Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 42 (21.10.1909)
- Date
- 1909-10-21
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2449352-2449395--65966-2508632- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
...... "lI!!.!1'"JJ.;,)!1"1" Ji111 , ..1L1 ..., Seit»«. M. »2 ' «1. nüch unberechtigter Macht ausstrecken Im Jahre.1864 hielt der Statthalter H. Moritz Pülssy seine rettende Hand schirmend über die Freiheit und die Autonomie. Im selben ProvtsoriumSheilsjahre erwirkte der Vorstand der israelitischen Gemeinde in Pest wieder im Bunde mit einigen Nobilitäten des Landes, daß wieder einige Vertrauensmänner einberufen wurden behufs Regelung der israelischen Schule, Kceierum eines Rabbiner- und Lehrerseminars, und Verwendung des Schulfonds. Die offiziellen ungarischen Nachrichten vom 12. Feber überraschten me Judenheit Ungarns mit einer Liste von einzuberufenden Vertrauensmännern, die an Lächerlichkeit, au Willkür, an Hint ansetzung und Verachtung der heiligen Interessen einer Religionsgenossenfchaft, alles Dagewesene weit hinter sich läßt. Der ganze Vorgang trägt das Kainszeichen an sich, wenn man erwägt, daß die Herren in ihrer Nonchalance unter ihren ProtegeeS einen längst zum Christentum übergegangenen Dr. in D. erwählten, d. h. von der Statthalterei erwählen ließen, der mit über Rabbiner- und Lehrerseminar beraten sollte. Zum Glücke hatte der Konvertit einen Bruder, und, wurde dieser für ihn um getauscht. Die Herren freuten fich ihres Geschäftes so, daß wir besagten ein getauschten Vertrauensmann nicht mehr . loS werden. Wir finden ihn bei der Konferenz, im Kongresse, und er si^ri.ert auch als ernannter Distriktskommissär. °) er-nd dies alles hat der gute Mann der Tau,e seines Bruders zu verdanken re. —- Ä Es kam die neue Aera?) Der alte bettelnde Ehrgeiz, die krankhafte Sucht zur Beherrschung der Gemeinden des Landes pochte an den Pforten Sr. Exzellenz des Herrn Kultusministers Baron Eötvos. — Unter dem 14. April versandte der Pester Vorstand ein Schreiben an sämtliche israelitische Gemeinden des Landes, um sich mit denselben anaeleaentlich über ein Memorandum zu beraten, daS derselbe bereits an Se. Exzellenz eingereicht hatte! In diesem Memorandum, dem merkwürdigerweise das Datum nicht beigefügt war, unter welchem es eiugereicht wurde, werden die schwärzesten Anklagen gegen die Schwestergemeinden, 8) die widrigsten Denunziationen gegen einen großen Teil der Rabbiners des Landes ausgesprochen. Es find die grellsten Widersprüche in denselben enthalten, indem angeblich der Herr Kultusminister den israelitischen Vorstand in Pest aufgefordert hätte, daß er und er allein (eine hübsche Achtung der Autonomie) die Wünsche seiner Glaubensgenossen ausdrücken möge. Derselbe hätte aber gesagt, er habe hierzu kein Mandat, und stellte doch trotzdem im Nameu sämtlicher Gemeinden, eine Reihe der boshaftesten Anklage», die^sämtlich unrichtig find, auf, urch trat schließlich mit dem Vorschläge auf: Se. Exzellenz, der Herr Kultusminister geruhe eine Versammlung einzuberufen, „die mit der Organisierung einer Landgemeinde und einer Zentralverwaltung die Grundlage schasse sür eine neue Ordnung, und für eine von derselben zu verschaffende bessere Zukunft." Wer das Schriftstück liest, kann sich unmöglich zurechtfinden in dem, was der Kultusminister verlangt, wie weit seine Aufforderung gegangen und waS der Pester i Vorstand aus eigener Initiative getan. Die düsteren Schatten einer seitdestn eingetretenen Zeit, in welcher das königlich ungarische ver- •) Diese Dtftrtktskommissäre wurden nach Schluß deS Kongresses auf baß Betreiben der Reoloaen zu allen Zweiten ernannt, um den Gemeinden des Landes — mit staatlicher Hilfe — Geltung zu verschaffen. Doch waren die goldenen Tage der Kommissäre von kurzer Dauer. *) Im Jahre 1867. •) Die sich weigerten, sich unter die Machthohett des Pester neologe» Vorstandes zu stellen. •) Die schon bei Zetten ihre Gemeinden auf die Pester Gefahr aufmerksam machten. antwo rtliche Kultusministerium in Beziehung der jüdischen allgemeinen Angelegenheiten den Schwerpunkt seiner Tätigkeit in die Kanzlei des Pester israelitischen Vorstandes verlegt, sind aus diesem Schriftstück zu erkennen. Ueber die Unrichtigkeit der Anschauung, die diesem Memorandum zum Ausdrucke gekommen, ü b e r d i e weitere Unrichtigkeit der Daten, der demmziatorischeu Anklagen hat Oberrabbiner Löw9) der sonst dem Hauptgedanken '")des Memorandums damals ") noch sympathisch nahe gestanden,in den Nummern 6—10 des „Ben Chananjah" sich ausführlich erklärt, und die Unrichtigkeit re. derselben durch Dokumente nachgewiesen. Dttt einer würdigen Offenheit wird dort gesagt, daß ja die Dokumente im Archive eines königl. ungarischen Kultusministeriums vorhanden sein müssen, vor denen der Pester Vorstand seine Augen hübsch verschlossen hält. Beinahe sämtliche Gemeinden des Landes äußerten sich dieser Aufforderung gegenüber ablehnend, manche, wie Preßburg, Baja u. a. m., nicht ohne offenen Vorwurf, daß zuerst die Beratung, dann die Eingabe des Memorandums geschehen sollte. Sämtliche Gemeinden des Landes stimmten aber in richtiger Kenntnis und Würdigung der Sachlage damit überein, die allgemeine Beratung bis nach der ausgesprochenen Emanzipation zu vertagen. — Kaum war die Emanzipation ausgesprochen, da überraschte uns Se. Exzellenz mit der Einberufung der Vertrauensmänner. Zum wievielten Male die Bertrauenskomödie spielte, wissen wir wirklich nicht zu sagen. Die Einberufung der Konferenz (am 27. Februar 1867) geschah aber so einseitig, daß 28 Neologen und nur 6, die der orthodoxen Richtung angehörten, die Konferenz bildeten. T)en Verlauf der Konferenz, die Wahlmachlnationen vor dem Kongresse und den Verlauf des Kongresses, wie auch die neologen Bestrebungen, denen der Kongreß zum Tummelplatz dienen sollte, werden wir aber in dem zweiten Teile dieser Arbeit, .ebenfalls mit dokumentarischen Belegen darzuftellen versuchen. Ln**. orrespondenzen und Nachrichten. Sfeutfi^g» MeUH. Berlin, 14. Oktober. Gegen den antisemitischen Abgeordneten Bruhn, den Verleger der „Wahrheit", ist nunmehr die Voruntersuchung eingeleitet worden, nachdem das Ermittelungsverfahren genügend Material ergeben hatte. Es ollen alle Zeugen, die sich bisher bei der Staatsanwaltschaft und bei dm Verteidigern Dahsels gemeldet haben und sich noch melden, werden, und auch die Verteidiger selbst in der Untersnchung vernommen werden. Liberale Blätter machen darauf aufmerksam, daß der Deutsche Antisemitenbund, der lQ) Wie jämmerlich mag jsnes Memorandum gewesen ein, wenn selbst Löw, einer der Begründer der ungarischen Neologte, darüber den Stab gebrochen. “) Die „einheitliche" Organisation. Später sah Löw die Unmöglichkeit einer „einhetrltchen" Organisation solcher dtsparaien Gegensätze, wie Orthodoxie und Reologre, ein und gab der „separationSüchttgen" Orthodoxie Recht. (S. 33 Kap. feines oben erwähnten Buches.) Plötzlich entdeckt hat, daß der antisemitische „Wahrheits"-Apostel Bruhn mit dem „echten" Antisemitismus nichts zu tun habe, wie selbst von konservativen Blättern bei seiner neulichen „Jubelfeier feftgesteüt wurde, eine ganz einflußlose Bereinigung ist, die am allerwenigsten darüber entscheiden kann, ob jemand Antisemit ist oder nicht. Uebrigens sei es üblich, daß diese überzeugungstreuen Antisemiten mindestens alle Jahre einmal ihre Zugehörigkeit zu dem einen oder andern kleinen Grüppchen wechseln. Inzwischen muß es Herr Bruhn erleben, daß selbst die „Staatsb.-Ztg.", deren Verleger und spiritus reetor er früher war, nun weit von ihm abrückt. Dieses sehr wüdige Blatt kommt auf einmal zu der Einsicht, daß die „Wahrheit" als ein „Skandalblatt schlimmster Sorte" bezeichnet werden müsseja es apelliert sogar an den Eisenbahnminister, daß er endlich einmal den Bahnhofsbuchhandel von der „Wahrheit" befreie. Doch die „Staatsbürger-Ztg." geht noch einen Schritt weiter, wenn sie schreibt, es würde ein „verdienstliches Werk" sein, wenn Herr Bruhn endlich einmal aus dem Reichstage verschwinden möchte. — Da jetzt die Voruntersuchung gegen Herrn Bruhn eröffnet worden ist, so wird, wie allgemein angenommen wird, der Reichstag das Verfahren gegen ihn beschleunigen helfen, indem er es ab lehnt, vom Artikel 31 der Verfassung Gebrauch zu machen, durch den er die Aufhebung eines Strafverfahrens gegen ein Mitglied verlangen kann. Möglicherweise führt es zu Konsequenzen, die Herrn Bruhn als Volksvertreter ausschalten, auch wenn er es vorziehen sollte, nicht freiwillig sein Mandat niederzulegen. Dte flaupfoersammlung 9es „Derbanfcs 9er 9eufsdien Men“. (Bon unserem Korrespondenten.) Breslau, 17. Oktober. Heute tagte hier im Saale des Breslauer Konzerthauses die dritte Hauptversammlung des „Verbandes der deutschen Juden". Der Vorsitzende Justizrat Horwitz-Berltn eröffnet um 10'>« Uhr die Versammlung und beruft das Bureau: Professor Philippsohn- Berlin, zum stellvertretenden Vorsitzenden, sowie der an Abend vorher stattgehabten Besprechung zufolge die Herren Justizräte Breslauer- Berlin und Ollen darf-Breslau zu Schriftführern, Geheimen Justizrat Wollstein,. Geh. Justizrat Freund, Eduard Sachs, RabWer Dr. Rosenthal, sämtlich tn Breslau, EL. Retter-Berlin, Stadtrat Wiener-Kattowitz, Justizrat Blau- Frankfurt, Kommerzienrat Gallinger-Nürnberg, Rechtsanwalt Stadecker- Mannheim, Kommerzienrat Hirsch- Halberstadl, G o l d s ch m i d t - Posen, zu Beisitzern. Nachdem auf Vorschlag des Vorsitzenden ein Huldigungstelegramm an Sr. Majestät den Kaiser. „Ew. Majestät bringen an 400 Ab csandte deutscher jüdischer Gemeinden und Bereinigungen aus allen Testen des Reiches, geeint im Verbände der deutschen Juden von dessen Hauptversammlung tn Schlesiens Hauptstadt ihre allerunterränigste Huldigung und das Gelöbnis unwandelbarer Treue dar." abgesandt wurde, gibt Justizrat Horwitz den Gechäftsbericht. Er gedenkt zunächst der seit der etzten Tagung dahingeschiedenen Mitglieder des Ausschusses Justizrat Lach mann, Geheimrat Pinner und Sanitätsrat Neumann und aeht odann zu dem geschäftlichen Teile über, aus dem jervorgeht, daß sich der Verband auf den verchiedensten Gebieten betätigt hat. Die Hauptätigkeit in Preußen wurde Unterrichtsangelegenjeiten gewidmet, gelegentlich des Volksschulunterjaltungsgesetzes. Ueber dte Lehrbefähigung für )en jüdischen Religionsunterricht in Preußen, owie über die Einrichtung des Religionsunterrichtes an den höheren Schulen, wurden bei den zuständigen Behörden Eingaben eingereicht, der preußische Staat wurde um Berücksichtigung der üdischen Geistlichen bei Leistung für Kultus- Decke angerufen. In der russischen Paßfri^e hat der Verband versucht, Aerwerungen hetbel-