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Der Israelit · 1909-11-11 · Heft 45 (11.11.1909) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 45 (11.11.1909)
Date
1909-11-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
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ag üftMWHI versucht habe. „Geht diese Entwicklung weiter, so ist die jüdische Bevölkerung Preußens, so weit sie nicht durch Auswanderung ergänzt wird, auf den Aussterbeetat gesetzt. Für sie trifft in hohem Maße die Befürchtung Momberts zu, daß man in nicht allzu ferner Zeit den Kernpunkt der Bevölkerungsfrage auch in anderen Ländern als in Frankteich weniger in einer zu starken, als in einer zu schwachen Bevölkerungszunahme zu erblicken haben werde." Was für Preußen gilt, gilt in demselben Maße auch für Bayern und Hessen. (Schluß folgt.) Mochmrunöschau. Ein rechtes wort?ur rechten Seit- Wir haben in letzter Nummer an leitender Stelle einem Artikel Raum gtzgeben, der über die zurzeit brennendste Frage innerhalb der russischen Judenheit, die Frage der Rabbinerkommission, die jetzt alle Gemüter beschäftigt, aufklärende Angaben enthält und diese Angelegenheit von allen Seiten beleuchtet. Es kam in dem Artikel auch die Hoffnung zum Ausdrucke, daß die gesetzestreuen Führer der russischen Judenheit in Anbetracht der eminenten prinzipiellen Bedeutung der Rabbinerkommission nichts versäumen werden, was nur irgend dazu beitragen könnte, diese einzige vom Ministerium einberufene und anerkannte jüdische Behörde vor allen unerwünschten und ungeeigneten Elementen zu bewahren und sie zu einer echtjüdischen Vertretung zu gestalten. Die Hoffnung, soweit sie auf die berühmten Thoragrößen Rußlands gesetzt ist, verwirklicht-sich in vollem Maße. Bor uns liegt ein Aufruf an alle Glaubensbrüder im russischen Reiche, der von keinen Geringeren als von den in der gesamten jüdischen Welt anerkannten rabbinischen Kapazitäten: David Fri ed mann-Karlin, Schneyerson - Lubawitsch, Soloweizik-Brest, Gordon-Telsch und Grods enski-Wilna unterzeichnet ist und in hebräischer Sprache einen flammenden Appell ' an alle Treugebliebenen enthüls mit vereinter und gesteigerter Kraft dafür einzutreten, daß die einzusetzende Rabbinerkommission, die diesmal mehr denn je dazu berufen sei, entscheidend auf die Lage nach außen wie auf die innerjüdische Politik einzuwirken, nur aus wirklichen Rabbinern, Lehrern und Vertretern des Volkes bestehe, auf daß sie nicht, wie in früheren Jahren, durch völlig Unberufene nach außen hin das Judentum diskreditiere und die heillose Verworrenheit^ die schon ohnehin im Innern herrscht, noch irr verhängnisvoller Weise vermehre. „Achtetdarauf," so schreibt der weltberühmte Senior der russischen Rabbiner Rabbi Friedmann- Karlin, „daß von der Wesensart dieser Kommission die Zukunft des Thorajudentums abhängt, für welches wir stets unser Leben zu opfern bereit waren, und höret nicht auf diejenigen, die aus Eigennutz und Herschsucht Euch einzureden suchen, als fehle es in unserer Mitte an tatkräftigen Männern, die imstande und bereit wären, für unsere Sache wirksam einzustehen, und jenen daher das Monopol im Namen des Judentums zu sprechen, zufalle." In ganz ähnlicher Weise spricht sich der weithin verehrte Rabbi aus L u b aw i t s ch aus, der noch besonders darauf hinweist, daß die Nabbinerkommission in der Hauptsache in religiösen oder religionspolitischen Angelegenheiten zu entscheiden habe und daß selbst die Fragen sozialer Art, die da zur Verhandlung kommen sollten, oft genug einen religiösen Hintergrund aufweisen, der seiner Natur nach die Behandlung seitens der anerkannten Thora-Autoritäten erfordert, wie die Fragender Erziehung, der Volksbildung usw. Er weist auch auf die unhaltbaren Zustände hin, die daher rühren, daß bislang nur der Kronrabbiner, welcher in der Regel den heiligsten Interessen seines Volkes fremd und fern stehe, als legaler Vertreter der Gemeinde von dev Behörde angesehen wurde, Zustände, die einen besonders katastrophalen Charakter annehmen würden, so es den Kreisen, aus denen derartige Rabbiner hervorgehen, gelingen sollte, mit Hilfe des Ministeriums die Macht in die Hände zu erhalten, um sie dauernd zu mißbrauchen. In einem von den Rabbinern Soloweizik, Gordon und Grodsenski gemeinsam Unterzeichneten Schlußschreiben wird dann resümierend folgendes ausgeführt: „Aus all diesem ergibt sich von selber, wie sehr es auf eine geeignete und würdige Zusa ' mensetzung der Kommission ankommt, wenn nicht anders irr tümliche Entscheidungen in hochwichtigen rituellen Angelegenheiten zustanoe kommen sollen, die, vom Ministerium sanktioniert, zur inneren Katastrophe für das glaubenstreue Judentum führen nrüßten. Handelt es sich doch um Dinge, die, wenn sie auch zum Teil dem Uneingeweihten als minder wichtig erscheinen, in Wirklichkeit aber zu den Grundpfeilern der Thora und der jüdischen Ueberlieferung gehören und u. a. auch die jüdische Familienreinheit beehren. Ist es nicht an sich eine ebenso beschämende wie ungeheure Zumutung, Männern, die der jüdischen Relig on in der Theorie wie in der Praxis ferne stehen, eine religiöse Kompetenz zuzuerkennen, und sie an Stelle der wahren Vertreter der Thora und Bannerträger des Juden- «jette 1 lti.46. Preußen Es wurden geboren auf je 100 u Einwohner «Hel. und unchel. Bon je loco Einwohn, gleicher Konfession starben Von je 1000 Einwohnern betrug d. Geburten-Ueberschuß bei den Christen Juden Christen Juden Ci) risten Juden 1885 37,72 27 14 25,43 16,81 1*29 10,33 1892 36,62 23,75 24,04 16,11 12, 8 7,64 1895 36,8» 21,36 21,73 14,70 15,12 6,66 1900 36,27 19,48 21,70 14,9 14.57 4,52 1901 36,76 19.36 20.94 14,L 9 15,82 5,07 190? 36,63 19,68 19,71 14,42 16 82 5,21 1903 36,03 18,40 20,61 14,40 15,42 400 1904 34 62 18,07 19,17 13,73 15,45 4,34 190 . 33,47 17,."5 19,05 14,22 14,42 3,33 1906 33,71 18,26 17,54 13,96 16,17 4 30 1907 32,96 17,08 17,76 13,85 15,20 3,23 Betrachtet man die absoluten Ziffern, so ergibt sich folgende Tabelle: Preußen Es wurden geboren ES starben Ueberfchuß der Geburten über die StcrbefäKe bei den Christen ' Juden Christen Juden Christen Juden 1885 1,054,442 9949 710,694 6163 343,758 3786 1890 1,083,323 8835 711,149 5993 372,174 2642 1895 1,159,817 8111 684,042 5583 475,775 2528 1900 1,2^6053 7643 739,555 5868 496,498 1775 1901 1,252/05 7594 713,675 5606 539,130 1988 1902 1,244.984 7701 571,635 5658 576,349 2043 1903 1,227,995 7219 702.301 5*49 525,694 1570 1904 1,257,194 7339 696,570 5577 560,624 1762 1905 1,234,430 7190 720 855 r 824 513.575 1366 1906 1,262069 7541 667,952 5717 594113 1824 1907 1,252, 21 7115 675227 5767 577,294 1348 Aus diesen Zahlen geht hervor, daß die Geburtenziffer der Juden, die im Jahre 1865 noch 27,14 betrug, im Jahre 1907 auf 17,08 gefallen ist und damit einen sonst bti keinem U»lk dev Mett vorhandenen Tiefstand erreicht hat. Beträgt doch selbst die französische Geburtenz ffer etwas über 20, nnd selbst die Durchschnittsgeburtenziffer von Paris ist nicht so niedrig wie die Durchschnittsziffer der Juden in Preußen. Allerdings ist auch die Sterbeziffer außerordentlich gefallen. Während im Jahre 1877 auf 1000 Juden noch 17,38 Todesfälle treffen, finden wir im Jahre 1907 13,85 als Sterbeziffer. Allein letzterer Umstand hat nicht zu verhindern vermocht, daß der.Geburtenüberschuß der Juden, der, wie wir schon einmal ausgeführt haben, bis zum Jahre 1860 größer als der der Christen, ganz bedeutend gefallen ist. Im Jahre 1885 betrug er bei den Christen 12,29, bei den Juden 10,33, im Jahre 1907 bei den Christen 15,20, bei den Juden 3,23. Stellt man dazu in Parallele, daß der Geburtenüberschuß bei den Juden im Durchschnitt der Jahre 1851—1863 noch 17,09 betrug, so wird man dem Wolfschen Gesetz beitreten und die Worte billigen, mit denen ich in der „Zukunft" diese Entwicklung zu kennzeichnen t ver Uatrn Erbt. (Zum Wochena-schnitt.) omax p pnr nvixw röüaia "121 nn^in n^x noi pnr nx “rbm cnnnw ptp 2 « ■•ktq nvix mn orrax nxm bstp '121 ormx dtp:b nriD*?p mrw pnr nx “pbn onnaxtt pnr nx T?in d.tdx -10x3 “p*? mb nt v'vin •('x mx nrton '0 xoinn) Er ist uns kein Fremder mehr, der Mann, dem der heutige Thora-Abschnitt gewidmet ist. Wir kennen ihn schon den großen Sohn seines großen Vaters, als welcher er auf dem Altäre eine unvergleichliche Prüfung feiner sittlichen Stärke ablegte. Nichtsdestoweniger findet es die Thora für nötig, uns nun, da sie speziell auf seine Lebensgescticke und Lebensenttäuschungen eingeht, uns Isaak noch einmal als „Sohn Abrahams ' einzufüyren: DJTiSX p pnr u «d zu bezeugen, daß pnr nx TSw Dni2X- Nach der Erklärung der angeführten Midra'chstelte will dies besagen, daß Isaak in allem Abraham ädnelte und auch das geistige Ebenbild seines Vaters darstellie. B Da zieht denn noch einmal an unserem Geistesauge die ganze Summe der vom ersten Erzvater auf den Sohn übergkgangenen geistigen Güter vorbei: Die vollständige bedingungslose Hingabe an Gott, den schon das denkende Kind gesrcht und gefunden hatte Ju* n'2n D'JtP 12 18^12/ die aus diesem unbedingten Verttauen geschöpfte Kraft, sich, ohne sich vor der Majorität der dun'le-i Maffe einschüchtern zu lassen, in offenen Gegensatz zu einer Welt mit ihren Götzen zu stellen ^1 ,“1112 “12P73 D.T12X nnx “OP)2 öSlP.n; die aus dieser Gotteserkenntnis resultierende Friedensliebe, welche aber den (einen der Namen Gottes), nicht auf den Trümmern des f]J2X< (des Siegel Gottes) aufbauen möchte und zur Trennung von seinem andersgearteten Bruderiohne führt,' seine voraussehungslose Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft, die nicht nach Grund, noch nach Gegenleistung fragtsein Glaube an die Existenz des Guten, das seiner Voraussetzung nach auch in einer dunklen Ecke des arundverdorben, moralisch verseuchten Sedom blühen und sich erhalten muß; und schließlich die Kraft, sein Liebstes und Bestes auf den Altar seines Herrn niederzulegen. Wahrlich ein unvergleichlich kostbares Gut, das sich vom Vater auf den Sohn übertrug, und daß dieser dieses ererbte Gut zu schätzen und zu mehren wußt', besagt eben der erste Satz de§ heutigen Thoraabschnittes: Er war ein würdiger Sohn seines Vaters, ein DH“DX p-. Unwillkü, lich müssen wir bei diesem Satze an eine gewiffe Richtung der Bibel-Exegese denken, die — wir sprechen kein swegs von der modernen Bibelkrittk, die über solche K einigkeiten längst hinaus ist — vorzugsweise von nichtjüdischen Gelehrten auegeht, und die das Leben Isaaks im Gegensätze zu dem der beiden anderen Erzväter als ein tatenloses nnd ereignisarmes dahinstellt Isaak, sagen sie, habe nicht wie sein in das Dunkel seiner Zeit hineinleuchtender Vater oder wie sein kampfesmutiger Sohn Jakob mitten im Leben und Kampfe gestanden und des Daseins Leiden und Bitterniffe seien ihm erspart geblieben, worin auch der Grund dafür liegen möge, daß seine Lebensgeschtchte weit weniger Raum in der heiligen Schrift einnimmt als die der anderen Stammväter. So urteilen, hieße doch wahrlich mit fremden Augen sehen, ohne in den Geist des göttlichen Berichtes einzudringen. Wer wie unsere Weisen die heiligen Urkunden zu lesen versteht, und ihnen all die Geheimnisse, die sie in und zwischen den Zeilen bergen, abzulauschen, der weiß es bester. Auch Isaaks Lebensgeschichte ist kein Schattenbild, das in verblaßten Umrissen wirkungslos an uns vorüberhuscht. Er hat teck an all den Kämpfen und Mühen seines Vaters. Er war, so lesen unsere weisen Lehrer in der Einleitung unserer Sidroh, in allem ein würdiger Sohn Abrahams, der durch sein Leben und Handeln vor aller Welt kund tat, wie groß und weltbezwingend die von Bäten: auf Kinder übergehenden abrahamattschen Tradittonen sind, der Traditionen, die zur Erwerbung des kostbarsten Menschengutes und höchsten Bölkerglückes führen. Es ist, im Lichte der jüdischen Tradition gesehen, töricht, anzunehmen, daß Isaak nur da8 engelreine, weltfremde und dem Lebe; entrückte Opferlamm war. Wohl hatten „die Engel Tränen geweint, die dann, nach Schilderung unserer Weisen, in die Augenlider Isaaks fielen und seine spätere Blindheit verursachten". Aber sie weinten nicht über den Engel, ihresgleichen, sondern aus Rührung über den Mensa en, den Staubgeborenen und Erdenbewohner, der das höchste Stadium der Selbstverleugnung und Lebensüberwindung erreicht hatte. Denn auch er, Isaak, kannte wohl den Kampf und auch ihm mag, wie unsere Bibelerklärer zu erzählen wissen, de».

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