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Der Israelit · 1909-10-28 · Heft 43 (28.10.1909) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 43 (28.10.1909)
Date
1909-10-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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"28. Oktober 1909. \ % armUng der jüdischen Bevölkerung in Rumänien geführt. Soll also die unter solch großer Begeisterung begonnene Regenerationsarbeit unserer Mackeren Gesinnungsgenossen in Rumänien nicht schon beim Anfang Schiffbruch erleiden, so liegt uns die Pflicht ob, sie tatkräftig zu unterstützen. Sollen sich die an die Gründung dieser Anstalt geknüpften Hoffnungen verwirklichen, so müssen wir alles daran setzen, daß die Anstalt bestehe, erstarke und sich entwickle, damit sie zur Schule der ganzen rumänisch-jüdischen Jugend werde. ttt unserer Hand liegt es, ob das rumänische udentum geistig und sittlich erwache, oder ob es in die alte Lethargie zurückfalle, aus der man es zum zweitenmale schwerlich wird erwecken können. Wir klagen die Alliance an, daß sie mit ihren Schulen und dem in ihnen herrschenden Geiste die jüdische Jugend des Orients dem Judentum entftemde. Hier bietet sich uns die Gelegenheit, zu zeigen, ob unsere Klagen wirklich dem um die Zukunft des Judentums besorgten Herzen entstammten. Hier ist eine Schule gegründet worden, deren Leiter zu den Führern des gesetzestreuen Judentums gehören, zeigen wir, indem wir diese Anstalt ihnen erhalten und entwickeln helfen, daß wir auch für unsere heiligsten Güter zu leisten und zu opfern bereit sind. Spenden für die Schule nehmen die Leiter der Anstalt, Rabbiner Mendel Friedmann und David Twesky inBuhufchi (Rumänien) entgegen, ebenso die Herren Rabbiner Dr. Salvendi- Dürkheim und Bamberger-Würzburg. Palästina. Jerusalem, 18. Oktober. Die Stadtverwaltung veröffentlicht die Einzelheiten eines provisorischen Vertrags, den sie mit einer deutschen Firma abgeschlossen hat, und ladet auch andere Bewerber zur Einreichung ihrer Offerten ein. Die Firma verpflichtet sich, aus der Ain- Faraquelle, 18 Kilometer nördlich von Jerusalem, Wasser nach der Stadt zu leiten, und 2 - 4000 cdm täglich zu liefern. 70 cbm werden täglich der Stadtverwaltung zur unentgeltlichen Verteilung an die arme Bevölkernng Jerusalems überlassen, den Rest verkauft die Gesellschaft zum Höchstpreise von 1.25 Frs. pro Kubikmeter. Die dem Staat oder der Stadt gehörigen Terrains, die zur Errichtung der Wasserleitung für die Gesellschaft notwendig sein werden, werden ihr unentgeltlich übertragen, die privaten Grundstücke zu einem von der Regierung festgesetzten Schätzungswerte abgetreten. Der Import sämtlicher Materialien für das Wasserwerk ist zollfrei. Die Konzession wird auf dreißig Jahre erteiltnach Ablauf dieser Frist geht das gesamte von der Gesellschaft errichtete Wasserwerk mit aller Einrichtung ohne Entschädigung ins Eigentum der Stadtverwaltung über. Als Garantie für Einhaltung des Vertrags, falls die Stadtverwaltung nicht zurücktreten sollte, hat die unternehmende Firma 20.000 Frs. bei der deutschen Palästina-Bank in Jerusalem deponiert. Alle von der Gesellschaft anzustellenden Beamten müssen, mit Ausnahme der leitenden technischen Kräfte, ottomanische Staatsbürger sein. Hoffen wir, daß aus der Sache etwas wird. Es wäre wenigstens ein Anfang zur Besserung. Amerika. New-Aork, 20. Okt. Die Verhandlungen zwischen der Amerikanischen Botschaft in Petersburg und der russischen Regierung, wegen Anerkennmtg der Pässe amerikanisch-jüdischer Bürger, haben, wie gemeldet wird, bereits zu guten Resultaten geführt. Die russische Regierung hat sich schon zu folgenden Zugeständnissen bereit erklärt. Die russische Regierung ist geneigt, Juden mit amerikanischen Pässen den Aufenthalt in Rußland zu gestatten, wenn sie Nachweisen: 1) daß sie nicht in Rußland geboren wurden, 2) daß, wenn sie in Rußland geboren wurden, vor ihrem 14. Lebensjahre, d. h. in einem Alter ausgewandert sind, da sie noch nicht nach _ Der Israelit.___ eigenem Willen gehandelt haben, 3) daß sie nach Rußland kommen, nicht um ständig hier zu bleiben, sondern nur auf eine bestimmte Zeit, um geschäftliche- Verbindungen anzuknüpfen, wobei sie sich verpflichten, zur Durchführung ihrer Geschäfte Russen anzustellen, 4) für den Fall, daß sich in politische Angelegenheiten mischen sollten, so sollen sie den russischen Gesetzen unterworfen werden, gleich wie wenn sie nicht amerikanische Bürger wären. Hiernach wären allen jenen russischen Juden, welche nach ihrem 14. Lebensjahre ausgewandert sind und amerikanische Bürger wurden, die Rückkehr nach Ruß'and nach wie vor unmöglich. Diese Maßregel begründet die russische Regierung mit den russischen Staatsgrundgesetzen, wonach ein russischer Untertan ohne Erlaubnis der Regierung nicht Bürger eines anderen Staates werden kann. Die amerikanische Regierung hat diese russischen Vorschläge nicht angenommen. Die Verhandlungen werden fortgesetzt. Oelmttcdter. Breslau, 26. Ott. Zur Richtigstellung der auch von Ihnen gebrachten Notiz, daß Herr Kommerzienrat Benjamin Hirsch an dem Berbandstag der deutschen Juden ietlgenommen hat, teile ich Ihnen mit, daß Herr H. wohl ins Büro gewählt wurde, aber während der Verhandlungen überhaupt nicht in Breslau anwesend war. Interessant ist übrigens, daß trotz dr Mitwirkung einiger führenden orthodoxen Persönlichkeiten, deren der Verband fich in seiner in der vorigen Nummer des „JSraelit" veröffentlichten Zuschrift rühmt, es doch nicht für nötig befunden wurde, wie in früheren Jahren, nach dem Festessen offiziell das Tischgebet zu verrichtenes wur' e vielmehr einzelnen betlustigen Teilnehmern gestattet, in Grüppchen Mesummon zu benschen. We ßeuburg i. E., 20. Okt. Anläßlich der Einweihung des ftanzöfischen Kriegerdenkmals auf dem Gaisberge fand auch in der htestgen Synagoge am 16 ds. Mts. in Anwesenheit der Vertreter deutschen und fran zöstschen Behörden und der Geistlichkeit aller Konfessionen eine erhebende Gedenkfeier statt, bet welcher Herr Rabbiner Dr. Koch in deutscher und französischer Sprache das Andenken der gefallenen jüdischen Soldaten feierte. Baumvach, 20. Oktbr. Die hiesige Synagogengemeinde hat einen eigenen Begräbntsplatz erworben, der heute, gelegentlich einer Bestattung, in feierlicher Weise eingewetht wurde. Fraustadt, 20. Okt. Die hiesige jüdische Volksscl ule ist von der Regierung aufgelöst worden. Uerei«$wc$tn. Frankfurt a. M., 25. Okt. Wenn einer Familie der Vater und Ernährer genonimen wird, so hört gewöhnlich die Trauer mit den dorgeschriebencn Trauerwochen nicht auf, so macht fich im Gegenteil der schmerzliche Verlust erst dann recht geltend, wenn die Tra er von der Arbeit wieder abgelöst werden soll, der Arbeit, die der Dahtngrgengene und nur er so leisten konnte. Das fühlten wir so recht als wir letzten Sonntag Nachmittags 6 Uhr das Bereinslokal des „M ekor Chajtm" betraten. Ev sind wohl Wochen dahingegangen, seitdem uns der treue Lehrer, der herrliche Mensch undJehudi,JuliuS Hirsch b genommen wurde, und gebührend ist der Schmerz von allen Setten zum Ausdruck gebracht worden. Heute aber, da der Verein wieder seine Arbeit ausgenommen, ohne ihn, den Meister und Lehrer, auf seinem Platze zu sehen, da wurden wir der Größe dcS Verlustes so recht tnne. Er fehlt unS, und eS wird dem Vereine schwer fallen, die Lücke auszufüllen. ES war alles wie ehedem, die gleiche Stunde, die gleiche Raum und die gleiche Versammlung, nur zahlreicher, ergriffener, und fast schien es, als würde fich j.tzt in gewohnter Weise das „Ieschajohu-Buch' uuftun, aus d m Julius Hirsch und allwöchentlich um diese stunde die herrlichsten Perlen jüdisch r Lehr- und Lebens- Weisheit hervorzuzaubern wußte. Aber an seiner Stelle stand ein anderer, und die Worte, die vom Kalheder kamen, waren heute einem Andenken geweiht. Herr Rabbiner Dr. B o n d i aus Mainz hielt eine Gedenkrede und fand die richtigen Worte, um das Bild des Meisters treffend zu zeichnen. „Man pflegt die jüdischen Großen, so ungefähr mhrle er in setnerE n^tung aus, nicht durch Denkmäier zufetern, und das flutende jüdische Leben in seiner Gemeinde spricht für daS Leben und Wirken eines SamsonRaphael Hirsch y^T eindringlicher und beredter als alle Denkmäler, die je eme dankbare Welt ihren Großen gesetzt hat. Vielfarbig und vielgestaltig wirkte der Geist Htrschs durch seine Söhne, die, den verschiedensten Berufen angehörend, alle ab r im Geiste ihres großen Vaters wirkten und jeder auf seine Art dessen LebenSwerk fortsetzte. JultuS Hirsch b XI/ der Mann der Tat und des praktischen Lebens, konnre xanz besoners mufterglllig auf alle wirken, die da g aubcn, in ihrem Erwerbsleben nicht mehr alle Grundsätze der Thora mit gleicher unerschütterlicher Treue etnhalten zu können." Mit dem Wunsch«', daß der Geist des LehrerS im „Mekor Chajtm-Veretn" Seite S. Nr. 43. weiter leben und weiter wirken möge, schloß der Vortragende seine eindrucksvolle Rede. Auf seinen Leh«kurs übergehend, entwarf der Redner ein anschauliches und nach vielen Richtungen hin höchst interessantes Bild aus der Geschichte der letzten Könige in Judadie zum Teil neuen Gesichtspunkte, von denen der Redner bet der Behandlung seines Themas auSgtng, find umsomehr von höchstem Interesse, als sie die Haltlosigkeit mancher btbelkritischer Hypothesen unwtederleglich ergaben. Beide Borträge fanden den ungetet ten Beifall der sehr zahlreichen Versammlung, an welcher auf Einladung des Vorstandes auch die der Familie Julius Hirtch ^"^7 angehörenden Damen teilnahmen. Frankfurt a. M., 25. Oktbr. Die „Jüdische Frauen-Bereintgung" eröffnete am Mittwoch, 20. Oktober, ihre Winter arbett im Hörsaale der Synagoge Schützenstraße 14. Im Namen des Vorstandes begrüßte Fräulein Emma Bär die zahlreich Erschienenen und gab einige Erläuterungen über die m Programm vorgesehenen Lehrkurse (die Montag, 35. d. M. begonnen) und den vielfach gewünschten Lesezirkel. Hierauf ergriff Herr Dr. Josef Breuer daS Wort zu seinem Bortrage: „Unsere Losung". Er charak eristerte kurz die den wissenschaftlichen Bestrebungen der Menschheit zu Grunde liegenden Prinzipien, in deren einseitiger Förderung und Befruchtung der Erkenntnis oder deS Willens im Menschen, der ohnmächtige Kanipf der Wissenschaft gegen die Finsternis, die ungestillte Sehnsucht der Menschen nach fttedltchem Glück und hetlvoller Harmonie, sowie alle häßlichen Erscheinungen in der Menschengeschichte bis auf die Gegenwart ihre alleinige Erklärung finden. Hierauf entwickelte der Redner die der jüdischen Wissenschaft eigenen Richtl nten: sie sei Wissenschaft und Gesetz zugleich, erzeuge geistige« Erkennen und fittlicheS Wollen, erfasse, in gleicher Weif.' beherrschend, die dem Menschen verltehme Kraft geistiger Erkenntnis und fretwollender Tat, sein ganzes Seelenleben, seinen ganzen ffn, d. t. die vom göttlichen Schöpfer in seinem Innern entzündete Doppelltchtquell?. Sir mache somit im Gegensatz zu den anderen Wissenschaften Ernst mit der auch von ihr beanspruchten Metapher des LichtS, in der fie nickt nur den Repräsentanten geistiger Erkenntnis, sondern auch die Leben und Bewegunci erzeugende Urkraft erblicken. Sie sei daher in ihrer Wesensgestalt im Grunde genommen dieselbe W.sienschaft, die einst dem Menschen die ParadteseSseltakett bedingte, zu deren Wtedergewinnug fie allein die Wege weise. Der jüdischen Frau erwachse im Dienste dieser Wissenschaft die Aufgabe einer Pfadiveiserin, tbre Hand entzünde daS Doppellicht deS *°VDT .'und ihr Mund verkünde, im Sinne des iyre Berufsaufgabe verherrlichenden Liedes, Thauras Chesscd, Begriffe, deren Identität mit den Fundamentalsätzen der jüdischen Wissenschaft, der Redner nachwieS. Berlin, 35. Okt. Herrn Rabbiner H o r o v t c z aus Jerusalem, den Vertreter der Deutsch-Holländischen Palästina Verwaltung, der fich, wie in diesen Blättern schon berichtet, auf einer Vortragstournee durch Deutschland befindet, um aufklärend und propagierend über die Reorganisation der Chaluckah und für ihre finanzielle Sicherstellung u wirken und zu reden, führte sein Weg letzten Mittwoch auch in unsere Stadt. Eine stattliche Anzahl Zuhörer — Herren und Damen — hatte fich auf fite Einladung, die von der Palästinakommisston der „Freien Bereinigung" in Verbindung mtt den „Pcktdim und Amarkalim" ergangen war, in „Dräsels Festsäien" eingefunden. Wir bemerkten eine große Anzahl bekannter Palästina-Freunde, von denen hier nur Rektor Dr. Hoffmann, Rabb. Dr. Eschelbacher, Rabb. Dr. Munk, Dr. M. Hildeshe mer, Dr. Heinrich Löwe, die Rechtsanwälte Dr. Gronemann und Dr. Klee, Hermann Struck angeführt feien. Herr Dr. Eduard Btberfeld eröffnete die Versammlung mit herzlichen Begrüßungsworten und stellte den Redner deS Abends, Herrn Rabb. Horovicz, vor, welcher sogleich zu seinem Referate: „Die Chaluckah einst und jetzt" das Wort ergriff. Wer können es unS an dieser Stelle ersparen, das schöne und begeisternd wirkende Referat dem Inhalte nach Wiederzug ben, da den Bersam i lungen in Frankfurt a. M. und Nürnberg hier schon berichtet ist. Wir wollen nur erwähnen, daß reicher Beifall den Redner für seine Ausführungen lohnte. Der Borfitzende eröffnete nunmehr die Diskusfion, die fich sehr lebhaft gestaltete und bis 1 Uhr hinzog. In der Db kusfion wurde mtt erfteulicher Offenheit von zionistischer Sette auf die, nach /»nficht der Herren, der Chaluckah bisher anhaftenden und jetzt beietttgten Schäden htngewirsen, erfreulich deshalb, weil dadurch dem Borntzenden, Herrn Dr. Biberfeld, Gelegenheit gegeben wurde, in ausführlicher und sachlicher Weife die Pläne der Reorganisatoren zu entwickeln und in großen Zügen das Programm vorzutragen, daS fich die Freie Bereinigung" in Verbindung mit oen „Pektdtm und Armakaltm" gestellt hat. Bor allem interessierte an seinen Ausführungen, daß an erster Stelle der eingeführten Neuerungen der Satz stehe, daß der Anspruch aus Chaluckah nicht mehr alS erbliches Recht gelten dürfe. Im Zusammenhang mit diesen seinen Ausführungen kam dann der Redner a if die Anklagen zu sprechen, die von der gleichen Sette gegen die pla, mäßige Erziehung von Jüngern der n*")7ri/ gerichtet worden waren, weil darin eine Erziehung zum Bettel zu erblicken sei. Es muß als der wirksamste Moment des Abends bezeichnet werden als Redner mtt Entschiedenheit diese Anklagen zurückwteS und eS .in überzeugender Weise als Ideal zeichnete i US Palästina ein Reservoir

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