Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 44 (4.11.1909)
- Date
- 1909-11-04
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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lüic sollen wir das Hebräische anssprecben? Von Dr. Grünhut in Jerusalem. In der Aussprache des ttHipn kann man namentlich in der heiligen Stadt drei verschiedene Mundarten unterscheiden. Der überwiegenden Majorität den Vortritt einräumend, kommt hier zunächst die n'taaawn Man, die, abgesehen von geringen Differenzen, überall, wo Aschkenasim wohnen, doch fast dieselbe ist, in Betracht. Ihr gegenüber steht die man der Sephardim, welche die christlichen Gelehrten nicht allein angenommen, sondern auch um vieles noch konsequenter durchgeführt haben. Hier ein Beispiel. Der Familienname 'ms klingt im Munde der Sephardim nS"i, also — Pharchi. Die Regel sich aber vor Augen haltend, daß nßa"n:ia am Anfänge des Wortes oder der? Silbe hart gesprochen werden soll, lautet dieser Name im Munde der christlichen Theologen: Parchi. Nach diesem Vorgänge aber müßte der Name des Amoräers (abgekürzt von K3K), der sehr häufig in Jerusalem vorkommt, Bo (oder Ba) gesprochen worden sein. Woher kommt es nun aber, daß die Ausgaben, auch die ältesten Nil tefen? An einen Schreibfehler ist nicht zu denken, indem gerade diese Schreibweise die häufigere ist und nicht jene. Denkt man aber an den fl, daß man D'pann pa eine Pause machen muß, wobei ‘ptfa at?y als Beispiel angeführt wird, so ist es klar, daß der Name K3K im Aussprechen wie ooik gelautet haben muß, daher nun auch teil, da die Jerusalemer bekanntlich das t* als Anlaut nicht auszusprechen pflegten. Daß die Sephardim, deren Landsleute, ausgemachte Arabisten, die Begründer der modernen hebräischen Grammatik gewesen waren, vieles aus dem Arabischen herübernahmen, unterliegt gar keinem Zweifel. Dies kann man an der Aussprache des zerkennen, das von den Sephardim gleich dem arabischen Rain gesprochen wird, während nach Jeruschalmi dessen Aussprache ähnlich dem K, also ganz so wie bei den Aschkenasim noch heute, gelautet hat. Schon daraus erhellt zur Genüge, daß man durchaus nicht behaupten kann, der mrSD man sei der Vorzug zu geben vor der n-raaiM* man. Eine dritte man hat sich erhalten im Munde der südarabischen Juden, hier schlechtweg Jemeniten genannt. Sie steht so quasi in der Mitte, indem sie sich in manchen Punkten mit der der Sephardim deckt, in vielem aber sich der der Aschkenasim nähert. Bei der großen Feindseligkeit seitens der Araber, welcher die Jemeniten seit dem Auftreten Mohammeds, ausgesetzt waren, ist es mehr als wahrscheinlich, daß sie von der arabischen Literatur unbeeinflußt blieben. Welcher man gebührt nun der Vorzug? Würden wir vor eine Wahl gestellt, so müßten wir uns nach dem Gesagten für die man der Jemeniten entscheiden. Natürlich bliebe dann auch den Sephardim keine andere Wahl. Träten wir aber mit einer solchen Zumutung an sie heran, sie würden sie mit Entrüstung zurückweisen. Allein auf einer ebenso alten Tradition beruht die aschkenachsische man. Die ''van Hat«* sind nicht von heute und gesternsie wurzeln im 10. und 11. Jahrhundert. Und die Aussprache des Hebräischen haben sie sich nicht selbst gemacht. Sie hat sich vielmehr von Vater auf Sohn seit Urzeiten vererbt. Ich sehe daher nicht ein, weshalb sie mit der sephardischen vertauscht werden sollte. Man wird es vielmehr nur begreiflich finden, wenn die Aschkenasim genau so an ihrer man festhalten, wie es die Sephardim tun, Man wird auch hier den alten Grundsatz gelten lassen: Jedermann bleibe bei seinem anao ("no ''D t*"v). Damit ist nun die Frage entschieden, welche Aussprache in der aschkenasischen resp. sephardischen Talmud-Thora einzuführen sei. Anders ist es jedoch in den modernen Schulen. Hier wird das Hebräische in der sephardischen man unterrichtet. Aber noch mehr, die Herren Pädagogen wünschen, daß ihrem Beispiele auch die neugegründeten Lehranstalten folgten. Als Grund machen sie noch den Umstand geltend, daß sonst leicht ein neuer Tn'fi entstände, indem man den Standpunkt der Schule nach der in ihr eingeführten Aussprache beurteilerl würde. In der Tat, wird später geltend gemacht, sage man schon heute, die Gesetzestreuen haben die aschkenasische, während die Neuen die sephardische man angenommen bezw. beibehalten. Allein den Tn'£> hat kein anderer als sie selbst herbeigeführt, sie, die Neuerungen einführen. So bedauerlich übrigens auch eine Trennung ist, in unserem Falle müßte sie nur gutgeheißen werden. Ein Zufall führte mir neulich ein Pamphlet zu, das sich als jüdisches Geschichtsbuch bezeichnet. Ein Blick in dieses „moderne" Buch, und ich hatte genug davon. Es war die Stelle vom Untergange Korahs. Das Ereignis, heißt es da, sei durch ein zufälliges Erdbeben eingetreten! Und nicht ein einzig Mal auf der ganzen Seite wird der Gottesname erwähnt! Und da sprechen noch die Herren von einem nvi'S, der von einer Verschiedenheit in der Aussprache zu befürchten wäre?! Die hebräisch redenden Herren Pädagogen nach der n'mso man scheinen es aber mit der natürlichen Logik nicht allzu genau zu nehmen. Angesichts einer Schund- und Schundliteratur, wie sie sie geschaffen, ist tatsächlich eine Teilung notwendig, ja dringend geworden. Sie hätten sich also gar nicht darüber beklagen dürfen, wenn sie von der v't*T-Seite ausgegangen wäre. Zum Glücke aber hat sie sich durch sie selbst vollzogen; denn sie waren es, die sich von Vmttn ^73 absonderten. Unbewußt haben sie mit ihrer geänderten Aussprache dasselbe erreicht, was einst ~>£PDn iOTy mit der „Schrift" bewirkt hatte. Esro hat nämlich die alten hebräischen Schriftzeichen, in welchen die Bibel der Samaritaner noch heute geschrieben ist, in 'TUM* ana geändert. Damit hat er Israels Thora vor Fälschungen bewahrt. In einem zweiten Aufsatze soll die Frage vom pädagogischen Standpunkte aus behandelt werden. y iücherschau. D'airoa nanv Aus dem schriftlichen Nachlasse der Brüder I o l l e S auS Lemberg. Berlin 1609. LouiS Lamm. Preis 2 M' Diese von Pro^. A. Berliner herausgegebene und von ihm mit einer orientierenden und zugleich empfehlenden Einleitung versehene Sammlung von Briefen zerfällt in zwei Teile, von denen der erste, der zudem „schriftlichen Nachlasse" der Brüder Jolles im eigentlichen Sinne nicht gehört, der interessanteste ist. Dieser führt uns in eine bewegte Zeit. Gegen den JTTU1 von dem Al onaer Rabbiner Raphael Kohn war eine mit Jnvektiven gespickte. Kritik übende Schrift HÖXÖ erschienen. Das Altonaer Bethdin hatte dm Berfafier, der sich unter falschem Namen verbürg, in den Bann getan. Die vorliegendm Briefe verlangen zum Teil die Aufhebung des Banns, zum Teil fordern sie aber zum' verschärftes Borgehen gegm den Schreiber der Kritik, in dem man bald den Rabbiner zu Frankfurt a. O., Saul Berlin, erkannte, und dem man wegen feiner Fälschung, die er an Äschert durch Unterschiebung des w*"i D’SttD begangen, nicht sehr hold war. Eigentümlich berührt unS der Brief Löser Rießer'S, des Schwiegersohns ron R. Raphael Kohn und des Vaters des Gabriel Rteßer, der an R. Mordechai Benet gerichtet ist. Hier der Mann mit dem Ptneaseifer, der dem NikolSburger Rabbiner durch Uebersendung des □''ÜttD die Unwürdtgkeit des Verfasiers des bx'JHp' nSÜftt beweisen will, der dann spater mit fliegenden Fahnen in das Lager der Reform überging und der extremen Umgestaltung der Gebetordnung im neugegründeten Tempel zu Hamburg sein Plaeet aufdrückte. Der zweite Teil enthält derschtedme in hebräischer Sprache geschriebene Briefe, die zwtschm den Brüdem - - --- a. “ Jolles und Dr. M. Jost in Franks M. gewechsel •'■'i &J-