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Der Israelit · 1909-10-14 · Heft 41 (14.10.1909) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 41 (14.10.1909)
Date
1909-10-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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14 . Dhwvrr rsos. 14 . Mwvrr IE. Der MraelN ^MWWWEWWWWMMGEMMM!W!WWWWW No. 41. Seite d scheinungen anführte. Bon den Gelehrten, die in unserer Zeit sich ehrliche Mühe geben, die biblichen Erzählungen vorurteilslos zu verstehen, sei in erster Reihe Reusch genannt^), der die Sintflut sogar als natürliche notwendige Folge der damaligen Erdlage schildert. Wiederholt finden wir auch in der Sintflut-Literatur des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts sehr anschaulich demonstriert, wie die Flut durch den Zusammenstoß eines Kometen mit der Erde entstanden sein konnte. Diese Meinung ist aus dem Grunde für uns von großem Interesse, weil sie auch im Talmud bereits warme Vertreter hat°). . Von den modernen Forschern, die die Sintflut zum Gegenstände ihrer Spezialstudien gemacht haben, sollen hier nur zwei Erwähnung finden, Diestel und Delitzsch. Mit einem verschwenderischen Aufwande an Beweisen, als welche selbst die stummen Fische herhalten müssen, sucht Diestel 7) die Unmöglichkeit einer universellen Flut darzutun, wogegen er die Ueberfiutung irgend eines Landstriches nicht nur für wohl möglich, sondern für sehr wahrscheinlich hält. Er bemängelt den geographischen Horizont der' Juden und schreibt u. a , ihnen sei selbst-das Goldland O fir sowie Spanien unbekannt geblieben. Das genügt ihm zur Bewertung biblischen Berichte Das genügt übrigens auch für uns, um die Denkart und die Urteilsweise Diestels ins rechte Licht zu rücken. Die Juden, sagt D. weiter, hätten im biblischen Zeitalter keine blaffe Ahnung von Hochgebirge gehabt, so daß die Angabe, „cs wurden alle Berge mit Wasser bedeckt," mit großer Vorsicht auszunehmen sei. Wie verhält es sich aber mit dem Ararat, der doch eine Höhe von 5000 Meter hat? lieber solche Kleinigkeiten weiß sich unser Forscher leicht hinwegzuhelfen. Er bezeichnet nach bekannten Mustern einfach die Schriftstelle, die vom Ararat spricht, als eine spätere Einschaltung, und der Bergriese ist so aus dem Wege geräumt. . . . Nun geht er ans die Suche nach dem Flutlande. Aegypten könne es nicht sein, weil dort in der regelmäßigen Ueberfiutung des Nils eher ein Segen als eine Gottesftrafe erblickt wird. Ba bei sei es auch nicht, Palästina mit seinem Gebirgslande scheine ihm aber am allerwenigsten dafür geeignet. Einzig Mesopotamien komme als das Land in Betracht, dem die Menschheit die Tradition von der Sintflut zu verdanken habe. 5) Bibel und Natur, Bonn 1876. °) Sinn x'znb n"apn wpow wsd iram na’sö d’sm w bm (Ö*3 N12-Q). 7) Die Sintflut und die Flutsagen. Berlin 1887. Mesopotamien, das nach seiner ganzen Lage und seinen geologischen Verhäftnissen alle Dispositionen und Voraussetzungen für eine große Flut heute noch enthalte. Es ist wenig pietätvoll, von dem berühmten Hamurabi-Anbeter Delitzsch, daß er die große Entdecknug seines Vorgängers ganz ignoriert und in seiner Forschung aus diesem Gebiete ganz andere und eigene Wege einschlägt. Selbstredend bedeutet für den Babel und Bibel- Verfasser die Priorität der Bibel und die Authentizität ihrer Berichte nicht viel, und er kommt auf Grund seiner Tongötzen, auf die er einmal schwört, zu -ganz anderen Resultaten. Delitzsch, der alles Gute und Schöne den Babylonern zuschreibt, spricht denn auch das Vorrecht auf die Sintflut diesen zu. „Die Babyloner, schreibt er in seinem ersten Babel- und Bibelvortrage, teilen ihre Geschichte in zwei große Perioden, vor und nach der Sintflut." In einer Tontafel liest Delitzsch die vollständige Flutgeschichte, und für ihn ist es nun im Gegensatz zu Diestel, ausgemacht Sache, daß der Schauplatz der Flut nur Babel gewesen sein kann. Noah heißt bei ihm Ksisutros, der Berg Ni zur und, entgegen aller Logik, läßt er das Einfache und Natürliche des jüdischen Berichtes aus dem mythologischen Wust der babylonischen Phantasie hervorgegangen sein — nicht umgekehrt. Wie in allem, steht auch hier bei Delitzsch Babel auf einer höheren Kulturstufe als die Bibel. Während sein Ksisutros ein warmes Mitgefühl mit seiwen dem Untergange geweihten Nebenmenschen durchblicken läßt, „bleibt Noah taub und gleichgültig und zeigt eher Schadenfreude denn Teilnahme mit dem untergehenden Geschlechte." Zudem scheint ihm auch das Frauen recht in der Arche nicht genügend gewahrt im Vergleiche zum ritterlichen Zeitalter Hamurabis .... Daran erkennen wir unseren guten alten Delitzsch. Er sucht aus tausendjähriger Versenkung staubige Tafeln aufzustöbern und sie mit größerer oder geringerer Sicherheit zu entziffern. Die Bibel, die heute Gemeingut aller Menschen bildet, bleibt für ihn begraben. Er liest sie nicht, er kann sie nicht entziffern — weiß bekanntlich nicht einmal die zehn Gebote richtig zu eitleren. Wo in aller Welt hat Delitzsch von der Gleichgültigkeit oder Schadenfreude Noahs gelesen? Tritt doch überhaupt vor dem Flutereignis Noh kaum redend oder handelnd auf?) Und hätte Delitzsch, was doch von einem Gelehrten von solchem Rufe immerhin erwartet werden dürfte, einige Kenntnis von der jüdischen Exegetik und der in der Talmud- °) m i^nnn 'p^xn n* 9 Kap.« M. i Siehe auch Nabba zur Stelle. literatur bewahrten jüdischen Traditon, so wüßte er auch, wie diese Noah 120 Jahre lang äls Mahner und Prediger der Tat wirken läßt und so seine Teilnahme und seinen heißen Wunsch, das Unglück von seinen Nebenmenschen abzuwenden, in der schönsten Weise dokumentieren. Und wenn Delitzsch, was sehr wahrscheinlich ist, damit das ganze Judentum treffen will, und die jüdische Religion als Religion der Hartherzigkeit und der Rache dahinstellen, was sagt er wohl zu den späteren Vätern der jüdischen Nation, zu Abraham, der für Sodom und Amora betet, zu Moses, der für die Sünder fleht, zu den tausendjährigen Hoffnungen des Judentums auf eine Zeit, in der die Bosheit verschwinden und sich alle Feinde und Frevler aus der Grundlage der reinen Gotteserkenntnis vereinigen möchten? (Fortsetzung folgt.) ver Kongreß. Historische Streiflichter zu einem aktuellen Thema. Bon Rabbiner Ph. Fischer in Deravanja. Zum eisernen Bestand der Parteidogmatik der ungarischen Neologie gehört auch die Phrase von der grundlegenden Bedeutung deS vom Kultusminister Baron Eötwös einberufenen und am 14. Dezember 1868 eröffneten „gemeinschaftlichen" ung. isr. Kongreffes, worin zufolge neologer, vom damaligen Kultusminister stillschweigend gebilligter Wahlmachenschaften die Neologen in Majorität waren, und von der Legalität der von neologen Majorität trotz des Protestes der Orthodoxen geschaffenen, das gesetzestreue Judentum bekämpfenden Kongreßbeschlüffe. Dies ist das ewige Steckenpferd unserer hierländischen neologen Sancho Pansas. So mag es nicht schaden, einmal vor aller Welt den Schleier zu lüften, die Antecedentien und den Verlauf jenes seligen Kongreffes in ihrer wahren Gestalt zu zeigen, und zwar auf Grund authentischer Dokumente, fiyaty' pTi. Damit diejenigen, die Augen haben und sehen wollen, einsehen lernen, zu welcher Seite hier — nicht etwa bloß Tradition und Gesetzestreue — sondern das einfache, menschliche Gerechtigkeits- und Billigkeitsgesühl sich Hinneigen muß. I. Die Bestrebungen, der ungarischen Judenheit eine Gesamtorganisation zu geben, haben in den Jahren 1820—30 das erste mal in neuerer Zeit eine feste Gestalt angenommen. Im Jahre 1826 hatte der in V e sp r i m wohnende Arjeh LöbRapoch einen Organisations- 1.648.000 Mk bereits amortisiert sind. Ta außerdem noch 107.000 Mk. Zinsen gezahlt wurden, so hat der Hilfsverein das ganz gewaltige Werk mit kaum IV2 Mill. Mk. geschaffen. Man vergleiche diesen Betrag mit den vielen Dutzenden Millionen, die in Argentinien und Palästina verausgabt wurden, um zu lernen, wie es gemacht, resp. wie es n ich t gemacht werden muß. Im Einzelnen ist von der jüdischere landwirtschaftlichen Kolonisation in den Bereinigten Staaten zu berichten, daß die jüdischen Farmer über 1-4 Staaten des Landes zerstreut sind. Es leben im Staate Newyork 590, in New-Jersey 462, in Eonnenticnt 100, in North-Dacota 197, in Massachusetts 118, in Wyoming und Washington je 21 Farmer. Ferner trifft man jüdische Farmer vereinzelt in den Staaten Arkansas, Maryland, Ohio, Pennsylvanien, Südcarolina und Texas. Alle diese Kolonisten besitzen nur wenig Land, etwa 12—15 Hektar im Durchs.hniH und sind auf Jntensivkultur angewiesen, zu welcher der Jude vermöge seiner hohen Intelligenz sieb ganz besonders eignet. So treiben 20 Farmer in der Nähe ron Hartford, Connecticut Tabakbau, aus dem sie pro Hektar 2030 Mk. netto ziehen. -Ferner heben 18 Farmer in der Umgebung von Ellington im vorigen Jahre beim Tabakbau je 10.265 Mk. pro Familie erübrigt. Das gleiche wird .vvn den Farmern in den Staaten Newyork und Pennsylvanien berichtet. Einstweilen krankt noch die jüdische Landwirtschaft in den Vereinigten Staaten an dem Uebel, daß die Farmer zerstreut leben und so von der jüdischen Gesamtheit gleichsam lösgetrennt sind. Mit der weitern Zunahme ^der jüdischen Bevölkerung der Bereinigten Staaten werden aber die Folgen dieses llebels gemildert werden. Der jüdische-Farmer wird dann die gleiche Stellung einnehmen, wie sie einst der jüdische „Nendar" in Polen tttite Ijatte. liefert* gens gibt es auch in den Bereinigten' Staaten zusammenhängende jüdische Ansiedelungen. Außer den alten Kolonien Rosenhayn, Karmel, Allianoe im Staate New-Jersey können die 20 Farmer um Hartford sich an eine große in dieser Stadt bestehende jüdische Gemeinde mit 4000 Seelen anlehnen. Zusammenhängende jüdische Ansiedelungen gibt es ferner in Hunterdvn, Ashtey und Makintosh in North Dacota. Im Staate New-Jersey besitzen die Juden •2.500 Hektar Land und, lole die Zeitungen jüngst zn berichten wußten, hat die I. C. A. im Staate Georgia 12.640 Hektar Land für Kolonisationszwecke erworben. Endlich beginnen die jüdischen Farmer selber ihre Isoliertheit unangenehm zu empfinden unb aus Abhilfe zu sinnen. Seit Mitte vorigen Jahres erscheint in Newyork eine Monatsschrift „Der jüdische Far tucr" im Jargon, die bereits 800 zahlende Abonnenten hat. Der Herausgeber derselben, Herr M. Pincus, reist im Lande umher um in den Zentren des jüdischen Farmerwesens Colloquien abznhalten und mit den Farmern alle gemeinsamen Angelegenheiten zu besprechen.. Mr. Pincas .sucht sie bei dieser Gel genh-.it in landwirtschaftliche Genossenschaften zu organi-sieren, von den bereits 15 begründet sind. In wenigen Jahren werden sich dieselben zu einer großen, alle jüdischen Farmer vereinigenden Nationalliga zusammentun. iDer Schrei nach ehrliche« Leuten in Rußland.> Vor wenigen Wochen schrieb Menschikow in der „Nowoje Wremja", also in dem Hauptorgan der russischen Antisemiten: „Wenn Gott sich Rußlands erbarmen und uns einige ehrliche Leute schenken wollte, wäre es eine ganz einfache Arbeit (nämlich Petersburg zn schützend" Th. Schiemann, dessen letzter Wochenrundschan in der „Kreuz-Ztg." wir dieses bändesprechende Zitat entnehmen, bemerkt hierzu noch: ~ „Seither aber sind immer aufs neue große Organisationen entdeckt worden, die sich die systematische Beraubung des Staates, fast möchte man sagen, zur Lebensaufgabe gestellt haben. Eine Senatorenrevision folgt der anderen, und eben jetzt ist wieder ein Prozeß im Gange, der ungeheure Unterschleife von Ingenieuren im Staatsdienst ansdeckt." Diese Vampyre am russischen Staatskörper sind aber, das verschweigt sowohl die „Now. Wremja" wie die ihr geistesverwandte „Kreuz-Ztg.", keine Juden, sondern die Hauptstützen des antisemitischen „Perbandes der echtrussischen Leute." (AnswanderungschronikJ Nach offiziellen Mitteilungen sind in den Bereinigten Staaten von Nordannrika int Monat Juli d. Js. 66 218 Jlnutigranten. darunter 9357 Inden, 11954 Italiener, 7855 Polen, 5049 Deutsche, 3516 Engländer, 2324 Griechen, 1485 Kroaten, Stationier u. «. anaekommen. In demselben Monat sind 2330 Einwanderer znrückgeschickt worden, und zwar: 1850 weil sie dem Lande zur Last fallen würden, 18l wegen ansteckender Krankheiten, 64 kontraktbrüchige Arbeiter, 35 Verbrecher, 25 unsittliche Frauen, 23 Epileptiker, 19 Idioten, 17 Kinder unter 16 Jahren, die ohne Eltern kamen. ’ In Argentinien sind im Jahre 1908 255 710 Einwanderer (Zwischendeck-Pasiagiere) einetroffen. Außerdem kamen noch 16 223 Personen in der I.- und II. Klasse. In«, vorhergehenden Jahre betrug die Zahl der Einwanderer um 46 607 weniger. Von den Immigranten im Jahre 1908 waren

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