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Der Israelit · 1909-10-14 · Heft 41 (14.10.1909) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 41 (14.10.1909)
Date
1909-10-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 10 Rr. 41. Der JSraeltt. 14. Oktober 19VS Landes und insbesondere in Bukarest gespielt wurde, wo es einen großen Erfolg erzielte. * -r- * Ein schrecklicher Raubmord wurde letzte Woche in dem Städtchen Pech ea bei Galatz begangen. In diesem Städtchen wohnt seit langer Zeit die Witwe Rifka Jarovici, die daselbst einen Manufakturwarenhandel betreibt. Die alte Nifka hatte drei Kinder, deren ältestes die 19jährige Jta war. .Als nun eines Nachts die alte Frau in Geschäften abwesend war, wurden die Kinder durch ein Geräusch aus dem Schlafe geweckt. Sie bemerkten, daß bewaffnete Männer ins Haus eingedrungen waren und schlugen Lärm. Die Banditen schaffen, und eine Kugel traf das junge Mädchen und führte ihren sofortigen Tod herbei. Auf das Hilfegeschrei der beiden jungen Brüder der Ermordeten eilten die Nachbarn herbei, welche die Polizei verständigten. Die eingeleiteten Nachforschungen führten zur Verhaftung von drei Bewohnern der Gemeinde unter dem dringenden Verdachte, die Tat begangen zu haben. * * * Als sich letzten Sonntag die neuerwählten Vorstandsmitglieder der israelit. Gemeinde in Botoschani im Lokale.der Gemeinde einfanden, verlangte der ehemalige Präsident der Gemeinde, Spanier, auf deffen Namen das Lokal gemietet ist, die Intervention der Staatsanwaltschaft wegen Hausftiedensbruches. Der Staatsanwalt Tusescu, der sich an Ort und Stelle einfand, ordnete die Räumung des Lokals an. Es entstand hierauf ein ungeheurer Skandal, und vor dem Gebäude der Gemeinde sammelte sich eine zahlreiche Menschenmenge an. Die neugewählten Vorstandsmitglieder, darunter die Aerzte DL. Wolfberg und Dr. Cahanescu sowie der Advokat B er mann erhoben telegraphisch die Beschwerde an den Justizminifter und an den Generalprokurator. Der Vorfall hat in der israel. Gemeinde in Botoschani umso größeres Aufsehen erregt, als er sich bereits zum zweiten Male zuträgt. Es ist bedauerlich, daß so auch oft von jüdischer Seite dem Antisemitismus Nahrung zugeführt wird. g?tügavien« Sofia, 5. Oktober. Während im Nachbarstaate Rumänien die Judenfeinde am Ruder und emsig an der Arbeit sind, kann hier, trotz eifriger Bemühung einiger Demagogen der Antisemitismus nicht recht aufkommen. Der Wind von oben ist ein den Juden durchaus günstiger und dieser ist für das Regierungssystem sowie für die Handhabung der Gesetze durch die Beamten bestimmend. Daß der König an der Einweihung der neu erbauten Synagoge teilnahm haben Sie bereits berichtet. Nun veröffentlichen die hiesigen politischen Blätter ein Gespräch, das der Redakteur des „Journal de Salonique" mit dem bulgarischen Botschafter in Rom hatte. Dieser sagte: „Wenn die bulgarischen Juden die Regierung um eine Subventionierung der jüdischen Schulen, die von der Regierung beaufsichtigt werden, ersuchen würden, so wäre die bulgarische Regierung sicherlich bereit, einem solchem Wünsche nachzukommen." Hoffentlich wissen die bulgarischen Juden dieses Entgegenkommen so auszunutzen, daß aus ihm eine Erstarkung des Judentums, um das es hierzulande nicht gerade am besten bestellt ist, erwachse. Türket. Konstantinopel, 1. Oktober. Wie hiesige Konstantinopler Blätter melden, befinden sich in den rekonstruirten türkischen Militärkapellen auffallend viele jüdische Freiwillige. Dies wird damit erklärt, daß viele Juden, die sich freiwillig zum Militärdienst meldeten, dann in die Militärkapellen zur Dienstleistung kommandiert wurden. Der Sinn für Musik bei den türkischen Juden ist überhaupt stark ausgeprägt. Jede jüdische Schule und auch jeder jüdische Verein hat seine eigene ,/Fanfare israelire". Diese Fanfaren haben auch bei allen patriotischen Festen und Demonstrationen der letzten zwei Jahre eine wichtige Rotte gespielt. Die Mitglieder solcher „Fanfares israelttes" eignen sich nun vortrefflich auch für die Militärmusik, zu welcher sie nunmehr herangezogen wurden. * * * Der neuernannte amerikanische Boischaster in Konstantinopel hat bereits seinen Posten angetreten. Türkische Blätter verzeichneten die interessante Tatsache, daß Botschafter Straus am Jomkippur in der Haidar-Pacha-Synagoge dem Gottesdienste anwohnte und den ganzen Tag über in der Synagoge verweilte. Merkwürdigerweise hätte Botschafter Straus gerade am Jomkippur vom Sultan behufs Ueberreichung des Akkreditirungsschreibens empfangen werden sollen. Mr. Straus bat jedoch, mit Rücksicht auf den heiligen Tag die Audienz zu verschieben, welchem Ansuchen auch bereitwilligst Folge gegeben wurde. JUnerifea« nem-Uorher Brief. New-Aork, 3. Oktober. In letzter Zeit macht sich, unter den eingewanderten Juden Newyorks eine besonders starke Bewegung bemerkbar, so rvsch als möglich ihre Naturalisation als amerikanische Bürger durchzusetzen. In der Woche vor dem jüdischen Neujahrsfeste war die Zahl der Petenten, die im Naturalisationsbureau erschienen, so groß, daß der Beamte erklärte, ein solcher Andrang sei noch nie zu verzeichnen gewesen. Weit über tausend Menschen warteten von Mitternacht angefangen bis 9 Uhr morgens, um Einlaß ins Bureau zu bekommen. Merkwürdigerweise steht aber für die Entgegennahme der Papiere, die jeder persönlich überreichen muß, bloß ein Beamter zur Verfügung, so, daß an jenem Tage nicht mehr als 25 Parteien abgefertigt werden konnten. Die langsame Abwicklung der Naturalisationsgesuche ist für die Petenten um so unangenehmer, als die meisten, dem Arbeiterstande angehörend, nicht so leicht einen Arbeitstag verlieren können,. andererseits aber alles daran setzen wollen, um bei den nächsten städtischen Wahlen in Newyork bereits als amerikanische Bürger von ihrem Stimmrechte Gebrauch machen zu können. * * * Die amerikanischen Juden waren sehr unangenehm berührt, daß die Eröffnung der amerikanischnationalen Hudson-Fulton-Feier gerade auf den Jomkippurtag festgesetzt wurde, wodurch es ihnen unmöglich war, sich an der Eröffnungsparade offiziell zu beteiligen. Die offiziellen jüdischen Kreise haben ihrem Unmut hierüber auch offen Ausdruck gegeben. Einige Tage vor der Parade sah sich denn auch der Präsident ,der Festkomission veranlaßt, an das Präsidium der Newyorker Kehillah ein Entschuldigungsschreiben zu richten, das wegen seines interessanten Inhaltes dem Wortlaute nach wiedergegeben werden soll: „Unsere Kommission hatte keine Ahnung daß Samstag, den 35. September Iomkippur fein wird, denn sonst wäre die Eröffnung der Feierlichkeit nicht auf diesen Tage angesetzt wordm. Es ist jetzt ganz unmöglich, das Datum zu ändern, da die ganze Welt für diesen Tag eingeladen ist und an diesem Tage zumindest 75 Kriegsschiffe verschiedener Nationen und wahrscheinlich über tausend andere Schiffe im Hafen beisammen sein werden, um an der EröffnungSparade trilzunehmen. Wir bedauern aus der Tiefe unseres Herzens diese peinliche Gestaltui g der Sttuatton und bitten unsere jüdische Freunde zu glauben, daß es der Kommission ferne lag, ihre religiösen Gefühle absichtlich zu verletz n. Indem ich Sie versichere, daß wir all bas, was Sie unternehmen, um die F ier zu einer Feier der vollständigm Brüderlich! it zwilchen allen Raffen und Konfessionen zu gestalten, aufs Höchste einschätze, zeichne ich usw. * * Der Rabbiner der Washingtoner Hebrew Congregation, Dr. Abraham Simon, beschuldigt in einem offenen Schreiben die in Washington bestehenden „aristokratischen" Lehranstalten der antisemitischen Propaganda unter den Zöglingen. Besonders kraß trete der Antisemitismus in den Mädchenlyzeen zu Tage. Es bestehe die offenkundige Tendenz, jüdische Mädchen von diesen Anstalten fernzuhalten. Immer häufiger treffe man jetzt in den Prospekten und Ankündigungen dieser Institute, die fettgedruckte Bemerkung: „Mädchen jüdischen Glaubens werden nicht ausgenommen l" Rabbiner Simon macht die Washingtoner Bürger auf diesen, den freiheitlichen Prinzipien wiederstrebenden Unfug aufmerksam und fordert Abhilfe. New Aork, 29. Sept. Unter der organisierten Arbeiterschaft in Amerika wächst immer mehr die Bewegung gegen die jetzigen Einwanderungsgesetze und für eine weitgehende Einschränkung der Immigration durch eine Verschärfung dieser Gesetze. Die hiesigen Arbeiter gelangen immer mehr zur Ansicht, daß die gegenwärtige große Arbeitslosigkeit in erster Reihe durch den gewaltigen Zustrom von fremden Arbeitern verursacht worden sei. Vor den Chinesen, Japanern und Hindus, die in ihrem Existenzbedarf sehr anspruchslos sind und den hiesigen Arbeitern eine empfindliche Konkurrenz durch niedrigere Arbeitslöhne machten, sind die Tore Amerikas gänzlich verschlossen worden. Am liebsten möchten die inländischen Arbeiter dasselbe Verfahren auch gegenüber den aus Europa einwandernden Arbeirern angewendet sehen. Diese Ar« beiter, so behaupten sie, hätten geringere Lebensansprüche und begnügten sich deshalb mit niedrigeren Arbeitslöhnensie kämen hierher gewöhnlich nur für kurze Zeit, um hier zu Geld zu kommen und nachher damit wieder heimzukehren. Außerdem bildeten hier die fremden Arbeiter besondere Kolonien, sie assimilierten sich nicht mit den Amerikanern und blieben deshalb fortdauernd bei ihren geringeren Unterhaltungsbedürfnifsen, wodurch sie den inländischen Arbeitern zu gefährlichen Konkurrenten im ökonomischen Kampfe würden. Die organisierte amerikanische Arbeiterschaft verlangt deshalb eine Verschärfung der Jmmigrationsgesetze und stellt dabei folgende Forderungen: 1. Es sollen in Amerika nur solche Emigranten Einlaß finden, deren heimatliche Lebensbedingungen den amerikanischen entsprechen. 2. Jeder Neuankommende soll 10 Dollar — statt der jetzt vorgeschriebenen 4 Dollar — entrichten. 3. Jeder Immigrant, der nicht zur Kategorie der politisch Verfolgten gehört, muß 25 Dollar und eine Fahrkarte bis zum Reiseziel besitzen. 4. Jeder Einwanderer über 14 Jahre muß die amerikanische Konstitution in englischer oder seiner Heimatsprache lesen können. Es sei hervorgehoben, daß die Unzufriedenheit der amerikanischen Arbeiter mit dem wachsenden Jmmigrationsstrom hauptsächlich durch jene Einwandererkategorien hervorgerufen worden ist, in der die Juden verhältnismäßig wenig vertreten sind, und die besonders viel Polen, Italiener, Magyaren und Slovaken umfaßt. Es ist jedoch klar, daß eine Erfüllung der angeführten Arbeiterforderungen auch den jüdischen Emigranten die Einwanderung in Amerika so sehr erschweren würde. 4 ' Marokko. Tanger, 18. Sept. Im Reiche Muley Hafids bleibt den bedrückten Juden der traurige Trost, daß sich die Bestie im Menschen hier auch gelegentlich gegen die Bekenner anderer Konfessionen denn der jüdischen richtet. Nur mit dem Unterschied, daß in diesen Falle die Protestnoten der abendländischen Mächte nicht lange auf sich warten lassen, während nach den Bedrückungen, denen hier wie anderswo die jüdische Bevölkerung seit langen Jahren ausgesetzt wird, kein Hahn kräht. Ueber einen empörenden Vorfall, der den Großwesir des Sultans zum Urheber hat, ist auch heute wieder zu berichten: Am Abend vor dem Roschhaschonah-Fest benötigte man im kaiserlichen Palaste einiger Matratzenmacher. Es wurde ins Judenviertel geschickt, nun einige Handwerker zu Hofe zu befehlen. Die

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