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Der Israelit · 1909-11-04 · Heft 44 (4.11.1909) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 44 (4.11.1909)
Date
1909-11-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
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«Sitte t. 4iv gesetzestreüen Organisation, die gewiß nach keiner Richtung hin ihre Pflicht in dieser Angelegenheit versäumen wird, treue Gefolgschaft und weitgehendste Unterstützung angedeihen zu lassen. Denn handelt es sich für die Jntelligenzgruppe Hei diesm Wahlen lediglich um eine Machtprobe, so bedeuten sie für das gesetzestreue Judentum in S^ßland eine der wichtigsten Lebensfragen, eine Prüfung, aus der der Geist der jüdischen Glaubenstreue hoffentlich geläutert und gestärkt hervorgehen wird. Oer 4. RveniStt iüufr Kochrmm-scha«. Die Sonntagsruhe. Nach langem Zögern, mancherlei verfrühten Meldungen und Dementis hat das „Reichsamt des.Jnnern" nunmehr die Grundzüge der in Ausarbeitung begriffenen Novelle zum Sonntagsruhe-Gesetz veröffentlicht. Die Beröffmtlichung lautet: Die Ermittelungen haben in Uebereinstimmung mit den früher von dem Beirat für Arbeiterstatistik veranstalteten Erhebung« ergeben, daß die volle Sonntagsruhe in Kontor« und in nicht mit offenen Verkaufsstellen verbunden« Betrieben durchführbar ist und daß eS nur der ausnahmsweisen Zulassung einer höchstens zweistündigen Befchüfttgung für gewisse Fälle und Gewerbezweige bedarf. TaS in dem vorläufigen, durch die Preffe bekanntgewordenen Entwurf einer Abänderung der gefetzlicheu Bestimmungen aufgestellte Prinzip der völligen Sonntagsruhe, daS in mehreren Gemeinden bereits ortSstatutartfch durchgeführt ist, wird stch für diese Betriebe daher aufrechterhalten lass«. Die Befugnis, eine beschränkte Beschäftigung zuzulafien, wttd den höheren BerwaltungSVehörben und der ortSstatutarifchen Regelung Vorbehalten fein. Für die offenen Verkaufsstellen, insbesondere für solche, die sich auf dem platten Lande, in kleinen und mittleren Städten befinden, hat ficheine «e Beschäftigungszett als notwendig erwies«. Die m vorläufig« Entwurf vorgeseh«e Ausnahme dürfte in der Praxis zur Regel geword« fein. Immerhin hat fich gezeigt, daß eine d r e t Kündige BeschäfttgungSzett (otsher fünf Stunden) allgemein ausretchr, losem die Ausnahmen für Gewerbe betbehalt« werden, ovc« Ausübung an Sonn- und Festtag« zur Befriedigung täglicher oder an dies« Tagen besonders httdortretender Bedürfnisse der Bevölkerung erforderlich ist. Eine Scheidung der Städte nach der Zahl der Einwohner und die gesetzliche Festlegung einer kürzeren Beschäfttgungszeit oder btt vollen Sonntagsruhe für die größer« Släbte hat fich nicht als zweckmäßig erwiesen. Die wettere Einschränkung und Untersagung der Beschäftigung wirb wie bisher dem Ortsstatut -überlass« werben kvnnm. ES kann erwartet werden, daß die Zahl dtt Städte, die einschränkende Bestimmung« etlaffm, stch auch ohne gesetzlich« Zwang rergrößttn wird. Die für ein« erweitert« Geschäftsverkehr freizugel enden Sonn- und Festtage werdm sich auf höhstms sechs im Jahre beschränk« lassen. Bet . der Festsetzung der Befchästtgungsstundcn wird zu beachten sein, baß die Beschäftigten am Besuche des Gottesdienstes nicht gehindert werden. Du ch Anordnung der höheren Verwaltungsbehörden oder durch OrtSstatut wird eine Berücksichtigung der an jüdischen Feiertagen gänzlich ruhenden Geschäftsbetriebe dahin zu ermöglichen sein, datzdiese die jüdischen Angestellten bis zur Dauer von drei Stunden in für den Berkehr geschlossenen Geschäftsräumen beschäftigen können. Bei der Berschiedenht it der Verhältnisse wird von einer einheitlichen Ladenschlußzeit am Sonntag (etwa 3 Uhr nachmittags) abgesehen werden müssen. Um jedoch zu verhindern, baß die Zwecke der Sonntagsruhegesetzgebung verekelt werden und um eine möglich einheitliche Durchführung im Reiche zu sichern, wird dem Bundesrat vorzubehaltm sein, nähere Weisungen sür die Anordnung« der Verwaltungsbehörden und eine nähere Regelung der Borausfetzungeu und Bedingungen der Zulassung von Ausnahmen und des Umfangs dieser Ausnahmen zu treffen. Aus dieser Veröffentlichung der „Neuen polit. Korrespondenz" geht nicht mit Sicherheit hervor, ob bereits ein paragraphirter Entwurf vorhanden ist, deffen Quintessenz wiedergegeben wird oder ob in der Tat nur diese Grundzüge zu einem erst auszuarbeitenden Entwürfe vorliegen. Wie dem auch sei — in doppelter Hinsicht berührt die Tendenz der Novelle überaus angenehm. Sie hält sich von dem Radikalismus des früheren Entwurfes, der Groß- und Kleinhandel, Stadt und Land prinzipiell über einen Kamm scheren wollte, fern, und sie bringt ferner zum ersten Male den grundsätzlich bedeutsamen Gedanken zum Ausdruck, daß der Gesetzgeber alle Ursache habe, die religiös und wirtschaftlich gleich bedrohlichen Folgen der absoluten Sonntagsruhe für die vitalsten Interessen der glaubenstreuen jüdischenStaatsbürger nicht gleichgültig zuzusehen. In der Anerkennung dieser Tatsache erblicken wir die eigentliche Bedeutung des Gesetzentwurfes für uns Juden. Materiell bleibt an den auf die sabbathfeiernden Kaufleute bezüglichen Bestimmungen mancherlei auszusetzen, auch wenn man sich auf den für uns selbstverständlichen Standpunkt stellt, daß es sich immer nur um die Gestattung von Bureautätigkeit hinter verschlossenen Türen handeln kann. Gerade unter dieser Einschränkung ist nicht abzusehen, warum eine Gestattung, die der Gesetzgeber in Erkenntnis der Sachlage offensichtlich für notwendig hält, in concreto erst wieder von dem guten Willen des Oberpräsidenten oder gar der Kommunalbehörden abhängig gemacht werden sollte! Unseres Erachtens müßte es gelingen, den Bundesrat und eventuell die Parteien des Reickstages für eine Beseitigung diesererschwerenden Bedingungen zu gewinnen, und es wäre die schönste Aufgabe der Verbände, die bisher in der Sache tätig waren, nach dieser Richtung ihren Einfluß geltend zu machen. Der Wiiltie Kafaßer in 9er Buhoroina. Wie unseren Lesern bereits bekannt, hat der Bukowinaer Landtag den Vorschlag des Permanenz-Ausschusses zur Schaffung einer jüdischen Wahlkurie abgelehnt und den von der Regierung abgeänderten Entwurf zur Wahlreform angenommen. Damit ist natürlich der auf beiden Seiten gleich wild tobende Kamps um die jüdische Wahlkurie noch lange nicht beigelegt. Auf der einen Seite, da wo sich die Herren Löwen st ein und Kuranda besinden, freut man sich ob dieses Sieges der Assimilation, zu dem die genannten Herren nicht wenig beigetragen haven. Auf der anderen Seite hebt man mit Befriedigung die prinzipielle Bedeutung des vom Permanenz-Ausschusse gestellten Antrages hervorder die jüdisch e Nationalität den anderen Völkerschaften des Kronlandes gleichstellen wollte, freut man sich ganz besonders über die Tatsache, daß die Vertreter aller Völker des Landes, mir Ausnahme der Deutschen, die aus die Handlangerdienste der Juden naturgemäß nicht verzichten möchten, sich in einer Resolution einmütig dahin aussprachen, daß die Zuerkeunung eines jüdischen Katasters in der Bukowina eine billige und gerechte Forderung sei, und vertröstet man sich ferner auf die Zeit, da die Regierung B ienerth, die gewiß keinen Anspruch aus Unverwüstlichkeit erheben kann, von einer anderen abgelöst wird, von einer solchen, die für die Interessen der nationalen Gruppen, auch der kleinsten, mehr Sinn und Verständnis zeigen wird. Die gesetzestreuen Juden der Bukowina haben sich sehr wenig an der ganzen Campagne beteiligt. Diese stoische Ruhe, während der Kampf von beiden Seiten so wild tobte, ist nicht in natürlicher Apathie und Interesselosigkeit begründet, sondern einzig in der völligen Aussichtslosigkeit des Kampfes, die sie unter den gegebenen Verhältnissen von vornherein erkannten. So erschien es ihnen zwecklos, der Regierung, die eigentlich in guter Absicht und aus Erwägungen, die zum guten Teil auf Irreführung seitens der jüdischen Abgeordneten aus der neologen Faknltät beruhen, gehandelt hat, zu opponieren. Der Kampf ist aber, wie schon bemerkt, noch lange nicht aufgegeben und wird bei der Aufstellung der jüdischen Minoritäts- Mandate innerhalb der deutschen Kurie von neuem entbrennen. Eine etwaige „Neutralität" euilleton Zu Triedricb Schillers 150. Geburtstage. 10. November 1909. Aus fernen lichten Sphären blicket heute Ter Deutschen großer .Sohn verklärt herab Zu seinem Volke, dem er Gaben streute Und Schätze, reich und unverwelklich, gab. Wo einstmals er gewandelt mit der Leier Und wo sein hoher Geist gigantisch schritt, Ta rüstet man zur Dank- und Ehrenfeier; Tie weite Welt der Edlen feiert mit. Nicht enger Zeiten Raum gehört der Große, Ter Scholle nicht, die glücklich ihn gezeugt. Unsterblichkeit verleiht mit seinem Loose Ter Schöpfer ihm, vor dem die Welt sich beugt. Sind hundert Jahre auch und mehr entschwunden, Seitdem die Zeit ihn ries zur Grabesnacht, Vergänglichkeit und Tod sind überwunden' Tütch seiner Worte Geist und Zaubermacht. Tie Fttne sich der Heimat froh verbündet, Allüberall gefeiert wird der Held, Teks' edle Kunst die Herzerr labt, entzündet Und stählt im Kampfe mit der niedren Welt. Es wuchs und wächst die große Tafelrunde Ter Freunde, die sein Genius gebannt. Auch Israel fehlt nicht in diesem Bunde, Auch Israel ist g e i st i g nah verwandt. Tas Volk, dem Abraham die Wege bahnte, Ter Heidentum und Finsternis bezwang; Ein Volk, das GotlesFeuer stimme mahnte Zur N ä ch st e n I i c 6 e auf dem Lebensgang; Ein Volk, das "stets zu dulden sich gewöhnte. Das niemals feig der Väter Treuschwur brach; In deffen Mitte mutvoll laut ertönte Tie Stimme der Propheten, sorgsam wach; Ein Volk, das einstens seinem.David lauschte Wenn Gott, Natur und Welt er fromm besang, Wenn er das Szepter mit der Harfe tauschte, Tie freudig hell und bald in Wehmut klang; Ein Volk, das in dem Drucke dunkler Zeiten Tie lichte Spur der Hoffnung nicht verlor, Tas selbst beim Uebermaße seiner Leiden Ten, freien Blick zur Sonne hob empor: Ties Volk kann, Dichter, Dich verstehen In Teinem Ringen nach der Wahrheit Licht, Bei Deinem Streben nach den höchsten Höhen Nach Tugend, Liebe, edler Menschen- Pflicht. Was Du gezeigt als. schönste Lebensziele, Tie Erde schon ein herrlich Paradies, Wie Echo weckt's in uus'rer Brust Gefühle, Tie unser Volk sich nimmer rauben ließ! Zur stillen Gruft bist Du hinabgesunken, Tein Wesen aber bleibt uns ewig nah. In Deinem Geiste lebt' der Gottheit Funken, Tie Tich zrrm Menschheitspriester ausersah. Soviel man auch der Gaben immer legte In Ehrfurcht aus das hundertjähr'ge Grab, Gering e.rscheints sür den, der heilig pflegte Tie schönsten Güter, die der Herr uns gab. So nahet Israel in Ehrfurcht jener Stätte, Tie einst Dein erster Geistesblick erhellt. Tein Wirken bleibt ein G l i e b in jener Kette Von ew'gen Pflichten, die uns Gott gestellt! Tie Palme soll a n s Juda drum nicht t e h l e tt T e m Herold, dem gleich uns als Schön st es galt. Die Welt mit allem Hohen zu vermählen. Tein N am e bleibt von ew ' gem Ruhm FeKrahlt. Lehrer A. Mannheimer-Tettelbach. Zu Schülers iso. Geburtstag. Es war vor 50 Jahren. Der 10. November war gekommen, und in weiten deutschen Landen und drüben über dem Ozean feierte man Schillers hundertjährigen Geburtstag. In der damals recht kleinen Arlla der Schule der Israelitischen Religionsgesellschaft stand der

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