Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 43 (28.10.1909)
- Date
- 1909-10-28
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- - j v-- <9bttt % M. LS._ aber es gelang nicht. Fromme Juden kamen in die triste Lage gegen die Spitzen der Orthodoxie zu. kämpfen, und sahen bäld ein, daß sie blos Bildung nnd nicht Religion verbreiteten. Woran lag es, daß nichts gelingen wollte? A n ein>em Grundirrtum. Die Wege,die von der deutschen Orthodoxie begangen wurden, taugten nicht ganz für die Ostjuden, sie boten ihnen z u viel und zu wenig. Jene, die diese Wege auch im Osten bahnen wollten, glaubten dort ebenfalls mit der Landessprache beginnen zu müssen, und verschwendeten darauf Zeit und Mühe, die verloren war. Das Prinzip der deutschen Orthodoxie ist richtig: Es gilt die Ueberwindung des Feindes auf eigenem Gebiet mit seinen eigenen Waffen. Die Gefahr kommt aber hier nicht von seiten der polnischen, deutschen oder russischen Sprache, nicht dies ist des Feindes Gebiet, nicht dies seine Waffe. Wenn ein Jünger des Bet-Hamedrasch schon bei einer dieser fremden Sprachen angelangt ist, so ist ihm nicht mehr zu helfen. Wenn er schon die geistigen und gesellschaftlichen Widerstände überwunden hat, die das Erlernen einer fremden Sprache erschweren, so ist an ihm schon Hopfen und Malz verloren. Das ist das Zuviel, das man geboten hat. Die Gefahr droht aber von wo anders her. Die Bet-Hamedrasch- Jugend holt sich ihr modernes Denken aus der neuhebräischen Literatur. Diese deckt ihr Bedürfnis nach moderner Kultur. Im Bet Hamidrasch hat den blinkenden, gleißenden Glanz des Modernen das Neuhebräische, zu ihm fühlen sich alle hingezogen, an ihm verbrennen sich alle dir Flügel. Hier fügen auch alle die großen nnd kleinen Schriftsteller den heiligsten Gütern des Judentums Schaden zu, alle helfen sie, wenn auch manche unbewußt,dieLVurzeln der Religion in den Herzen zu lockern. Seit die Haskala zu Grabe getragen wurde, kämpft man ja nicht mehr offen gegen die Religion, aber die Indifferenz, die verbreitet wird,.ist vielleicht noch gefährlicher als der Kampf. Man läßt die religiösen Fragen links liegen, bis sie niemandes Interesse mehr haben. In das Centrum des Fühlens und Denkens stellt man andere Ideale, und diese beerben still und kampflos die Religion. Der angesehenste der Schriftsteller Achad-Haam lehrt die Allmacht der Entwickelung, es bleibt kein Platz offen für Offenbarung. S.Bernfeld trägt die gewagtesten bibelkritischen Hypothesen als Positivitäten vor, ohne selbst die Möglichkeit der Untersuchung den Lesern zu bieten. Dasselbe tut Josef Klausner wenn auch in ruhigerer Weise. Ja, Abraham Kahan a verlegt einen ganzen solchen Bibelkomentar, der die „Ergebnisse" der radikalsten Bibelkritik kurz vorträgt und das Gift träufelt in alle Herzen! Selbst die Publicisten schaden: Israelit 28. Oktober 1*09 der harmonische Brain in umgibt alles Moderne mit dem Glanz seiner Feder, der Antikorruptionist Frisch mann bekämpft alles Alte als korrupt, sogar der vielseitige ausgeglichene Sokolow, der alles blos verstehen will, schadet nicht minder. Die Weltanschauung aller dieser ist eben nicht religiös und sie wirken dadurch verheerend. Es sind aber auch andere, die den Kampf offen gegen Religion führen. Da ist Berdyczewski der Nietzsche'aner der die Umwertung aller jüdischen Werte fordert und selber die Axt an alles Alte anlegt, und wenn er auch die Tragik des Untergehens in ergreifenden künstlerischen Schöpfungen beweint, so ist dem Judentum dadurch nicht genützt, selbst wenn es auch echte Tränen sind. Ihm folgen in Bestrebungen und Forderungen Marcus Ehrenpreis und Josua Thon, der eine mit künstlerischer Allure, der andere mit Spencer'schem Positivismus. Im Lager der Zerstörer ist auch der Dichter Czernichowski, er ruft zu griechischem Sinnenrausch — zumindest in seinen früheren Gedichten. Alle jüngern Erzähler Brenner, Schoffmann, Nomberg, Kabak, die Dichter Cahn, Baruchowicz, Schnejer, Katzenellensohn, sie alle sind schon weiter gelangt, sie haben das Judentum innerlich überwunden und mancher schrickt auch vor Pornografie nicht zurück (Schoffmann). Alle aber sind durchtränkt von einer naturalistischen Lebensanschauung und lassen den giftigen Saft in die jungen Herzen ihrer Leser fließen. Die Orthodoxie aber verhält sich zu allen diesen Vorgängen rein passiv und negativ, und sucht durch Leseverbote auf die Jugend zu wirken. Nichts setzt sie dem entgegen und unternimmt nichts. Mit diesem Vorgehen oder Nichtvorgehen hat sie es zu Wege gebracht, das Neuhebräische mit dem interessanten Schimmer des Verbotenen zu umgeben. Schon das verborgene Lesen eines sonst unschuldigen neuhebräischen Buches wirkt da auf den Leser wie eine Eröffnung neuer Welten und er fühlt sich schon in Kämpferstellung gegen das Alte und die Alten. Sind aber in Osteuropa die Verhältnisse durch die vielen Sprachen und deren Einflüsse komplicirt, und ist anderseits schon sehr viel verdorben, so liegen die Dinge in Palästina klar und einfach zu Tage. In Palästina ist für die thoralernende Jugend der einzige Kultur-Faktor das Hebräische. Die Schulen sind zumeist hebräisch, die Jntellegenz huldigt dem Hebräischen, die kulturelle Zukunft gehört dieser Sprache. Die palästenensische Orthodoxie geht aber jene Wege, die in Osteuropa Verderben gestiftet haben. Man stemmt sich da gegen das Hebräische und schließt sich dagegen ab. Das kann aber nicht gelingen, so wie es in Deutschland nicht gelingen könnte, das Deutschsprechen zu verbieten. Für die Jugend ist Hebräisch dort die Kultursprache, und keine Orthodoxie der Welt wird da siegen können, da sie selber durch das Thoralernen auf's wirksamste Hebräisch verbreitet. Anderseits kann man ja nicht für die deutschen und spanischen und sonstigen Jargone Begeisterung predigen. Mit dem Jargon käme man außerdem von dem Regen in unter die Traufe, da auch hier schon eine stark religionsfteie Literatur ihr Gift verbreitet. Will also die palästinensische Orthodoxie nicht auf der Walstatt erliegen, so muß sie mit des Feindes eigenen Waffen kämpfen. (Schluß folgt.) Mochenrllnöschau. Die Chaluha-Reoolufion. Während die deutsch-holländische Palästina- Verwaltung durch ihren Jerusalemer Vertreter Herrn Rabbiner Horovicz, in den verschiedenen Zentren jüdischen Lebens in Deutschland in Vorträgen und aufklärenden Diskussionen die Oeffentlichkeit über das segensreiche Werk der Chaluka- Reorganisation und über das palästinensische Arbeitsprogramm der gesetzestreuen Judenheit zu unterrichten sucht, geben einige unzufrieden Köpfe innerhalb der deutsch-holländischen Gemeinde Jerusalems immer noch keine Ruhe. Nachdem das unerhörte Pamphlet, das diese Herren gegen die Amsterdamer-Verwaltung in die Welt geschleudert hatten, wie zu erwarten, ohne jede Wirkung abgeprallt war, versuchten sie es vor einigen Monaten damit, einen eigenen Abgesandten nach Deutschland zu schicken, der die deutschen Rabbinen gegen das Reorganisationswerk mobil machen und eine unter dem maßgebenden Einfluß der Spendenempfänger stehende Verwaltung ins Leben rufen sollte. Vernünftigerweise sah dieser Abgesandte, Herr Abraham Bär Cohn, bald ein, daß. man in Deutschland für die Jerusalemer Aspirationen kein Verständnis habe, und schloß Frieden mit der Deutsch-Holländischen Verwaltung. Die Folge war, daß man von Jerusalem des einen anderen Abgesandten, einen Herrn Schapiro — von anderer Seite wird uns gemeldet, sogar 2 Abgesandte — nach Europa schickte. Diesmal, wie es scheint, mit etwas Meines euilleton Dreihundert Dukaten für einen krrog. Von Jrrdäus. (Fortsetzung.) „Wenn wir über unserer Sorge um Paradiesäpfel die Sorge fürs Vaterland vernachlässigten, müßte ich Ew. Exzellenz beschämt die Berechtigung dieses Vorwurfs einräumen, entgegnete Leidersdors, indem er sich von seinem Sitze erhob. „Aber das behaupten doch Exzellenz selber nicht. Ja, Ew. Exzellenz gehen uns für diese unsere Dank- und Handlungsweise noch mit hochdero Beispiel voran. Wenn wir in den schweren Sorgen des Tages über die Erfüllung unserer patriotischen Pflichten nicht auch die Anforderungen außer Acht lassen, die Gottes Gesetz an uns gestellt, so ist das etwas Natürliches, Selbstverständliches. Aber mehr als wir alle mit unserem Gut und Blut, dienen Ew. Exzellenz dem Vaterlande mit jeder Minute, die Sie Tag und Nacht, früh und spät ihm widmen. Und in dieser bangen Stunde, wo die Bomben rings um uns einschlagen, wo die Minuten Ew. Exzellenz doppelt und dreifach teuer sind, widmen Hochdieselüen bereits dreiviertel Stunden in Ihrem herablassenden Wohlwollen einem Exkurs über Paradiesäpfel. Wenn das ein Böswilliger verdächtigen und Ew. Exzellenz deshalb den Patriotismus absprechen wollte, so würde er fast so schlecht handeln, als wenn er einem Juden die treue Anhänglichkeit an das Gesetz seines Lebens in den Stunden vaterländischer Gefahr verübelte." Als Leidersdorf diese Worte fast mit einem Anflug flammender Entrüstung gesprochen hatte, erhob sich der Minister, schritt auf ihn zu und sprach seine beiden Hände ergreifend: „Herr Leidersdorff, Sie sind ein wackerer Manu und ein würdiger Vertreter Ihrer Gemeinde. Ich war Ihrem Ansinnen von vornherein so von ganzem Herzen zugetan, wie mein Freund, Herr General Pep inanu. Aber ich wollte doch einmal (ehen, wie tief es bei Ihnen sitzt und ob es mir gelingt. Sie von Ihren guten, gottvertranenden Grundsätzen ab zubringen. Sie haben die Probe so herrlich bestanden, daß ich Sie und Ihre Gemeinde von ganzem Herzen beglückwünsche. Möge das Opfer, das ^ie für Ihr Gottesgesetz bringen, Ihnen die Möglichkeit gewähren, es unverkürzt zu erfüllen. Sie haben mich mit Ihrem Gottvertrauen angesteckt, ich glaube, Sie wcrden's erreichen, wenn ich auch jetzt noch keine Ahnung habe, aus welche Weise. Und Sie, Herr General, setzten Sie auch Ihre Unterschrift unter den Ausruf, wenn ich darum bitten darf. Sollten Sie aber irgend welche Bedenken tragen, so gebe ich gern meinen Namen dazu Her. Und nun halten Sie mich aut .dem laufenden M>er den Erkola, Ihres Aufrufs und beten Sie für unser armes,, schwer geprüftes Vaterland". Damit war die denkwürdige Audienz beendet. Am andern Tage bildeten .sich neugierige Gruppen um einen Anschlag, der vom Oberbefehlshaber Kopenhagens und dem Präsidenten der jüdischen Gemeinde unterzeichnet war und 10» Dukaten für Beschaffung eines Paradiesapfels versprach. Das allgemeine Interesse wuchs als die Summe nach 3 Tagen auf 200 und dann auf 300 Dukaten erhöht wurde. Der von den Juden gesuchte Paradiesapfel bildete an der Börse, in den Cafes, bei allen sonstigen Zusammenkünften das Gespräch des Tages, aber es meldete sich Niemand, der den Preis verdienen wollte. III. In einer abgelegenen Vorstadt Kopenhagens gal' es eine Straße, in der sich Wirtschaft an Wirtschaft reihte. Jede dieser Tavernen war gut besucht und dort merkte man wenig von dem kritischen Ernst der Gegenwart. Es waren ausschließlich Matrosen und Schissvolk aller Art, weiche da verkehrten und ihre unfreiwillige Muße durch Trinken, Spielen und sonstige Zerstreuungen auszusüllen suchten. In einer derselben ging es besonders hoch her. Männer, Frauen, Burschen und Mädchen hatten das ganze Lokal bis auf den letzten Platz gefüllt. Der matte Schein der Oellampen war durch einen dichten Tabackqualm kaum mehr sichtbar. Grog, Ale, Punsch nnd Schnaps flössen in Strömen und hatten bereits eine Stimmung erzeugt, die sich in einer ausgelassenen Ungebundenheit äußerte. Hart am Eingang saß ein untersetzter, breitschultriger Matrose mit einem Mädchen zusammen, mit dem er sich leise unterhielt, ohne daß das Paar von den anderen Gästen Notiz geuommen hätte. Umsomehr brachten aber die übermütigen Zechgenossen dem jungen Mädchen ihre Huldigungen dar, indem sie ihm zutranken und es zum Spiel und Tanz aufforderten. Als aber wieder eine Hünengestalt sich mit einem Glas Grog dem Mädchen näherte, stieß ihn der bevorzugte Genosse zurück, schlug auf den Tisch, daß die Gläser klirrten nnd rief mit lauter Stimme in den Qualm hinein: „Ich verbitte mir hier alle Zudringlichkeiten. Else Detlef ist meine Braut, die geht keinen andern was an. Wer ihr noch einmal zu nahe kommt, den schlage ich nieder, daß er das Wiederaufstehen vergißt; das merkt Euch, hier verstehe ich keinen Spaß." sä bi fü A A wi G I eil ge de le. m di A N sck ur w> de ui m du be ha ba Hl Tc g' ga ve wi sic os' G, er er ftd Gl ho Gl de e>'r Nc Ul, Le au Ar ch he W nd UI B, Bi m ho er ge iw M zu tis w> sei Ti ih Hc P ge tis Ml an ltc sil wi Di al fei be