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Der Israelit · 1909-10-14 · Heft 41 (14.10.1909) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 41 (14.10.1909)
Date
1909-10-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sette ». Nr. 41. II. „Lernen!“ (Zum 25. Tischri 6670.) Alljährlich, wenn wir die „furchtbaren" und die „guten" Tage hinter uns haben, wenn wir die weißen und die schwanen Festeskleider abgelegt und den Festesstrauß beiseite gestellt haben, wenn auch die Ncttur sich anschickt, sich ihres grünen Prachtgewandes zu entledigen, wenn die ftuchten Morgennebel aufsteigen, und die Schwalben heimwärts ziehen, dann kehrt düstere Winterstimmung ein in des Menschen Herz. Und je nach Charakter, Geist, Bildung, Stellung, Vermögen entwickelt er sein Programm, um die langen Abende möglichst angenehm zu verbringen. Uns Jüden bietet die Winterzeit die beste Gelegenheit, das größte, das hervorragendste aller Gebote, das Thorastudium, von dem alle anderen Vorschriften ausgehen und in das sie alle zurückführen, Ursprung und Mündung zugleich, zu pflegen, wie es uns unser Gott geheißen. Entwickeln wir unser Programm für die kommenden Monate, so brauchen wir sie nur hervorzunehmen, die dicken Folianten, und auszurechnen, wieviel wir täglich zu lernen haben, um auf nDS zumindest einen o”D machen zu können, oi7ttr, Friede, Zufriedenheit, wird dann in unser Heim einkehren, nach dem Worte: diW JTn’QTü ojm 'mn n^n. In diesen Tagen aber, da Israel aus der Schule des Tischri, der Mizwoh kommend, eintritt in die Schule des langen Winters, in die Schule der Thora, da es in der herrlichsten Weise des Psalmisten Wort erfüllt: Vn» mV’’ Vn geziemt es sich, derer zu gedenken, welche die Thora in Israel verbreiteten, welche das Lämpchen, glomm es auch zuweilen ganz bescheiden, drohte es auch auszugehen, immer neu entfachten, ihm immer wieder neue Speise zuführten, um es vor dem gänzlichen Erlöschen zu bewahren und so dafür sorgten, daß das Feuer immer auf dem Altäre brenne und nicht erlösche. Wer je das Leben auf einer ungarischen oder russischen Jeschiwoh kennen gelernt, wer weiß, wie sich jetzt die weiten Räume öffnen, um die große Zahl der Wißbegierigen zu fassen, die abends, nach Erledigung ihrer beruflichen Pflichten zusammenströmen, um bis gegen Morgen zu „lernen", die Luft mit den Lauten unserer heil. Muttersprache und mit der geweihten Sprache der Mischnah und Gemoroh erfüllend, wer weiß, wie manch edles, jüdisches Weib Nächte durchwacht, um seinem, bei den Folianten wachenden Mann von Zeit zu Zeit einen Erftischungstrunk zu bereiten, wer weiß, wie gerne manch fromme Mutter dm Rest ihres Lebens dafür hergeben 9H fttentm würde, wenn ihr Sohn, sei er selbst ein “HE) p'HS, auch ein QDn TöVn werde, wer weiß, wie man anderswo die Thora, den osnTöVn schätzt, wie man ihn nicht nur durch das bloße Aufstehen vor ihm ehrt, nein, wie man ihn ehrt und ihn nicht vergißt auch nachdem man sich wieder niedergelassen hat, wer dies alles kennt oder sich auch nur hat berichten lassen, welch' herrliche dauernde Gottes-Offenbarung in der bloßen Existenz der großen Männer Israels liegt, die ihr Volk so zu erziehen verstehen - zu nixv und min, der wird, auch begreifen, welche Gefühle am 25. Tischri das Herz eines echten Jehudi bewegen .und gerade Heuer, da es 70 Jahre sind, seitdem einer der Größten aller Zeiten, eine Säule des Hauses Jakob, ein wahrer Fürst der Thorah, zu seinen Vätern, deren er würdig und die seiner würdig waren, versammelt wurde:RabbiMoses Schreiber V'pix?, der mit seinem „Siegel" der ganzen heutigen Diaspora seinen Stempel aufdrückte. Ueber seine Größe und seine gewaltige überragende Bedeutung hat bei Freund und Feind niemals ein Zweifel geherrscht und noch nie waren bloße Worte imstande, den pW gebührend zu würdigen. Die Tatsache, daß die in Ungarn G. s. D noch heute herrschende, begeisterte min nun« zum größten Teile ihm zu verdanken ist, die Tatsache, daß in ganz Israel in allen Fragen auf halachischem Gebiete wo?n 'WD, läßt uns die Größe dieses Mannes ahnen. Darum wollen wir ihn ehren, indem wir die Thorah, deren Banner er in stürmevollen Zeiten hochgehalten, die Thorah, die er in Israel unter tausende von Schülern verbreitet, als sein Testament eröffnen und erfüllen, indem wir sie lernen und verstehen, indem wir sie hüten und unseren Kindern vererben. Scharen wir uns iniDD an den bevorstehenden langen Abenden beim trauten Lampenschein um unsere Thorah, und Gott wird uns inista irni3?3i um sich scharen n"*,22. k. KochmrmnWa«. Der IQdifdie DJahlhafafier in Ser Buhoroina. Im jüdisch-politischen Leben Oesterreichs steht jetzt der jüdische Kataster in der Bukowina im Vordergründe des Interesses. Die Juden, die in Bukowina 13 pCt. der Gesamtbevölkerung bilden, haben bis jetzt mit den Deutschen gewählt. Nunmehr sollen sie, gleich den übrigen Nationalitäten, die nach ihrer Bevölkerungsziffer festgesetzte Zahl von Mandaten in einer eigenen Wahlkurie erhalten und auch im Landesausschusse durch einen jüdischen Abgeordneten vertreten sein. Daß diese Neuerung sich nicht des Beifalls aller jüdischen Kreise in der Bukowina erfreut, haben wir bereits mitgeteilt. Vor allem sind es die sogenannten Hausjuden, mit Hofrat Kur an da an der Spitze, die zu lange von politischer und religiöser Assimilation geträumt haben, um sich mit der beabsichtigten politischen „Absonderung" der Juden abzusinden. Bei dem Einflüsse, den die „Intellektuellen" heute in Galizien noch genießen, ist es nicht unmöglich, daß es ihnen auch gelingt, in ihrer nach bekannten Mustern gegen die Väter dieses Planes, die zionistischen „Landesverräter", geführten Kampagne, bei den Behörden ein williges Ohr zu finden. Und die in heutiger Nummer wiedergegebene Aeußerung des Ministers Baron H a r d t l bestätigt leider diese Befürchtung. Es bedarf kaum der Erwähnung, daß sich die Hilfe und Unterstützung aller Kreise, die das politische Denken noch nicht verlernt haben und besonders auch der Gesetzestreuen, denen an einer guten Vertretung der jüdisch-religiösen Interessen im Landtage ungemein viel gelegen ist, in diesem Falle auf Seite der Nationalen befinden, wenigstens solange es sich um die prinzipielle Frage des jüdischen Katasters handelt. Der selbständige jüdische Kataster ist nämlich keineswegs eine leere Demonstration zugunsten zionistischer Ideale, sondern es wohnt ihm inmitten derNationalitätenkämpfe der österreichischen Völker eine nicht zu unterschätzende praktische Bedeutung zugunsten der politischen Neutralität der jüdischen Massen inne. Wie die Verhältnisse in den österreichischen Landen heute liegen, darf der Jude sich um keinen Preis aus seiner neutralen Stellung herausdrängen lassen, die ihm allein im Widerstreite der nationalen Interessen noch einigen Schutz zu. gewähren vermag. Neutral aber kann der Jude nur dann bleiben, wenn er seine politische Selbständigkeit wahren kann. Wird ihm eine politische Interessengemeinschaft nach irgend einer Seite aufgezwungen, so ergeht es ihm, wie es ihm bis dato in der Bukowina ergangen ist. 'Dort wählte er als Angehöriger der deutschen Wahlkurie wohl oder übel einen Deutschen, zumeist einen Antisemiten reinsten Wassers und zog sich ob dieser Unterstützung des Deutschtums den bittersten Haß der Slaven zu. Kann somit über die Notwendigkeit eines eines Feuilleton vreivu«aen Dukaten für einen erlog. Bon Judäus. (Fortsetzung.) II. Graf Christian von Bernstorff war der Lohn des Grafen Peter von Bernstorff, der bis zu seinem irn Jahre 1797 erfolgten Tode Minister des Auswärtigen in Dänemark war. Im Jahre 180V trat der Sohn an die Stelle seines Baters und verwaltete dieses verantwortungsscovere Ami mit großer Weisheit und seltener Hingebung. In der kritischen gegenwärtigen Lage des dänischen Reiches entfaltete Graf Bernstorff eine fieberhafte, aufreibende Tätigkeit, die ihn Tag und Nacht nicht zur Ruhe kommen ließ. Er war die Seele des heldenmütigen Widerstands, den das kleine Dänemark seinem überlegenen englischen Angreifer entgegensetzte, weshalb er in alle Refforts eingriff, auch in solche, die seinem Amt nicht unmittelbar unterstellt waren. In diesem Augenblick hatte er eine ernste Besprechung mit dem Befehlshaber von Kopenhagen. Dieser teilte dem Minister mit, daß er soeben aus dem Finanzministerium komme, um wenigstens 100 000 Kronen für die nötigsten täglichen Bedürfnisse der Verteidigung zu erlangen, da Lieferanten sowie Handwerker und Arbeiter, die an der Befestigung Kopenhagens arbeiteten, noch heute bezahlt werden inüfsen. Der Finanzminister habe ihm erklärt, alle Kassen seien leer und 3—4 Tage seien zum mindesten erforderlich, um Geld zu beschaffen. Wer ohne Geld könne man keinen Krieg führen. Eine Summe von 100 000 Kronen genüge, bis der Finanzminister in der Lage sei zu helfen, die Frage, wo man sofort 100 000 Kronen auftreibe, sei es, die. ihn zu Sr. Exzellenz dem Minister führe. „Ich könnte Ihnen, Herr General, schon eine Anweisung auf 100 000 Kronen an die Bank geben", oemerkte mit sinnendem Ernst der Minister, „aber die Banken sind durch die geschäftliche Panik in den jüngsten Tagen geradezu gestürmt worden, so daß ihnen alle Barmittel ausgegangen sind. Der Finanzminister läßt neue Banknoten Herstellen, die in wenigen Tagen ausgegeben werden, bis dahin wüßte ich nicht, wie das Geld zu beschaffen ist." Während der Minister und der General berieten, wurde der Vorsteher der Israelitischen Gemeinde angemeldet. „Sage dein Herrn," bemerkte der Minister feinem Diener, „daß ich jetzt nicht zu sprechen bin. Du weißt doch, daß ich hier eine Konferenz habe, warum schickst Du mir denn die Leute auf den Hals?" „Verzeihen Excellenz", bemerkte der Gener.il, „die Juden sind anerkannte Finanzgenies, und Herr Leidersdorf, der Präsident der Gemeinde, ist mir persönlich als solches bekannt. Vielleicht kommt der Mann zur rechten Zeit, um uns einen guten Rat zu geben." „Laß den Herrn eintreten", befahl der Minister denk Diener. Als dieser die Tür geschlossen hatte, sagte der Minister zu dem General. „Der Kerl hat von dem Juden ein gutes Trinkgeld bekommen, sonst hätte er ihn nicht jetzt gemeldet; ich freue mich wenigstens, daß er es jetzt redlich verdient." Der Minister empfing Herrn. Leidersdorf in sehr liebenswürdiger Weise. „Sie haben mir, Herr Präsident", begann er, „gewiß, ein Anliegen vorzuträgen, aber ich habe auch Ihnen eines zu unterbreiten. Wenn Sie mir das meinige erfüllen, so verspreche ich Ihnen auch das Ihrige zu gewähren. Der Herr Generäl teilt mir soeben mit, daß Sie ein hervorragender Fjnanzmann sind. Wissen Sie vielleicht, wie wir noch heute 100 000 Kronen auftreiben können?" „100 000 Kronen?" erwiderte der Gefragte nach einigen Augenblicken, „das wüßte ich nicht. Aber wenn es 120 000 Kronen sein dürften, so wäre ich vielleicht in der Lage, Ew. Exzellenz dienen zu können, wenn mir gestattet wird, meine Bitte vorher vorzutragen." „Man sagt den Israeliten nach) daß sie vorsichtige Geschäftsleute sind und das Verlangen, Ihre Bitte zuerst an den Mann zu bringen, bestätigt das. Also, womit kann ich dienen?" Dabei durchbohrte der scharfe Blick des Ministers den eigentümlichen Finanzmann, der keine 100 000, wohl aber 120000 Kronen heute zu beschaffen in der Lage war. Herr Leidersdors ließ sich aber dadurch nicht außer Fassung bringen, sondern bemerkte in ruhiger, verbindlicher Form: „Wenn Ew. Exzellenz mich für einen vorsichtigen Kaufmann zu erklären geruhen, so danke ich für diese Anerkennung, denn Vorsicht ist kein Unrecht sondern eine Tugend, in der mir Ew. Exzellenz mit gutem Beispiel vorangegangen sind, als Hochdersekbe wünschte^ erst das eigene Anliegen vorzuträgen, bevor ich das meinige unterbreite. Wenn Ew. Exzellenz aus Rücksichten der Vorsicht so handelte, so mögen gewiß Gründe dazu vorliegen, die mir unbekannt sind. Mer meine Bitte brauche ich nur vorzuträgen um Ew.' Exzellenz zu überzeugen, daß hier von keiner Vorsicht meinerseits die Rede sei»' fttiw. Ich

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