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Der Israelit · 1909-11-11 · Heft 45 (11.11.1909) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 45 (11.11.1909)
Date
1909-11-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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II.Rovember 1909 SSer N»meN» -MZL No. 45 «kette tu ms in eine Kommission zu wählen, die vor der Regierung und aller Welt das Judentum zu repräsentieren haben wird? Nur die verworrenen Zustände, wie sie unter dem Drucke der Golu h-Berhältntffe zurzeit herrschen, können eine solche ungeheure Zumutung erklärlich machen. Allen, nichts darf den treugebliebenen Massen den Blick trüben und sie veranlassen, entgegen allen Gesetzen der Vernunft, des Rechtes und der Logik,Männer zu ibrenBertretern zu machen, die in keine r W ei se die Qualifikation dafür besitzen" nsw. Solche Worte, aus solchem Munde gesprochen, sind Taten. Und wir dürfen das feste Vertrauen in die Wähler setzen, daß sie ihren Führern, die in solch energischer Weise für die Ehre des jüdischen Volkes und seiner heiligsten Güter zu wirken gewillt sind, vollständige Gefolgschaft leisten und den Beweis liefern, daß sie noch, entgegen den Vorspiegelungen und Verleumdungen der Kreise, die jetzt um ihre Gunst buhlen, Lebensklugheit und Selbstachtung genug besitzen, um ihre Geschicke solchen Händen anzuvert' auen, die am ehesten dazu berufen sind, sie zu des Volkes Besten zu leiten und zu ermatten. Die flhfion?u dunsten 9er „Sremöen“ in Rumänien. An anderer Stelle unseres Blattes finden unsere Leser den Wortlaut der vom Wiener S ozialiftenbunde im Aufträge des Internationalen Sozialistenkongresses im österreichischen Reichsrate eingebrachten Interpellation über die „Fremden"-Politik in Rumänien. Der Umstand, daß es dieser Partei Vorbehalten blieb, das Gewissen Europas in dieser Beziehung zu wecken und für unsere rumänischen Glaubensbrüder einzutreten, die, Fremde im eigenen Lande, recht- und schutzlos allen Schikanen der Behörden und den wildesten Hetzen der ultranationalistischen Demagogen gegenüberstehen und zudem noch in Masten über die Grenze ins heimatlose Elend gedrängt werden, stellt gewiß der politischen Moral unseres Jahrhunderts kein besonders gutes Zeugnis aus. Es ist aber leider auch nicht die geringste Hoffnung vorhanden, daß sich die Signatarmächte, die über die Einhaltung des Berliner Vertrages seitens Rumän ens zu wachen haben, von dieser Seite daran erinnern lassen, daß genannter Vertrag auch einen Paragraph 44enthalte, der denJuden Bürgerrechte zu sichert, und an ihre Pflicht, auch dieser Bestimmung Geltung und Nachachtung zu verschaffen. Die in diesen Fällen stereotype Antwort der Regierungsvertreter ist ja bekannt: es gehe nicht an, sich in die innerpolitischen Angelegenheiten eines anderen Staates zu mischen. Allerdings wiffen die Interpellanten dieser Einwendung mit dem Hinweis auf den internationalen Charakter der von Rumänien mit dem bekannten Vertrage übernommenen Verpflichtungen, sowie auf das Interesse, das die gesamte Kulturwelt an der Einhaltung dieser Verpflichtungen hat, zu begegnen. Allein was machts? Es wird am Regierungstische gewiß nicht sonderlich schwer fallen, die Argumente der „oppositionellen Linken" zu entkräften, zumal im österreichischen Parlamente, wo die Ehr ist l ich sozialen des Herrn Lueger als Herren der Situation tonangebend sind, und wo sich außerdem immer einige Öbstruktionsgruppen finden lasten, die allezeit imstande und auch bereit sind, mit ihrer enormen, gut geübten Lungenkraft alle Stimmen der Vernunft und der Moral zum Schweigen zu bringen. — Sei aber dem wie es wollte, so nmß man es doch mit Freuden begrüßen, daß das brutale, allen Begriffen des Rechtes hohnsprechende Vorgehen der rumänischen Regierung gegenüber den jüdischen Einwohnern dieses Landes endlich einmal in einem europäischen Parlamente öffentlich zur Sprache gebracht wird, umsomehr als dochnicht anzunehmen ist, daß sich die anderen liberalen Parteien bei der Erörtern ngdieser Frage so ganz passiv verhalten werden. Wir meinen, daß es gerade jetzt an der Zeit ist, die bürgerlichen Parteien für die Sache zu interessieren und sie im Namen des Menschenrechtes zur Unterstützung der Interpellation aufzurufen. Und wäre es vorerst nur darum zu tun, den maßgebenden Faktoren in Rumänien zu zeigen, wie die zivilisierte Welt über ihre Politik des Haffes und der Ausrottung denkt. Professor fiilty. (Schluß.) Da ich einerseits wußte, wie hoch Hilty die Schriften Samson Raphael Hirschs schätzte, andererseits aber auch seine entschiedene Abneigung gegen jede Erkenntlichkeit für seine Bemühungen kannte, veranlaßte ich, daß ihm von anderer Seite Hirschs Kommentar zum Pentateuch und zu den Psalmen als Ausdruck der Hochachtung und Verehrung mit einer Widmung überreicht wurde, die ihn als den „Freund unseres Volkes" feierte. Daraufhin schrieb er am 7. April 1892: „Ich muß Ihnen auch noch danken für die mir heute durch die Herren.überreichte Ernennung zum „Freunde des Volkes Israel". Das find hohe Titel, die schon seit der Zeit des pecfischen Cyrus oder des Hauptmanns von Kapernaum (Lukas 7, 3—5) eine Reihe von Inhabern gehabt haben, neben die sich zu stellen, seine ernstltchsten Bedenken hat. Sie find jedenfalls wohl der „Initiant" gewesen und haben eine große Verantwortung dafür zu tragen. Dagegen kann ich fast nicht glauben, daß Sie auch noch zu dem Geschenke gestimmt haben, da Sie meine Anfichten darüber kannten und mir ja schon das schöne Buch geschenkt hatten, das ich sehr zu schätzen und zu benutzen weiß?) Ich weiß schon gut genug, daß es ein kühnes Unterfangen ist, dem Gott Israels im allergeringsten und entferntesten Maßstabe irgend etwas zurückgeben zu wollen, was wir von ihm empfangen haben und fortwährend von ihm empfangen. Indessen war das mein Grundgedanke, als ich Sie 1887 zuerst sah, und es gereicht mir, neben aller austtchtigen Dankbarkeit für Ihr großes Wohlwollen, das auch darin fich ausspricht, zu einer gewissen Demütigung, daß mir das fortwährend vereitelt wird. Indessen ist daS vielleicht bas Allerbeste noch dabei, das wir'allezeit notwendig haben. Denn die menschliche Eigenliebe nimmt gar viele Formen an und flüchtet, wenn fie in einem Gebiet vertrieben wird, gern in ein anderes. Wer wagte zu sagen, daß er bei seiner Handlungsweise alles Subjektiven ledig geworden sei? Nehmen wir eö so, und jedenfalls danke ich Ihnen herzlichst. Ganz naturgemäß werde ich Ihnen auch ferner, wenn und wie es etwa nötig ist, in diesen oder in anderen Sachen, die Ihnen persönlich oder volkltch am Herzen liegen, stets herzlich gerne dienen, wie eS fich gebührt.-Mit herzlichstem Gruß, auch an die Ihrigen, bleibe ich stets Ihr und Ihres BölkletnS Freund. C. Hilty." Ueber Hirschs Pentateuch- und Psalm-Kommentar schreibt Hilty am Schluß eines Briefes vom 3. Juni 1892: „Der weise Lehrer Hirsch erstem mich, buchstäblich genommen, täglich. Ich tue immer etwa einen Blick hinein; es ist eines der sehr seltenen Bücher, wo eigentlich, wie in der Bibel selbst, der „Verfasser" zurücktritt und nur die Wahrheit selber durch einen Mund, den fie fich gesucht und gefunden hat, zu reden scheint." Auf die Uebersendung der Hirsch'schen Uebersetzung und Erläuterung der Gebete Israels schreibt Hilty am 28. Februars 1895 : „Ich banke Ihnen herzlichst für bas wunderschöne Buch des edlen Lehrers, den ich wohl wagen darf, meinen Freund zu nennen, indem ich nicht bloß viel aus ihm gelernt habe, sondern er in mir auch den festen Glauben an Gott, der das Entscheidende im Leben ist, noch sehr befestigt hat. Denn historisch genommen und für Leute, denen diese Anschauungsweise besonders nahe liegt, find und bleiben die Juden der beste Beweis für einen Gott, der nicht bloß eine halbklare Weltidee ist, eigentlich mehr ein Geschöpf deS denkenden Menschengeistes, als ein wirkliches Wesen, von dem man daher auch keine Aufmunterung und keinen Trost im Leiden hat. Die Zuverficht auf das Ende der Geschicke dieses Bo.keS hat er zwar in mir nicht erweckt, denn ich hatte fie zuvor, aber befestigt und mit neuen Gedanken erweitert und bereichert." *) Ich glaube, es war der Choreb von S.R. Hirsch. *) Dieser Tag war Hllths Geburtstag. Er schrieb mir die Tage vorher: „Am 28. vollende ich das 62. Lebensjahrda wünschen Sie mir daS, was ich mir für mich allein noch wünsche: die Liebe Gottes, nicht diejenige, die er zu unS hat, die wir schon haben, sondern die, welche in unS zu ihm sein soll und die eben auch eine Gabe ist." vermeintliche letzte Gang nicht so gar leicht gefallen sein. Auch zu ihm, so wird in Rabba und Tauchuma erzählt, kam Satan in der Gestalt eines kraftvollen, lebensstrotzenden Jünglings und suchte ibn vom Arm des Vaters hinweg zum Leben, den: glitzernden und lockenden, in den hellsten Farben schimmernden, zurückzuführen. Ja, er suchte ihm sogar klar zu machen, daß er gerade der väterlichen Tradition, die fortzuführen er berufen sei, es schulde, dem Vater in diesem Falle die Gefolgschaft zu versagen Er kam, der Satan, in allen Gestalten, in denen auch wir ihn kennen, in denen er auch uns stets a.if dem Wege zur JTIXö so gern begegnet, in der Gestalt eines reißenden, unüberwindbaren Stromes, in der Gestalt eines wild emporragenden, unerklimmbaren Berges. Aber was nütz e es? Isaak war ein Sohn Abrahams und hatte stets das leuchtende Ziel im Auge, das ihn die Schatten des mühevollen Weges vergessen machte. Er sah wohl den reißenden Fluß, aber drüben lag das grüne Ufer, das Sieg und unermeßliche Lohn winkte. Er stand vor der wilden Felsenwand. Allein nur die sinnlich veranlagten Diener die, den Tieren gleich, nur den nächsten ins Auge fallende, Vorteil sehen, ließen sich von solchen Hindernipen zurückschrecken, -i.i&rf? nainn Djrniann dv na naS 12V Er und |et > Vater, deren Horizont ungleich weiter und höh r oing, si sahen n cht den steilen Felsenweg, sondern die l uch ende Wolkensäule, die vom Gipfel strahlte: 77^ mtpp pl"/ den Erfolg, das hohe Unvergleiche liche, im Bewußtsein der erfüllten Pflicht begründete Glück, daß alle Mühen und Bitternisse des Lebens restlos vergessen macht. Und nun sage man, daß Isaak den Kampf mcht gekannt, und es darum gar so leicht um den Sieg gehabt hätte! Was Wunder auch, daß unsere Talmudweisen, nicht Abraham, die Sonne der Menschheit, auch nicht Jacob, den gewaltigen Gotteskämpfer, die beide hei der B/wertüng der menschlichen Leistungskraft, Schuld und Sündenlast den eigenen und daher allzugroßen Maßstab anlegen, d'e Verteidigung Israels führen lassen, sondern Isaak. Gerade Isaak, der das Erdenleben von einer größeren, reineren Höhe herab zu betrachten und zu beurteilen Gelegenheit hatte, dabei iaber, nicht weniger als die anderen, ^Schwächen .^nieder^uringen und inneren Kämpfen zu' widerstehen halte, ist der Berufene, für seine schwachen sündhaften Nachkommen in wirksamster Weise rechtfertigend und Gnade erflehend c inzutreten. Tie betreffende Talmudstelle, eine der herrlichsten Perlen unserer agadischen Literatur, sei hier aus Traktat „Sabbat" 89 in wortgetreuer Uebersetzung angeführt : Gott spricht zu Abraham: „Deine Kinder haben gefehlt!" „So mögen fie es durch Vernichtung büßen!" antwortet aramerfüllt der Erzvater. „Vielleicht — denkt Gott — wird sich Jakob, der an Leiden reiche, ihrer annehmen", und er spricht zu diesem: „Deine Kinder haben gesündigt!" „So strafe sie!" antwortet auch Jakob." Gott aber hörte weder auf den Alten noch auf den Jungen., sondern befragte noch einmal Isaak: „Deine Kinder sind von mir gewichen!" Darauf Isaak: „Meine Kinder? Hast Du nicht dazumal als sie das pfcVyi PNWtt riesen sie Deinen Erstgeborenen genannt? Und was ihre Schuld und Sünde betrifft, so siehe, wie kurz ist doch des Menschen Leben! Srebenzig Jahre, die zur Hälfte aus Nachtstunden bestehen, an denen der Menschen Arbeit und Verfehlungen ruhen. Und mußt du nicht von den übrig bleibenden 35 Jahren die ersten 20 Sturm- und Drang-Jahre der Jugend, für dre der gereifte Mensch kaum verantwortlich zu machen ist, abzählen? Bleiben noch fünfzehn Jahre, von denen aber wiederum die Hälfte, die der Mensch auf die Befriedigung seiner natürlichen, berechtigten Bedürfnisse verwendet, abgeht. Die zwölfundeinh a {6 Jahre der Sünde nehme ich, so du sie dem Volke nicht verzechen solltest, ,auf ^ntzh." — Mit de . Satze aus Jesajas 43 D.T12K '2 12'2» Hfl» '2 21'2' kS 1J0T «S will das Volk seinen .»27 Pater Isaak ausdrücken. Dieser aber verwerft :s aui den lsinnnlischen Vater, dem allein Lank und Ruhm gebührt, worauf dann der Satz s>Yil Ittth tttlf schließ: -pfcr D^IPÖ irSnia W2K 'n NN« Es hieße, die Wirkung dieser Agadastelle abschwächen, wollte man ihr ein Wort derErklärung zufügen. Auch Isaak blickte auf ein anLlrbeik, Kampf und Enttäuschung überaus reiches Leben zurück. Das lesen unsere Weisen aus dem Einführungssatze unseres Tyoraabschnittes heraus, der indes gewiß nicht allein sür d cu Sohn, sondern auch für die Söhne Abrahams bestimmt ist, und eine bedeutsame Lehre für uns alle enthält. Wie wir das Erbe Abrahams zu hüten und seinen Namen in Ehren zu tragen haben, ist oft genug ausgesprochen: P1T2 nvN böU XlHtP ^2 hü JHTÖ JtintP „Wer "wn übt, hat sich als wahrer Nachkomme Abrahams legitimiert". Daß aber unsere weisen Lehrer den Begriff lorir nicht auf die Liebestätigkeit im engeren Sinne beschränkt wissen wollten, sondern in weitmöglichster Auffassung dieses Wortes len als den Inbegriff aller Eigenschaften und Tugenden, die die Summe des riVT’Dn ausmachen, ansahen, ist dem Kenner jüdischer Sprache und jü-

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