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Der Israelit · 1909-11-11 · Heft 45 (11.11.1909) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 45 (11.11.1909)
Date
1909-11-11
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Rr. 45 II. ^EttVer iE und der Handelsmlnlfter Heilbuth. Kann auch non der Ernennung-dieser Minister, die nur noch dem Namen nach Juden sind, kaum etwas für die jüdische Sache in Dänemark erwartet werden, so darf man doch mit Freude diesen Beweis weitgehendster konfessioneller Toleranz hervorheben, umsomehr als es vor einiger Zeit auch hier nicht an Versuchen fehlte, das dänische Volk mit dem Antisemitismus zu beglücken. Schöner als durch die Wahl seines jüdischen Premiers hätte der König diese Versuche gewiß nicht zurückweisen können. Tunis. Tunis, 1. November. Nach Mitteilung der „N. I. K." fand am letzten Sonntag in Tunis ein großes jüdisches Meeting statt, dem mehr als dreitausend Personen beiwohnten, während noch gegen zweitausend andere an den Toren des Hippodroms standen, in dem die Versammlung abgehalten wurde. Zweck des Meetings war ein lauter Protest gegen die Zuweisung der Juden an die Eingeborenengerichte und die Forderung auf Unterstellung der Juden unter die französische Gerichtsbarkeit. Der Erfolg des Meetings war ein unbestrittener, die gesamte Presse anerkannte — ohne Unterschied der Nationalität und der sonstigen Anschauung — daß noch nie in Tunis eine so gewaltige Versammlung ihre Forderungen in so würdiger und maßvoller Weise zur Geltung gebracht habe. llelmkcdter. Frankfurt a. M., 10. Nov. In der „K ö l n i i.ch e n Bolkszeitung" veröffentlicht ein — allerdings nicht an einer Gemeinde, sondern einer großstädtischen Klaus ft iftung amtierender Rabbiner mit Titel und Namensunterschrift folgende Erklärung: „In der Zeitung „Jüdisches Volksblatt" vom 22. Oktober habe ich soeben den Artikel „Die Idee der Versöhnung im Judentum", von Rabbiner Dr. I. G u t t m a n n in Breslau, gelesen. Nach dem vorliegenden Wortlaute des Artikels, der nur teilweise den Vortrag des Herrn Dr. G. wörtlich wiedergibt, muß ich folgendes bemerken: Der Begriff der Versöhnung, Erlösung und Erbsünde ist weder dem Lehrinhalte des katholischen und protestantischen Christentums, noch den Lehrmeinungen und Darstellungen der altjüdischen Literatur entsprechend wiedergegeben. Die Gegenüberstellung beider Lehrvegriffe, wie sie laut Artikel erfolgt ist, war geeignet — wenn auch unbeabsichtigterweise — zu verletzen, widerspricht überdies der Tendenz der von Maimonides und dem Schulchan Aruch des Jos. Karo gebotenen Verhaltungsweise. Ich bitte Sie um Aufnahme dieser Erklärung, die ich für Ihre Zwecke, zur Veröffentlichung, wissenschaftlich zu begründen bereit bin." Ohne auf den sachlichen Inhalt dieser Erklärung eingehen zu wollen, möchten wir doch nicht unterlassen, der schärfsten Mißbilligung weitester Kreise gegenüber der Tatsache der Veröffentlichung Ausdruck zu geben. Wir wissen uns von übertriebener Sympathie für den hier angegriffenen Redner und seinen Bortrag vollkommen frei und haben wir unsrer Kritik nicht zurückgehalten. Allein es verrät einen bedenklichen Mangel an Taktgefühl, wenn ein, noch dazu durch seine amtliche Stellung in keiner Weise dazu berufener, jüdischer Gelehrter in einem nichtjüdischen Blatte gegen einen jüdisch-apologetischen Vortrag polemisiert, der dem Redner schon genügend Verlegenheiten bereitet hat. Höchberg, 8. Nov. Zu der in Nr. 44 abgedruckten Notiz über die Präparandenschule in Höchberg mutz noch ber chtioend hinmgeiügt werden, daß nicht 11, sondern ein Schüler in das Großh. Lehrrrsemtnar zu Karlsruhe eintrar und einer d«-n 8. Kurs wiederholt. Die Scdülerzabl am Ende des SchuljadikS betrug: S Kurs 7 (nicht 30), 2. Kurs 11, 1. Kurs einschl. der Hospitanten 14, im ganzen 32. D s Vermögen deS Jubiläumsiondbet ägt '.00 M. (nicht 7410 M.), Penfionekaffe, Bermögensstand 16666.37 M. . . v y tkrrhrren, 31. Okt. Bor einem Jahre waren 7 rufstfche jüdische Auswanderer, darunter 2 auS Kertfch (Gouv. Sttv!, tr) in Grimsby auf einem Schiffe durch Etnaimen von LuchtgaS gestorben. Die botige jüdische Gemeinde, an d,renSpitze derPrästden Wulfs, erfocht bet der Schiff-hrttgesellschaft für die h nterbli benen Witwen eine Entschädigung von 300—600 Livre Sterling über 6000 Mk Herr Wulff war mit einem Dolmetscher nach Eydtkuhnen pe, fönlich^ekommelr, ließ die ä Witwen tn Begleitung des Kerrsrtrer Rabbiners nach dem nahen russischen Grenzort Kibarth fahren und zahlte th'en dort die obigen Bet äge aus. Odessa, 1. Novbr. Während seiner Reise durch Odessa hat der Zar eine jüdische Deputatirn, de stehend aus zwei Rabbinern, Poltkowskt und Halbe r n und eines Mitgliedes der Gemeinde, W o l f Blumenberg, empfangen, die den Zaren, wie üblich, mit einer Thorarolle in der Hand, begrüßte. Zu einer Ansprache kam es nicht. Uereittwcsen. Frankfurt a. M, 8. Nov. „Religionsdisputationen im Mittelalter" lautete das Thema, über das letzten Montag Hr. Prof. Sulzbach im Verein H7I"13 sprach. In feinsinniger, recht anschaulicher Schilderung ließ der Redner uns jene Tage des düsteren Mittelalters miterleben und besonders die niedrigen Beweggründe der Veranstalter von Disputationen ans Licht treten. Religionsdisputation, so führte der Redner aus, sei nicht Religions g e sp r ä ch. Während dieses die Menschen einander nähert und gegenseitige .Achtung erzeugt, will jene den Streit, verlangt Bekehrung und Unterdrückung. Wehe dem physisch Schwächeren, zumal wenn er als der geistige Sieger aus der Diskussion hervorgeht. Ihm winkt Zwang l:nd Gewalt und zuletzt der Scheiterhaufen. So läßt der Referent drei der bedeutendsten Religionsdisputationen Revue passieren, die sämtlich mehr oder minder das gleiche Bild aufweisen. Ob es nun Ludwig.der Heilige ist, den eine Art krankhaften Judenhasses auszeichnet, oder ob Jakob von Arragonien, der wieder Judengeld nicht verschmäht, dazu herhalten muß, immer sind es allmächtige Priester rc., die Disputationen heraufbeschwören; die bedeutendste wird gar von einem Papste selbst, Benediktus veranlaßt. Immer aber find es auch getaufte Juden, die um ihr Christentum möglichst zu betonen, sich dazuchergeben, die Anklagen gegen die Juden zu erheben. Und stets ist es der Talmud in seinen hagadischen Stellen, der den Abtrünnigen (Nikolaus Dunin, Paulus Christiani Jeronimus de Santa FZ) als Angriffspunkt dient. Aber große Juden Und der Aufgabe vollkommen gewachsen, so im Jahre 1238 der würdige Jechiel von Paris, 1263 der scharfe Dialektiker Nachmanides, 1413/16 die bedeutenden Gelehrten Don B i d a l und Joseph Albo. Und nach allen Disputationen weiß die Chronik zu berichten von Verfolgungen und Zwangstaufen, der Verbrennung oder Konfiskation des Talmuds. Von den Disputationen in Paris,Barcelona und T o r t o s a führte eine gerade Linie zu den Judenfeinden der folgenden Perioden bis auf die heutige Zeit. All jene Anklagen, die schon so oft zurückgewiesen wurden., wiederholten Ach; und man könne heute noch in antisemitischen Blättern dasselbe' alte Gerede etwa über Kolonidre lesen, das 1238 Jechiel schon widerlegte. Weil wahrer Th orage ist jene Männer beseelte,, so.schließt der Redner, vermochten sie, wo Scheiterhaufen drohten, vor Königen und Fürsten die Wahrheit zu vertreten, und der Geist der Thora wird jeneHeiten .herbeiführen, wo die Disputationen gewichen sein werden dem Religionsgespräche, wie es einst gepflogen ward zwischen dem Juden Ben San jo und dem König Pedro von Arragonien, und wie Lessing es geschildert in seinem hohen.Liede aus Menschlichkeit ynd Duldung, in^Nathän der Weile" -Welches Stück — wie der Dichter prophetisch ahnte — heute „100 Jahre nach seinem Erscheinen" leider noch nicht „verstanden" sei. Fraukfurt a. M-, 10. Nov. Ueber die Tätigkeit des Vereins .Lemaan Zion" in Jerusalem im 3. Quartal 1909 wird uns berichtet: In der Poliklinik wurden 3844 d Verse Kranke, 12320 Augenkranke, und in der Spezialaugenklintk 17 090 Patten en behandelt. In letzterer wurden noch 34 g ötzere und 32 kleinere Operationen vorgenommen. Die Apotheke verfertigte 4339 Rezepte und 354 Personen wurden mit Krankenutenstlien versth n. An 8 Personen wu de es durch Darreichung entsprechender Mittel ermöglicht, fich wieder Arbeit zu verschaffen und für 5 Lehrlinge wurde das Lehrgeld bewilligt. Schließlich sei noch erwähnt, daß außerdem 24 russische Emigranten durch Unterstützung zur Arbeit befähigt wurden. Fulda, 7. Nov. Seit 10 Jahren besteht innerhalb unserer Gemeinde ein Beth-Hamtbrasch, eine dem Zwecke deS ITYlil Tlöb gewidmete Lehranstalt, die von der rnin dahier unter Leitung ihres Hauptes, des Herrn ProvinzialravbtnerS Dr. Cahn, ins Leben gerufen wurde. Die Erriet tuna dieses Beth- Hamidrasch sollte zugleich einen Tribut der erehrung für jenen zu den gefeiertsten Größen unseres Volkes zählendenHV- Rabbi Metr Schiff b deuten, oer vor bald drei Jahrhunderten, in dem Zeitraum von 5382—5401 (1622—41) feine gewaltige GeisteStäligkett > lS das Oberhaupt unserer Gememde entfaltet und tn diesen 19 Jahren jene reiche Fülle hervorragender Werke geschaffen hat, die — soweit ste nicht entwendet und ein Raub der Flammen geworden — durch ihre Tiefe und Meisterschaft die jüdische Gelehrtenweit in Staunen setzen. Am vergangenen SamStag Abend beging baS Beth- Hamidrasch die Fe;er der Einweihung seines neuen Heimes, verbunden mit einem xz'D auf fott? 'DÜ- Der Verein hat nämlich vor einiger Zelt, durch die Umstände genötigt, in unmittelbarer Nähe der Stelle, wo einst das Beth Hamtdrafch des D'Ynü Schiff gestanden, ein Haus gekauft, das mit den Kosten der Herrichtung auf 32 000 Mk. zu stehen kommt. DaS Festmahl, daS tn den freu blich ausfehenben Räumen deS neuen HaufeS statrfänd, offenbarte die die Herzen verbrüdernde Kraft deS gemei-.famen Thorastudiums, wie eS im hiesigen Beth-Hamidrafch tagaus, tagcin mit einer den fremden Zuhörer tn Erstaunen setzenden Eifer SetrteSen wird. Herr Dr. med. Stern, der unermüdliche, für NlÜ^) JTYUI begeisterte Vorsitzende, schilderte in seiner Eröffnungsansprache unter dem Ausdruck heißen Dankes für die dem Beth Hamtdrafch stchtbarltch zuteil gewordenen Gnade Gottes die Geschichte des Vereins, tn deren Verlauf man bereits die Traktate Rüp R22 ,pyü ,N2D beendete und, vor etwa Jahresfrist, begann. Dann folgte eine großangelegte Rede des Herrn Dr. Cahn, die, die Bedeutung deS Tages erschöpfend, durch die Tiefe ihres GedankentnhalteS wie durch ihre ergreifende Herzlichkeit und ihren strahlenden Humor die Gemüter hinrttz. Herr Lehrer Löwen st ein lieh den Gefühlen des DankeS, die die VeretnSmttglteder für die aufopferungsvollen Bemühungen des Herrn Dr. Cahn um daS geistige und materielle Gedeihen des Beih Hamtdrafch beseelen, freudige Worte. Herr RabbtnatSafststcnt Dr. Lorsch knüpfte in seiner Rede an die Schlußworte der ]“IW flDDO an und schloß mit einem warmen Appell an dre Bersumme ten, für die Forterhaliung und Br.ollkommnung der Lehranstalt stets mit besten Kräften einzutreten. Breslau, 1. Nov. Am "p“1“!? 'ö H2tt beging der hiesige Verein „Machsrke Thora" das Fest seines 25jährigen Bestehens. Der Vorstand dieses lediglich dem Thorastudium dienenden Vereins nahm von einer größeren geselligen Festlichkeit Abstand und beschloß, sich auf eine akademische Feier zu beschränken. So versammelten sich die Mitglieder dieses Vereins mit ihren Dozenten nebst einer stattlichen Anzahl Gäste (auch Damen) am genannten Tage um halb 12 Uhr in der hiesigen Synagoge „Zum alten Tempel". Nach einem Einleitungsgesang einer Männerquartetts aus dem Synagogenchor ergriff der derzeitige Vorsitzende das Wort zur Begrüßung und kurzen geschichtlichen Schilderung des Werdegangs dieses Vereins. Hierbei .gedachte er in formvollendeter, anregender Rede der einstigen Gründer sowie der auswärtigen Ehrenmitglieder und benachrichtigte die Festverfammlung von der ersosgten .Ernennung zweier Dozenten zu Ehrenmitgliedern. Besonders freudigen Beifall fanden die Worte des Redners, welche dem steten Gedeihen und immer eifrigeren Wirken dieses Vereins galten. Hierbei konnte das Auditorium vernehmen, daß kürzlich 20 Schüler das Gesuch an den Verein stellten, ihnen eine Gelegenheit zum Thorastudium auf Grund des Vereinsprogrammes zu verschaffen. Wir erhören mit aufrichtiger Freude, .daß diesem Wunsche unverzüglich entsprochen wurde, uno so erhielt der rührige Verein durch diese Neuanglieoerung einen weiteren treuen Zuwachs. Sodann ergriff Dr. B. Hamburger das Wort zur Festrede. In seinen gedankenreichen, äußerst wirkungsvollen Ausführungen beleuchtete der Redner die jetzige, größtenteils von Materialismus erfüllte Zeit, in welcher sich die Eltern leider nur die Frage: „Was wird, unler Kind" vorlegen und die Frage „wie wird unser Kind", hierbei ausser Acht lassen. Neben solchen materiellen Prinzipien scheine es, als ob der alte, sich immer uno immer wieder bewährende Satz HttD -ITTin TlÜ^n ganz in Vergessenheit geraten wolle. Dem möglichst abzuhelfen, sei die erste Aufgabe des Vereines, der rr allezeit voll und ganz gerecht werde. Das Auditorium, welchem auch dem Verein sonst fernstehende Persönlichkeiten angehörten, zollte der eindrucksvollen Rede einmütigen Beifall. Hierauf sprach Herr Rabbiner Dr. Rosenthal herzliche Worte des Glückwunsches, wobei er das Prinzip des Vereins, wie es schon nYlHS *2 VIViH' empfieht: 2^1 U HW in geistvoller Weise beleuchtete. Das Minchagebet unter festlichem Gesang bildete den Schluß des Programme?. Die erhebende Feier übte einen tiefen Eindruck auf alle Teilnehmer aus und stärkte die Ueberzeugung, daß der Verein, trotz aller Schwierigkeiten, erfolgreich gewirkt hat und dazu berufen erscheint, dem religiösen Leben in hiesiger Gemeinde H"JD ZU einem Aufschwungs zn verhelfen. Ro^afen. 31. Okt. Am 24. d. Mts. fand hier eine Versammlung zwecks Gründung einer Ortsgruppe des „Verbandes der Sabbatfreunde" durch die Polener Ortsgruppe statt. Die Veranstaltung war sehr zahlreich besucht, der große Saal von KaubeS Hotel war btS auf den letzten Platz gefüllt. Herr Lehrer Brock leitete die Versammlung. Er wies, in einer kurzen und wirkungsvollen Ansprache auf ftci Wichtigkeit des Sabbat als Grundlage des Jude, tumS hin) der zahlreiche Besuch der Versammlung set ein erfreuliches Zeichen dafür, daß auch tn hiesiger Stadt dte Zahl der Sadbatfreunbe eine große sei. Er begrüßte hierauf Herrn PtnkuS Pleßner auS Posen und erteilte ihm zu feinem Bortrag „Was will der Verband der Sadbatfreunbe?" daS Wort. Der Redner fchilberie zunächst dte Entwicklung der Stellenveretne, die Versicherung gegen Stellenlosigkeit, welch , letztere bei kleineren Beiträgen einen fchabboShaltenden Handlungsgehilfen, sobald er ohne Stellung ist, vor der äußersten Rot beschütze. Der Redner kam dann auf daS Kreditinstitut jui sprechen und schilderte dte Einrichtung der jüdischen Brockensammlung „Peah", die fich in einigen

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