mehrfach von Vereinen, die unter der Leitung wurden mehrfach von Beremen, die unter der Leitung eines Geistlichen stehen, Theaterstücke aufgeführt, die nach Form und Inhalt beleidigend für das Judentum und seine Anhänger waren. Die einzelnen Beleidigungen waren so plumper Art, baß selbst katholische Mitbürger, welche den Borstellungen beiwohnten, Anstoß daran nahmen und ihrem Unwillen öffentlich Ausdruck gaben. Aus diesem Grunde wandte man stch an den betreffenden Bischof mit der Bitte, >enem Mtßstande steuern zu wollen. Aus der bischöflichen Kanzlei traf daraufhin folge.ides Schreiben ein: „Im Aufträge Sr. Bischöflichen Gnaden bcantwote ich Ihre Eingabe rc. mit Folgendem: Obgleich der Hochwürdige Herr der Meinung ist, daß mit den von Ihnen gerügten theatralischen Borstellungen eine Kränkung des Judentums und feiner Anhänger nicht beabsichtigt wurde, so wird er doch die erste stch bietende Gelegenheit benutzen, Ihrer Bitte bezüglich der Borstellmtgen zu entsprechen. Hochachtungsvoll ergebenst." Soweit uns bekannt geworben, haben stch theatralische Aufführungen, ähnlich den gerügten, nicht wiederholt. MMMMM