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Der Israelit · 1909-10-14 · Heft 41 (14.10.1909) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 41 (14.10.1909)
Date
1909-10-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4. 14. Oktober 1SVS m11 ».'»yyjiVTt'^ie.wr hinwegsetzte. Die Menschheit hatte mit einem Worte das Recht ihres Bestehens verwirkt. Ditfn n*t nipy '2 'n ohy*). Noah war der einzige, der, nicht wie die anderen, Gottes Gerechtigkeit herausgefordert hatte, sondern sich seiner Liebe würdig zeigte und so rettete er, der allein noch das Menschenideal in sich verkörperte, nicht nur sich, sondern auch denjenigen Teil der Schöpfung, den er zu seinem Fortbestehen unentbehrlich notwendig hatte. Vom Ararat nahm das neue Leben, das der belebten Natur, wie das des Menschengeschlechts und der Tierwelt seinen neuen Anfang. So lebt die Flutgeschichte in unserer Vorstellung, in der wir Gott als strafenden Richter kennen lernen, der den Gebrechen der Zeit furchtbar Halt gebietet, aber auch als milden Vater, der sich des Guten und Gerechten annimmt, sich selbst des unschuldigen Tieres erbarmt und, im Lichte der talmudischen Erklärung betrachtet, auch den Bösen Zeit zur Rückkehr und Besserung bietet.') Betrachtet man aber die Flutliteratur, die die Denker und Forscher in vielen Jahrhunderten auf Grund dieses so verständnisklaren biblischen Berichtes, der sich so vollständig unseren menschlichen Begriffen und unserem natürlichen Empfinden anpaßt, gezeitigt haben, so ergibt sich zunächst die beruhigende Tatsache, daß die Kritiker und Forscher, die mit dem leichten Geschütz der Hypothesen gegen den stolzen ewigen Bau des Judentums ankämpfen zu können glauben, älter sind, als man gemeinhin glaubt, und daß die Hohlheit und Flachheit, mit denen gewisse Gelehrte dieser Fächer heute zu Werke gehen, eine bereits Jahrhunderte alte chronische und daher ziemlich ungefährliche Erscheinung ist. Die Waffen wechselten ab, die Kampfweise ist im Grunde die gleiche geblieben und ist von der alten polythistischen Welt auf die heutigen atheistischen Naturanbeter übergegangen. Was als ganze, von Einem geschaffenen und geleitete ungeteilte Einheit nicht begriffen werden kann, wird in kleine Teile zerlegt, getrennt und an Stelle des alten einen und reinen Glaubens ein auf Hypothesen und Fantasiegebilde basirender Aberglaube gesetzt und als neue Offenbarung ausgegeben. Im Altertume hatte, worauf wir weiter ausführlich zurückkommen, jeder heidnische Volksstamm seine Flutsage, die sich im Einzelnen stets den geologischen Verhältnissen seines Landstriches und den begrenzten Vorstellungen seines engen Horizonts anpaßt: Sagen, die in ihrer Gesamtheit ja nichts anderes sind als mythologisch gefärbte Nachklänge des in der Thora dargestellten h i st o r i s ch e n Ereignisses. Heute aber *) Rabba zur Stelle. sie zum Schein einen hohen Preis aus eine exotische Frucht ausgesetzt, die im Lande nicht aufzntreiben ist, und nur durch Berbindung mit dem Feinde beschast werden kann, und die Bescheerung ist fertig. Können-Sie das alles als unbedenklich von der Hand weisen?" „Exzellenz," entgegnete Leidersdorf, „wir haben uns diesen ernsten Bedenken nicht verschlossen, wir hoben sie wohl erwogen und auf Grund unserer Erwägungen übernehme ich vor Ihnen, meine Herren, die volle Bürgschaft dafür, das; keine von allen diesen Befürchtungen eintreten wird; mit meinem Kopfe stehe ' ich dafür ein, wenn es verlangt wird." (Fortsetzung folgt.) Mlrcbe Sauer« in dev vereinigten Staate««, ßordamerika. Jeder jüdische Zeitungsleser kennt die Existenz rahlreicher jüdischer Kolonien in Rußland, er weiß auch, das; in den letzten 25 Jahren in Palästina wie in Argentinien nranche jüdische landwirtschaftliche Ansiedelung begründet wurde. Dagegen wird es selbst den Kundigen unter uns wenig bekannt sein, das; in den Bereinigten Staaten von Nordamerika von Juden eine ausgedehnte landwirtschaftliche Tätigkeit ausgeübt wird. Und doch hat der unstillbare jüdische Landhunger, hat die Sehnsucht der Juden nach dem stillen und friedlichen Berufe unserer Altvordern auch da eine landwirtschaftliche Kolonisation geschaffen, größer als in Palästina, größer selbst als in Argentinien. Nach einer vom „Jüdischen Hilfsverein für Landwirtschaft und Industrie" in Newyork (Iewish Agricultural and Industrial Aid Society) vorgenommenen Zählung, die jedoch von der Wirklichkeit weit t'"’ ' . ' Ir ' '' ° ' sucht man aus der Geologie den Nachweis zu liefern, für die Unmöglichkeit einer geographisch universellen Flut, als ob Geographie, Geologie, der ganze Apparat der wissenschaftlichen Welt- und Menschenkunde etwas anderes wären, als Abstrakttonen für Dinge, die Gott geschaffen, für Werte, die ihren begrifflichen Inhalt mehr aus der Anschauung der wechselnden Zeiten als aus ihrem eigenen kaum zu durchdringenden Wesen empfangen. Und geradezu lächerlich muß es doch anmuten, wenn die gleichen Gelehrten, die wiederholt auf die untrüglichen Zeichen aufmerksam machen, welche uns belehren, daß die physikalischen wie die geologischen Verhältnisse vor Jahrtausenden ganz andere und grundverschieden von den heutigen waren, doch andererseits unsere Kenntnis von den heutigen physikalischen Bedingungen für die Möglichkeit oder Unmöglichkeit einer Jahrtausende zurückliegenden Naturerscheinung ins Feld führen. Wir verstehen denn auch, warum unsere weisen Lehrer so großes Gewicht darauf legen, diesem geologischer Hinsicht heute veränderte Erdenlage, den Unterschied zwischen Einst und Jetzt möglist zu betonen und somit der Bibelkritik aller Art und aller Zeit in diesem Punkt den Boden zu entziehen. Nach Rabbi Jizchok') war vor der Sintflut der Boden so beschaffen, daß der Bauer nur einmal in vierzig Jahren das Feld zu bebauen hatte. Es war ein ewiger Frühling. Die Zeiten blieben sich immer gleich, rmyn ny nD£> 1122 ns' -"in on? vn und es herrschte auch auf der ganzen Erde die gleiche Temperatur. Auch die Zerklüftung des Kontinents war in der vorsintflutlichen Zeit nicht vorhanden, isiv nyi oViyn *)1Dö doSiö vn Die im Satze 22. Kap. 8 M. 1 bezeichneten Jahreszeiten werden im Talmud ausdrücklich als neue nachsintflutliche Zeitordnung aufgefaßt, jnt jfcoo :-v2pi pis ipNn 'w *?2 nip '121 Ticpi. Rabbi Jizchok hatte damit keineswegs seine eigene private Meinung zum Ausdruck gebracht, sondern es war die allgemeine Auffassung, ja die allgemeine Neberzeugung. Wenn Raobi Samuel durch den Witterungswechsel an Kopfschmerzen litt, so klagte er scherzend. Visen *on p Tayno'en. „Siehe, das hat uns die Sintflut angetan!" Unsere Weisen sprechen sogar die Vermutung aus, daß die ungewöhnlich Öen klimatischen Verhältnisse, die die en im vorsintflutlichen Zeitalter verwöhnten und verweichlichten, in erster Reihe schuld an ihrer Entartung waren.') 3) Stehe Rabba zur Stelle. «) Siehe Rascht zu Satz 13, Kap. 6, M. 1. Auch llal ba daselbst. übertrofsen wird, gab es im vorigen Jahre in 13 Staaten des Sternenbanners 216-1 jüdische Farmersamilien mit 12 000 Seelen, gegen 7300 Seelen in Palästina und 2118 Familien und 11 492 Seelen in Argentinien. Demnach nehmen die Bereinigten Staaten, wenigstens der Zahl ihrer jüdischen Bauern nach, unter allen jüdischen Kolonisationsländern den ersten Platz ein. Es ist das umso auffallender, als die jüdische Kolonisation in diesen! Gebiete die jüdische Wohltätigtkeit, ja kaum die jüdische Oeffentlichkcit irgendwie in Anspruch genommen hat. In der Wirklichkeit freilich verhielt sich die Sache ein wenig anders. In den 80er Jahren des vorigen Jahr- Jersey haben sogar flammende Proteste veröffentlicht und Deputationen nach Europa entsendet. Dann ober wurde auf. einmal alles still, Woodbi n e hat sich zu einem einzig in der Welt dastehenden jüdischen Gemeinwesen ausgewachsen und die Zahl der jüdischen Bauern in den Bereinigten Staaten ist so rapid in die Höhe gegangen, daß sie gegenwärtig zusammen 77 000 Hektar Land im Werte von 18 967 000 Mark besitzen. Tie fast geräuschlose Ansammlung so vieler jüdischer Farmer in einem Lande ist eine seltene Erscheinung, ja ein erfreuliches Novum im sozialen Leben des Judentums, wo bisher alles unter der Devise „viel Geschrei und wenig Wolle" vor sich ging. Es verlohnt sich daher, auf die Entstehungsgeschichte der jüdischen landwirtschaftlichen Kolonisation in den Bereinigten Staaten mit einigen Worten einzugehcn. Vielleicht lernen wir aus ihr, wie es auch anderswo gemacht werden könnte . . . Die ersten jüdischen landwirtschaftlichen Ansiedelungen in diesem Lande sind unter den gleichen Ver¬ Mit dieser Annahme einer früher anderen Beschaffenheit der Erde, die durch Funde und Ausgrabungen der Neuzeit bestätigt sind, wären alle Fragen und Zweifel der heutigen geologischen Wissenschaft von vornherein beantwortet und widerlegt. Und hielten wir heute noch an dieser Annahme fest, so würde sich die Apologetik manchen überflüssigen Kampf ersparen. Die Antwort auf die Kritik des Sintflut-Berichtes würde dann einfach lauten: „Schließt nicht nach Begriffen und Erscheinungen, die Ihr heute kennt, auf die Art der von Gott vor Jahrtausenden unter ganz anderen geologischen und physikalischen Verhältnissen vollzogenen Umwälzung, durch welche erst die Erscheinungen an den Tag getreten sind, auf welche ihr euch heute stützt,' alles was scheinbar heute gegen die Möglichkeit der Weltenflut spricht, ist nur ein Beweis dafür, wie begrenzt unser Naturerkennen überhaupt ist und besonders unsere Wissenschaft von den physikalischen Gesetzen, die die Erde vor Jahrtausenden beherrschten." Wie bereits bemerkt, hat die Sintflutliteratur schon ein respektables Alter. Schon in den ersten Jahrhunderten«, d. übl. Ztr. befaßten sich die Kirchenväter, besonders aber Theodoret undt Augustin im vierten und fünften Jahrhunder sehr eingehend mit diesem Thema. Und was diese darüber zu sagen wußten und Jahrhunderte hindurch der christlichen Kirche als maßgebend galt, läuft kaum wesentlich der jüdischen Tradition zuwider. Damals suchte man noch die Bibel zu verstehen. Man war noch ehrlich und bescheiden genug, das Unerklärliche und Unbegreifliche in den göttlichen Berichten unseren mangelhaften Begriffen zuzuschreiben und nicht dem Schriftworte, das noch allen heilig und göttlich galt. Erst im Anfang des siebzehnten Jahrhunderts, nachdem die Reformation die Bibel, natürlich ohne den von der mündlichen Lehre gelieferten Kommentar, dem Volke näher gebracht hatte und man nach weiteren Mitteln zu ihrer Popularisierung und Verbreitung suchte, fing man an, ihren schwierigen Stellen ein kritisches Interesse zuzuwenden, und da stieß man zu allernächst auf den Bericht der Sintflut. In den widerstreitenden Meinungen und Ansichten, die sich damals geltend machten, ist indessen kaum etwas zu finden, was besonders das jüdische Interesse beanspruchen könnte. Es fehlte natürlich auch allezeit nicht an Naturforschern, die mit ihrem ganzen Wissen und Können sich für die Ehre der Bibel einsetzten und den bibelfeindlichen Kritikern scharf entgegentraten. So der Schweizer Jakob Scheuchzer, der in einer 1700 erschienenen Broschüre auf all die redenden Beweise der Flut hinwies, als welche er ganz besonders die Muscheln auf dem Alpengebirge, die Abdrücke vvn Pflanzen und Tieren auf Steinen und noch viele andere Erhältnissen wie in Palästina und Argentinien entstanden: Man zog die Kolonisten an den Haaren herbei, versah sie überreichlich mit dem toten und lebenden Inventar und setzte über sie die üblichen Verwalter ein. Die unvermeidlichen Ergebnisse solcher Bevormundung haben jedoch die praktischen Amerikaner sofort zu einem vollständigen Fronttvechsel veranlaßt. Die Unterstützungen wurden eingestellt und fortan nur solche Farmer gefördert, welche freiwillig kamen und größtenteils sich mit eigenen Mitteln als Landwirte niederlassen wollten. Solche Leute besaßen wenigstens den guten Willen, meistens aber auch die nötigen Eigenschaften zur Landwirtschaft, und der zu ihrer Förderung 1900 in Newyork entstandene Hilssverein konnte sich wesentlich auf Erteilung von Ratschlägen und eine nur allgemeine Kontrolle beschränken. Den zukünftigen Farmern wurde käufliches Land gezeigt, evtl, solches vom Verein selbst verkauft und erforderlichen Falls unter genau stipulierten Bedingungen für Amortisation und Verzinsung ein kleines Darlehen von durchschnittlich 2400 Mk. gewährt. Wurden die Zahlungsbedingungen nickt innegehalten, so galt es als Beweis der Nntüchtigkeit, und der betreffende Farmer wurde mitleidslos exmittiert. Im klebrigen wurde er als erwachsener Mensch sich selber überlassen. Der jüdische Bauer mußte nun daß er auf niemand anders als auf sich selber und die eigene Kraft zu rechnen habe und richtete danach sein ganzes Verhalten ein. Daß dieses etwas rücksichtslose Verfahren nicht überall nachgeahmt werden kann und darf, ist selbstverständlich. So konnte mit fast lächerlich geringen Mitteln ein riesiges Werk geschaffen werden. Von den 2164 als Farmer lebenden Juden haben 1026 überhaupt keinerlei fremde Hilfe in Anspruch genommen, die übrigen 1138 haben im Verlaufe von 9 Jahren 2 697.873 Mk. als Darlehen erhalten, von denen

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