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Der Israelit · 1909-10-21 · Heft 42 (21.10.1909) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 42 (21.10.1909)
Date
1909-10-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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£1 Dttober 1909. MUMM •IS Der gPraeltt So. 42. Sette 5 ich dich retten will." Auch diesetat Manu, und als der riesige Kasten fertig war, wurde er an den Fisch gebunden, unter deffen Führung -er große Manu über den nördlichen Berg setzte, während die Sturmflut die ganze Welt vernichtete. Auf dem nördlichen Berg blieb, er denn auch, wo er bis auf Weiteres betend und fastend weite. (Schluß folgt.) Der Kongreß. Historische Streiflichter zu einem aktuellen Thema. Bon RaMn« Ph. Fischer in Devavanja. (Schluß). Doch wollen wir uns in betreff der Charakterisierung der dem Kongreffe unmittelbar vorangehenden Zeilepoche durch einen Gewährs mann* *) vertreten laffen, über deffen hohe Intel ligenz selbst der neologiefreuudliche B. Eötvös sich voll Lobes äußerte. Die betreffenden Stellen bieten einen im Lapidarstile gehaltenen und auf unanfechtbaren Tatsachen und Akten beruhenden Umriß der neologen Ilmtriebe vor und während de- Kongreffes: „Im Jahre 1844 ward wieder sehr viel in Religion-beglückung und Landgemeinde-Organisierung gemacht. Nur war merkwürdigerweise bis die begeisternden Aufrufe an die betr. Gemeinden gelangten, der Urheber derselben auSgerissen und er verließ die Fahne, die er so hochzuhalten verhieß, um zu einer anderen überzugehen.**) *) Der fet Sigmund Kraus aus Kvrv-Ladany, Mitglied der Februar-Konferenz und de« Kongresses, später Präses der konstituierenden General, erfammlung der orlh Gemeinden, eine Zeit lang Redakteur des orth. Organs „Magyar Ztdü", Verfasser einiger Broschüren apologetisch« Charakters — im M ZS., 1870, S. 474 u. f. , . **) Cs war dies brr junge Gelehrte Moritz Bloch, später Bülloat. Derselbe trat zum Protestantismus über, und ward später Professor att dem pro estanttscheN Geistltchenseminar in Pest. Zur Charakteristik dieses einstigen ReformavostclS und OrganifattonSschwärmerS sei erwähnt, daß derselbe gelegentlich de- Ttsza-Eßlarer Prozesses nicht den Mut besaß, gegen die daMalS spukende Blutlüge 1u protestieren. Wohl hat er solch -S dem Seelsorger einer ö t N st t g ett Konfession,. Dr. Kohn in Pest, verbrochen) doch ließ er sich von seine« antisemitischen Sohn AladaS (gegrnw. UniverfitätSproftssor und Abgeordneter in Pest) hiervon abbrtngen! So fand der einstige Reformapostel und OraanisationSschwarrner Bloch- Ballagi nicht den Mut dem Beispiel der im Christentum geborenen Delitzsch. Nülbecke und anderer zu folgen!.' und dieser Mann stand im Jahre 1848 an der Spitze der Pester Reform- und Öganqationsapostcl — einige Tage Vor seiner — Läufe! Uebrtgens tat auch ein anderer Gesinnungsgenosse Was im Anfänge der 50er Jahre geschah, Blochs, der P r L s e S der Pester »jüdischen" Gemeinde, JonaS Kunevalder, denselben Schritt. Dieser Herr stand an der Spitze des Komitees tn Pest, welches die Emanzipation der Juden erringen wollte, als ihm aber die Sache von gar zu langer Dauer schien, beschleunigte dieser »Präses" der Pester GemeMbe feine eigene Emanzipation, indem er vom Präfidtalstuhl zum Taufbecken schritt. Dies war in der Tat die radikalste Emanzipation (8vw, tbid., S. 213.) Aber dieser brave Mann war keineswegs der erste Pester *yfpn der seine Gemetndestube mit der Kirche vertauschte. Denn noch in dm 30er Jahren beS vorigen Jahrhunderts ließ sich Moritz Ulln arm, B o r - steh er der Pester Gemeinde, Bruder und Schwiegervater Gchbriel UllmannS, der, wie bereits erwähnt, zuerst die Wiener SultuSrefvrm nach Ungarn verpflanzte, in die katholische Kirche und — dm ungarisch« Adel aufnehmen. (Söw, tbid.. S. 108.) Wie wir sehen, wiederholte fich in Ungam dasselbe Spiel wie in Deutschland. Die erstm Heldm der jüdischen »Aullärung" rissen auS und traten zum Christentum über. Man hdre hierüber nur z. B. die Worte HetneS über dm in Berlin gegründet« »Verein für Kultur und Wissmschaft bcS JudmtumS", in dessen „ T enkworle" über Ludwig Markus. — Mit oroßem Jnereffe laS ich jüngst in /em treffitchm Buche Professor Berliners »Zur Le und zur Wehr" S. 42 und 43, wie der Sohn des ersten beUtschm Reformators, Jakobsohns, Baphthalte, »der erste jüdische Konfirmand", später als Dr. jur. Hermann Jakabsohn, Vorsteher und Sprecher der christkatholischm Gemeinde zu Berlin geworden ist, und seine in dieser Gemeinde gehaltenen Vorträge mit einer »dem Andmken" seines BaterS »Israel Jakobsohn, Präsidenten des vormcüigen Israelitischen Konsistoriums in Kassel' geweihtm Widmung herausgab. Noch wollen wir hier erwähnen, baß sämtliche Urenkel beS ersten NeformrabbtnerS in Ungarn, ChorinS, nicht mehr dem Zudmtume angehvren. Ein« jüdischen Enkel hat derselbe noch, dies ist Franz Chortn, hervorragender Politiker, Stolz und Säule der ungarischm Neologie, Repräsentant der Pester neolog n Gemeinde. Derselbe Verdient aber auch alle ihm von dm Neologm zukeil werdende Ehre, indem er selber fich noch nicht taufen ließ, sondern bloß seine sämtlichen Töchter zum Taufbrckm führte und mit Christen verheiratete. Auch der Reformrabbiner Fasse! hat schon eine ganze Schar getaufter Nachkommen, darunter find einige auch Anttsemitm. Auch an Moritz Wahrmann, gewesenm Reichstagsabgeordneten, Präses der Pester Gemeinde, BizepräfeS des Kongresses im Jahre 1668/SS, einem der wütendsten Agitator« der N .ologie, der im Jahre 1870 im ungarischen Parlamente» vor der ganzen ungarischm Nation, die/ Orthodoxen alS „Feinde der Kultur und der Ordnung, als betrogene Betrüger" brandmarkte, — auch an demselben wurde zur Wahrheit: •£> K1? ' Seine Kinder warteten bloß die ihn« von ihrm Bitter« zufallende Mtlltonmerbs. oft ab, um stch sofort tn dm Q'tPfTtt? nach ihres BaterS Tod taufen zu laffen — — — Der „Israelit" aber bleibt dennoch ein von „Kultnrfeinden" redigiertes, „die Wahrheit noch tiefer versenkendes" Organ der „internationalen Schwarzen", weil es sich erkühnte, in einer Nummer des vorigen Jahres mit statistischen Daten zu beweisen, daß die Neologie die Vorhalle zur — Taufe ist. — So will es wenigstens das Wochenblatt der Neologie in Ungarn haßeU. wie damals die Treppen des Baron Geringer') usw. ausgetreten worden waren, um die ungarische Judenheit mit antizipierten*) Kongreßbeschlüssen zu beglücken, wie man Vertrauensmänner, die aber keines Mannes Vertrauen besaßen, Vorschlägen und einberufen ließ, wollen wir verschweiigen. Kein Schleier kam dicht germg für diese Zeitperiodeu sein') rc. Im Jahre 1861 ward ebenfalls vom Pester Borstande ein bißchen Deputiertenverfamm ung gespielt. Es ist nämlich bekannt, wie man diese Rumpfversammlung düpierte, und hinter ihrem Rücken mit dem allezeit getreuen, disponiblen H. mit dem Grafen Karolyi einen Ema nzipatio ns schachert angelegt und die heiligsten Interessen der Freiheit und des Rechtes vertrödeln wollte. — Die ganze Journalistik der Hauptstadt hatte nur eine Stimme der Entrüstung über diesen Vorgang. Der weit größte Teil der Gemeinde verhielt sich ablehnend und verschanzte fich hinter dieser unnahbaren Passivität. — Doch wir finden diese Bettler um Gewalt an der Schwelle eines jeden Provisorums,5) am Eingang einer jeder neuen Aera, zudringlich die Hand nach Omnipotenz J) Zu damaliger Zeit kaiserlicher Statthalter in Ofen. *) Sperrdruck wie auch sämtliche Anmerkung« zu den Zttaten rühren von mir her. *) Aus Löws ' öfters erwähnten Bache wissen wir, daß im Jahre 1851 auf Betreib« der Pester Großneologm,* behufs einheillicher OrganißMng -er ungarischen Judenheit und Errichtung eines flWaS ganze Land bestimmt« RavbtnerfemtnarS eine «unlauter Neologen bsstehende BertraumSkommiffion nach Ofm beruf« warb. Mitglieder dieser Kommission war«: Rabbiner Schwab West), Rabbiner Freyer (Raab), R. Löw (Szeyechin), R. tpser (Weßenburg) und drei Lai« aus Pest: Kassowitz, >r. Löblin, Dr. Schwimmer. Die Kommission ragte am 23. und 21. September 1851 unter Präfibium des Gubernalrates Sacher, arbeitete auch ein als kaiserliches Patenr zu erschein« bestimmt gewesenes Statut aus. (Urver all »tefeS stehe man Löw, ibid., 37. und 38. Kap.) Und kein einziger der vier,.sage vier neologen Rabbiner und der drei, sage drei neologen Laim frug fich, woher ihn« eigentlich das Recht zustehen, für üie, zu damaliger Zeit noch zu ss», auS Orthodox« bestehende jüdische Gesamtheit Ungarns zu rat« und zu tat«?! Ja, die neolog« Herren hie t« eS an der Zett, unter dm schützend« Fittigen der nach dm 48/49« Freiheitskämpfer! über Ungarn hereingebrochmm absolutistisch« Aera die jüdische Gesamtheit Ungarns zu Überfall« und zu knebeln. Und da schimpft noch Herr Löw, der spiritiw rector dieser fiebengliedrigen nrologm BertraumSkommiffion, wacker darauf los, weil die rtestge Majorität der ungarisch« Jubm, die Orthodox«, nicht gewillt waren, vrm Kommandostabe dieser sieb« Herr« Neolog« Gefolgschaft zu lerstm!! 4) (Magyar Zfido, 1870, S. 486.) b) So werden die wechselnd« RegterungSform« tn Unga« zwischen dm Jahren 1843 -1867 genau ck. erst nach Amerika auswandern, um sein Lebenswerk blühen zu sehen. Ja, in Amerika, in N e w y o r k Und ebenso in der Hauptstadt Englands, wo die neuen durch die. Eittwandkrer gebildeten jüdischen Zentren sich freier und so zu sagen in. unmittelbarster Nähe des eliropäischeN Kulturlebens sich entwickeln konnten, und vielleicht auch infolge der eben dürch Sie Nachbarkultur, welche auf.das Ghettoleben stark abfärbte, erweiterten geistigen Bedürfnisse der jüdischen Jugend, die leider rm.Betb Hümedrasch nicht mehr ganz ihre Befriedigung fanden, kortntk däs jüdische Theater.entstehen' und sich lebenskräftig entwickeln. Jedenfalls hat die jüdische Bühne in Amerika und England bereits ihre Geschichte, ihre Kunsttradition. Hier in. Frankfurt a, M. aber war es das Fremdartige, der Reiz der Neuheit, tväs Uns wie hunderte andere, die den Saal füllten, zur Schaustellung gelockt hat. Was uns aber bei aller Primittvität des Stückes und allen technischen und künstlerischen Mängeln des Spieles bis zum Schlüsse ausharren ließ, das war doch daS Ureigene, das Echtjüdische, die vielen verwandten Seit«, die das Sprel in unserer Brust hier und da anzuschlagen und so mächtig zu bewegen wußte. Das Sttick heißt: „Kol-Nidre" und nennt sich stolz eine historische spanische Operette in vier Akten, aus der Zeit der Inquisition. Die Handluvss^ist bald wiedergegeben. Der Verfasser, ein Herr Scherkanski, scheint auf alles zu verzichten, was man so gemeinhin unter dramatischer Kunst zu verstehen Pflegt. Da ist keine einzige psychologische Entwicklung, kein einziger Seelenkonfttkt zu finden, nichts als Handlung. Und diese besteht aus einem Zusammentreffen von höchst unwahrscheinlichen Zufällen, Abenteuern, die in ihrer Gesamtheit wohl die innere Unmöglichkeit, aber nicht den poetischen Reiz eines Märchensaufweis«. Barthels, der königliche Hofsänger, ist im geheim« Jude und ist vom Inquisitor Paulus als solcher erkannt. Der Inquisitor, ein blutdürstiger Judenfeind, der Jubenverbrennungen als Spezialfach betreibt, ist, man höre und staune, von jüdischer Abstammung, sogar früherer Rabbiner und schreibt auch jetzt noch auf der Bühne gelegentlich hebräische Briefe, ohne daß die leiseste Jugenderinnerung seinen übrigens ganz unmotiviert« Haß- und Racheplänen gegen die Juden nur einmal hindernd in den Weg tritt. Der Inquisitor hat auch eine Tochter (man denke, der erste katholische Geistliche im Spanien des fünfzehnten Jahrhunderts) und diese ist natürlich, wie es der Gang des Dramas wünscht, in Barthel» Hals über Kopf verliebt usw. usw. .... Und trotz alledem l Es ist ein jüdisches Stück ..... W«n BÄthelo mit seiner Geliebt« nus de'' Büvne das *112k''^ebet für die reinen Seelen der jüdischen Märtyrer anstimmt, so hat man den Eindruck, als ob her Dichter wie die .Darsteller und noch mehr die Zuschauer, die, nament- 'lich soweit sie vom Osten sind, tränenvollen Auges und gefesselt zuhören, dabei nicht allein an die Opfer der Inquisition denken, sondern noch mehr an die Vielen jüdischen.Opfer aus der Geschichte, die unserer Zeit ungleich näher liegt . . . Diese Szene wird uns unvergeßlich bleiben, genau so wie die Szene im dritten Akt, wo die Marannen in der geheimen Synagoge beim „Kol-Nidre"-Chor, nebenbei bemerkt, einem Meisterstückchen polnischen Synagogengesanges, vom Inquisitor mit seinem Anhang überrascht werden. r Frisch, natürlich und anmutig, wenn auch vielen nicht gut verständlich, wirkte das Spiel da. wo die Darsteller sich des einfachen Jargons in einer „Urreinheit" bedient«, was aber leider nur die männlichen Darsteller taten. Die Damen aber, die wohl in bester Absicht, sich verständlicher zu machen, sich erdenkliche Mühe gaben, „deutsch" zu sprechen, machten oft einen komischen, höchst gezwungenen und unnatürlichen Eindruck. Wie bekannt gegeben wird, soll nächsten Sonntag halb 9 Uhr abends S u l a m i t von Goldfaden gespielt werden. Die Werke Goldfadens gehören schon gewissermaßen zu den Klassikern, der Jargonliteratur, und Sulamit bildet ein Kabinetts stück aller jüdischen Bühnen, das einen Besuch reichlich lohnen dürfte. (Die Rassen-Korscher.) Bon der jüdischen Abstammung des Dr. Cook Hab« wir bereits an dieser Stelle berichtet. Nun soll auch Ferrer, in den letzten Tagen im judenreinen Spanien allem Anscheine nach unschuldig verurteilte und, hipgerichtete spanische Bolkslehrer ein Jude seim-^SS will es wenigstens die „Deutsche Tageszertllüg^'.'urwweil dem so ist, so ist auch die Schuldfrage für erledigt. Der Jude wird verbran-ut; schreibt: . alles, was radikal und demokratisch ist. erhebt ein wüstes Geschrei über die Hinrichtung des spanischen Revolutionsführers Ferrer, der seine kriegsgerichtliche Verurteilung wahrlich reichlich verdient hat. In kurzer Zeit ist es der radikalen, meist rasseecht« Presse gelungen, in zahlreichen Orten die Massen in Bewegung zu setzen und zu mehrfach handgreiflichen Demonstrationen aufzureizen. Erklärlich ist ja das Treiben dieser Presse, denn Lerrer entstammt, wie von mehreren Seiten mitgeteilt wird, dem auserwählten Volke und daher hätte ihm kein Haar gekrümmt werd« dürfen." Aus diesem boshaften Gerede ist nureines klar ersichtlich: die immer zunehmende GesinnungSrohheit der antisemitischen Presse, auch wenn sie nicht gerade von B r u h n und D a h s e l geleitet wird. ■4 ’i, 3 ■M ■.-H cä M

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