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Der Israelit · 1909-10-14 · Heft 41 (14.10.1909) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 41 (14.10.1909)
Date
1909-10-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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^r^mrrrrsrT^ »" -;. 14. Oktober 1S0S. Der JSraeltt. Nr. 41. Seite 7 zur Beherrschung der ungarischen Judenheit aus. In den Konferenzen der jüdischen Deputierten, die alljährlich behufs gleichmäßiger Verteilung der von den Juden Ungarns bis in die Mitte der 40 er Jahren des vorigen Jahrhunderts gezahlten sogenannten Toleranz-Taxe in früheren Jahren in Preßburg, seit Anfang der 30er Jahren aber in Pest zusammenkamen, kam seitdem allmählich nach dem wachsenden Einflüsse der Pester neolog gesinnten Gemeinde zu leidenschaftlichen Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Richtungen. Namentlich verursachte das seit den 40 er Jahren von neologen Gemeindegrößen Pefts aufs allereifrigste propagierte Projekt der Errichtung eines „Zentralinstituts zur Bildung von Rabbinen" in Pest auf Kosten der jüdischen Gesamtheit Ungarns die größten Kämpfe und Zwistigkeiten. Denn die Orthodoxen fühlten es instinktiv heraus, daß es den Herren von Pest und ihrem Anhänge nicht um die Erziehung von auf der Höhe der Zeit stehenden, strengfrommen, tradittonstreuen und energievollen Rabbinen, sondern um die Ersetzung der aus den Jeschiboth stammenden und den religiösen Reformen feindlichen Rabbinen mit alles bestätigenden Scheinrabbinen zu tun war, die sie aus einer unter ihrer Machthoheit stehenden und all den unreligiösen, unjüdischen Einflüssen Pefts ausgesetzten Anstalt zu gewinnen hofften. Auch um das goldene Kalb der Emanzipation führten die'Gemeindegrößen Pests ihren Reigen auf und auch im Namen dieses neuzeitlichen Vay suchte man der Orthodoxie den Boden unter den Füßen wegzuziehen. (Fortsetzung folgt.) orrespondenzen und Nachrichten. Frankfurt a. M., 13. Oktober. Von dem vorläufigen Ausschuß der „Freien Jüdischen Vereinigung" geht uns nunmehr ein Aufruf zur Veröffentlichung zu, auf den wir in der nächsten Nummer zurückkommen. Die „Freie Jüdische Bereinigung" (nicht zu verwechseln mit der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums") ist die von uns bereits in der ersten Januarnummer d. I. angekündigte und nun trotz unserer Mahnung zur Wirklichkeit gewordene Organisation der religiösen Mittelpartei Breslauer Färbung Ander Spitze stehen die Herren: Seminardozent Dr. Brauer-Breslau, Dozent Dr. Elbogen-Berlin, Rabbiner Dr. Rosenthal-Breslau, Rabbiner Dr. Weiße-Berlin, Rabbiner Dr. Werner-München. Berlin, 13. Oktober. Nach mehrtägigen Verhandlungen hat nun am 12. d. Mts. das Gericht im bekannten Erpressungsprozeß D a h s e l das Urteil gesprochen. Gegen D a h f e l wurde auf eine Gesamtstrafe von einem Jahr und sechs Monaten Gefängnis und drei Jahren Ehrverlust, gegen seine Gehilfin Frau Schuwardt auf eine solche von acht Monaten Gefängnis erkannt. Der ganze Prozeß hätte eigentlich, soweit er die zur Verhandlung gekommenen Fälle betrifft, mit I u d e n und Judentum nicht viel zu tun, und die jüdischen Namen Wertheimer und Israel, Odeffa 3000 Mk. Zur Unterstützung von Schülern ' '' ‘' c 1 ttt Saratow, die in den Schulen des Ansiedelungsrayons keine Aufnahme fanden, wurden 2000 Mk. beigesteuert. die u. a. in die Verhandlungen ab und zu hineinspielten, würden nach lange nicht genügen, um das öffentliche jüdische Jntereffe für die schmutzige Angelegenheit sonderlich zu wecken Allein man weiß es, hier ist kein einfacher Erpresser, der die Macht der Preffe zu gemeinen Ausbeutungszwecken mißbrauchte, verurteilt worden, hier hat eine ganze Partei auf der Anklagebank gesessen und die Verurteilung trifft nicht den armen Teufel, der sich als blindes Werkzeug dieser Partei ausnutzen ließ, sondern das ganze System, die seit Jahrzehnten verfolgte Taktik dieser unseligsten und schmachvollsten aller politischen Bewegungen, den Geschäftsantis e^nitismus. Hinter D a h s e l stand als wahrer Schuldiger und moralisch Verurteilter der frühere Verleger der „Staatsbürgerzeitung" und jetzige Eigentümer des antisemitischen Skandalblättchens, „W a hr h e i t",der Reichstagsabgeordnete Bruhn, der seinen treuen Gehilfen, nachdem er ihn ins Unglück und Verbrechen gestürzt, vollständig im Stiche ließ. Diesem sauberen Herrn Bruhn, dem würdigen Sozius der Herren A h l w a r d, Hirschel, Schack etc. konnte v orläufig aus formell juristischen Gründen der Prozeß noch nicht gemacht werden. Das soll, da mittler weile das Ermittlungsverfahren gegen ihn eingeleitet worden ist, erst später geschehen. Das Zeugnis, das ihm aber im Laufe der Verhand lungen von Staatsanwalt, Verteidiger und vielen Zeugen jetzt schon ausgestellt wurde, genügt, um die ganze empörende und gemeingefährliche, allen Begriffen der Moral hohnsprechende Art, wie sich diese Herren aus der antisemitischen Fakultät „patriotisch" betätigen, für alle Zeiten festzunageln. Inzwischen scheinen aber alle guten Geister Herrn Bruhn zu verlassen. Der deutsche Antisemitenbund veröffentlicht unter dem 12. Oktober folgende Erklärung: „In der freisinnigen und sozialdemokratischen Presse wird der Reichstagabgeordnete W. Bruhn vielfach als Antisemit hingestellt. Wir erklären dazu, daß die Antisemiten Berlins, inbesondere der deutsche Antisemiten-Bund, bereits seit Jahren jegliche Beziehungen zu Bruhu gelöst haben. Der Grund dafür war das eigenartige Verhalten des Herrn Bruhn bei Herausgabe der „Wahrheit". Bruhn hatte ursprüglich versprochen, die „Wahrheit" als ein nationales Blatt erscheinen zu lasten. Dieses Versprechen hat Herr Bruhn nicht gehalten, Ueber die Tendenz des Blattes sind ihm von Antisemiten die ernstesten Vorhaltungen gemacht worden. Insbesondere hat der deutsche Antifemitenbund Herrn Bruhn nicht im Zweifel darüber gelasten, daß der Bund die Tendenz der „Wahrheit" für eine überaus verwerfliche hält. Als Herr Bruhn alle Vorstellungen unbeachtet ließ, hat der deutsche Antisemitenb nd ihn aus seinen Listen gestrichen. Als „Anttsemit" kommt Herr Bruhn längst nicht mehr in Frage." Nun wiffen wir es. Bruhn wurde aus den Listen der Antisemitenbundes gestrichen, weil seine „Wahrheit" nicht national genug ist. Daß Bruhn aber trotzdem nach wie vor alles tat, um die Tendenzen des Antisemitismus zu Ehren zu bringen, wird ihm von seinen Gesinnungsgenoffen' nicht zugute gehalten. Und das ist wiederum bezeichnend. Berlin, 6. Oktober. In der letzten Sitzung des geschäftsführenden Ausschusses des „Hilfsvereins der deutschen Juden" wurde eine große Reihe von Bewilligungen zum Zwecke der Auswandererfürsorge sowie für Schulzwecke vollzogen. Unter anderem wurde ein Zuschuß für die Ausbildung galizischer Knaben bei westösterreichischen Handwerkern, für den Schulverein „Cultura" in Bukarest, für den „Bezalel" sowie für die Handwerkerfchule „Ciocanul" erneuert. Um Lehrerinnenmaterial für die zahlreichen Kindergärten des Hilfsvereins in Palästina zu schaffen, sollen Kindergärtnerinnenkurse in Jerusalem eröffnet werden. Schließlich erfolgte noch eine Reihe von Bewilligungen für notleidende Städte und Institute in Rußland. Unter anderem wurden gemeinsam mit dem Hilfskomitee für dieosteuroväischenJuoeninFra nkfurta.M. für russische Städte, die durch Brandschäden getroffen worden sind, 4500 M. bewilligt, ferner gewährte der „Hilfsverein" der Gesellschaft „Hilfe durch Arbeit" in Wilna 2000 Mk., der Gesellschaft „Trud" in lik. Hamburg,12. Oktober. Das Repräsentantenkolleaium der Deutsch-Israelitischen Gemeinde hielt im Gemeindebureau Kaiser Wilhelmstraße eine Sitzung unter Vorsitz des Herrn Jakob Alexander ab. Nach Verlesung der Eingänge und einigen internen Mitteilungen wurde zunächst Herr H. Fraustädter zum zweiten Schriftführer des Kollegiums gewählt. Der erste Punkt der Tagesordnung betraf einen Antrag des Herrn Paul Lasker, die Mitglieder der Armenkommiffion um drei Pflegerinnen zu vermehren und dementsprechend das Reglement abzuändern. Der Antragsteller wies in seiner Begründung darauf hin, daß in vielen deutschen Städten bereits seit einer Reihe von Jahren weibliche Personen in der Armenpflege tätig sind und sich auch dort sehr gut bewährt haben. Auch in Hamburg sind seit dem Jahre 1908 städtische Armenpflegerinnen tätig und zwar als den männlichen gleichberechtigte Mitglieder, da man eingesehen habe, daß in vielen Fällen die Frau eine bessere Einsicht in die sozialen Verhältnisse gewinnen könne, wie der Mann. Weiter betonte der Referent, daß nach den ihm privatim gewordenen Informationen die Armenkommission der Deutsch-israelitischen Gemeinde in ihrer Mehrheit dem Anträge nicht unsympathisch gegenüber stehe, allerdings mit der Modifikation, daß man die weiblichen Mitglieder zunächst nur als Helferinnen mit beratender Stimme ausnehmen wolle und ihnen geeignete Fälle zur Recherche zu überweifen. Hier in Hamburg habe man bei der städtischen Armenverwaltung ähnlich verfahren und die weiblichen Mitglieder zunächst nur als Helferinnen zugelaffen, um sie dann später nach Bewährung als vollberechtigte Mitglieder der Armen-. Verwaltung aufzunehmen. Da es ihm, Antragsteller, hauptsächlich auf die prinzipielle Bedeutung der Frage ankomme und er erst einmal den weiblichen Gemeindeangehörigen den Weg in die Armenpflege eröffnen wolle, so ändere er hiermit seinen Antrag den ihm gewordenen Informationen iemäß ab. In der Diskussion äußerte Herr Bachrach den Wunsch, daß diese Gelegenheit zur Reorganisation der Armenpflege benutzt und die Gemeindekollegien dem bereits früher von ihm geäußerten Wunsch auf Anstellung eines Armendircktors näher treten mögen. Von einem Mitglied der Armenkommiffion, das gleichzeitig dem Repräsentantenkollegium angehört, der Sitzung aber nicht beiwohnen konnte, lag die Erklärung vor, daß die Armenkommiffion sich in ihrer letzten Sitzung mit der Frage der Zulassung weiblicher Personen zur Armenpflege beschäftigt habe und demnächst diesbezügliche Anträge an den Gemeinde- Vorstand richten werde. Auf Antrag des Herrn Jos. Lippmann wurde daher mit Einwilligung des Antragstellers die Beratung über den Antrag Lasker vertagt, um zunächst die Vorlagen des Gemeindevorstandes abzuwarten. Zum nächsten Punkt der Tagesordnung wurde ein Antrag des Gemeindevorstandes angenommen, bei etwaiger Pensionierung von Lehrkräften der Israelitischen Töchterschule, welche jetzt 20 Jahre oder länger im Amte sind, als Pension 75 Prozent vom jeweiligen Gehalt zu bewilligen. Bei der Beratung über die Abrechnung der Depositenkasse milder Stiftungen sprach Herr Alex. Levy den Wunsch ' aus, daß der Vorstand innerhalb eines gewissen Zeitraums ein Handbuch der bei der Gemeinde deponierten und ihrer Verwaltung unterstehenden milden Stiftungen und Wohltätigkeitslegate herausgeben möge. Bedauerlicherweise sei ja ein diesbezüglicher Antrag des Repräsentantenkollegiums vom Gemeindevorstand abgelehnt worden, doch behalte er, Redner, sich vor, bei passender Gelegenheit den seiner Initiative entspringenden Antrag zu wiederholen. Zum nächsten Punkt der Tagesordnung, Antrag des Gemeindevorstandes betreffs Subventionierung der Gesellschaft zur Errichtung einer jüdischen Bibliothek und Lesehalle, weift Herr vr. H. C. Plaut in längeren Ausführungen

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