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Der Israelit · 1909-11-04 · Heft 44 (4.11.1909) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 44 (4.11.1909)
Date
1909-11-04
Page
– (sequence 10)
Language
German
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tfette 10 9h. 44 Der Israeli» 4 November 1909 dererfeits erblicken die Progressiven Parteien in dem Vorgehen Tolmatschows eine arge Ueberschreitung seiner Machtbefugnisse und beabsichtigen, dieses Vorgehen zum Aulaß zu nehmen, in Form einer Anfrage an die Regierung die Gewalttätigkeiten der Behörden bei den Wahlen zu beleuchten. Im Uebrigen sind selbst die Oktobristen der Mei> nung, daß an eine Annullierung der Wahl nicht gedacht werden könne. UalLstna. Jaffa, 25. Oktober. Es ist kaum sechs Monate verstoßen, seitdem die Tachkemonischule von dem Frankfurter Comitee übernommen wurde, und schon hat es sich gezeigt wie groß das Bedürfnis für diese Gründung war. Bei Eröffnung des Wintersemesters war der Andrang ein geradezu unerwarteter. Die Tachkemonischule zählt jetzt rund 150 Schüler, eine Zahl, die keiner der hiesigen Knabenschulen aufzuweifen hat. Diese verhältnismäßig stattliche Anzahl ist teils auf den natürlichen Zuwachs der hiesigen Bevölkerung, zum großen Teile aber auf die Sympathien, die die neue Leitung während dieser kurzen Zeit sich zu verschaffen wußte, zurückzuführen. Trotz mancher Schwierigkeit, der sie in der ersten Zeit begegnete, gelang es ihr. nicht nur die Daseinsberecktigüng, sondern auch Notwendigkeit und hohe Bedeutung der Schule glänzend zu dokumentieren man kann ruhig und ohne jede Uebertreibung sagen, daß die Tachkemonischule nicht blos in Jaffa, sondern in ganz Palästina die populärste ist. In der Tat ist die genannteSchule eine wirkliche jüdisch-volkstümliche Anstalt, die unbekümmert um Freund und Feind keine anderen Intentionen kennt, als die, der hiesigen Jugend eine gründliche und gediegene Ausbildung zu geben. Die Tachkemoni verspricht daher mit Recht, die eigentliche jüdische Volksschule Jaffas zu werden. Zu bedauren ist nur, daß diese Anstalt auch nicht äußerlich das repräsentiert, was sie in Wirklichkeit ist. In erster Reihe mangelt es ihr an einem geeigneten Gebäude. Das gegenwärtige Schulgebäude ist etwas weniger einladend und schon wegen des Raummangels für diesen Zweck nicht geeignet. Ueber 30 Kinder mußten zurückgewiesen werden, weil für sie kein Platz vorhanden ist. Es wäre wirklich zu wünschen, daß diesem Uebel in Bälde abgeholfen wird, um so vielen Kindern den Eintritt in eine Schule zu ermöglichen, in der wahre Bildung und ü'üv na-r so harmonisch vereinigt sind. vermischtes. Frankfurt a. M.. 28. Okt. Gegen die Verordnung vom 4. März 18' 6 über den Betrieb von Bäckereien und Konditoreien, nach welcher die Arbettsschicht jedes Gehilfen die Dauer von 12 Stunden (bei Etnrech, ung einer Ruhepause von 1 Stunde) 13 Stunden nicht überschreiten darf, hatte, wie wir anläßlich der erstinstanzlichen Berbandlung bereits mttgetetlt haben, der jüdische Bäckermeister Bernhard Kars verstoßen, weil er einen Gesellen und einen Lehrling an den Freitagen und den Tagen vor den jüdischen Feiertagen länger beschäftigt hat. Er erhielt bekanntlich einen Strafbrf hl von 40 M., gegen den er Einspruch erhob. Das Schöffengericht hob den S rafbefehl auf und erkannte unter Uebernahme der Kosten der Verteidigung auf die Staatskasse auf Freisprechung. ES folgte ürn AuSsübrunqen Justizrat W u r z - mannS, der dm legte, daß oaS Personal zwar an den betreffenden Tagen zwei bis drei Stunden länger befchäfitgt sei, aber dafür an den 4 amstagen, den jüdischen Feiertag n, sowie an den Sonntagen und allgemeinen Feiertagen von jeder Arbeit bef.ett s.t und für diese Tage vollen Lohn empfange. DaS - Gesamtquantum der Arbeitszeit sei also sehr gering. In der Berufungsverhandlung vor der Strafkammer am 28. Oktober — der Staatsanwalt hatte Berufung eingelegt — bekundete der Sachverständige, der frühere Obermeister Drißler, daß eS tatsächlich unmöglich sei, für diese Tage den Betrt b zu vergrößern, weil nicht zwei Einschießer zugleich a> mm Ofen aroetten könnten- Das Gericht erkannte auf fünf Mark Geldstrafe. Bet dem Urteil fei, so heißt cs in der Begründung, die Sonntagsruhe ins Auge gefaßt worden, die geschützt w rden müfle. N cht auf daS Gefamrquantum der Arbeitszeit komme es an, sondern auf die vom Gesetz vrrluigte Einhaltung der Ruhezeit. Wenn Sarpf glaube, aus relig öfem Gefühl die »orfchrif en nicht einhatten zu können, so solle er darauf ht,.wirken, daß durch AussührungSbestimmunaen dieser Zustand beseitigt werde. Da gewisiermaßermaßen ein Gewissenskonflikt vorltege, fei jedoch auf das Strafminimum zu erkennen. Katt Wich, 28. Oktober. Der Shnagogengemetndeverbanb des Regierungsbezirks Oppeln hielt am Sonntag in Stadlers Marmormal in Zabrze die diesjährige Mitgliederversammlung ab. Die - : ersammlung war sehr zahlreich besucht. Der Bei bandsvorfitzende, Justizrat Berger- SvnigSHütte, eröffnete die Sitzung mit Begrüßung der Delegierten und Gäste und erstattete Bericht über die Tätigkeit des Verbandes im letzten Geschäftsjahr. Hierauf wurde ter Bericht über die Saffenprüfung erstattet und dem Kasienführer Entlastung erteilt: ebenso wurde dem Kommerzienrat Grünfeld die Entlastung für die Wais nhausrechnung ausgesprochen. Der Haushaltsplan pro 1909/10 für das Waisenhaus in Rhbnik wurde in Etnwhne und Ausgabe mit 16615 M. angenommen, der Haushalt des Gemeindeverbandes p o 1909/10 mit 4200 M. gegen r000 M. bisher in Ansatz gebrach«. Ueber die Wanderrabbtner-Angelegenheit berichtete Stadirat W i e n e r - Kattowttz. Er legte die Nolwendigkeit der Anstellung eines Wanderrabbiners dar In kletnereu Gemeinden, die ohne Seelsorger find, haben die Rabbiner den Religionsunterricht zu übel wachen, auch müffe solchen Gemeinden Gelegenheit geneben werden, ab und zu eine Predigt zu hören. Tie Ausführungen fanden die Zustimmung der Versammlung. In den Etat wurden für den Wanderrabbiner 24 0 M. als Gehalt eingestellt. Die auSscheldenden Vorstandsmitglieder wurden unedergewählt, ebenso die Kaffenprüfer. Nunmehr erstattete Justtzrat Schüller- Glekwitz Bericht über die dritte Hauptversammlung des BerbandeS deutscher Juden n Breslau. Zum Schluß hielt an Stelle des verhinderten Justiz' ats Timendo fer-Berltn Herr B e r g e l - Berlin einen Bortrag über das Thema: „Zweck und Ziel des Htlfsvereins der deutschen Juden". Auch feine Ausführungen wurden mit Beifall ausgenommen. Würzbnrg, 21. Okt. Die israelitische Präparandenfchule (Talmud-Thora) in Höchberg veröffentlicht soeben ihren Jahr esbertcht 19061907 bezw. 1908/09. Das Schuljahr 19c7/08 lief bis zum 2. August 1908, das lauiende begann am 22. Oktober, von den Schülern deS dritten Kurses traten fünf in die israelitische Lehrerbildungsanstalt zu Würzburg, 11 in das Großh. Lehrerseminar zu Karlsruhe ein und 8 wiederholt in den 3 Kurs. 3 Schüler des 2. 5kurfes und 2 des I. Kurses kehrten nicht wieder in die Anstalt zurück, weil sie fich anderen Berufen zuwendeten, und 1, um tn die Präparandenschule Burgp eppach überzutreten. Die Schülerzahl am Ende des Schuljahres betrug: 30III. Kurs, 7 II. Kurs 11 I- Kurs, einschließlich der Hospitanten, 14, im ganzen 32. Nach den Rechnungsergevniffen pro 1908 betragen die Einnahmen 20257,18 Mk., die Ausgaben 18968,86 M. DaS Vermügk-N beläuft fich auf ca. 203300 Mark, daS Vermögen des JubtläumSfvnbS beträgt 7410 Mark. Die Rechnung der PenfirnSkafie schließt ab mit 2624,50 Mk. Einnahmen und 2118 »3 Mk. Ausgaben, der reine Bermögensstand bcd ägt 16 66617 M., der BuufondS weist ein reines Vermögen von 3600,10 Mk. auf. H ching « 20. Okt. Die Zahl der jüdischen Bevölkerung in Hechtngen ist seit lm ger Zeit tn ständiger Abnahme begriffen. Soweit ersichtlich, war fie am größten im Jahre 1849, wo 160 israelitische Familien mer wohnten, also etwa 700 Köpfe. Bis 1865 sank ihre Ziffer auf 455, bis 1880 auf 330, bis 1895 auf 233, bis 19.5 auf 178 Köpfe, und diese Verminderung douer immer noch fort. In den 40 Jahren von 18^5 btS 1905 imd im ganzen hier die Evangelischen um 749 Seelen gewachsen, die Katoliken nur um 730, während die Juden um k73 Seelen abgenommen haben. Nürnberg, 25. Okt. In der Sitzung der Regierung von Mitieuranken vom 22. und 23. Oktober wurde betreffs Heranziehung der Juden zu den Schulumlagen in Roth a. S. aus Anlaß der von der israelitischen Kultusgemetn e tn Roth und der n umlagepflichtigen Mitglieder erhobenen. Beschwerde der Beschluß deS Bezirksamts dahin abgeändert, daß die beteiligten Ku tuSmttglteber in Roth zur Entrichtung und Nachzahlung für Zw>cke der vffent ichen Volksschulen in Roth nicht verpflichtet find. Marburg, 25. Okt. Zu dem Berichte über die Einweihung des neuen Schulgebäudes dahier ist berichtigend htnzuzufügen, daß tue Festrede Herr Lehrer Alexander hielt. Schulrat Bauer hielt nach der estrede des Lehrers eine Ansprache an die Kinder, worin er den Vorredner als pflichttreuen Lehrer und Erzieher lobte und ihm im Namen aller Gäste Dank und Anerkennung aussprach. Benthe«, 20. Okt. Als Wanderrabbtner für dir rabbinerlosen Gemeinden deS Bezirks Ober'chlesien ist terr Rabbiner Dr. NtschkowSkh, ein Schüler des erltner RabbtnrrsemtnarS, in Aussicht genommen. CKemnitz, 13. Oktober. Herr Ludwig Ladewig von hier überwies der hiesigen Gemeinde den Betrag von 10000 Mark, zur Unterstützung von jungen Mädchen, welche sich d^m Kaufmannssiande widmen. Nürnberg, 1. Novbr. Mach einer Meldung deS „Landkorr." sino auf dem - israelitischen Friedhof in Obernzenn tn den lrtztei^Tagen die beiden Tore gewaltsam aufgebrochen sowie Me größere Anzahl Grabsteine umgkworfc« und zum großen Teil ganz zerstört worden. Bon den Tätern hat man noch keine Spur. Leer, 28. Okt. Die hiefige israelittfche Gemeinde hat an der Detchstraße neben dem Gymnasium ein Grundstück erworben, auf dem ein neues Schulgebäude mit Lehrerwohnung errichtet wirb. Die Ausführung deS Baues wurde der Firma Thien hier übertragen. Wolfhage«, 24 Oktbr. Die Ehnagogengemetnde feierte am verflossenen Sonntag das 50jährtge Jyjhiläum deS BehenS ihrer Synagoge. ES hatten fich zu dieser Feier auch eine große Anzahl auswärtige Gäste, meist geborene Wolfhager, ein gefunken. In der gänzlich renovierten und schön geschmückten Synagoge fand unter Anwesenheit der Vertreter der Regierung aus Kaffel ein FestgotteSdlenst statt. Posen, 30. Okt. SS hat fich nunmehr herausgestellt, baß der anonyme Verfasser der antisemitischen Broschüre über die Ostmarkenpolitt!,, die in den gesamten östliche» Provinzen soviel Aufsehen erregt hat. der Regterungsrat Herr von der Anstedlungskommisfion in Posen ist. Wie man hört, ist nun Herr Herr von Posen abberufen und versetzt worden. Reise« (Pos.), 30. Oktbr. Die hiefige jüdische Gemeinde hat fich aufgelöst, fie hatte zuletzt nur noch zwei Mitglieder, ebenso die Gemeinde Sandberg. Tlonim (Gouv. Groono), 15. Oktober. Zweimat gedient und doch wegen Nichtstellung bestraft werden, daS kann natürlich nur in Rußland passieren. Und tatsächlich ist es einem jüdischen jungen Manne dahier so ergangm. Bor noch nicht langer Zeit kam er nach drei Shriger Dienstzeit beim Mtittär nach Hause und wurde jetzt zum zweitenmale assenttert und zwar mit der Begrmibung, daß er daS erstemal „trrtümlicherwe fe assenttert worden fei, da er damals noch nicht 21 Jahre alt war (!) und erst jetzt die Zeit seiner MUitärpfltcht gekommen fei." Aber nicht genug, baß der unglückliche Mensch zweimal dienen muß, erhält er noch ein Strafmandat -auf 800 Rubel, weil er stch nicht zur rechten Zeit zur Assentierung Semeldet habe. Das interessanteste an der Sache ist, baß erselbe Beamte, der dos Zeugnis Unterzeichnete, daß der junge Mann feiner Militärpflicht genügte, jetzt auch daS Tokument Unterzeichnete, mit welchem er zu einem Vesttmmten Regimente zur Dienstleistung beordert wird. Oereinstmen. Frankfurt a. M, 3. Nov. Der herannahende Winter wird voraussichtlich die Arbeitslosigkeit, die infolge der wtrschaftlichen Depression während deS ganzen Jahres eine große war, noch verstärken. Angefichts dieses Umstandes ließ die jüdische Brockensammlung „P ea h" dieser Tage an ihre Freunde und Gönner die Bitte ergehen, ihr alle jene Materialien und Gegenstände, die im Haushalt und Geschäft überflüssig ober unbrauchbar geworben, zuzuwenden. Die „Peah" betrachtet eS als ihre Hauptaufgabe, mittels Herrichtung und Verwertung der ihr geschenkten Gegenstände Arbeitslose zu beschäftigen und die hergerichteten Sachen an Minderbemittelte zu ganz minimen Preisen abzusetzen. Der Bitte der „Peah„ schließen wir un« auch an dieser Stelle an und hoffen, daß aus dem Leserkreise unseres Blattes recht reichliche Zuwendungen ergehen. Die Geschäftsstelle der „Peah" befindet stch Allerheiligenstr. 40. Die „Peah" ist unter Nr. 5070 an daS Telephonnetz angeschloffen. ES genügt telephonische Anmeldung, um eine schnelle und kostenfreie Abholung zu erwirken. Personalien. Bag Ujhely, 31. Okt. Im Alter von 86 Jahren stdrb hier iwr wenigen Tagen Rabbi' Samuel Hirsch Stricker, langjähriger Tajan der htefigen Gemeinde. Als Schüler großer Meister erwarb er fich schon in frühester Jugend immenses talmudisches Wiffen, das er durch unermüdlichen Fleiß, durch volle Hingebung an min stets erweiterte; fern großes nip^TS und feine g, oße, ungeheuchelte riKl1, seine Frömmigkeit war tn ber ganzen Gebend bekannt und sein Name wurde stets mit großer Verehrung genannt. Und von dieser großen Verehrung legte auch seine -pp, die am Donnerstag Nachmittag stattfanb, beredtes Augnis ab. Noch lange vor der festgesetzten Stunde füllte stch der Shna^ogenhof, wohin man die sterbliche Hülle deS brachte, mit Trauergästen. Hier ergrfff zunächst Herr Oberrabbtner Dr. Rosen selb daS Wort, u-n tn ergreifender Rede die hohen Tugenden, die unerschütterliche nUT/ das große nipnx u d die tiefe Gelehrsamkeit des Heimgegangenen AmtSbruderS im pl J-P3 zu schildern. Kein Auge blieb tränenleer, als der Redner darauf hlnwieS, wie der Verstorbene, tn sehr bescheidenen Verhältnissen lebend, doch stetS besorgt war, seine Kinder zu ech en B'TI>T zu erziehen, wie er ein treuer Hüt-r seiner Gememde war. Hierauf schilderte Herr Oberrabbiner Samuel Reich auS Berbo die Tät.gkett deS Verblichenen, der gcwiffermaßen wie ein Denkmal aus einer Zeit zu uns herüberragte, tn der;mrj nicht bloß verehrt und unterstützt, sondern ei rtg gt pflegt wurde. Es sprachen noch Rabbi Koppel, Dajan inBerlo, Rabbiner Baum und ein Sohn des Be storbenen. Dann verließen wir daS D'Tn 7P2 mit dem Bewußtsein, daß ein Stück der ruhmreichen Vergangenheit der altehrwürbi^m Ge-

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