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Der Israelit · 1909-10-28 · Heft 43 (28.10.1909) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 43 (28.10.1909)
Date
1909-10-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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■..•„l-y'1*' ->*r*>‘* >;'• -t*- 'V-JV'rT. . -v V^- 88. Oktober 1909 Der 3f9saeltl «o. 43 Mtt 3 schlaueren Instruktionen. Der Abgesandte, oder die Abgesandten, sammeln einfach in Deutschland für die „Armen Jerusalems" und suchen den Anschein zu erwecken, als kämen sie im Aufträge der Amsterdamer Verwaltung. So ist uns z. B. aus Breslau geschrieben worden, daß einer der Herren dort versuchte, Gaben für die Deutsch-Israelitische Gemeinde in Jerusalem zusammenzubringen, und daß auch eine ganze Reihe von ahnungslosen Gesinnungsgenossen darauf hineingefallen sind. Wir möchten daher alle diejenigen, denen an der Durchführung des Reorganisationswerkes gelegen ist, aufs dringendste davor warnen, jenen Abgesandten direkte oder indirekte Förderung angedeihenzu lassen, vielmehr in jedem einzelnen Falle eine ausdrückliche Vollmacht von Seiten der Amsterdamer „Pekidim" zu verlangen. Nur wenn auch dieser neue Verwirrungs-Versuch scheitert, können die aufgeregten Gemüter beruhigt und allmählich zu der Ueberzeugung gebracht werden, daß das Reorganisationswerk nicht etwa den europäischen Gebern, sondern den Armen und Unglücklichen im Heiligen Lande zugute kommen soll und wird. Her drifte Judenfag In stattlichem äußerem Rahmen, aber — wie die verbandsfreundliche Presse fast durchweg betont — ohne den Elan der früheren Tagungen hat sich die dritte Hauptversammlung des „Verbandes der deutschen Juden" in der schlesischen Hauptstadt abgespielt. Wie immer wurde die Tagung auch diesmal durch einen Vortrag religiösen Charakters eingeleitet, dessen Gedankengang in dem vom „Verbände" an die Presse versandten Bericht wie folgt wiedergegeben wird. Ter Versöhnungsgedanke des Judentums, wie er sich vor allem in' der Feier des Bersöhnungstages ossenbart, gründet sich auf den Glauben an die Liebe Gottes. Weil Gott ein Gott der Liebe ist, darum hat er den Menschen in seinem Ebenbild erschaffen, hat er ihn mit der Anlage und Fähigkeit ausgestattet, sich fortschreitend immer mehr und mehr zu einem Gl^icbnis Gottes heranzubilden, sich zu immer höherer sittlicher Vollkommenheit durchzuringen. Die Gottesebenbildlichkeit des Menschen ist nach der Lehre des Judentums gleichsam ein ebaraeter indelebilis, ein unauslöschliches Merkmal seiner menschlichen Natur, in jedem einzelnen Menschen sich erneuernd und ihm als eine Gnadengabe Gottes mit auf den Lebensweg gegeben. Das Judentum leitnt keine Gebundenheit »es Willens, wie sie sich mit unentrinnbarer uonsegnenz aus der Lehre von der Erbsünde ergibt, die, von Augustin begründet, für die gesamte Entwicklung der christlichen Dogmatil maßgebend geworden ist. Wir treten in das Leben ein in der oölitgcit Reinheit und Ursprünglichkeit unseres gottentfprungenen Wesens, als ob wir das erste Menschengebilde wären, „Nur nicht gleich so wild," gab der Riese zurück, „zum Niederschlagen braucht'? zwei, einen der schlügt und einen der sich schlagen läßt. Und init Deinem Brautstand brauchst Du auch nicht so dicke zu run. Bis Du das Geld beisammen hast, das Du haben mußt, um die Erlaubnis zun: Heiraten zu kriegen, hat die Else graue Zöpfe, wenn sie's überhaupt erlebt." „Sörensen, es gibt ein Unglück," rief der Augeredete, indem er aufsprang mib auf seinen Gegner mit geballter Faust losging. In demselben Augenblick aber war auch das - Mädchen aufgestanden und verließ ohne ein Wort zu sprechen das Lokal. Sie wußte, daß ihr Bräutigam sie nicht allein in dunkler Nacht gehen lassen werde und daß ihr Fortgehen das sicherste Mittel sei, einen Streit zu verhüten. Kaum hatte sie die Düre hinter sich zugeschlagen, als ihr in der Tat ihr Bräutigam folgte. Sie wartete auf ihn vor der .Haustüre. „Du meinst wohl, daß ich im Streit mit dem Prahlhans den kürzeren ziehe und bist deshalb fortgegangen, damit ich's auch so mache," sagte begütigend der Matrose zu seiner Braut. „Wenn Du das meinst,. kennst Du mich schlecht, mit einer einzigen Hand hätte ich ihn niedergeschlagen und hätte die andere dabei in die Hosentasche gesteckt. Komm doch noch einmal auf zwei Minuten zurück und Du wirst selber sehen, wie rasch ich mit ihm fertig werde." „Daß Du mit der .Hopfenstange leichtes Spiel haben wirst," entgegnete die Braut, „das weiß ich. Llber Du darfst nicht vergessen, daß bei einem Streit fast alle sich auf seine Seite stellen und Du außer mir keinen hast, der's mit Dir hält. Deshalb gehen wir besser fort, das ist das einfachste." (Fortsetzung folgt.) das aus Gottes Schöpferhand hervorgegangen ist. Wir sind frei und können uns auch wenn wir gesündigt haben, durch unsere eigene Kraft wieder zu ewiger Vollkommenheit emporringen, weil wir ein Gleichnis Gottes und in seinem Ebenbilde geschaffen sind. Der Versöhnungsgedanke des Judentums, in dent Glauben an die sittliche Bestimmung des Menschen als Ebenbild Gottes' begründet, vollzieht sich in uns durch die Erneuerung des sittlichen Ideals, das dieser menschlichen Bestimmung entspricht. „Heilig sollt ihr sein, wie ich der Ewige Euer Gott heilig bin." Weil Gott heilig ist, darum soll der Mensch danach trachten, heilig zu werden, dautit das Ebenbild Gottes in ihm zu immer höherer Entfaltung, zu immer vollkommenerer Verwirklichung gelange. Natur und Sittlichkeit zu einer idealen Einheit zusammenfassend, hat das Judentum niemals die Mbtötung des Fleisches, die feindliche Abkehr von der Welt, den Verzicht auf jeden Genuß des Lebens gefordert. Stellt die Heiligkeit das sittliche Ideal dar, das wir als Menschen zu vertreten haben, so kamt sie von uns nicht eine Vergewaltigung der menschlichen Natur fordern, zu der nun einmal auch die sinnliche Seite unseres Wesens gehört. Jeder Kraft des Körpers und der Seele soll, wie Jehuda Halevi sagt, das ihr gebührende Maß znkommen: die gleichmäßige Ausbildung des ganzen Menschen ist der Lehre Ziel. Die Wiederherstellung des inneren Friedens, der Harmonie und Einheit in seinem Leelenleben führt den Menschen zum Frieden mit Gott: die Versöhnung des Menschen mit sich selbst ist die Vorbedingung seiner Versöhnung mit Gott. Jeder Mensch muß imb kann nach der Lehre des Judentums sein eigener Erlöser sein: wir bedürfen keines Mittlers, keines irdischen und keines überirdischen, um zur Versöhnung mit unserem Gotte zu gelangen. Nicht der Messias erlöst die Menschheit von der Sünde, sondern, wentt die Menschheit durch ihr eigenes Ringen von der Sünde sich befreit hat und zu sittlicher Vollkommenheit lerangereist ist, da it n i st der M e s s i a s für sie ge - kommen. (!! Red.) Ein Bild der Versöhnung nach Innen stellt der Verband der Deutschen Juden dar, in dem alle idealen Kräfte in der deutschen Judenheit zusammeuwirken sollen zum .Heil des Ganzen. Er will dem Judentum in unserenr Vaterlande zur freien Entfaltung seiner Kräfte verhelfen, daß es seine Aufgabe im Dienste des Völkerlebens erfüllen, an den die Menschheit versöhnenden Kulturausgaben in seiner Weise sich beteiligen können. Der G u t tm a n n' s ch e Vortrag, der — bis auf eine noch zu erörternde Wendung — in sehr geschickter Weise Ge dankenreihen ausrollt, über deren positiven Inhalt weder unter den Juden, noch darüber hinaus im Kreise rein theiftisch denkender Menschen Meinungsverschiedenheiten bestehen, fand natürlich lauten Beifall und wir stehen nicht an, uns dieses rednerischen Erfolges zu freuen. War das Referat doch auf alle Fälle geeignet, den neolog gesinnten Kreisen, aus denen sich das Publikum des Berbandstages zu neun Zehnteln rekrutiert, ihr jüdisches Rückgrat ein klein wenig zu stärken und den in Mischehe und Taufe sich bekundenden zentrifugalen Tendenzen entgegenzuwirken. Freilich — dieAbsichten, die der „Verband" selbst mit seinen religiösen Abhandlungen auf den Tagesordnungen der Verbandstage verfolgt, (Der Halleh'sche Komet im Talmud.) "u der Zeitschrift „Das Weltall" schreibt Rabbiner Wolf Gerstl in Jaryczow (Galizien): Es wird im Talmud (Barachot 58) von den Kometen gesagt: „Atrf Zikim", d. h. zu einer Zeit, während der man einen Kometen sieht, „soll man Gott loben mit der Lobpreisung: „Gelobt sei Gott, daß die ganze Welt seiner. Kraft voll ist." Hierauf fragt der Talmud: „Was ist Zikim?" Darauf antwortet Samuel: „Kochbe Tesstawit", d. h. Rutensterne, Sterne mit einem Schweif wie Ruten. Ebenso heißt es int 5. Buch Moses 24, 17, von einem Kometen: „Es wird ein Ltern aus Jakob aufgehen und ein Komet aus Israel." Hierzu sagt wieder Samuel: „Es sind mir gut bekannt die Bewegungen aller Sterne, wie die Wege in meinem Heimatsörle, ntit Ausnahme der Kometen, dock« ist allbekannt, daß der Komet das Sternbild Kesil niemals durchzieht, sonst ist ein Untergang der Welt ztt befürchten." Nun fragt wieder der Talmud: „Wir sehen aber doch, daß der Komet den Kesil durchzogen hat." Hierauf folgt die Antwort: „Nein, nur der Schweif des Kometen ist durch den Kesil hindurchgezogen, nicht aber sein Kern." Rabbino, der Sohn Jeschuas, sagt: „Die Kometen sind nur optische Täuschungen aus den feurigen Regionen des Himmels." Ebenso sagt Aristoteles: „Unsere Erde ist von drei verschiedenen Luftregionen umgeben, die untere, die zweite, welche nicht mit unserer Erde oerbnnden ist, ist sehr kalt, die dritte endlich, wegen der Nähe der feurigen Regionen, weniger kalt (im Talmud „Wielon"), sie nimmt schon Teil an der Bewegung des Vrimum mobile (im Talmud „Rukio"), der 24stündigen Bewegung des ganzen Himmels. Die rasche Bewegung, vielleicht auch die Nähe der Feuerregionen oder die Wirkung der Sonne, läßt diese Massen in Brand geraten, und sie werden dann der Erde als sind diesmal — gewiß nicht zufällig — einigermaßen vereitelt worden. Und dazu haben in einträchtigem Zusammenwirken Herr Rabbiner Dr. Guttmann und der Oberpräsident der Provinz Schlesien, Staatsminister Graf von Zedlitz-Trützschler, redlich beigetragen. Die politischen Pläne des „Verbandes der deutschen Juden" laufen bekanntlich darauf hinaus, die ganze deutsche Judenheit bis zu dem Grade zu „einigen", daß der Verband allein, oder bester die grade maßgebenden Herren der Verbandsleitung als Obervormünder der deutschen Juden und namentlich als einzige Vertreter aller jüdischen Interessen gegenüber der R e g i e - run g anerkannt werden. Diese Aspirationen, zu denen sich der „Verband" wiederholt in der offenherzigsten Weise bekannt hat, begegnen nun einigen, wir möchten sagen: staatsrechtlichen Schwierigkeiten. Staatsrechtlich existiert nämlich die Gesamtheit der jüdischen Staatsbürger lediglich als Konfession, will sagen als ein zu den gleichen religiösen Neberzeugungen sich „bekennender" Kreis von Personen. Wäre das nicht der Fall, wären die Juden dem Staate eine Gruppe von Staatsbürgern, die durch gemeinsame Geschichte, durch Blutsverwandtschaft oder gar durch Nationalität geeint dastehen, so könnte der Verband allenfalls hoffen, seinen Anspruch auf Alleinvertretung der jüdischen Gesamtheit, ungeachtet der nun einmal vorhandenen, religiösen Gegensätze, der Oeffentlichkeit sowohl wie den Behörden ohne künstliche Veranstaltungen plausibel zu machen. Da der Verband aber aus Furcht vor einer Schädigung seiner politischen Emanzipationsbestrebungen jene einigenden Momente nicht betonen darf, da er als angebliches Band der Einheit immer nur gerade das hinausschreien >- muß, was die Judenheit wie nichts anderes, in zwei oder drei Teile trennt, die confessio nämlich, das religiöse Bekenntnis, — so befindet er sich in unausgesetztem, offenkundigem Widerstreit mit den Tatsachen. Um diesen Widerstreit zu verhüllen, um zu politischen Zwecken die Einheitlichkeit der religiösen Ueberzeugung vorzudemonstrieren, läßt der Verband seine Heerschau durch einen religiösen Paradevortrag einleiten, zu dessen Ausführung natürlich die Jünger der Breslauer Richtung mit ihrer glücklichen Mischung von Pietät und Leugnung gradezu historisch prädestiniert sind. Wer sich diesen Sachverhalt vor Augen hält, dem verlieren die Vorgänge auf dem Breslauer Judentag den Charakter des Zufälligen Es ist kein Zufall, daß in einem Vortrag, der doch gewiß ängstlich alles vermeiden sollte, was die religiösen Gefühle der Orthodoxen verletzt, die ganze jüdische Messiaslehre, das ganze DK ■ft , > I- '3 J 4 ■y? -J VJ d Kometen sichtbar." (Aritoteles de coelo II, 3.) Ferner heißt es im Talmud: „Rabbi Aschi sagt: zwei Kometen sind es, einer kommt von der Gegend des Sternbildes Kesil, der zweite erscheint wieder auf der anderen Seite. Es scheint so, als ob ein und derselbe Komet durch Kesil hindurchgezogen ist." Kesil (Hiob 38, 3l> ist nach dem Talmud Orion. Zu der Zeit Samuels, int Jahre 4009 der jüdischen Zeitrechnung, gleich 248 d. übl.,Ztr., im neunten Jabr der Regierung Tsching-Ki, sah man im August einen Kometen im Sternbild des Raben. Wahrscheinlich stand der Komet im Kesil nahe der Sonne, oder wie man damals annahm, bei der Erde, und nach dem Durchgang durch das Perihel erschien er wieder an der anderett Seite des Kesil. Daher rührt vielleicht die Annahme, daß der Komet unmöglich den Kesil durchziehen tann und die Befürchtung eines Zusammenstoßes mit der Erde. Letzteres ist immerhin möglich. Samuel berichtet zwar, daß nach der Ueberliefrrung die Erde niemals durch einen Kvmeten untergehen wird. Auch itn Talmud (Horioth 10) wird vom Hallet)'schert Kometen gesprochen, dessen Umlaufszeit dort auf 70 Jahre berechnet wird, wobei zu berücksichtigen ist, daß im Talmud oft nur runde Zahlen angegeben werden. (Die Inden Athens. » In einem der rechtsseitigen Ausstrahlungen der Hermesstraße, die sich vom königlichen Palast bis in die Nähe des Theseus-Tempels in gerader Linie hinzieht, haben sich die Juden Athens angesiedelt. Eine Baumgruppe bezeichnet die Stelle, wo eine Seitenstraße zu dem von ihnen bewohnten Häuserkompler hinleitet. Es sind unansehnliche, regellos zusammenstehende Bauten. Die Männer gehen den Tag über ihren Geschäften nach. Sie sind zumeist kleine Händler, die mit Stoffen und Bändern die Straßen durchziehen und sich mühselig ihr

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